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Central-Verein-Zeitung · 1932-09-09 · 37 (9.9.1932) · p. Seite 374

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
37 (9.9.1932)
Date
1932-09-09
Page
Seite 374 (sequence 2)
Language
German
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A74 Vereine die Turchmhrrmg dieser Ziele wesentlich eindrucksvoller gcftalret werden könnte. Weitschauende B^uftgmwsien. bchonders die Vorsitzenden der Ortsgruppe Berliw Louis Wo!f f, Loni5 'ö o l er g s. Ci. in ''5{n und Beruhe rd : i r, •: ::i:: r.:: in Ha.'..oura drängten auf einen Zwchwmenstch'.'ß, wid e? ist ein Verdienst deZ damaligen Vor ätzenden der berliner Vereins, unseres verewigten Kriegen Julius Lö w e n st c r n, daß er, denn Nus dieser Männer folgend, zur Gründung des Verbundes schritt. Tie ausbauende Tätigkeit des Verbandes, die besonders starken Widerhall in einer großen Tagung in Köln fand, wurde Lurch den Krieg jäh unterbrochen. - Als ich im Jahre INO aus dem Verbandstag in Hamburg den ehrenvollen Auftrag bekam, den Vorsitz zu übernehmen, war mein Augenmerk zuerst daraus gerichtet, die bestehende Organisation durch Gründung von neuen Ortsgruppen auszubauen und unserem Verband den Inhalt zu geben, der den veränderten wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen Rechnung tragen sollte. Schon aus der dann folgenden, Tagung in Breslau konnten wir zuin erstenmal unter Zugrundelegung genauen Materials die Notwendigkeit der Errichtung , von Tarlehnskassen beweisen, und wir können heute mit Freude feststellen. daß die damaligen Verhandlungen die Grundlage dafür bildeten, den Eednuken der Tarlehnskasien in ganz Deutschland auszubreiten und zum Erfolg zu führen. Don Tagung zu Tagung wurden von uns neue Probleme in den Vordergrund der öffentlichen Tiskussion gestellt. Unsere Forderungen gingen nicht nur darauf hinaus, wirtschaftliche Ziele, zu erreichen, sondern es lag uns auch vor allem daran, die - gesellschaftliche Stellung, die einzunehmen wir im jüdischen öffentlichen Leben berechtigt waren, und die uns immer verweigert wurde, zu erreichen. Wir haben daher die Forderung gestellt, daß unsere Kreise in den Cemeindekörperschaften mit vertreten sein müßten, und wir können auch hier mit Freude und Genugtuung feststellen. daß im Laufe des letzten Jahrzehnts in fast allen großen Gemeinden die Vertreter des Handwerks und des jüdischen Mittelstandes gleichberechtigt neben allen anderen Gemeindevertretern und Vorstandsmitgliedern tätig sind. Don dieser Stelle aus sind wir bewußt fiir alle Interessen des jüdischen Mittelstandes eingetreten, und der diesmalige Verbandstag wird sich auch wieder eingehend mit dieser Frage beschäftigen. Darüber hinaus haben wir die Gründung von Kreditgenossenschaften, die Einrichkung aller mit dem Handwerk zusammenhängenden Institutionen, die Errichtung von Arbeitsnachweist\i, Berufsberatnngsstellen, Lehrlingsvermittlung ustv. cmgeregr. Durch unser Organ „Der jüdische Handwerkers ist es uns gelungen, das deutsche Judentum aus uns aufmerksam zu machen, und wenn wir auch von den Erfolgen bisher nicht restlos befriedigt sein können, so wißen wir doch, daß unsere Stellung von allen Kreisen anerkannt wird Unh ntrFif *rn>?