Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 35 (26.8.1932)
- Date
- 1932-08-26
- Page
- Seite 361 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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361 „Tie eurOpäisthe r.etud' roibmet ihr Slucuft- Heft der Jubwnrvr.p.:. u::f;j:nnc;.'n jüdi'-cher und nichrjüdi'cku'r Per'äu.iichkeiwn find darin zustunmengestcllr. Wir C:\/bti-'uns mit dem Ruausthest der W-wochststWu Äev-:e" nr_T-i fo sehr iii;i Cor e::rO.urilbn, al-i deshalb, weil cs zu' einigen qrundsätz t ichen £ c m e t £ u n gen u n d (i t n w ä n d e n xln* laß bietet. Es ist nicht das exuemal, bay ein: bedeutende und angesehene Zeitschrift die deutschjüdischen Tinge 311 klären und die beiden Leger zu gegenseitigem Verstehen zusammenzu'ühren unternimmt. Es sei nur an die vor einiger Zeit erschienene Publikation der „Süddeutschen Monatshefte" erinnert. Tie gute, auf Sachlichkeit und Entgiftung gerichtete Absicht der Veranstalter ist dankbar anzuerkennen. Doch ivas ist das Faz^it solchen Unternehmens s Tie Klärung der 'Standpunkte, oder um es zeitgemäß auszudrücken, der Fronten. Tiefe Klärung ist ja aber nach allem, was über die Judenfrage geredet und aeschrieben^ist. längst vollzogen: allerdings nur ui bem <ainne. daß man weiß, wie der andere grundsätzlich zu der Tacho steht, was er als gültig anerkennt, was ihm als eindeutig entschieden scheint, was er nahezu in eine Formel zu fassen vermag, lieber eine Klärung solcher A r t kommt auch dis vorliegende Publikation nicht hinaus. Es ist ja immer wieder das Eigentümliche, daß man, sofern es sich um Autoren handelt, die sich schon mehrfach über den Gegenstand geäußert haben, nur die Namen und die Ueberschristen zu lesen braucht und sich dann im Grunde die Lektüre ihrer Aufsätze ersparen kann. To formelhaft sestgelegt ist das alles, so dogmatisch verhärtet, so hrchmütig verrannt, so kategorisch behauptend und alles andere abweisend, so im tiefsten Grunde unwissenschaftlich, so fernab von jedem Aman unbefangener Prüfung der Wirklichkeit. Tie Position der Judengegner, die Art, wie sie die Juden und ihre Beziehungen zum deutschen Volk sehen, ist hinlänglich bekannt. Es sind immer wieder Abwandlungen derselben Grundthese: Tie Juden können vermöge ihrer sie -u einer ^ondergemeinschaft verbindenden Srnderart nicht deutsche Volksgenossen sein — woraus dann vielfach praktisch-politische Folgerungen gezogen werden. Wie diese Sonderart, die sich durchs alle nationalen, sozialen und landZnrarmfchafrlichen Differenzierungen hindurch behauptet, gekennzeichnet wird, ist gleichfalls bekannt. Es mag viel Richtiges darin stecken, wird auch vielfach von unseren Gegnern positiv gewertet und kann auch von uns^weithin akzeptiert werden. Fragt man aber, warunädis Juden wegen ihrer Sonderart von der deutscheu Pollsgemeinschaft auszuschließen sind, wo doch das deutsche Volk sehr verschiedenartige ^tammeselemente und Lebensstile in sich birgt, so wird geantwortet: Wer! die Juden auf den national-polmschon und kulturellen Bestand des deutschen Volkes gefährdend und zersetzend einwirken, weil sie möglicherweise gute Staatsbürger, nicht aber deutsche Volk s g e n 0 s s e n, dem deutschen Schicksal wurzelhaft verbunden, sein können. — Hftrron einige Beispiele in der vorliegenden Publikation. In dem — sonst sichtlich um Gerechtigkeit bemühten —^einleitenden Aussatz des Herausgebers der „Europäischen Revue", Kar! Anton Prinz Roh an, ist davon die Rede, daß das „Jüdische" schwächend, verwirrend, am'kockernd auf das Deutschtum wirke, daß der Jude aus notwendig. feindlichem Instinkt das Wachstum eigenständiger Formen