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Central-Verein-Zeitung · 1932-09-02 · 36 (2.9.1932) · p. Seite 368

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
36 (2.9.1932)
Date
1932-09-02
Page
Seite 368 (sequence 4)
Language
German
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36$ w «r Vergiftung eöer Wissenschaftlichkeit! Die Geschichte der deutschen Juden findet im Geschichtsunterricht der höheren Schulen nur eine geringe Berücksichrimmg. Sie kommt nur gelegentlich, etwa ' bei den Kreuzzugsverfolgungen oder beim „schmerzen Tode" sowie bei der Emanzipation, zur^Erwühnung. Die diesbezügliche Darstellung der gebräuchlichen Lehrbücher ist im allgemeinen sachlich und unparteiisch; sie dient insofern der inneren Befriedung des Heranwachsenden Geschlechts. Das soll nun offenbar anders werden. In der „Deutschen Erziehung", dem Lrgan des Nationalsozialistischen Lehrerbundes, Gau Südhannover-Braunschweig, das als Beilage der „Niedersächsischen Tageszeitung" erscheint, hat Profepor Tr. Karl Berger einen Aussatz „Die Judenfrage im Geschichtsunterricht" (Ar^O, Jahrgang 1932) veröffentlicht. Ter Bermner bringt es fertig, Leute wie Bartels und Chamberlain an die Seite eines Herder, Kant und Goethe zu stellen und zu den hohen Geistern der Nation zu zählen. Danach kann es nicht wundernehmen, daß er nichts weniger als eine Verankerung des Judenhasses im Eeschich:slehrptan der höheren Schulen fordert. Wenn einmal — wie wir wünschen — das Schicksal der deutschen Juden a u s s ü h r - l ich er im Geschichtsunterricht behandelt werden sollte, so würde die geschichtliche Vergangenheit durchaus zu ihren Gunsten Zeugnis ablegen. Wenn man aber wie Professor Berger die Juden als ein „art- und rasiesremdes Element" hinstellen will, so muß man zu einem Verfahren greifen, bei dem entweder leichtfertige Unwissenheit oder böswillige Entstellung im Spiele iw. Professor Berger behauptet, daß die mißlungene Eindeutschung der Juden zu einer — Selbstentdeutschuug geführt habe, obwohl er wissen sollte, daß gerade sein Abgott Treitschke eine Eindeutschung der Juden als möglich befürwortete. Was würde Berger sagen, wollte jemand auf Grund der deutschfeindlichen Schrift eines Franzosen den ' deutschen Dolkscharakter verurteilen; er selber aber legt eine einzige judengegnerische Quellenschrift zugrunde, um den deutschen Juden des Mittelalters zu verdammen. Obgleich der deutsche Jude des frühen Mittelalters Ackerbau und Gewerbe trieb und erst nach dem Verbot jener Berufe sich dem Geldhaudel zuwandte, sagt ihm Berger Scheu vor Handarbeit und wucherische Ausbeutung nach. ter verschweigt jedoch, daß die schonungslos Ausplünderung der Juden durch die Fürsten die Zmrnahme nötig machte; er'verhehlt, daß sogar die katholische Geistlichkeit die Geldleihe c-crrt:o an) gerade deshalb die heftige Kritik der llewramtoren herausbeschwor. Die blutigen Judeurersolgungen deutet Berger als einen Ak: i'r::u> tigter Selbsthilfe, indem die „unterdrückt?" Bevölkerung von dem heut so aktuellen ktonrchrrecht Gebrauch gemacht habe. Er bagatellinert die Leiden des entrechteten jüdischen B-N'llerungsteils. Besonders die bürgerliche üll:chstellung der Juden hat Berger erbc't. Gier geht er so weit, von einem „Schuldkonto" derjenigen Deutschen zu sprechen, die seinerzei: in edler und humaner Gesinnung die Judenemanzipation förderten. _ liiMtev v*V j w v<► i 'v*j v? In diesen Blättern hat man es nie abgelehnt, sich mit neuen Vorschlägen zur Jn'tnemanzipation sachlich auseinanderzus'tzcn. IG irr Ziel ist, die Rechte der Juden als Staatsbürger und deutsche Volksgenossen zu wahren und dafür zu sorgen, daß wir jüdischen Deutschen in Deutschland als Juden und in uustrer jüdischen Gemeinschaft weiterleeen iönacn. In diesem Bestreben haben wir uns niemals gescheut, uns mit der Mischen Bewegung, die