Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 38 (16.9.1932)
- Date
- 1932-09-16
- Page
- Seite 388 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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3$$ ^WÜ' W/*Vv<i i^y v^W^U’ila'W Krieg, Zusammenbruch ur.b Krise haben den deutschen Juden Niedergang und Not gebracht. Aber all dies Unglück hat doch ein Gutes gefordert: Herrschte früher schrankenloser Individualismus, mangelnde Solidarität, Überschätzung einzelner Berufe, nicht selten sozial gefährlicher Kastengeist, so hat die Not und der Haß die Menschen doch einander nähergebracht und die Gemeinden zum Mittelpunkt allen jüdischen Streben?, ihre Leitung Zum Spiegelbild der Struktur in der ganze« deutschen Judenheit gestaltet. Es ist kein Zufall, daß aerade das Handwerk für den Neubau des ^bischen Lebens frische Keü'te gestellt und sich die Sympathien der deutschen Juden in kurzer Zeit errungen hat. Tenn es zeigt sich, daß nicht die Not der Gegenwart, sondern die einzigartige Blütezeit von 1S00 bis 1900 eine Episode war und das Judentum, will es sich erhalten, zu gesunder Schichtung und gesundem Gleichgewicht in der Bcruftplang und -anschauung gelangen must Tas Handwerk wird von dieser „Verufsdämmerung" Nutzen .haben; qualifizierte Kräfte werden sich ihm zu wenden, die bisher kaufmännische und akademische Arbeit für die einzige' hielten, die guter Schulbildung und höheren Kulturansprüchen ein sicheres und würdiges Aequivalent Licken. D!e Werbeschaa die der Berliner jüdische Handwerker- Verein zeigte, lehrt dem Betrachter in jedem Stück den Wert gerade der Geistesarbeit, die auf dem Lege zwischen Plan und Gestaltung zu leisten ist. Jede Sparte moderner Handwer^arbeit ist durch LpitzenProdukte vertreten, und selbst der Jode, der im jüdischen Leben steht, erfährt wohl hier zum ersten Male, daß es kein Gebiet des Cewerbefleißes gibt, auf dem sich jüdische Handwerker in Deutschland nicht in anerkannter Leise, teilweise führend in ihrer Fachschaft, belangen. Um jo erfreulicher ist das Echo, das die Ausstellung schon in den ersten Tagen gesunden hat. Steht der Nachhall bei den Berliner Juden in: Verhältnis zu der aufgewandten Mühe und dem didaktischen und ästhetischen Ergebnis, so wird diese Ausstellung ein großer wirtschaftlicher, moralischer und vor allem Erziehungserfolg Sein. Wünschenswert wäre, daß im Wiederlolungsfalle die Arbeit der Lehrlinge und Gehilfen mehr im Vordergründe stände. Denn die Fragen des handwerklichen Nachwuchses und Arbeiters bedürfen besonderer Pflege. Was an Gesellenstücken und von den von Handwerksbehörden preisgekrönten Arbeiten zu sehen ist. geschaffen von Zöglingen jüdischer Anstalten, gibt beste Hoffnung für die Zukunft. Es kennzeichnet das Ansehen des Standes, daß der Borstand des Jüdischen Gemeinde zu Berlin das Protektorat der Ausstellung übernommen und sein Vorsitzender, Dr. b. e. Kleemann, sie mit Ausführungen über die Bedeutung des Handwerks für die jüdische Gegenwart eröffnet" hat. verkauf öer Tagung Ernste Besorgnis um die Eristenz des wirtschaftenden Juden in Drurichland beherrschte die Arbeitstagung selbst. Aber nicht einen Augenblick kam trotz der Notrufe aus allen Teilen Deutschlands eine Verzweiflungsstimmung auf. Dazu sind diese Menschen zu hart, aber auch zu selbstbewußt. und