Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 34 (19.8.1932)
- Date
- 1932-08-19
- Page
- Seite 350 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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WU AWVvw- /WÜvv'- ^vy' »V^wJ -W^-^ -</ V Ein WM WZ Mmm / Leen LnLAjg LelltRRy l. Ein Aufsatz von Dr. Mar Naumann „Angst?" der vor der Wahl vorn 31. Juli in der Deutschen A l l g e m e i n e n Zeitung" erschien, hat in der Oeffentlichkeit mehr Aussehen erregt, als ihm nach seiner wahren Bedeutung zukommt. Was Naumann in seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied des Verbandes nationaldeutscher Juden dort sagte, ist von ihm, wie er auch selbst betont, schon häufig gesagt worden. An sich würde also gar kein Anlaß bestehen, auf die Ausführungen Naumanns und die Zuschriften an die ,L. A. Z.", die sich anschlossen, an dieser Stelle einzugehen, wenn nicht Naumann einige Ausführungen grundsätzlicher Art gemacht hätte, denen gerade in dieser Zeit der Not und Bedrängnis, nicht um Naumanns, sondern um der jüdischen Gesamtheit willen, größere Bedeutung zugemessen werden müßte als früher. Naumann war genötigt, in einer Erklärung, die am 10. August in der „D. A.Z." erschien, festzu stellen, daß er in seinem ersten Aufsatz mißverstanden worden sei. