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Central-Verein-Zeitung · 1932-09-09 · 37 (9.9.1932) · p. Seite 379

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
37 (9.9.1932)
Date
1932-09-09
Page
Seite 379 (sequence 7)
Language
German
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37- Vom Tages . Hranöhsrö Ostpreußen Don Dr. iur. Wolfgang Matzrorsf (jutjdt Tie deutsche Cfhnarf, die durch willkürliche Grenzziehung von dem Kerngebiet des Teutschen Reiches abgeschnürt worden ist, hat mit ihrem überwiegend agrarischen Einschlag durch die Entwicklung der letzten Jahre der Einstellung ihrer Menschen eine besondere Note gegeben. Tie Nöte der Zeit haben besonders den Ostmärkern Gedanken zugänglich gemacht, die in anderen Teilen des Reiches in nur geringem Ausmaße Eingang gesunden haben. Es ist kein Wunder, daß Ostpreußen die Provinz mit den größten zahlenmäßigen Erfolgen L>er Nationalsozialisten ist, aber auch mit Erfolgen auf dem Gebiete des Terrors und der Exzeße gegen Republikaner und Juden. Wenn auch von den zahlreichen Terrorakten, die vor und nach dem Wahltag des 31. Juli d. I. verübt worden sind, bisher nahezu kein Fall der restlosen Aufklärung zugeführt worden ist, so besteht doch ein wesentlicher Grad der Wahrscheinlichkeit dafür, in welchen Kreisen die Urheber zu suchen sind. . Tie örtlichen Polizeiverwaltungen, deren Leiter und Beamte sich jetzt in vielen Fällen offen zum Nationalsozialismus bekennen und deshalb nicht mit besonderen Eifer an die Aufklärung der Vorfälle herantreten, unter normalen Zeitverhäliaissen aber hinreichend Ruhe und Ordnung für alle jüdischen Bürger gewährleisteten, haben sich mit Rücksicht aus die zahlreichen Terrorakte die Hilfsorgane der Regierungsbehörden zur Hilfe nehmen muffen. Auf diese Weise ist in vielen Fällen, die der Aufklärung schon nahe waren, durch die Mitwirkung dieser nicht ortsbekannten Personen kostbare Zeit zur Aufklärung der Vorfälle verstrichen. In der ganzen Provinz Ostpreußen spukt das Gerücht, die Kommunisten seien von den Juden gekauft worden und hätten aus deren Veranlagung eine große Mordhetze zur Beseitigung nationalsozialistischer Führer in die Wege geleitet. Wenn man in die kleinen Orte des Grenzgebiets, insbesondere in den südlichen Teil, nach Masuren, kommt, kann man dieses Gerücht nicht nur aus dem Munde einzelner Bürger' hören, die ihre jüdischen Nachbarn schon seit langem kennen, sondern auch bei beamteten Persönlichkeiten der Stadt- und der Staatsverwaltung. Tiefe Maffenpst)chofe, m die man die Mcnsckxn hineingehetzt hat, um sie über die eigentlichen Ursachen der Bolksverarmung und des wirtschastlichen Niedergangs bewußt in Unkenntnis zu halten, hat für unsere jüdischen Freunde in den ostpreußischen Kleingemeinden eine Situation erzeugt, die man nach genauer Kenntnis der Tinge als die gesährdcyte im ganzen Reichsgebiet bezeichnen kann. Ter wirtschaftliche Boykott spielt in diesem Zusammenhang nicht die Rolle, die man bei derartigen außergewöhnlichen politischen Zuständen annchmen könnte. Diel stärker ist die unmittelbare körperliche Gefahr, der die alteingesessenen jüdischen Bürger in den .Kleingemeinden ausgesetzt sind. Tie zahlreichen Terrorakte, wie das Legen von Brandbomben, das Eimoerfen von Fensterscheiben und körperliche Angriffe, haben eine Situation geschaffen, die das Leben für den einzelnen nahezu unerträglich macht. Es ist vorgekommen, daß ein mit Messern und Schulterriemen verletzter Jude bei der Einlieftrung in ein Krankenhaus nur nach Widerstrek^n von dem behandelnden nationalsozialistncheu Arzt eine für die weitere Verfolgung notwendige ärztliche Bescheinigung erhalten konnte. Tis nationalsozialistischen Parteiorganisationen haben in die einzelnen Städte vielfach ortsfremde Elemente hineingebracht und so einen Unsicherheitsfaktor geschaffen, der es manchen Juden im Jntereffe ihrer körperlichen Sicherheit angebracht erscheinen läßt, auch mit Rücksicht auf zahlreiche Drohungen, nach Eintritt der Tunke!