*r Wir haben es uns ferner angelegen sein lassen, über die Grenzen unseres -st ierkandcs hinaus an unsere Berufskollegen in der ganzen Welt Anschluß zu finden, und es ist auch auf unsere Anregung gelungen, im Mai 10:23 einen Welirnnmnd gründe?:, der sich leiden m'"ch? der innernaricnnA'n wirtschchckichen Verhältnisse nicht so cumwirren konnte, wie man gehosst haue. Fassen wir die Arbeit des Veelnndes zusammen, so können wir feststellen daß er bemüht war, nicht nur einer bestimmten. Derussschicht, sondern allen jüdischen Kreisen den Jinpuls zu geben, sich für produkrire Arbeit im Judentum einzusetzen. Wir sind uns bewußt, daß die Zeitverhältniste im Augcnrnck gegen uns sind. Wir haben aber die feste Zuversicht, daß dieser Jubiläumsverbandstag uns trotzdern nicht nur neue Anregung?nt die Weiterarbeit, sondern auch den Mut zu neue?: Unternehmung^, zu neuer Betätigung und zu neuen Erfolgen geben wird. In dieser Zuversicht begrüße ich alle meine Kollegen unt> Freunde mit denn Motto: „Allen Gewalten Zürn Trotz sich erhalten. Nimmer sich beugen. Kräftig sich zeigen. Rufet die Arme der Götter herbei." Auch die Neuzeit braucht das Handwerk / Von Dr. Kur» Zielenziger „Sieben Jahre wahret die Hungersnot, aber un die Türe des Handwerkers kam sie nicht." ‘ Tie Hauptstraßen unserer Großstädte sirch Zeugen unserer wirtschaftlichen Epoche.^ Kaufhäuser rechen sich an Jndustriepalnste. Spezialgeschäfte von Weltruf ziehen die Käufer nicht nur aus der Stadt selbst, sondern von weicher an. Alle Mittel der modernen Technik, die Lichteffekte, die scharen der Tausende, die sich tagtäglich durch die Straßen drängen, das Tempo, in dem sich diejer Verkehr abspielt, dies alles ist der lebendige Dew-eis für das Zeitalter des Hochkapitalismns, in dem wir leben. Aber schon in den Nebenstraßen, auch in'denen der Weltstadt, scheinen wir in einer anderen Epoche zu weilen. Hier fließt das Leben gemächlicher dahin. Hier brandet kein Verkehr. Tie elektrische Bogenlampe ist der Easlaterne gewichen. Auch in ihnen treffen wir bisweilen Kaufläden, deren Schaufenster jedem Vorübergehenden ein „Halt" gebieten. Aber hier wirkt der Bäcker neben" dem Fleischer, der Uhrmacher neben dem Schuster. Sie alle gehen ihrem Gewerbe nach, fast in dev gleichen Weise :oie in den Zeiten, da noch die Zünfte die Politik der Städte bestimmter?. Tie mittelalterliche Wirtschaft der Bedarfsdeckung ist also keineswegs durch die Wirtschaft des freien M a r k t e s v e r d r ü ng t worden. - Als um die Jahrhundertwende der Verein für Sozialpolitik eine Untersuchung über das Handwerk durchsührte, kam er zu dem Ergebnis, „daß der Verfall des Handwerks wahrscheinlich noch größer sei, als nach der Berussstatistik angenommen werden mühe. xAxmi sich auch noch nicht mit Sicherheit sagen laste, in welchen? Tempo sich der weitere Rückgangdes'Hand Werks vollziche. in welcher zahlenmäßigen Stärke, und in welchen Teilen seines ehemaligen Produkttonsgebietcs es sich schließlich behaupten werde, so Kdoch fest, daß es als B e t r i e b s f o r m er großen Mehrzahl der Gewerbe überwunden sei, und daß es auch seine alte Bedeutung für die soziale Klassenbildung größtenteils verloren habe". Als dann dreißig Jahre später der Enquete-Ausschuß sich