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Central-Verein-Zeitung · 1932-08-19 · 34 (19.8.1932) · p. Seite 353

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
34 (19.8.1932)
Date
1932-08-19
Page
Seite 353 (sequence 5)
Language
German
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353 In der ttalicnf^cn Zeitung „©c^eiia de! Popolo" in Turin, iro 5:r'e§ ^rcgiantn: in einem Interview, das irrem Berliner Korrespondenten gewährt worden ist, vorgeleat wurde, wurde dieser Antisemitismus als „anstößig und unbegreiflich" bezeichnet. Tie'e Zeitung srmpathilwvre — als faschimstches Organ — im übrigen mit dem Nationa!soffaiismus. Daß sw dr"enimgeachret in die'em Punkt vorn Nationaftoffalismus abrückte, sollte zu denken geben. Uet-erall, wo die Besinnung sich noch nicht gänzlich verflüchtigt hat. muß es selbstverständlich dem Ansehen Deutschlands schaden, daß eine Dichtung, die solche Oerbreirung gewonnen hat, wie der Nationalsozialismus, einer so abstoßenden Barbarei huldigen kann wie jener, die einem aus ihrer antisemitischen Propaganda entgegenschlägu Wenn der deutsche Nationalsozialismus unter den kultivierten Völkern ernst genommen Zw werden wünscht, und wenn er meint, ein Vrogramm zu haben. Las einer ernsten Prüfung unterzogen zu werden verdient, so muß er vor allem erst den Antisemitismus aus seiner Glaubenslehre entfernen. Daß er in den nordischen Ländern Nachbeter gefunden bat. ist zwar richtig. Er darf aber aus diesem. Umstand keine verfrühten Schlüffe ziehen auf die allgemeine Ansicht in dielen Ländern. ' Die Nachklänge des Nationalsozialismus innerhalb unserer Lanuesgrenzen können bis auf weiteres sich selbst überladen bleiben. Ihre Leimungen in unserem öffentlichen Leben haben sich, allen kommunistischen Herausforderungen zum Trotz, noch nicht über das Niveau dummer streiche erhoben. Tie gesamte öffentliche Nwinuna, mit der zu rechnen ist. wird von dem primitiven Antt'smstismus des'Nationalsozialismus ab gestoßen. Teutschland kann nicht auf Entgegenkommen und Verständnis lösten. wenn es sich einem antr. semitischen Nationalismus in die Hände gibt. Der Antisemitismus wurle, wenn er von einer deutschen Negierung gestört wäre, wirksam zur Isolierung des Landes bewragen. Je näher der deutsche Nationalsozialismus der Negierungsmacht rückt, desto angelegener muß es vom Standpunkt des Teuischen Reiches sein, daß diese Richtung sich an Oaupt und Gliedern rewrmiert. Und das allerwichtiaste dürfte sein, daß sie sich von dem plumpen Antisemitismus befreit, 'an dem sie bisher geschleppt hat. Wenn eine Bewegung groß wird, muß sie Zusehen, die Kinderkrarckheckcn loch'werden. Ke-^MZ NZ Sonderberichtsür die „ C. V.-Zeitung". Ten Hnag, 13. August. Vom 4. bis 8. August fand im Haag eine Konferenz des Weltverbandes für das Liberale Judentum (World. Union for Progressive Judaism) statt. Zahlreiche deuffche Telegieite waren zugegen, fast vollzählig der englische Hauptvorstand. Claude Sonte« fröre, I. -Nattuck, Lily Montagu, Erich Turk, sowie Vertreter aus Amerika, Australien, Polen und anderen Ländern. Die vor etwa Jahresfrist gegründete hollandifche aufstrebende Bereinigung str das liberale Judentum (sie hat bereits ansehnliche Ortsgruppen im Haag und in Amsterdam) veranstaltete zwei eindrucksvolle Gottesdienste (von dem religiösen Leiter des holländischen liberalen* Judentums, Rabbiner Tr. Norden, Elberfeld, und von Rabbiner Tr. Wolf, Tresden, abgehalten), zwei E ltornv e rs am ml u n - gen nn Haag und in Amsterdam (mit Lily Montagu und Margarete G o! d st e i n), Round-Table-Konferenzen" und gastliche Zusammenkünfte. In einer Hauptvorstandssitzung wurde die zukünftige Arbeit, wie sie vor allem in Holland, Schweden, Australien, in der Tschechoslowakei und in Oesterreich nun zu leisten sein wird, besprochen. Hier sei vor allem Näheres über dis Round- Table-Konferenz vom 7. August berichtet: JSie können wir die falsche Assimilation bekämpfen?" Tas Thema wurde ernsthaft und eingehend geprüft und behandelt. Zur Förderung und Klärung der Frage trugen die einführenden Darlegungen Heinrich Sterns (Berlin) bei, sowie die ergänzenden und erweiternden Ausführungen von Claude Montefiore, Reöbiner Italiener, Rabbiner Samuel, E. Simons (Haag). Tie kurz zusammengesaßien Referate unch Aussprachen von George Soetz, Kellermann (Berlin), Dr. Perl zweig und Dr. M a t i u & (London) standen aus hohem Niveau. Alle Redner stimmten darin überein, daß das liberale Judentum die Pflicht und die Kraft habe, die falsche Assimilation zn bekämpfen, ob sie sich in der sogenannten „Roten Assimilation" äußere oder in Diktatur von rechts oder links, in Austritten aus dam