Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 35 (26.8.1932)
- Date
- 1932-08-26
- Page
- Seite 358 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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35$ Juden bereits unter Ansnahmerecht gestellt. Narr sah allgemein nicht, daß mit einem geforderten Verschwinden des Rechts, mit der Duldung der Gewalt unter dem Deckmantel des „Nationalen^ dem wahrhast Nationalen, das immer den Nschtsgedcmken in sich bergen muß, wenn anders cs seine nationale Grundlage nicht erschüttern wD, der Todesstoß versetzt werden wird. Tis immer wieder gepredigte Gewaltanwendung lief in Benthm za mrchtbaren Todesurteilen aus. Man wird deren Unglückliche Vpstr müs Licsite bedauern. aber erkennen müssen, daß in dem Augenblick, in dem der Führer der Verführten versscherl. ihre Freiheit sei it'r.t eine Frage der Ehre der nutionalsozialistischen Bewegung, das Erkennen von Recht und Sittlichkeit Zn einer Unmvgltchkeit und der Ltaatsgcdanke Zum lllvser ölanker WiWrherrschall werden muß. Das aber zu verhindern, muß Aufgabe mast nur der Juden, sondern auch aller nationaler Deuts chen sein. Zwei Sprcrchssr Zur Iuüifthen wrltkonfsrrnA in Genf vsm 74. bis 77. August 79S2 Von Dr. yjtfrcd Wiener Eonderbevichtfürdie,. b. B. -Zeitung" Eine in blauweißen Farben geschmückte Prüüdcntentttbüne, Pfadfinder mit blemveißem Abzeichen als Ordner, Leo M o tz k i n, der bekannte Vorkämpfer des Zionismus und langjährige Borsitzeudo der Zionistenkongrene. auf dem Präsidenrernrnhl, in dem Präsidium der Konferenz mit geringster Ausnahme die alten Kämpen des Zionismus — eine Konferenz unter solchen Vorzeichen, die für die innere Einstellung der Teilnehmer charakteristisch sind, soll einen Weltkongreß für die Juden aller Richtungen vorbereitend Wer einige Minuten wahrend der viertägigen Verhandlungen die Augen schloß, wer dann den donnernden Beifall, einem beliebten Redner oder einer Kraststelle gezollt, hörte, wer dann immer wieder das den Versammelten heiligste Dort „Palästina" oder „Die Leiden des jüdsschen Vastes" oder „Tie Unbetehrbrrkeit der Aistmilanten" vernahm, hätte mit gleichem Recht behaupten können, Gast des ZionisttLikONgrefses in Basel oder Zürich zu sein. Unter den 100 Delegierten waren wirkliche Nichrzimisten, wie wir ne verstehen, kaum. Ans Polen erschienen mehrere Delegierte, die eine beachtliche Anzahl Gemeinden und Organisationen vertreten, unter ihnen bemerkenswert' der Folristenführer P r i l ifc k t und der Vorsitzende der Krakauer Jüdischen Gemeinde. Dr. Landau. Diese weichen zwar in ihren Gruudanschauurgen von denen des Centralvereins ab — Polen kennt verfassungsmäßig etn^ nationale jüdnche Minderheit — aber in der Kritik der Dtethoden stimmen sie weitgehend mit uns überem. " Prilucti und Landau, die Wortführer der Nichtzstmisten, will man den Begriff einmal annehmen, hatten denn auch einen schweren Ltaud. Unklug war es. diesem Rest der Nichrzionisten in der Exekutive des zukünftigen Weltkongresses, der — wer konnte daran zweifeln? — von der Konferenz einstimmig beschlossen wurde, nicht die ALwünchre Vertretung zu gewähren, mögen auch in diese Entscheidung die wüticen Gegensätze zwischen den polnischen Zionisten r,J. Grünbaunr) und diesen Nichtzionisten hincingespiclt heben. Unklug war es. aus der maßvollen Kritik Priluckis sich nicht manches Beachtliche ins Notiz-, buL za schreiben, so. als er freche, warum die unutrrtene Palästina-Frage