es brauchte nicht nur über Rückgang und Abstieg geklagt zu werden. Ter Verband zählt fast 1000, der Berliner Ortsverein 400 Mitglieder. Ueberall hatte schon langst größte Sparsamkeit obgewaltet, und so konnte sich auch die Verbandszeitschrift „Ter jüdische Handwerker" halten. Tie enge Schicksalsverknüp'ung der deutschen Juden mit den anderen Volksgliedern zeigt die Abstufung der Krisenlage: Am härtesten betroffen ist Schlesien. Bon 75 Mitgliedern des Breslauer ' jüdischen CehilsenvereinZ sind 90 vom Hundert arbeitslos und auch seelisch dem Ende nahe. In diesem Zusammenhänge befaßten den Derbandstag politische Fragen dieses Nachwuchses. Vertieft wurden sie leider nicht, und man wird dielen Menschen nicht gerecht, wenn man ihre Radikalisierung kurz als moralische Derfallsersch.siwung ab tut oder als bloße Magenfrage bagatellisiert, stratt dort das zu sehen, was sich in ihr gutie;;: — unabhängig von des Tages Not ausdrückt: das streben' nach gerechwren Formen d-es Lebens in der menschlichen Eestllsch-fll Tas Darlehnskafsenwesen, jetzt aus der jüdischen Sozialaröeit nicht mehr wegzudenken, ist angefangen und zuerst ausaebaut von den jüdischen Handwerkervereiwen. Tarkehn und Fürsorge werden streng geschieden, und die in beiden Arbeitszweigen erzielten Erfolge beweisen wieder, wie nichts so sehr Organisationen in dieser Zeit zusam.menhült wie p-rodulrive Hilfe und Arbeit und anspruchslos treues Einstehen eines Führerkreises für die nur scheinbar kleine, in Wahrheit im jüdischen Leben bedeutsame Gefolgschaft. Dabei hält sich die Verbandsleitung fern von der Züchtung eines zünstlerischen Kastengeistes. Sie weiß wohl, doft die jüdische Gemeinschaft, wie sie von sich aus die Not nicht beseitigen, so auch nicht den Boden gc Inieresienpolitik bilden kann. Das brachte ilhelm Marcus mahnend Zu:n Ausdruck, und sein Zusammenhalten über die Gemeinde- und Landesveröandsarösit girckelts in der Erkenntnis, daß das jüdische Handwerk den: Judentum diene und sich, im Berufsleben auf Vorposten, den Boykott bedroht, im innerjüdischen Leben noch immer nicht gerecht gewürdigt, der Gesamtheit verantwortlich fühle und als Glied der die Ehre des jüdischen Namens verteidigenden Notgemeinschart der deutschen Juden betrachte. Weil sie ihre Pflicht so aussasstn, ist es den Vereins- und Verband ssührern möglich gewesen, sich in Gemeinden und Landesverband eine geachtete Stellung Zu schassen. Trotzdem rnüsien sie stündlich erneut Aufklärung in die jüdischen Reihen tragen, und vor allem aus Weftdeur'-chland klingt da manches nicht sehr erbaulich. Aber anerkannt wird allgemein, daß sich dank der Verbandsarbeit da vieles gebessert hat. In Innungen und Handwerkskammern arbeiten die jüdischen Meister gern mit und treiben durch ihre Versonlichkeit und berufliches Ansehen begere Abwehr als mancher ahnt, der sich nur im jüdisthen Kreise bewegt mm das Berufsleben des jüdischen Handwerkers in der Mittel- und kleineren Großstadt nicht kennt. Formal 'außer Zusammenhang mit der Arbeitstagung, aber geistig in ihrem Mittelpunkte stand der Vortrag von Tr. Kar! Schwarz, dem verdienstvollen Leiter der jüdischen Kunstsammlung und des im Entstehen Zur V***<M^?!