Judentum oder in Taufen. Wahre Assimilation besteht darin, daß wir treue Bürger des Landes sind, in dem wir leben; daneben aber sollen die ewigen Werte des Judentums hochgehalten und gepflegt, vor allem den- Kindern durch eine vertiefte religiöse Erziehung wieder eingepstanzt werden. ^Tis Religion unserer Ahnen gilt es, in neuer Form zu wahren^ und zu erbaleen; das Land unserer Väter. deffen Sitten und Gebräuche, denen Kultur und Sprache auch die innere ist, wollen wir Hochhalten und lieben. Tie Tagung wurde mit einer äußerst stark besuchten öffentlichen Kundgebung in Amsterdam — geleitet von dem verdienstvollen Führer des liberalen Jud-eickums ' in Hollo ad, L. Levisson — beschlwen. Tie Redner des Abends waren Claude Montefiore (London), Margarets Sold st ein (Berlin) und Gerson Levi (Chicago). Margarete Goldstein. Ssmcitunsrn Zu einem BuLe Die kleine Schrift von Paul Renner, dem Leiter der graphischen Berins'chule in München, ist ein prachtvoller Frontalangriff gegen die rückschrittliche Kunstpolirik des „Kampfdundes für dem'che Kultur". Auch wer über den unmittelbaren Werst solcher Attacken skeptisch denkt, muß die Kühnheit des Angriffes und die klare Ostenheit der Sprache bewundern. Wie unerschrocken und undiplomatisch der Verstffer zu Werke gebt, sieht man allein daraus, daß er gleich bas erste Kapitel mir der Ueöer'chrift beginnt: .Die antisemitische Hetze gegen die moderne Kunstck ^r bekämpft darin die verworrenen Vorstellungen, die einer raffenmäßigen Ablehnung guter"Kunst zugrunde liegen. Was die Juden betrifft, so meint er: ,Wer die deutsche Kunst kennt, weiß, wie viel sie d-en Juden verdankt. Sie sind nicht nur die eifrigsten Kumstsammler, sondern sie können auch selbst allerlei. Ter Jud^ MarL jedermann ist der repräsentativste Maler^ Berlins; seine Malerei ist bester preußischer weifi; wie ja auch Aussprüche klafsische Beispiele ,chcXn> gen" Berliner Mutterwitzes und. homas Theodor Heine ist nicht nur ein großer Könnerch sondern er ist der deutscheste Zeichner, den wir heute haben. . Wenn die deutsche Kunst auf alle „artfremden" Juden und Halbjuden verrichten müßte — ich erinnere nur"an Adol f Hi! debraud und Hans vonMarees — und wenn man ihr noch all die nähme, die antisemitische Schnüffler als Juden halten, bliebe nicht viel Gutes übrig. Tenn Begabung erregt schon Verdacht; Genie scheint als ein Beweis für „Artfremdheit" zu gelten ... Es ist der altbcwährte^eböstschutz deutscher Mittelmäßigkeit, jedvn über den Durchschnitt Hervorragenden unschädlich zu machen, indem man ihn für einen Juden erklärt. Er scheidet damit aus dem Kreise derer aus, müderen Leistungen man die eigenen vergleichen kämmte, und das Selbstbcwußtsein ist gerettet.' Man muß diese Sätze im Zusammenhang lesen, die sich so deutlich,' wie Joint niemand es gewagt hat. gegen das „klägliche Lcharstpiel" des Antisemitismus wenden, „wenn er gegen die Ausgeburten seiner eigenen panischen Angst Sturm läuft/ Die folgenden Kapitel sind überschrieben: .Die polirische Hetze gegen das neue Bauen", „Individualismus oder Kollektivismus', „Humanismus oder Materialismus": sie bringen eine Auseinandersetzung des Verftcksters junger Kunstrichtungen, wie sie vor allem an den Stil des Weimarer und Teffauer Bauhauses sich anschließen, gegen die.zweckhafte Verfälschung ihrer Bestrebungen an das Schreckbild eines kulturellen ^Bolschwismus'. Auch der Anhänger Lenservativ-er künstlerischer Anschauungen wird sie mit der Freude lesen, die man empfinden muß, wenn man eine so gescheite und vom Sinn für die Kontinuität erfüllte Darstellung liest. vr. 0a. (München). ■ *) Paul Renner: ,^vrlturä2lsck-ew isrn usEugen Rentfch Zerlag, Erlenbnch, Zürich, München. p.* 7n? p) m r? g (? n-i n n n ° Ls LSä WDR UI3 üJ y ü u- J KlJ L Ä L-J V Wty Lzü tO \*rm Aa tt WJi & J 03S3S1 vom 11. bis 18.-September 1932, Tauenfeienstr. 4 can» wittenbergpiat« .. Uatsr tfsta PrstiSJirat t’as Tsrslan^ss Czt JäSiscSsa Gscsissls Esrtia veranstaltet vom ¥ere!?i sclbstSndlisr Kandw^yker iSdischest Clauäsas S« V« zu Eerllis Geöffnet von 10 Ubr früh bis 8 Uhr abends Geschäftsstelle: NO 33, Grosse Frankfurter Strasse ßO S1 Alleinige Inseraten-Annahme: Ännoncen-cxpedition rcudoif fvlosse Berlin SWtÖÜ, Jerssafemer Strasse 46—49, und Bielefeld, Breslau, Chemnitz, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt a. M,, Eambarg, Hannover, Köln a. RbL, Leipair, Hagdebuxg, Mannheim, Kincben, Nürnberg; Stuttgart; Amsterdam, Basel, Belgrad, Bern, Brünn, Brüs-se!» Budapest, Buenos Aires, Bukarest, London, Mailand, New York. Paria, Frag, Tokio, Warschaa, \Vien, Zagreb, Zürich.

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