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Central-Verein-Zeitung · 1932-08-26 · 35 (26.8.1932) · p. Seite 359

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
35 (26.8.1932)
Date
1932-08-26
Page
Seite 359 (sequence 3)
Language
German
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AL- -if.^ wm. .. .. HI V/ «itf f y W/ ^r-/-y ->««/ v^Vv*^^ vv^v j? w/*^ durch die Stadr. Der Charakter der Demon- ENTl^^N * ♦♦♦ Oschersleberr, 22. August. Auf dein üöer 250 Jahre alten und feit langer Zeit unbenutzten jüdischen Friedhof sind von bisher unbekannten Tatern vier Grabsteine gewaLLsanr rrnrgeworfen und ganz oder teilweise zertrümmert worden. Aon einem der Grabsteine wurde die Hälfte abgehauen und dieses Stück wieder aus dem Grab errichtet, olizeili che Ermittlungen sind i m äuge. Landsberg a. d. W., 17. Augusr. Gegen das Haus, in dem -er jüdische Landgerichtsrat Tr."Sw l i n g e r wohnt, wurde ein LPrengstosfatterrtat verübt, bei dem^fämt-- liche Fensterscheiben der Vorder- und -^eitenwand zertrümmert wurden. Personen sind nicht verletzt. Kottbns, 16. August. Das Lprengsroffattentst in der jüdischen Siedlung Groß-Gaglow, über Las wir in der vorwöchigeu Nummer der ,.E. V. - Zeitung* berichteten, ist noch immer Gegenstand polizeilicher Ermittlungen. Tis jetzt fehlt von den Tätern jede Spur. Dagegen hat die Untersuchung ergeben, daß es sich um eine plan in ähigvOrder e i t e t e A ktion handelt, da man Reste einer Zündschnur an denn Tatorts gefunden hat. Die Aerbimdenheit der jüdischen Siedler mit der dortigen Bevölkerung ist nach dem Attentat nur noch fester geworden. In allen Kreisen wird der Vorgang schürfßens abgelehnt. Die gesamte Presse hat sich dieser Ablehnung angeschlossen. An dem Tatort selbst werden die Neste des völlig in die Luft gesprengten Hauses abgetragen. Tor Regierungspräsidenr von Frankfurt (Oder) hat für die Ergreifung der Tater eine Belohnung von 10» Mark ausgesetzt. Brestarr, 23. August. In den Abendstunden des 23. August kam es im Anschluß' an die Todesurteile des Beutyener Sondergerichts erneut zu nationalsozialistischen Ausschreitungen. Diesmal hatten nch die Nationalsozialisten Breslau zum Schauplatz ausgewählt. In einzelnen Straßen Breslaus rotteten sich Demonstranten zusammen mnd zogen mit Schmährufen gegen die Papen-Negierung und gegen die Juden stration wurde durch Rufe wie „Arbeit u n d B r o t, d e n I u d e n T o d", und „Jagt die ganze Judenbande endlich aus dem deutschen Lande", und „Nieder mit den jüdischen BlutrichterrG deutlich. In der Goethestraße wurde der jüdische Pasianr G. zu Boden geschlagen, in der Schweidnitzer Straße der jüdische Pasiant T. verletzt. Beide wurden außerdem bestohlen; denn einen nahm man die Uhr, dem anderen das Portemonnaie fort. Die Polizei konnte erst am nächsten Tage die Ruhe völlig wieder Herstellen. WA-jM W LlMlM Bei Terrorakten wissen die Betroffenen oft nicht, welche Schrille sofort einzuleilen sind. In erster Linie ist die zuständige Polizeibehörde bzw. die Landgendarmerie telephonisch oder durch einen zuverlässigen Bolen zu verständigen. Augen-und Ohrenzeugen ermittele man sofort und gebe ihre Flamen der Polizei weiter. Talzeugen können auch veranlagt werden, eidesstattliche Erklärungen abzugeben. in denen sie die Vorgänge aufs genaueste niederlegen. Zwecks Weitergabe des Vorganges an die Presse oder gegebenenfalls an die Zentralbehörden ist die Hauptgeschäftsstelle des Centralvereins ^Berlin, Oliva 5074) Tag und Nacht telephonisch erreichbar.' Ein ausführlicher. nur belegbare Tatsachen enthaltender wahrheitsgetreuer Bericht ist dieser Meldung nachzusendeu. Sofern die betroffenen Mitglieder die zuständige Landesverbandsgefchäfksftelle nicht wissen, besorgt die hauptgrschästsstrlle die Verständigung und sorgt für alle weiteren Maßnahmen. 