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Central-Verein-Zeitung · 1932-09-16 · 38 (16.9.1932) · p. Seite 387

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
38 (16.9.1932)
Date
1932-09-16
Page
Seite 387 (sequence 3)
Language
German
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wüster Verhöhnung Preis. 'Später konnte man nicht umhin, für die Qnüjüdsichen Belange einen Spezialzeichner zu beschäftigen, einen jüdischen Karikaturisten, vor besten Schamlosigkeit __jebe» antiselniti'cke Witzblatt neidvoll erblasien und verstummen muß. Seit dem Jahre 1931 -gibt man in jiddischer Sprache als monatliches Organ des Zentralrates, dessen Auflageziffer 10 C*X) Stück umfaßt, den „Apikoires" (Ter Ungläubigei heraus, der Ln nichts hinter den anderen Goulv'enzeitungen zurückbleibt. Alle jüdische Besonderheit wird angeprangert und denunziert, nicke zuletzt der Zionismus, der für eine bürgerlich-politische Bewegung mit . religiösem Unrergrund und chauvinistischem Einschlag, Schildknappe des englischen Imperialismus und Feind des Kläffenkampfes, gilt.' Eine zeitweilige Zurückhaltung. ' die, hier wie überall zunächst beobachtet, wohl kaum „in der Zusammensetzung der . Vorstandschaft des Eottlo'enverbandes ihren Grund" haben dürfte, ist längst radikalster Schärfe gewichen. Sie brandmarkt alles und jedes, ob die Versteigerung synagogaler Ehrenfunktwnen, die man zur Segnung' des Neichen, zur Verfluchung des Armen stempelt, ob das rituelle Tauchbad, das man als Quelle der Ansteckung und des Prosits verschreit, ob die herkömmliche Wohlsahrtspslegr, die man als gefügiges Mittel in der Hand der Wohlhabenden ausgibt, den sozialen Gegensatz bequem zu verschleiern, ecr werden endlich die vielgerührnten Siege errungen, die Schließung der Synagogen und ihre Umwandlung in ArbeiLerklubs, die Aufspürung der verborgenen Religwnsschulen und die Unterbindung der Beschneidüng, gegen die man Sotckosenbrigaden und Jungpioniere mobilisiert, vor allem jedoch die Aechtung der Rabbiner, die nächst dem russisch-orthodoxen Priester zur bestgehaßten, giftigst verspotteten Persönlichkeit werden. Ihr klassisches Bild verbrüdert sie in Scheinheiligkeit und Rangier mit dem kapitalistischen Ausbeuter, der sein jüdisches Opfer plündert, nachdem sein rabbinischer Helfershelfer diesem eine Thorarvlle zur Ablenkung in die Arme gepreßt und überdies die Hände mit den Geöetriemen zusammengeschnürt hat. „Reinige dein Herz!" — „Somit ich deine Taschen reinigen kann", so flüstert chr einträchtiger Dialog, eine geschmackvolle, geistreiche llnterschrist der Abbildung, die sich selbst ihr Urteil spricht. Wer bedenkt, daß hier nicht wehr als eine Auswahl geboten wurde, eine Auswahl aus einer Darstellung, die ihrerseits ein ungeheures Materml nur beispielhaft und stichwortartig verarbeiten konnte, für den wird kein Zusatz nötig sein, was die Gottlosenbewegung allgemein und im besonderen uns angehL. Ohne pathetische Beschwörung, die von so viel Niedrigkeit, Schmutz und Lästerung sich herausgefordert oder angewidert fühlt, ruft die rücksichtslose Kriegserklärung wider Glaube und Sitte einen jeden auf den Plan. Ungeachtet der zahllosen und mannigfachen Sorgen, die uns deutsche Juden von heut bedrängen, tritt hier eine neue Gefahr in unseren Gesichtskreis, die nicht Verkleinerung noch Vernachlässigung duldet. Unseren Lebensnerv Lastet ihre vergiiwnde. ätzende Wirkung an, planmäßig verspritz?, rinas um uns her oder gar unter uns selbst verbreitet. Aus Israels Leidensgeschichte lernen wir gewiß Verständnis