auf dem zu beschließenden Weltkongresse m die llstrrre gerückt werden sollte, so, als er die Frage zu beantworten suchte, w a x u mdieRi dj t^z i o n i ft e n in der Welt fast geschlossen sich der Konferenz versagt Hütten, so als er die naheliegende Besorgnis anssprach der Weltkongreß werde nichts weiter sein als ein Instrument zionistsiwer Politik. Ihm wurde nicht überlegen, nicht 'sachdienlich geantwortet. Die Antworten, auch vom Präsidiumstische LUZ, waren geeignet und mußten dahin Wirkern die dünnen Verbmdungsplanken zwischen. Zionisten und Nichtziouisten zu zerbrechen. . Dr: C e n t r a l v e r e i n ha: sich schon an dieser Konferenz nicht beteiligt. Die toll er sich, wie fcdcn sich die anderen maßgebenden nichtzion isti'chen Orgauichstonen Europas und Amerikas an einem ^ongre^e beteiligen, der. abgesehen von manchem anderen, das Bekenntnis, sich einem jüdisch-politischen Volkzuzuzählen, als bedingungslose Voraussetzung hat? Gewiß ist Wo people eilte» Dr. Stephan Wisc etwas anderes als „Das Volt" ein.es Ernnbaum oder Istniock. Wir dürfen aber gerade in diesem entsch-eidendcn Punkte nicht die geringste Unklarheit aufkommen lassen und, da wir uns, nicht aus Ueberlegung, nicht aus Zweckmäßigkeit, nicht aus „Asiimilantentumst sondern aus letzten Empfindungen unserm d-utschsn Volle verbunden sühlen, ohne je unser Judentum deshalb geringer zu werten, so führt hier bestimmt keine Brücke von einem Ufer zum andern. Ist es auch nicht bezeichnend, daß ein wesentlicher Teil Der Methodik der zionistischen Weltanschauung mit durch kein Wort angezweifelter Lelostverständlichkeit die Methodik des 'Weltkongreßes, also damit auch der Bekämpfung des Judenhasses, werden soll? Der Weltkongreß soll „die Adresse des jüdischen Volkes^ schassen — ohne die Millionen Nichtzionisten, wohlgemerkt! —, von dieser Tribüne sollen dann die großen Erklärungen in die Welt, in die Weltpresse hinein. Wie werden ne wirken? Unmißverständlich und unannehmbar für uns bekennt es die Entschließung der politischen Kommission der Konferenz: „Tie Entscheidung über das Lchicksal eines Volkes liegt bef fcem Volke selbst. Auch das jüdische Volk wird die wirksamen Lassen zu seiner Verteidigung und Befreiung Der USssEMsmZö des Cenfrcil^ereins erstmalig in diesem Jahre eingeführt* erfreut sich starker Beanspruchung. Er erteilt auch jetzt noch kostenlos, gegen Erstattung des Briefportos, Auskünfte über deutsche Kurorte und Gasthäuser unter dem Gesichtspunkt, ob sie als Judenfeind!ich angesehen werden müssen oder ob sie jüdischen Gästen hinreichenden Schutz vor Belästigungen aus politischen Gründen bieten. Es können auch Auskünfte über solche Häuser gegeben werden, die dem Centralverein erklärt haben, dass ihnen jüdische Gaste jederzeit willkommen sind. Anfragen unter Beifügung von Rückporto sind zu richten an den Reisedienst des Centraivereins, Berlin W 15, Emscr Strasse 42.; i; i nur tn der Sammlung seiner Gemeinschaft trnd in dem Gedanken der Wiederaufrichtung seiner nationalen Eristenz und nur du an finden, wenn es die Gestaltung seines Schicksals in die eigene Hand nimmt, Nur ein in sich und in seinem nationalen Lebenswillen erstarktes jüdisches Volk wird die j Unterstützung der öffentlichen Meinung der j Wett finden. In der Organisierung der : Vertretung des jüdischen Voltes znm Weltkongreß erblicken wir einen entscheidenden . Lchrirt aus diesem Wege.