3 O WA! Ein Wort an unsere Mitglieder und Freunde in Mitteldeutschland. Don Artur Schweriner, stellvertretendem Syndikus des E. D. Leipzig, Ende August 1932. Wie feierlich ging das Ende Mai in Leipzig bei der Gründungsversammlung des Landesverbandes Mitteldeutschland zu! Nacheinander gaben die Vorsitzenden oder deren Vertreter aus den Landesverbänden Freistaat Sachsen, Provinz Sachsen. Thüringen und Anhalt Erklärungen ab, daß sie aus die Selbständigkeit ihrer Wirkungskreise fortan verzichten und sich in ein großes Ganzes, den Mitteldeutschen Landesverband, emgliedern wollten. Vier verzichteten, daß der eine neue große Landesverband lebe! Grundlegende Aufbauarbeit wurde in den ersten Anfängen durch die Auslösung des Reichstags gestört. Die politische!: Geschehnine beschäftigten uns naturgennäß in einen: Ausmaße, daß die Organisationsarbeit nur ganz nebenbei geleistet werden konnte. Wehe der Organisation, die ihr Fundament auf Not st and-'arbeiten gründet'. Wir mußten daher an- 1. August von neuem beginnen. Trotz Hitzewelle und Ferienzeit kamen wir vorwärts, weil uns viele Ortsgruppenvorsitzende und Vertrauensmänner unseres Bezirkes nach besten Kräften unterstützten; weit die mustergültige Kleinarbeit vorbildlich geleiteter Ortsgruppen Leben ansstrahlte, das anderen. Zugute kam, denen- Kleinarbeit der große Unbekannte geblieben ist. Wir sind gewiß nicht ungeduldig. Gut Ding will Weile haben. Für einen Mann, der den größten Teil seines Lebens in der politischen Gefahrenzone zugebracht hat, ist es lehrreicher Anschauungsunterricht Zu sehen, wie wenig gerade befähigte politische Kopfe im Lande Organisationsarbeit schätzen. Dieselben Menschen, die in politischen Versammlungen betonen, Hitlers Organisationstalent sei unerreicht, Hitler sei nicht der große Staatsmann, sondern der große Trommler — dieselben sonst so klugen und erfahrenen Freunde des C. V., halten es oft für eine Beleidigung, wenn mau sie in ihrer kostbaren Zeit mit Organisationssragen belästigt. Im Nationalsozialismus ist die Organisation alles. Wer sich gegen seine gefährlichen A u s st r a h l u n g e n w e n d e n will und keine achtunggebietende Organisation hinter sich hat, kann k e i n e n E i n d r u ck machen. Wenn die Zusanm-ensafsung von vier Landesverbänden des E. V. zu einem großen Mitteldeutschen Landesverband einen Sinn haben soll, muß die Organisation innerlich so gekräftigt und äußerlich so aus-gebaut werden, daß die Resonanz unserer Aufklarungs- und Abwehrtätigkeit sich in gew a l t i g e m Ausmaße, nicht e t w a nur um das Vierfache, steigert. Ein nicht mehr lebensfähiger Verband hat mit seinen häuslichen Sorgen so viel zu tun, daß ihm für die eigentliche Arbeit, für dw er geschaffen worden ist. nicht viel übrig bleibt, »int er einen Landesverband Mitteld e u t s ch l a n d kann Dampf gesetzt werden, wenn die Juden Mitteldeutschlands nur wollen. Tausende unseren Ideen verbundene, auf unserem Boden stehende Scanner und Frauen können aktiviert in eine mitteldeutsche Front gegen den Gegner gebracht werden, der gerade von Plauen und H alle und Erfurt und Dessau her immer wieder