ebenfalls mit dem Handwerk beschäftigte, konnte er in seinem Ecneralberrcht feststellen, daß „seit der Jahrhundertwende die U m stell u n g und Anpassung des Handwerks an die kapitalistische B o! k s ro i r t f dj n t1 unter der Führung besonderer Wirrschastsvc'rtretungen erfolgte, die dem Handwerk mirfj die wirtfchaftspolittfchen Grundlagen für feine Erhaltung und weitere Entfaltung zu sichern versuchten". Ter Zeitpunkt also, von dein der Untergang des Handwerks beginnen sollte, brachte seinen Wiedera'nfstieg, wenn auch unter stark veränderten Voraussetzungen. Auch der Handwerker hat der modernen Zeit seine Konzession machen müssen. Indem er seine Werkstatt mechanisierte und seine Betriebsführung an die neuzeitliche K r ed i t w i r t s ch a s t anpaßte, hat er sich, ohne selbst immer Kapitalist zu werden, im kapitalistischen Zeitalter erhalten. „Im Zusammenwirken wirtschaftlicher und außerwirtschastlicher Kräfte wurde das Handwerk fähig," so heißt es in den? Generalbericht der Enguetefümmifjlon (Berlin 1930), „die ihm verbliebenen und die hinzukommenden Möglichkeiten feiner Erhaltung wahrzunehmen und in der nimmer rastenden Wandlung da und dort auch die Grenzen vorzuschieben oder stärkeren Gegnern auf ein neues Gelände hin auszuweichen. Freilich war es kein Aufschwung, der mit de?n der anderen Berufsstände zu vergleichen war, aber das Handwerk behauptete sich doch, indem es für tue im Strom der industriellen Entwicklung fortgeschwemmten Zweige immer neue Triebe ansetzteV Ter Krieg hatte auch für das Handwerk eine Belebung mit chch gebracht. Dielen Betrieben war es aber schwierig, sich zu behaupten, weil die Meister und die Gesellen den Handwerkstitel mit dem Waffenrock vertauscht hatten. Nach den? Krieg zeigte sich für das Handwerk zunächst eine Belebungen verschiedenen Nahrungsmittelgewerbv, erklärlich nach einer Zeit, in der das deutsche Volk unter den furchtbarsten Entbehrungen gelitten hatte. Eine wirkliche Konsolidierung des Handwerks konnte aber erst nach der Befestigung der Währung erfolgen. Ter Aufstieg, den die deutsche Wirtschaft in biegen Jahren nahm, kam auch dem Handwerk zugute. Besonders hoben sich alle diejenigen Gewerbe, die von der wachsenden Beschäftigung des Baugewerbes Nutzen zogen. Neben den Riese n o x q oji i f a t i o n e it, die sich jetzt in der deutschen Wirtschaft bilden, neben de?? Trusten und Syndikaten, den Konzernen und Kartellen, jenen Gebilden höchstentwickelter kapitalistischer Wirtschaft,, b l e i b 1 d e r k l o i n o 6>? m c r b e treibende bestehe n. Auch die Schöpfungen der neuesten Zeit, die Unternehmungen eines kapitalistischen Sozialismus oder eines sozialen Kapitalismus, vielleicht die Vorläufer der kommenden Wirtschaftsepoche, haben den Handwerker und den Emz'lhändler nicht beseitigt und werden ihn nicht verdrängen, weil er als Mittler zwischen der Produktion und dem P \h* S&J i&Ud ii* Äi V *. Mg Lliü i;u VV.Vß W \ür su» j>.« X. Sij hk W"»1 t?_n* *1® k „ ff rf n m n n f! w " -ir| \. r. r."\r lr^rr-\ ,#1 . »i; i \ j >lyd : i Xxu h » |J ui is-Jt ü Ll/ ’ ..;1>V. ■>3:r.; r. 8 11 . Ö N st •! tz 'vv*iJ Li hi 3 tX tJj d v’si tä. hy Ä Ü ä ü i ä ii ii ü'ä "'••'in,.'.! 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