Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 39 (23.9.1932)
- Date
- 1932-09-23
- Page
- Seite 395 (sequence 3)
- Language
- German
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395 Dss BlZZlaKÄ üdrr Nsüo^sffsAislßsmus „UnfchTvL?Ze§ifch^ Der schweizerische Brrnoespräsise^L gegerr -crr AntiseAritisürus Bei der Wald stättefeier in Luzern anläßlich der 669jährigen Zugehörigkeit Luzerns zur schweizerischen Eidgenopenichast h-ieör letzten Sonntag der Bundespräsiöestt Mott 2 eine hochoedeutsame Rede, in der er u. a. auch auf den Antisemitismus zu sprechen kam und den sreiheitswidrigen, antidemokratischen Geist neuer politischer Strömungen schart verurteilte. Er brandmarkte namentlich den Rasimfanatismus, der sich auch gegen di? Ju>?n wende, als unschwei^zerisch. . . . Tie'e RelE wurde durch die schweizer Sender übertragen und machte ungewöhnlich starken Eindruck, weil sie von der höchsten Vertretung des Landes in so feierlichem Augenblick in Gegenwart der anderen ' Bundesräte. der höchsten Behörden und Vertreter aller Volks teile gesprochen wurde. F. ZI. „ein unamerikamschsr Auswuchs .. Zum -34. Male. gibt in diestm Jahr LaZ AmsrleLn .Is^isst Gommittss Mero Zar!) das „American Jewish Year Book“ heraus. Wir entnehmen diesem Jahrbuch folgende Ausführungen über die nationalsrziaListische Bewegung in den Vereinigten Staaten: . „Während des Berichtjahres nahm die Presse oft zur Organisation der Nation alsrzialisten in Amerika Stellung. Tie Zeitungen standen der Dewegrmg im allgemeinen wohlwollend gegenüber; allerdings gab es auch Aus- Unö solche Leute 'wollen Deutschland regieren Der „Angriffs erfindet NitualurorDgerüchte Wir brauchen unseren Lesern nicht zu sagen, wer der „Stürme r" mit seinen Redakteuren Streicher und Holz ist. T-atz ein derartiges Blatt, entsprechend dm gVchäMchen Gepflogenheiten und dem allgemeinen Niveau seines Herausgebers, sich auf Verbrechen irgendeines Juden gierig stürzt, nimmt nie: wunder. Als Leckerbissen für ein derartiges Organ, in dem alle blutrünstigen, sadisti'cherr und perversen Tinge breit und lüstern au-gnaalzt werden, mußre der Totschlag erscheinen, den ein jüdischer Fleischer in Paderborn beeanaen hat. Ter Tater hat seine Bestrafung gefunden. SeÄsitverständlich werden „Stürmer" und Blätter vom gleichen Schlage nunmehr mit Stoff über den „Ritualmord" von Vaderborn für Jabre versehen sein. Wir sind nur einen Augenblick stutzig geworden, a:§ wir auch im „Angriff", dein politischem Organ des Herrn Tr. Joseph Goebbels, einen Sonderbericht über diesen Paderbrrner Fall fanden. In ihm wird zweimal dem Verdacht Ausdruck gegeben, daß das Vcrbmmen als „Ritualmord" zu erklären sei. Wir hatten zwar immer angenommen. daß Herr Tr. Goebbels skrupellos und brutal" zu hetzen verstehe, aber dabei irnnwrbin auf die Erhaltung Der eigenen Gloriole bedacht sei. Wir haben uns getäuscht. Tr. Jo sich Goebbels, der sich für den Koch der Nationalsozialistischen Partei hält, ver'chmäo: es nicht, tn seinem Organ bern Berliner Publikum das Ammenmärchen vom Ritual mord za erzählen. Wir registrieren diesen Vorgang, damit Partner bei künftigen Negierungs- oder Koalitionsbesrrechungen noch bcMr als bisher wisien. mit wem sie es zu tun haben. Und außerdem haben wir uns auch in diesen Zeiten die leise Hoffnung bewahrt, daß Lächerlichkeit' tötet. nahmen. So verurteilte die in New Port-erscheinende Zerrung „World Telegram“ die Hitler-Bewegung als einen unamerikanischeu Auswuchs und erklärte: Zweck dieser Bewegung ist di» Sammlung deut'ch--'Staatsbürger in einer