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Central-Verein-Zeitung · 1932-08-26 · 35 (26.8.1932) · p. Seite 357

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
35 (26.8.1932)
Date
1932-08-26
Page
Seite 357 (sequence 1)
Language
German
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r - 23.8.1^2 Einzelnummrr 20 pfrnn; j tt«K WSZNMM. W '»wruBWiro --.Dk--« U «wuiMfuip 't3fly~*«g Vierteil aöräafcosinement 2.25 NM. Cauaüal. BeftellgrU». s^'v vvj>' y Allgemeine 2eÜun§ des Judentums Verlag rrnü SchristMtUNg: BrrN» W.13, Eniser SLr. 42. Frrnkprrchr-: 2 Oliv» 5074. .:. PsstschrckronLo: LrrNn 304 72. Brntts.-.Ls: Dresdner Dank, D-positr.-.kagr H h SexUn<3jl5:it-tia:f I, ^^en:;^:r.::r.a IC5. Alleinige Anzeigenannahme: Annsneen^xprditisa NudrV Dsssr, Berlin 377 17), und deren ^iiirisn. Lnieigerrxrriss: 0,S9 27-.L 52: dir 7gr'?:lLenr Feil» n:Z Nato'' i^rgrs Aonnal-eilerrmeuer Nr. 4, FamUlenan-rigen '«ur- L:eü'rr.;rfuchs (ni^r SLeTrnrngeLsrr) für Trirglieder des cc-nrralrrrsrns V.4ä ^L. dir 52 mm brsirr Nerlanirzrile 3,50 ZLNM fAir </ v' ij> <7 v-V von Ludwig Ho!!änö§e Die furchtbaren Urteile, die in Beuthen gefällt werden wußten. Zeigen wiederum an, daß die jahrelangen Bemühungen der Nationalsozialisten, die Instinkte ihrer Anhänger zu den ichiversten Gewalttaten anzureizen, Früchte tragen wußten, die sich in traurigstem Maße auswirkten und stündlich erneut Notzeit und Blutdurst erzeugen. W i r möchten wünschen, daß trotz aller und schwerster politischer Bedenken die Urteile nicht vollstreckt werden. Denn schließlich sind auch diese Verurteilten Verführte; was man jahrelang an Hetze und Wut in die Menschen hineingetragen hat, zeigt mm seine Wirkung. . . Man geht heute gegen die Drahtzieher noch nicht vor, man läßt heute noch ungestraft die schlimmsten und gemeinsten Lügen verbreiten, ohne auch nur einen Finger gegen diejenigen Zu rühren, die an all dem Hasse, an all dem Unfrieden die Schuld tragen, die Land und Volk vergiften. Die Erklärung, die seitens der R e i ch Z r e g i e r u n g zum Proteststurm der nationalsozialistischen Presse gegen Beuchen an die Leffenttichkeit gerichtet worden ist. trifft den Kern der Zusammenhänge, wenn sie in diesem Ginne besagt: „Die leidenschaftlichen Vorwürfe, die irr der OesfenUichteit gegen diese Urteile erhoben worden sind, sollten sich gegen die Urheber der blutigen Ereignisse und nicht gegen die Staatsgewalt richten, die im Interesse der Gesamtheit zu so scharfen Maßnahmen.greifen mußte/ Wir sind viel zu objektiv, um nicht zu wißen, daß hier die Schuld bei den Radikalinskis aller Richtungen liegt. Gerade die letzte Woche zeigte uns wieder deutlich, wie gehetzt wird. Wir hatten bereits vor 14 Tagen das gefälschte Flugblatt erwähnt, in dem die „Jüdische Glaubensgemeinschaft Deutschlands" zur Wahl der Kommunisten ausforderte und folgendes als Begründung aufführt: Unsere ganze Sympathie gilt der Kommunistischen Partei, da wir deren Ziel, die Errichtung eines Sowjet-Deutschlands nur begrüßen können, insbesondere, da wir wissen, daß in einem Sowjetstaate für uns Juden eine freie Entfaltungsmöglichkeit gewährleistet ist . . . Ist dies nicht allein schon der Beweis. daß der kommunistische Staat unsere Kraft und unsere Fähigkeit zu schätzen weiß? Seine Sympathie werden wir noch in weit größerem Maße gewinnen, wenn wir uns offen zu seinem Ziele vekennen. Wir kämpfen mit ihm, im Nahmen der antifaschistischen Aktion gegen das imperialistische Deutschland und gegen unseren Todstind den Hitler-Faschismus. Deshalb, jüdische Glaubensgenossen, unterstützt die KPD., wo ihr nur könnt/ Der grobe Betrug, die gemeine Fälschung war sichtbar. T-er Dümmste weiß, daß eine solche „Aufforderung" nichts anderes bedeuten kann, als diejenigen zu provozieren, welche unter Benutzung dieser Fälschung gegen die Juden hetzen wollen. Es läuft ein gerader Weg von den „Weisen von Zion" zu diesem Flugblatt. Der „Völkische Beobachter" hacke die Kühnheit, das angebliche Originalftugblack zu veröffentlichen, obwohl er die Fälschung erkennen mußte und auch