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Central-Verein-Zeitung · 1932-09-30 · 40 (30.9.1932) · p. Seite 401

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
40 (30.9.1932)
Date
1932-09-30
Page
Seite 401 (sequence 1)
Language
German
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-310.1332 SerNn» 30. September 1032 X!. Jahrgang ♦ Nr. 40 ' Einzelnummer 20 Pfennig < J / »ZsKÄkWk'W'S). \ Allgemeine Zeifung des Judentums Verlag unü Schriftlsiw-ng: Berlin W 12, Emser Str. 4L. Fernfprrcher: J2 Olioa 5074. PoftschsÄonLa: Berlin 304 72. SanGonto: Dresdner San!, Dexosiienkaffe H 2, . . . Berlin-Wilmersdorf I, Hohenzoll^cndamm 1L6. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen'Cxpedllron Rudolf Moffe, Berlin LTV ICQ, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,59 &Jt für die IgLsprltrne Zeile nach Rudolf sses Rorrnalzeilenmeffer Nr. 4, FamilienanZLigsn und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für ^ütglieder des Lentralrereins 0,43 JML, die 62 mn breite ReriamezeUe 3,53 wZJL. V^vvvv; v v 1 <t Vv^» krs.^« ^WKtÄWM Reichspräsident von Hmdenöurg erreicht am 2. Oktober das gesegnete Alter von 85 Lebensjahren. Mit Feldherrntüchtigkeit und meisterlicher Ueberlegenheit hat er seinerzeit den deutschen Osten vom Kriegsfeinde befreit. Lange Zeit hat er die oberste Kommandogewalt des deutschen Heeres in Händen gehabt. Als die Hoffnung auf Sieg zuschanden war, hat er trotzdem auf seinem Posten ausgeharrt und das Heer in die Heimat zurückgeführt. Er wurde Reichspräsident, und er nahm die Würde und Bürde nach siebenjähriger Amtszeit wieder auf sich, obwohl seine früheren Freunde gegen ihn standen. Er scheute nicht Verkennung und Verketzerung, die dem llmjubelten von einst selbst von sogenannter nationaler Seite nicht erspart blieben und bleiben. Die deutschen Juden, politisch keinerlei Einheit, werden und können sich zu manchen Ansichten oder Zielsetzungen des Reichspräsidenten nicht einheitlich verhalten. Sie ehren und verehren aber Paul von Hindenburg als den verfassungstreuen Reichspräsidenten. Wie der Generalfeldmarschall allen seinen Soldaten bis zur bitteren Heimkehr die Treue hielt, so hält der Reichspräsident, dessen sind wir -überzeugt, jedem Deutschen, gleich welchen Standes und gleich welcher Religion, der guten Willens ist und das Vaterland liebt, bis zum glücklichen Wiederaufstieg die Treue. Möge Reichspräsident von Hindenburg noch während seiner Präsidentschaft die Jahre erleben, die uns nach so entsetzlichen Zeiten der Not und des Hungers ein Deutschland in Glück und Segen bringen! A. W. Nach Nedattionsschlnsi wird «ns gemeldet: VÜ'* Vi> * f/v'.“«/ */ V v W Die schweren antisemitischen Ausschreitungen in Neidenburg in der Nacht nach der Reichs- Lagsmahl (vgl. Nr. 32 der „C. D.-Zeitung" vom 5. August d. I.), bei denen der Kaufmann Kurt Bach so schwer mißhandelt wurde, daß er längere Zeit im Krankenhaus zubringeu mußte, fanden nunmehr die gerichtliche Sühne: Die angeklagten Nationalsozialisten Proska, V ö h m, B u s ch, P f a h l. wurden zu Gefängnisstrafen von drei bis sechs Monaten verurteilt. Dem Nebenkläger Bach wurde eine Buße zugesprochen und außerdem das Recht zuerkannt, das Urteil zu veröffentlichen. J %' r^J v'y'AvvyV'JV'i} 3 LOL 4y> öiM MA *a-t. ‘4 0 # 4r * V W 4 % 4- 4 *'V Am Sonntag, 25. September d. I., fand in Berlin eine gutöesuchte.Sitzung des Ar» beitsausschusses des Centraloereins statt, die unter Leitung des Dorsitzenden des Vereins, Jusiizrat Dr. B r o d n i tz, stand. Zu ihrem Beginn erstattete Professor Georg Bernhard einen umfassenden Bericht über die politische und wirtschaftliche Lage Deutschlands. Aus diesem Bericht zog er sodann eine Reihe von Folgerungen, die sich für die Arbeit des Centralvereins ergeben. Bernhard erkennt an, daß gewisse Anzeichen für eine Besserung der wirtschaftlichen Lage sprechen. Er sieht auch in gewissen politischen Vorgängen Symptome, die