und Duldsamkeit, die jeden nach seiner Fasion selig machen. Hier aber handelt es sich um 'erzwungene Abwehr, um ausgedrängte Verteidigung der Seelenhaltung, die unsere Gemeinschaft seit js geprägt, der -Geistes- und Herzensbildung, dir alles Heilige, alles Ehrfurchtsvolle unseres Lebens erschaffen und geadelt hat. Glaube gegen Unglaube und Geist gegen Ungeist setzend könnte hier zudem eins Einheitsfront erwachsen, die uns mrt den Besten unserer Mitbürger Zusammenschließt, mit den wirklich ausbaufähigen Elementen unserer Umwelt. Sollte die Veröffentlichung, die von uns Zugrundegelegt wurde, zufällig oder umsonst, auf ihrem Titelblatt den Toren geißelnd, der irr seinem Herzen spricht: Es gibt keinen Gott — sollte sie zufällig oder umsonst einen Spruch unserer Psalmen zum Motto haben? Land, ohne IrröLnhaZ 130 Jahre Deutschtum in Der S usowirr a Ir^ der vergangenen Wecke feierten dis Deutschen der Bukowina im Beisein der Führer des T eutschtums in Rumänien das Islliährige Jubiläum ihrer Ansässigkeit in der Bukowina. Aus diesem Anlaß widmete, wie die Jüdische Telegraphenagentur (JTA) beuchtet, der Deputierte Tr. Mayer Ebner, Präsident der Jüdischen Partei der Bukowina, in der „Ostjüdiscken Zeitung" den Deutschen seiner engeren Heimat einen Gruß; er sührre u. a. aus: „Auf die Jubiläumsfeier der Deutschen in der Bukowina fallt der Scharren des an Breite und Tiefe wachsenden rcickstdeutschen Judenhastes.^den spätere Ceschichts'chreiber als eine Psychose des durch den Krieg arm und unglücklich gewordenen deutschen Volkes erklären werden. Aber wir Juden, gewohnt in Zeiträumen von Jahrhunderten zu denken, wir. wollen uns den Augenblick, in dem wir unsere deutschen Heimarsgenosien zu ihrer Anderrhalbjahrhundertseier beglückwünschen, durch die schmerzlichen Ereignisse in Deutschland nicht verdüstern lasie-n. Wir wollen dem deut'ch'n Volke in der Bukowina herzliche Worte der Anerkennung für seine hundertfünckzigjährige Kulturarbeit sagen und uns mit ihm minreucn. Tie Welt soll es wisien, daß die Bukowina der gesegnete Fleck der Erde ist. wo Deutsche und Juden anderthalb Jahrhunderte lang in fast nie getrübrer Eintracht friedlich und freundschaftlich nebeneinander gelebt haben und — so Sott will — auch weiterhin leben werden..." Erfrsulrchr Cckdigimg öes „Halles Dörfler" Vor einigen Monaten war regen den bekannten Regensburger Chirurgen Geh. Sanitätsrat Tr. Dörfler der Vorwurf erhoben worden, er habe aus Judenseindschaft einem verunglückten jüdischen Schüler, der schwer verletzt in seine Privatklinik gebracht worden war, dis notwendige ärztliche Hilfe versagt. Auch uns war seinerzeit der Fall, über den in der Tagesprene, besonders in Bayern, eingehend berichtet wurde, gemeldet worden. In Ueberrinstimmung mit unseren Regensburger und Münchener Freunden haben wir jedoch von einer Veröffentlichung der Angelegenheit abgesehen, da die uns vorliegenden Aussagen sich in einzelnen Punkten so widersprachen, daß wir uns nicht für berechtigt hieben, eine derartige Anklage gegen Geheimrat Dörfler zu erheben.