kannte. Bis heute brachte er noch keine Berichtigung. Wir werden aber nicht zugeben, daß dieses angeb. liche Reichstags w ah kflugbl a tt der „Jüdischen Glaubensgemeinschaft Deutschlands" 1 9 3 2 weiter als „jüdisches Selbstbekenntnis" erscheint, nützt nur daß die Welt erfahren soll, welch niedriger Mittel sich eine Partei bedient, die die deutsche Treue auf ihr Panier geschrieben hat, nein, wir werden auch zu erreichen wißen, daß einmal ein deutsches Gericht sich mit diesen Mitteln politischer B r u n n e n Vergiftung befaßt. Wir rufest! euch zu, : y r Schriftleiter des „Völkische n Beobachters", die ihr dieses angebliche Flugblattveröffentlicht habt, ihr seid Verleumder und Gero i s s e n l o? e. Bitte, verklagt un §. Wir werden nicht ruhen und euch immer wieder auf die Finger klop'en. wenn ihr nicht die Wahrheit aussprecht und die Lüge, mir der dieses Machwerk in die Welt gesetzt wurde, eueren Lesern zeigt. Diese furchtbaren Roheiten, die Beuchen enthüllte, sind begründet in einer Stimmung, die das ' Menschenleben nichts mehr bedeuten ließ und die die Ehre und die Freiheit des einzelnen gleich Rull bewertet. Man hat schon seit vielen Jahren aus Gründen, die vielleicht spater einmal erörtert werden müssen, einer Entwicklung z u g e s e h e n, die alles von denn großen Wunder erwartete, das nichr kommen konnte. Es muß in voller Deutlichkeit ausgechrockgm iverden. daß die Schuld auch an den Ereignissen von Beut Heu zum erlebt:chen Teil bei den früheren R e gier u n g e n gelegen hat. Es kann h'.er nicht unsere Aufgabe fein, auf all die vielen politischen Fehler hinzuweisen, die ungeheuerlichen Unterlassungen klarzulegen, welche die polrnsche Führung der hinter uns liegenden Zeit nch schuldig gemacht hat. Der Radikalismus mußw sich ausöreiten, weil man schon früher terrorähnlichem Vorachen ruhig zusah und dabei all die ungeheuerlichen nationalen und wirtschacklichen -totstände übersah, die die Heue auck kommen ließ, die heute sich zu verzehrenden Bränden steigert. Wir Juden -mußten in dioler Hinsicht besonders hellsichtig sein; denn immer in solchen Zeiten biegt sich das glühend gemach re Eisen in eine Richtung gegen uns. Mir der Veröffentlichung des Boxheimer Dok u m e n - t'e s war bis zu dem Augenblick noch nicht allzu viel gesagt, bis der Nationalsozialismus offiziell den Borheimer. Geist als seinen Freund anerkannte und bis der Oöerreichsanwakt in diesem Dokument nichts erblickte, was nach seiner Amf-affung ein Eingreifen zuließ. Hier wurden wir *7^r^ AA m rO rr.ruaLsU'MOsrz Ve-prthnr (O.-S.), 23. August. Im Anschluß an die Verkündigung der fünf Todesurteile gegen Nutionalsozialifün dürcy das Weuthener Soudergericht kam es zu. Ausschreirungen, die teilweise auch j u d e n feindlichen C h a r 2 k t e r t r u q e n. Drei' Zeitungen und auch in zwei Geschäften, deren Inhaber Juden sind, wurden die Schaufensters che ib en eingesch.'aaen. Ein fü 0 ischer ''Südfrucht- Händler, der mit seinem Gesoann gerade stck Straße passierte, bekam einen schweren Stockhieb. Die Tumultuanten suchten ihn von seinem Wagen herunterzuziehen und rinon ihm dabei einen Aermel ab. Weitere Gewalttaten wurden glücklicherweise vernindert. Verschiedentlich wurden jüdischen Vaganten Schmähungen zugerufen oder auch'Gewalttaten angedroht. In der Nacht wurde noch in einem jüdischen Geschäft in einer Nebenstraße die SchauferrsLerfcheibs einaeschlagen.' Die ^chutzpoliwi. die sehr bald nach Ausbruch der llnruhen in größtem Ausmaß eingesetzt wurde, verhinderte durch ihr ruhiges, aber energisches Vorgehen weitere Ausschreitungen. Dar Prozeß selbst hatte mit Juden nichts zu tun. Dessenungeachtet benutzte die nationalsozialistische „D e u t s ch e O st fr ont" den Drozeßrerlaüf zu antisemitischer Hetze, indorn ye den .Oberstaatsanwalt, der die Anklage vertrat und die Todesurteile beantragte, z u m Juden m achte und bei dem mcd'rzinisckM Sachverständigen, der das die Angeklagten schwer belastende Gutachten abgab, auf dw Vtögiichkeit hinwies daß er Jude s-.u.

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