Orgamfetien, die Hitler dazu verhelfen soll, in Teurschland festen Fuß zu fassen. Einer ihrer Hauotprcgrammpunkte ist' die Verfolgung, ja sogar Vernichtung der Juden in Deutschland. Amerika sollte es aber nicht dulden, das Kamnsstld für europäische Parteien mit so bösartigen Zielen zu werden? Tie ,Mew Zocker Staatszeitung" verurteilte gleichfalls die Hliwr-Bäivegung in Amerika, zumal anläßlich" einer nationalsozialistischen, stark sudenwiadlichen Versammlung in New Jork im April 1922. Während des Berichtsjahres stellte das in deutscher Spreche gedruckte Organ der Nativnalwrialisten - in Amerika, .^Vorposten", sein Erscheinen ein. Tafür erschien im Jmü 1932 ein neues Organ mit dem Titel „The American Guarc^. Ziel dieser in englischer Sprache er-'cheinenden Monatsschrift ist, amerikanische Ideale, arische Auffassungen und arische Kuliur -u erhalten, zu fördern und zu verteidigen, ferner die nationale Einigkeit und Gerschtrakeit zu unterstützen. Tiefs Zeitung ist antiseminfch und enthalt größtenteils Ueberfetzungen von Artikeln der umionalfozialistischen Preße in Deutschland. Tie Leitartikel haben die ^Tendenz, beim Leser den Eindruck zu erwecken, als rb die Juden zweierlei „Anhänglichkeit" hätten und daher nicht mit ganzem Herzen Bürger desjenigen Landes sein könnten, in dem sie leben." Schillers Toö Dorr Freimaurern und Juden ermordet? In Georg Kummers Verlag, Leipzig, erschien ein Buch „Schillers Beerdigung und die Aufsuchung und Beisetzung seiner Gebeine nach Allen stücken und authentischen Mitteilungen aus dem Nachlaß des Hrfrats und ehemaligen Bürgermeisters von Weimar. Karl Leberecht Schwabe, von Tr. Julius Schwabe. Im Vorwort des Verlages wird darauf hingewiesen, d-aß Liese Akten- und Berich tsverösscntlichung dazu dienen soll, einen <rachrerha!t auf- Zuklären, der der Legendenbildung immer wieder neue Nahrunz bietet. Das stille nächtliche Begräbnis Schillers, das Verhalten Goethes, des Oberkonnstorialrats Günther usw. muten immerhin merkwürdig an. und die Vorkommnisse bei der Exhumierung und spateren Beisetzung von Schillers Vereinen sind gewiß kein Ruhmesblatt für die deur'che Kulturgesth'chte. Sie verleiten geradezu zur Legendenbildung, und diese durch Ästen stücke auszulösen, ist sicher ein Verdienst. Daß aber dem Buche Bruchstücks aus „Ter ungesüchste Frevel-au Luther, Lussing, VA zart und Schiller" von Tr. med. Mathilde L u d e n d o r f f sin 22 Seilen) beigestlgt sind und dem Buch ein Prospell vorausgemndt wurde mir einem Zitat aus dem „sächsischen Anzeiger" vom 4. April 1k31, in dem aus Schillers Ermordung als „furchtbare Tatsache" hingewiesen wird, beeinträchtigt die OchestioiLär des Buches immerhin. Was Machilde Ludendorn schreibt, dürfte bekann: fein: Freimaurer (sie gelten als identisch mit Jestiiren und Juden) sollen nach ihrer Ansicht Schiller am 4. Mai ISCn im Restdenzschloß zu Weimar vergiftet haben. Als Gewährsmann dient cm gewisier Ernst H e l! w i g , der 1911 einen Artikel ..Schillers Ende" in der „Sächsischen Land-sszeirung" darüber geschrieben hat. Wer ist Ernst Hellwrg (Pseudonym), und worauf stütze er sein» ungeheuerlichen Behauptungen, die nun zwar rückst die Juden, wohl aber „Bruder Goethe"/„Bruder Heinrich Boß" und den Herzog selbst, Jb ruber Karl Augmst", und andere des Mordes, der Beihilfe und Mitwinerschaft anklagen? Aus Indizien: das stille, nächtliche Begräbnis, die Schwierigkerten, die die Kirchenbehörde der Exhumierung machte, das Ausfinden von Quecksilber in der Gruft, in' der 23 Leichen zum Teil übereinander beerdigt