- heit die Straße nicht mehr zu betreten. Die Verhetzung der Bevölkerung säugt in vielen Fällen schon auf der Schule an. Wenn zum Beispiel einem Kind aus der Schule gelehrt wird, Hitler sei von Gott gesandt, dann kann es nicht wundernehmen, wenn Schulkinder und Unmündige ehrenwerte jüdische Bürger unenrwegt mit Schimpsworten bedenken, deren Häuser mit aufreizenden Zeichen und Inschriften beschmieren und ihnen durch Handbewegungen außerdem oftmals zu verstehen geben, daß sie demnächst aufgehangt werden würden. Ter Umstand, daß noch keines der gegen Juden gerichteten Attentate einer Aufklärung zugeführt ist, .hat naturgemäß die psychologische Situation unserer Freunde nicht erleichtert. Ter Eentralverein hat in Zahlreichen Fällen bei der Fühlungnahme mit den Behörden mit Nachdruck darauf hingewiesen, wie unerträglich die gegenwärtigen politischen Verhältnisse für die jüdischen Bürger sind. Alle friedliebenden Bewohner der von inneren Kämpfen Zerrissenen Ostmark haben nur den einen Wunsch, daß diese Zustande eidlich ein .Ende finden möchten, denn der durch viele andere Ursachen hcrvorgerusene juirt[d>iftCi Gratulieren Sie Ihren Bekannten und Geschäftsfreunden in der Neu]ahrsnummer der C. V.-ZeUung vom Z0. Sepfernher . zu Mmmmhasmeno Uni die alte Sitte, sich seinen Freunden und Kunden zu empfehlen, jedem weiter zu ermöglichen, [haben wir uns entschlossen, einen um 60 °/0 erraässigien Vorzugspreis für diese Anzeigen einzuführen. Wir berechnen für das Normalfeld, (22x55 mm) nur RM. 8,— An die Anzeigen - Verwaltung der C. V.-Zeitung, Berlin SW IGO Hiermit bestelle ich ein Glückwunschinserat zum Vorzugspreis von RM. 8,— mit folgendem Text; Betrag ist per Nachnahme einzuziehen. Name;_ Ort:. Strasse::_ Niedergang in diesem Gebiet vertragt nicht noch eine Berscharnnig der Beziehungen durch politische Ourrtreibercicn. Es darf deshalb mcht wnndernchmcn, daß gerade von hier aus Bestrebungen im Gange sind, dem deutschen Bürgertum wieder eine starke politische Vertretung zu schaffen. Sb dies möglich ist, kann nicht vorausgewhen werden, der Wille ist jedenfalls vorhanden. Ter Eentralverein muß und wird in jedem einzelnen Falle, in welchem jüdisches Leben und Soeben erschien: JOSEF KASTEIN Verfasser von »Eine Geschichte der Juden* und »Sabbatai Zewi” ODER DIE TRAGÖDIE DER GESINNUNG 1.—4. Tausend «• Broschiert RM 7,—, Leinenband RM Sj!>0 ® Mit 12 Kupfertiefdrücken auf Tafeln LJriel da Costa kannten wir bisher nur aus Gutzkows verblasstem Drama, das sich auf der gedanklichen Lime von „Don Carlos3* und „Nathan der "w eise0 hält und dessen Held im wesentlichen ein Vorkämpfer des Toleranzgedankens ist. Dass dz Costa eine der interessantesten Gestalten nicht nur der jüdischen, sondern der allgemeinen Geschichte war, erfahren wir erst aus Kaste ins gedankenreichem Werk. Indem er die erschütternde Lebenstragödie dieses glühenden Kämpfers, seine Zweifel, seine Leiden, seine Tatkraft und seine Verzweiflung darstellt, macht Kastein gleichzeitig geistgesdiichtlidie Zusammenhänge einer Menschheitsepoche fühlbar und sichtbar. Er zeigt am Beispiel eines Katholiken jüdischer Herkunft den Kampf umSelbsterhalcung, den eine differenzierte Minderheit gegen die Mehrheit zu führen . hat. Im Widerstreit von Gesinnung und . Interesse lässt er den Menschen um die Formung seines Weltbildes ringen. Und da Costis Geschichte ist von einer bis heute währenden Aktualität: Idee gegen Wirklichkeit, das schöpferische Ideal gegen das Beharrungsvermögen, Herz gegen Gehirn, der freie Einzelne gegen die gebundene Gesamtheit» der Mensch gegen die Masse. Alles in allem; die Tragödie der Gesinnung. In jeder guten Buchhandlung vorrätig ROWOHLT VERLAG BERLIN W50

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