störe. — In der gleichen Richtung bewegt sich, was Josef Nadler, Literaturprosesior an der Wiener Universität, auf Litsrari-chom Gebiet gegen die deutschen Juden ins Feld führt. Nach ihm wird von den Juden alles, was mir Hemmt und Bodenständigkeit zu tun hat, peinlich gemieden, lächerlich aura-chi oder bezweifelt, wird die deutsche Umgebung desillrrsiorüerL und werden ihre Werte .zerstört. — Hingegen sprich: Albrecht Erich Günther, Mitarbeiter an der Zenschrift Swrels ,aTas deutsche Bolterum". nicht von schädlichen Einstünen des Judentums, sondern er geht den Dingen tiefer auf den Grund. Er geht vom Politischen ans, und zwar von der Theorie Earl Schmitts, nach der das Wesen des Politischen die Unterscheidung F r e it nd—Feind ist, und behauptet, in der Abneigung gegen die Juden drücke das deutsche Volk die Üeberzeugung aus, daß die Juden die Unterscheidungen der Deutschen zwischen Freund und Feind rückst teilen; denn ne haben nach Günther einen anderen „Nomos", ein anderes Wachstumsgefetz, was im äußersten Ernstfall, im Kriege, fühlbar werde. — Diese Proben mögen genügen. Wir fragen nun mit einiger Ungeduld: Was soll das allesi Es scheint ursis müßig, und wir verzichten darauf, im einwlnen auf das zu antworten, was da gegen "uns vorgebracht wird mit einer Ueberheölichkeir, als ob es nicht viele Millionen Deutscher gäbe, die d i e d e 111 f cf) s n Jude n a l s Volksgenossen anerkennen. Wir ttrijien: Bor dem unbefangen prüfenden Blick liegt die deutfchjüdische Wirklichkeit irr ihrem unendlichen Reichtum, mit dorn £eben, schassen mib Sterben unserer Besten ausaeöreitet. Bor dieser Wirklichkeit, die wir zum Zeugen aufrufen, zerfallen alle jene hochmütigen und unwahren Theorien in ein Nichts. Aber gegen diese, das Lebendige mißachtende Art wenden wir uns mit leidenschaftlicher Entschiedenheit. Hier ist der Punkt, wo wir den Gegner fachlich stellen müssen, immer wieder und "wieder unerbittlich ihn nach den Realitäten fragen mügen, aus denen er seine Thesen herleitet. Und mag man unsere Art, ihn auf die Wirklichkeit anzusprcchen, noch so „jüdisch", rationalistisch, intellekrualistisch und was weiß ich foult noch, finden: Hier heißt es festbleröen. W:r dürfen nicht zulasten, daß pch die Auseinandersetzung von der immer noch einzig legitimen Erkenntnisquelle, der Wirklichkeit, entfernt. Es geht einfach nicht an, daß man immer wieder dieselben Behauptungen aufstellt, ohne auch nur den leisesten Versuch des Tatsachenbclstgs Zu machen, daß man an dem ungeheuren, vielfältigen Wirklichkeitsbeftmd von Vergangenheit und Gegenwart vorbeigeht. Wenn wir dies abtehnen, so ist das wahrlich keine jüdische Besonderheit, sondern es ist das primitivste Gebot der/ um mit Nietzsche zu sprechen, intellektuellen Rechtschaffenheit. die Dinge so zu sehen, wie sie sind. Denen, die dieses Gebot als für sich nicht verbindlich anerkennen, die sich nach wie vor nicht bemühen. die Wirklichkeit Kr erkennen und die durch solche Erkenntnis gebotenen Folgerungen zu ziehen, vermögen wir iür ihre Thesen r;ia;ii mehr den guten Glauben zuzu- . billigen. Wir können diese vielmehr nur als Symptome einer Willensrichtung werten, die, getragen von Haß gegen ein Anderssein um seiner Andersartigkeit willen, diese ihre elementare Primitivität, ihre atavistische Frübstufigkeit nicht zugeöen miii und Zu ihrer geistig-sittlichen Selbstbehauptung sich eine scher n w isfenschastlicheRechtfertrgung sckuift. Eine Rechtfertigung mit*Denkergcdmssen. die auf all 8 twe gewähren oder konstruierten Vorausschuntzsr? ruhen, an populäre Stimmungen und Gefühle anAmpfen und durch Den heute \o beliebten. ach fo bequemen