lagen, einige Briefstellen, die Schiller noch kurz vor seinem Ableben als „blühend und gesund" schildern, und aus Krämpfe als nicht zur Schwindsucht gehörige Krankheitssymptome/ Tas sind gewiß manche merkwürdige Erscheinungen, denen man einmal Vorurteils- und leidenschaftslos nachforschen sollte, die doch aber nicht zu der ungeheuerlichen Tatsache ausreick)en dürsten, daß Deutsche leichtfertig einen Goethe und einen Karl August zu Mitschuldigen an der Ermordung Schillers stempeln! Vielleicht interefftert dieser Fall gelegentlich die, die den Schutz der Ehre und des Ansehens der deutschen Nation in Erbpacht genommen haben!! Tie Behauptung, daß die Juden dem^ großen Dichter wegen seiner Abl-andlung „Tie ^enduna Moses" gram waren und deshalb seinen Tod wünschten, ift nur zu belächeln. Jeder Gebildete weiß, daß Schiller gerade in dieser Arbeit schärfste Worte gegen den blinden Judenhaß geäußert hat: „Aus diesem Standpunkt betrachtet, muß uns die Nation der Hebräer als ein wichtiges universalistisches Volk erscheinen,^ und alles Böse, welches man diesem Volk nachprfagen gewohnt ist, alle Vemckchungen witziger Köpfe, es zu verkleinern, werden uns nicht hindern, gerecht gegen dasselbe zu fein," („Tie Sendung Moses". Schillers ges. Werke, Bd. X.) Tamil dürften wohl die Bruchstücke aus der Lndendornschen Schrift gekennzeichnet sein, und es ist reichlich unverständlich, daß der Verlag Kummer, wenn er nur wirklich ein Ouellemverk für objektive Beurteilung schassen wollte, nicht das obige Zitat als beste Quelle zur Widerlegung der Behauptung von der Aeraerung der Juden abgedruckt hat. Vom jüdischen Standpunkt aus gesehen, ist an dem Buch nur diese Haltung beachtlich. Als Deutsche bedauern wir, daß einer solchen Arbeit ein mehr als fragwürdiges Werbeblott vorausgesandt und Bruchstücke des Ludendorssschen Buches ungesagt wurden. Damit wird der Sinn des Buches hinfällig. Die Probleme wer^m nicht gelöst, dem Ansehen der deutschen Wiyenschast und Kultur aber wird viel dadurch geschadet. Dr. H. K. Im Rundfunk: GemeinDeraböiner Nosenihal (Köln) über Natur und Geist im Judentum Eine der häufigsten Behauptungen antisemitischer Propaganda ist die, daß das Judentum rein rationalistisch eingestellt sei, keinen Sinn für das Naturhafte habe und lediglich den Geist verherrliche. Wie falsch diese weitverbreitete Meinung ist, zeigte ein Rundfunkvortrag über „Natur und Geist im Judentum", den Gemeinderabbiner Dr. Rosenthal (Köln) kürzlich im westdeutschen Rundfunk im Nahmen eines großen Zyklus „Natur und Geist" hielt. Ter Redner wies an vielen Beispielen nach, daß sich Naturbetrachtung, Nattrrfreude und -liebe durch alle ^christen des Alten Testaments ziehen. Schon der Beginn der Bibel, die Schöpfungsgeschichte, ist ein einziges großes Naturepos; und die Agrargesetzgebung des Pentateuch beschäftigt sich in eingehendster Weise mit allen Gepflogenheiten des ländlichen Lebens. Tie Psalmen und das Hohelied sind einzigartige Bekundungen innigster Berbundenheit mit der Statur. Dennoch hat diese Ausgeschlosienheit nicht zu einer Bergötteruug der Natur geführt, da die Stellung, die der Geist im Judentum emnimmt, eine starke Gegenwirkung und somit einen Ausgleich herbeiführt. Tas Urwort des Schöpfungsiverkes „Der Geist Gottes schwebte über den Wassern" verkündet, daß alles aus dem Geiste entstanden ist. Nicht dem Staube soll der Mensch > dienen (2. Gebot), sondern als Geist zum Geist streben. Im bloß Natürlichen ist er der Vergangenheit verhaftet, Produkt, des Blutes und Geschlechts, im sittlichen Tun aber