glaubt, andere Wege gehen Zu müpen als wir, dem Zionismus, auseinand-erzusetzen: wir hrben dies in dem Bewußtsein getan, daß nur ans der fruchtbaren Auseinandersetzung mit dem See ne r lebenssördernde Vorschlägezum Nutzen der jüdischen Gemeinschaft entspringen^krnnen. Wir glauben übrigens, daß diese AuffaMng auch von der Gegenseite geteilt wird. Wenn aber -'chon ein jüdischer Mensch es unternimmt, leine eigenen Ansichten zum Thema über den Nahmen der jüdischen Geineinschaft hinaus zu veröüenrlüncn, so halten wir es für den Gipfel an Würdellüakeit, wenn er sich dabei an Adolf Hirler werdet, an den Führer zener Bewegung, deren Ziel e-s ist, uns Juden, gleichgültig ob Zionisten oder Deutschjuden, Physisch und moralisch rn serädigen, wenn nicht zu vernichten. Was aber tut Karl Lieblich in seiner neuen Broschüre „W as geschieht mit Ich Juden" (Zonen-Berlag, Stuttgart 1932). Er stellt die Frage direkt an Adolf Hialer. Nein, er tut nicht nur dies. Er bittet Hitler. dem er aljo damit die Führerrolle bei der Gestaltung Der schaden, den derartige Gedankengänge Ln Geschichtsunterricht der deutschen höheren schulen anrichten würden, dürfte unermeßlich sein. Sie sind weder mit dem Artikel 148 der Neichsverfassung noch mit den Nichllinien des Reichsinnenministers Freiherrn von Garst dir dm parteipolitische Beeinslnmmg der Schuljugend brandmarken, vereinbar. Wenn heute rvicdererwachte mittelalterliche Barbarei gegen das „Weimarer System" der Humanität Sturm kämt, so tut es not, an die Mahnung des groß, den deutschen Erziehers, an Pestalozzi zu erinnern: „Blochten die Menschen dom einmal fest ins Auge fassen, daß das Ziel alles Unterrichts ewig nichts anders ist und nichts anders fein kann, als die durch die harnronnche Ausbildung der Kräfte und Anlagen der Menschenr.cdiii entwickelte und ins Leben georderte Menschlichkeit selber. Möchten sie doch bei jedem Schritt ihrer Bildungs- und Unterrichtsmittel sich immer fragen: Führt es denn wirklich zu diesem Ziel?" Dr. Fritx Fried Länder. des neuen Deutschland zubilligt, doch im ^inne des nationalsozialistischen Programms eine Erneuerung der deutsch-jüdischen Beziehung m vorzunehmcn. Das saßt Lieblich so auf, daß er für dapädi'che Volk, „das einzige Gürtelvolk der Erde", die „internationale Elation", die „Eigenständigkeit erbittet", d. h. auf gut Dmnch, Hitler um die Gewährung nationaler Minderheitenrechte in Deutschland bittet. Dabei iw sich allerdings Lieblich im Gegensatz zu manchen anderen Verfechtern dieser Idee (vgl. die Broschüre von Hugo Marr ,Mas wird werden?") darüber klar, daß wenigstens die deutschen Juden keinen staatsrechtlichen Anspruch auf diese Rechte voraveisen körmen, da ihnen sowohl das eigene Territorium wie die eigene Sprache fehlen und sie auch wicht in besonderen Gebieten leben. Er erhebt einzig und allein^ den moralischen Anspruch daraust im Jnterepe der reinlichen Klärung und Scheidung der Geister und Kulturen, sowie — um das jüdische Volk wieder aus seiner Leihcrrgie zu erwecken, ihm Leben einzuhaüchen. Das Büchlein Lieblichs besteht aus =ird Aufsätzen. Der erste Aufsatz, betitelt „Die jungjüdische Bewegung", enthält ähnliche Sedankengänge wie die Broschüre „Wir jungen Juden" Dr. Felix ©ofömatns (Leipzig) legi Werl cruf die Feftüellung, daß sein Aufsatz in der ritt 28 d:r ,.C. V.-Zeitting" irant 8. Juli d. I. ici jü di schon ReligionstechF> durch die Rr- >a!üon eigenmächtig geändert rucwden ist. Durch den zozziaü;seiet Abschnitte, welche sich mit der Frag: £:r Sachrerstänüigen in Talrnudprazeffen bnaßien, stutz Qu/ci und Sinn des Aussatzes ganz erheblich r-erandert werden. z d3bsvLickkrix'0rrLxen6be«äkrkdsi Eäsaraa / SZstsL l Ui st' \ Wenn Schmarzen . , Ischias, Hexenschuß und Erkal tungskrankheiten. Lest die Harnj säure und ispstark bakterientötend. 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