Kniff des Jirotronalca'sich ^onFsntirr Oxunnsr Am Ä. v. M. begeht Coustannn Brunner feinen 7b. Geburtstag. Ccueugl wir in ent* scheidenden Punkten seiner Auffasstmg und seiner Lehre nicht mit ihm üb wein stimmet, treten wir cm seinen Ceburistogskuch und gratulieren ihm aus das aNerh e i z l i ch ü e. Constantin Brunner gehön zu denjenigen Menschen, die in seltener Reinheit des Charakters einen Idealismus verfechten. der rücksichtslos — und das schein! uns das Entscheidende seines Wesens Zu sein — allem Aberglauben enteegenNst: und das Wahre mit dem Guten verbinde-. Er gleicht in vielem Spinoza, dessen Lehre in ihm' eine neuspmeff.stischs Richtung erfthrm hall Brunners Leben'hat sich wach seinem Meister geformt, verrät doch die Liognaxi ie „Dom Einsiedler Constantin BrmmeW in vwlem die Lehnlich.sti! mit Baruch Spinoza. Auf unserem Gebiete ist Brunner von entcheidender Bedeutung durch sein uuäbertro'stneschrk .,D e u t f ch s n h a ß und I u d e n h a ßA Hier hat Brunner, und das hat vor und nach ihm keiner getan, in schlüssiger Weich den Beweis gcsuhrst daß der Judenhaß Heine genau so begründet wird wie vor und nach dem Kriege der Teuffchenhaß. Wenn man dieses Wert studiert, so findet man, daß auch noch Heine gri wörtlich dieselben Vorwurf? von' deulscker ^eire gegen die Inden erhoben werden, wie sie von den Feinden Deutschlands gegen die Deutschen erhoben worden sind- Ltan bear-ifü wie die Pchchose des Hasses auf ganz andere Motive zurückzusühren isst als es bei dem landläu'igen Judenhaß auch vielfach die jädischnaiionale Auffassung verkündet. Dieses Werk ist geradezu ein QueNenwerk für alle Zerten. Es sollte nie vergessen werden, denn es enthält — auch vorn jüdischen Standpunkt abgesehen — Wahrheiten, die in sich mir durch dringen können, wenn man ihre psychologischen Grundlagen beherrscht und weiß, wie die Haßochchwe entstanden ist, wie sie sich auswirlt und wik sie allein durch psychologische Erkenntnis des Wesens des Hages bekämpft weiden kann. Viele Folgerimgen, die der Wahrheit-ä-sucher Constantin Brunner, nebenbei der Enkel eines berühmten Döerrabbinsrs, in seiner unbedingten Ehrlichkeit gezogen hat. werden uns und unsere Gesamtheit keineswegs als seine Parteigänger erscheinen lassen; aber alle werden ihm in einem recht geben, nämlich in der B e r u r t e i« lung des Lip pen; udentums, das Tinge für sich in Anspruch nimmt, die es innerlich nicht anerkennt und erarbeitet hall Auch viele von uns werden nicht alles billigen, was Brun r.z r dem Zionismus vor hält: e bs r auch hier spricht er Tinge aus. die juder überdenken sollte, um so mehr, als ne von einem reinen und ' vorzüglichen Geiste erfaßt und geschrieben wurden. Gerade bei der Beurteilung der Brrw.nrrschcu Schriften zeigt sich die höchste Blüte der Toleranz: einen reinem Willeu, einen klagen Verstand und eine vorzügliche Persöulichkeir auch dann zu würdigen, wenn man i:r nicken ihrer Gedankengän.ge nicht der Weisheit lebten Schluß sieht. Darum begrüßen wir Constantin Brunner als eine lichte' Erscheinung in einer trüben Zeit. Liidwig Holländer. "1 in L w. yJdu n. n \ r* ■ ilf 7» y L u W J ii E3 rx n n n Uif-Öä lJ;.JÖÖL B 1 0 für ürb@i$s&Q3€bsi?emn0 t vom 1s» bsS iS. S0p10HriOSl' "T*ein0OiZi*£nSITs (am Wittanbergpfatz, gegenüber Kadewe) uniei* dem Protektorat des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, veranstaltet vom Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens, E. V. z:u Berlin Geschäftsstelle: N018, Grosse Frankfurter Str. 80 81. Königstadt E3 2490« Eintritt frei! Tarüch geöffnet von 10 Uhr früh bis 8 Uhr abends, am Eröffnungstage ab 1 Uhr mittags. Eintritt frei!