- Selbst wenn wir einen Augenblick lang das (nie zu übersehende) Grundsätzliche dieser -Lätze überschsn — auch die Methode ist die unsere nie gewesen, wird und kann sie nicht sein. Die öffentliche Meinung der Kultunvelt soll nicht gering geachtet werden. Wird sie den Judenhaß niederringen? Besonders den Judenhaß in den einzelnen Ländern? Das Hinausschreien jüdischer Leiden und Nöte mag ein Trost und eine Beruhigung für manche sein, aber ist es ein wirkliches Heilmittel? Die Gefahr der Ansicht, die schon die Veröffentlichungen der Presse, besonders in der Schweiz, in sich bergen, als gäbe es, über die Erde verstreut, ein einheitlich jüdisch-politisches Volk mit gewissen politischen Aufgaben und Zielen, ist schon ernst genug, obwohl die Nachricht der Preffemitteilung Nr. l, über 100 Delegierte verträten 60 Länder, insofern irresührt, als diese Delegierten, ernannt und nicht gewühlt, keinesfalls die Jndenheiten ganzer Länder hinter sich haben. Die Konferenz stellt einen Torso der Judenheit dar. Nein, so geh: es nicht. Zur Bekämpfung des Judenhasses gehört unendlich viel sorgsame und überlegte Klenwrbeit. gehört Aufklärungsarbeit durch Wort und Schrift, abgestellt ans lange Licht, gehört die Benutzung aller erlaubten politischen Mittel, gehört* die Mitwirkung jedes Juden und jeder Jüdin, in Auftreten und Lebensführung und die Grzrndanschauung von Deutschtum und Judenttnn, die in Deutschland im Eentralverein leben, weil er mit ihnen auf Gedeih und Verderb verbunden ist. Auch von diesem unserm Standpunkt aus wird der gerechte Beobachter die Rede Georg K a. r e s k i s in Gens und das Wirken der deutschen zionistischen Abordnung als verantwortungsbewußt zu bezeichnen haben. Lelbstverständlich lehnen beide unsere Weltanschauung ab, und ohne eine deutliche Lpitze gegen den Centralverein geht es ja nicht. Was aber sonst Karcsti über die deutsche Lage aussagte, ist im wesentlichen richtig. Vergleicht man seine Rede mit der des amerikanischen Delegierten Tennen bäum, so ist der Unterschied zwischen Verantwortungsgefühl und Verantwortungslosigkeit greifbar. Gerade solche Einstellung aber ist nicht populär. Und wie auf den Zionistenkongressen, so Hassten in der Vollversammlung und in den Kommissionen die Gegennahe lz. V. in der Beurteilung der nationalen Minderheitsrechte) des deutschen Zionismus zu dem anderer Länder, besonders des Vstens. Tie Erfahrungen der Nachkriegszeit sind an dem Zionismus nicht spurlos vornbergegangen. Der Centralverein wird nicht mehr mir Lpott und Verachtung genannt. Lelbst ans dicstr Konferenz wurde seine sachliche Arbeit von maßgebender zionisti-cher Leite anerkannt, sein ,chlleg" allerdings — wie konnte es anders sein! — als ,Holzweg" bezeichnet. Und diele Gegensätzlichkeit in der Beurteilung unseres Central- Vereins ist kein Unfall. Der gerechte Beurteiler, der Kenner der G. V.-Arbeit, kann nicht an ihren Leistungen vorbei. Er tobt sie, isr er auch entschieden er Gegner unstrcr Weltanschauung. Erfolgte so int „Materiellen" eine Annäherung, in: „Grundsätzlichen" ist die Entfernung unvermindert. Hier liegt das Entscheidende; hier sprechen die Zionisten eine Lp rache, hier sprechen wir eine zweite Sprache! Hier versteht keiner den andern. Die Wettkonserenz, einberufen durch Dr. Wiscs Initiative und Energie, halte, wäre sie dieser Ansgubc gcwach'en gewesen, eine Art Hilfssprache, ein gemeinsames Berständignnasmittet für die Jahre der Not vielleicht sckmsstn können. Lic hat es bei der zionistischen Lpwche belassen * -