zuversichtlicher machen können. Aber er warnt dringend, im Kampf um unser Recht auch nur einen Deut nachzugeben. Mehr denn je bestehe die Notwendigkeit, Aufklärung in die Massen und in die führenden Schichten des deutschen Volkes hineinzutragen. Mehr denn je sei es notwendig, sich offen und mutig zum Judentum zu bekennen und, wo es angebracht sei, das Judentum eindeutig herauszustellen. Ter stellvertretende Syndikus des Centralvereins, Dr. Hans R e i ch m a n n, zeichnete * sodann die bestehenden Strömungen im Nationalsozialismus. Er trug eine Anzahl von Fragen vor, für die wir als Juden eine Antwort zu sinden haben. Er beleuchtete die Stellung der Juden zu den politischen Parteien und die Stellung der politischen Parteien zu den Juden, insbesondere im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlkämpfe. Der Syndikus des Centralvereins, Dr. Alfred Wiener, gab einen kurzen Ueberblick über die Arbeit der Zentrale und der Landesverbände in den letzten Monaten. Das Handbuch für Redner und Journalisten, der „Anti-Anti", in dem alle antisemitischen Vorwürfe beleuchtet und widerlegt sind, sei in den letzten Monaten in der sechsten Auflage erschienen; von ihr seien 6000 Exemplare abgesetzt. Im ganzen seien annähernd 28 000 Exemplare des Handbuchs verbreitet. Die siebente Auslage würde in Kürze und rechtzeitig vor dem 6. November erscheinen. Die Broschüre „Wir deutschen Juden" sei in einer Aussage von 80 000 Exemplaren gedruckt; bereits der größte Teil davon sei ausschließlich in christlichen Kreisen verbreitet. Die Monatsausgabe der „C. D.- Zeitung" gehe jeden Monat in etwa 55 000 christliche Hauser, doch seien darüber hinaus einzelne Sondernummern — so zum Beispiel dis.letzte von Rabbiner Tr. Goldmann in Leipzig verfaßte Nummer über den Talmud — in Taufenden von Exemplaren an christliche Leser verschickt worden. Die zahlreichen Zuschriften aus christlichen Kreisen, auch Rundfragen der einzelnen Landesverbände, wie des Berliner, des Stettiner, des Frankfurter und anderer, beweisen, wie aufmerksam die christlichen Empfänger der Monatsausgabe diese studieren. Fast alle, die angefragt werden, bitten, sie weitet mit der Monatsausgabe zu beliefern.. Es entstehe jetzt die Frage, ob die Monatsausgabe als selbständiges Organ, vielleicht mit anderem Titel und in einem anderen Format, hsrgestellt werden solle. Selbstverständlich würde aber auch bei einer solchen Umgestaltung der Charakter der Monatsausgabe nie verschleiert werden. Tr. Wiener berichtete weiter von der Arbeit der Pressestelle des Vereins, die heute mehrmals im Monat 600 Zeitungen mit Material beliefere; interessierende Nachrichten, Buchbesprechungen und ähnliches würden in zahlreicken Zeitungen der Städte, aber auch erfreulicherweise des flachen Landes abgedruckt. Für die Ausgestaltung der Pressestelle und deren Erweiterung liegen bereits neue Pläne vor. In einer umfassenden und bis in die späten Abendstunden dauernden Aussprache wurden alle die Fragen bchandelt, die das Wohl und Wehe des deutschen Judentums berühren. Die Landosverbandsvorstronden und Vertreter fast aller Landesteile kamen zu Worte. Sie konnten erfreulicherweise fast üborcmstimmend festnellen, daß nach ihren Beobachtungen die NSDAP, ihren Höhepunkt überschritten zu haben scheine. Terror und Boykott haben; von Einzelfällen abgesehen, offenbar etwas nachgelassen, so daß die Hoffnung besteht, daß intensivste, nun er st recht nie ermüdende Arbeit weitere günstige Erfolge erreichen kann. Lei alledem war man sich darüber klar, daß ein Nachlassen des Nadauantisemitismus uns niemals über die wirklichen Lauernden Gefahren. die der Emanzipation der Juden drohen, hinwegtäuschen dürfe, und es wurde als eine wichtige Aufgabe des C. V. anerkannt, dieser dauernden Gefahr entgegenzuwirken und in den eigenen Milgliederkrciscu Verständnis für diese großen. Las Tagesgeschehen überstrahlenden

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