£**«’%?» ¥ iUiiüHiüiiy; Fachin^er Verso.ndsteIIc, Berlin SW11 . Schöneberger Strasse 16a. Telefon: Lützow: 8260,61 begriffenen jüdischen Museums in Berlin, der die Geschichte und Bedeutung des jüdischen Handwerks darlegte. Tas deutsche, das Weltschichal der Not, das jüdische Schicksal zusätzlicher Not lastete auf dieser Veranstaltung des jüdischen Handwerks, das als Wurzelhafter Berufsstand mit Land und Volk so verbunden ist wie kaum ein anderer. Das jüdische Schicksal weilt über die Grenzen, und gemeinsame Sorgen diktieren die warnten Begrüßungsschreiben der jüdischen Handwerttrverbände aus Osteuropa, der Region jüdischen Massenelends, und aus dem Lande der Väter. Gemäß altjüdischem Brauche fand diese Tagung im Monat Ellul statt, da in unseren Betstätten schon allmorgeudlich das Schosar ertönt, das den Juden sich auf sich selbst besinnen heißt. Das jüdische Handwerk hat dem deutschen Judentum mahnend und warnend gezeigt, wo seiner Zukunft, sofern es noch eine für sich erhofft, eine wenn auch vielleicht schmale Gasie sich öffnet: Umlernen, sich mnschrchten! ‘ tz» Entschließungen Nach eingehender Beratung faßte der Verbandstag einstimmig eine Reihe wichtiger Entschließungen, die sich vor allem mit der Arbeitsbeschaffung und der Einordnung jugendlicher Erwerbsloser in den Arbeitsdienst besagen. In einer anderen Entschließung wird „schärfste Verwahrung gegen vre Bestrebungen zur Politisierung der Handwerks 7am?r:rrn und Innungen" eingelegt. „Seit Icrhr und Tag wirft man uns Juden vor» vast wir rüM schaffende, sondern raffende Menschen sind. Die mit den; DerbanLsLage verbundene Ver beschau der Berliner Ortsgruppe har bewiesen, daß jüdische Handwerker irr ihrer Hand- und Kunstfertigkeit hinter ihren andersgläubigen Kollegen nicht zurück stehen. Vir verlangen, daß innerhalb der Kammern und Innungen jede Klassifizierung nach religiösen oder politischen Gesichtspunkten aus- . geschaltet Wird. Ebenso wie wir jüdischen Handwerker jede Bevorzugung innerhalb der bernstständisZ)en Organisationen ablehnen, verwahren wir uns gegen jede aus der Zugel>örigkeit zum Judentum erwachserrde Beuachteittgung." Die Ausstellung öes «tv. Im Rahmen der Werbeschau des jüdischen Handwerks, die mit einem feierlichen Akt am 11. September eröffnet wurde, haben dcr Central verein, die ,.C. V. -Zeitung" und der P h i l o - D e r l a g eine eindrucksvolle Ausstellung errichtet. Diese Schaustellung der umfassenden literarischen Ausklarungsarleit des C. D. wurde viel beachtet. In mehreren Ansprachen wurde dem Ccutralverein der Tank für die ideelle Unterstützung, die die Sondernummer „Das Handwerk lebt" der Handwerkerragung gebracht hat, ausgesprochen, und der Sah „Tie politische Organisation des jüdischen Handwerls ist der Centralvereinch die den Raum des C. V. als Spruchband ziert, fand allgemeine Zustimmung. DER 1 TALMU FÜR JEDERMANN Allgemelnverstandliche Auswahl in Leuischer lleberkragung von Fromer. — Ein begeisterte? Freund unserer Talmud-Ausgabe Hai einen Fonds gestiftet, Lurch den es möglich ich das vielfarbig gedruckte, §roZan.grlegte,, herrliche ManvmZnttlwcr? in reichvergoldetem Ganzleinenband bis auf werteres statt 36 Mar? franko zu liefern "(euch in zwei Monats raten ä 8,25 Mark).' — "Benutzen Sie diese ernknaliae Gelegenheit. stir..... Sie müssen den Talmud kenneer/ er gehört neben der Libel in jedes jüdische Haus. 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