und wieder vorstößt, um zu seinem Endziel zu gelangen. W a s t u t i n d e n nächsten Wochen in M i t t e l d e u t s ch l a n d an O r g a n i s a - tionsarbeit not, damit Briefe, wie toir sie aus einem t h ü r in g i s ch e n O r t erhalten haben, nicht Seltenheiten blerben: „Ich erhielt Jhre^ beiden Rundschreiben vomJ.7. d. Nt., vielen £?anr dafür. Ich werde im September — wie wir es seinerzeit besprochen haben — hier eine Gründungs Versammlung veranstalten, und ich bin überzeugt, daß jedes Mitglied der Gemeinde dein G. B. beikreten wird. Obwohl ich sehr beschäftigt bin, werde ich wohl nicht drum herumkommen. daß ich verschiedene Herrschaften persönlich besuchen muß. die bekanntermaßen Berfan-mlnngen prinzipiell nicht besuchen." Es tut not, daß die Rundschreiben des Landesverbandes der Ortsgruppe Anregung pur Aktivierung geben. Ein Vorsitzender, der auf unsere Rundschreiben nur selten oder gar nicht antwortet, nimmt nur den zwei ten Teil der ehrenvollen Amtsbezeichnung wahr. Auf ihren' Posten sitzende oder an ihrem Amt klebende Ortsgruppenoorsiyende sind in der heutigen Feil nicht nur eine Belastung der Organisation, sondern eine Versündigung an ihr. Aus der anderen Seite ist niemals die Eignung ein so wichtiger Faktor bei der Auswahl eines Vorsitzenden gewesen wie in der jetzigen Zeit, die von einem führende:! E. V.er Können, Takt, Besonnenheit, Entschlosienheit und Umsicht in einer harmonischen Ausprägung gebieterisch verlangt. Wenn ein Nichtstuer durch einen Allesbesterwmer abgelöst wird, ist der Sache damit in keiner Weise gedient. Die notwendige Umorganisierung der Vorstände wird also nicht mit Firigkeit allein vor sich gehen dürfen. Von interessierten, fähigen, frischen Kräften werden, wenn es nottut, Vorschläge gemacht werden müssen, die in der Ortsgruppe eine Wendung zum Besseren verbürgen. Es tut vor allen: not, daß die Mitglrederwerbung in jeder Ortsgruppe an Hand der Gemeindelisten planmäßig schon jetzt einsetzt. Viele uns nahestehende Männer und Frauen wissen von der Gründung des Mitteldeutschen Landesverbandes noch nichts. Besonders auf dem flachen Lande ist es schwer, die notwendige orgmnsato rische Kleinarbeit zu leisten. Sie ist nur dort möglich, w o m a n o o n d e r A r b e r t d e s C. V. w e i ß. Wir werden im kommenden Herbst und Winter E. V.-Veranstaltungen bezirksweise organisieren und dadurch unseren Freunden vom Lande den Besuch ermöglichen^ Es muß Ehrensache für den Großstädter in wachsen werden, in dem neuen Landesverband sich opferwillig für den jüdischen Dorfbewohner in Thüringen einzusetzen, wie es für die Leitung des Landesverbandes Ehrenpflicht sein wird, zu helfen, wo es not tut, unabhängig davon, ob es sich um Stadt oder Land handelt. Unsere Freunde und Mitglieder im Landesverband Mitteldeutschland müssen an dem organisatorischen Ausbau des neuen Landesverbandes tatkräftig Mitarbeiten, denn das in Leipzig gegründete Syndikat kann nur in lebendiger Zusammenarbeit mit ihnen das werden, was es werde n m u ß , wenn seine Existenznotwendigkeit erwiesen sein feil: Freund und Berater der Juden Mitteldeutschlands im Kamps um Ehre und Recht und Freiheit; die Zentralstelle, von der aus Arbeitswille und Kampfesmut gestärkt und gestählt werden, um in dem Gefahrenherd Mitteldeutschland eine schicksalschwere Zeit kein kleines Geschlecht finden zu lassen; eine Stätte freudig b e - j a h k e r A r b e i t.

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