^ehe nicht das ärztliche Ehrengericht den Tatbestand cimv-andsrei sestgestellt und entschieden haben würde. Wie das „Deutsche Aerzteblatt" in seiner Rümmer 21 mitteilt, hat das Verfahren vor dem ärztlichen Berufsgericht für den Regierungsbezirk Oberpfalz stattgefunden und festgestellt, daß Geheimrat Tr. Dörfler „se i n e ä rz t l i ch e B - r u fs p f l i ch L in keiner Weise verletz:, vielmehr fach- und Pflichtgeinäß gehandelt hat". Das berufsgerichtliche Verfahren ist eingestellt worden. Tie Lchriftleimng des .Deutchen Aerzteolattes" veröffemlickt dazu Schlußätze aus einem Brief, den Geheimrat Dörfler an sie gerichtet hat, und fügt hinzu, sie mögen „als goldene' Worre über'allem politi'cken Hader der Jetztzeit stehen". Gcheimrat Dörfler' schreibt: „Ich persönlich bin überzeugt. Daß überhaupt fein Deutscher 2lr;L einer solchen tstiedcrtracht zügig ist, einem hilfsbedürftigen Menschen, sei er wer er will, nur eine Minute die Hil^e zu verfageu. Politik und Religion dürfen in; Beben des Arztes nie eine Rolle spielen, haben auch in Diesem Falle keine Rolle gespielt." - Derrkmalswerye in Worms Die Einweihung des Ehrenmals der 115er, die vor kurzem in Darms im Beisein des ehemaligen Großherzogs von Hetzen und seiner Familie sowie der Behörden von Stadt und Land unter überaus zahlreicher Teilnahme der Bevölkerung von Rheinhesien stattgesunden hat, hat aufs neue die enge Verbundenheit der dortigen israelitischen Gemeinde mit ihrer Heimat»- stadr an den Tag gelegt: „Tie Vereinigung ehemaliger Angehöriger des -Osiizierkorps der 115er" sah es als seloswersrändlich an, daß der Rabbiner als Ehrengast zu ihrem Festessen eingeladen war, und an dem Festgottesdienst in der Synagoge nahm auch die christliche Bevölkerung teil. Im vollbesetzten Gotteshaus sprach Rabbiner Tr. Holzer von dem.großen historischen Erlebnis, dessen Zeuge das Denkmal sei, vor; seiner Bedeutung für Staat und Volk, Stadt und Gemeinde. Das deutsche Judentum habe sich das Recht und die Ehre des^ Dassendienstes fürs Vaterland erkämpfen müsten und bereits in den Befreiungskriegen dem deutschen Heer mehrere hundert Freiwillige gestellt; kein Geringerer als Staatskanzler Fürst Hardenberg habe diesen öffentlich bezeugt, daß sie „Beispiele wahren Heldenmuts und rühmlicher Verachtung der Kriegsgefahr" gegeben hätten. Im Weltkriege habe die jüdische Gemeinde Worms nicht weniger als 20. Kriegsopfer zu beklagen gehabt, vier von ihnen gehörten dem 115. Regiment an. Tiefe Bewegung ging durch die Reihen der Versammelten, als der Redner von den Verunglimpfungen sprach, denen trotz alledem die deutschen Juden heute ausgesetzt feien, und die Anwesenden zum gemeinsamen Gebet aufrief, daß Gott die Verblendeten und Jrregeführten wieder zur Einsicht und Gerechtigkeit zurückführen möge. In der Einweihungsrede am Denkmal ging Rabbiner Dr. Holzer davon aus, daß die Juden von Worms zu den ältesten Bewohnern der Stadt gehören, und zeigte anknüpfend an eine Aeußerung Fichtes in seinen „Reden an die deutsche Ration", was der deutsche Mensch dem Denkmal schulde und wozu es ihn verpflichte. Nachdrücklich betonte er, daß kein Teil des deutschen Volkes das Recht habe, sich vor dem anderen zu überheben, weil alle' in gleicher Weise ohne Unterschied des Standes, Stammes oder Glaubens in der Stunde der Rot und Gefahr ihr Bestes für Schutz und Ehre des Vaterlandes hingegeben haben. Hoffen wir. daß dieser Tag der Denkmals- Weihe von nachhaltiger günstiger Bedeutung für ein künftiges einträchtiges Zusanmwuleben der Konfessionen in Worms, wie es dort viele Jahrzehnte lang in vorbildlich schöner Weise bestanden hat, sein möge. Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. V. .Landesverband Gross-Berlin AAelnhart A/lour Deutsches Theater, Berlin " liest Mittwoch, den 21. September 1932, 20 Uhr pünktlich, im Logenhaus, Berlin W62, ICSeiststrcsse 10 Heine / Borne / Zweig / Lenau / Riesser / Go!l / Kerr / Wassermann Eintritt frei Ansprache: Margarete Fried

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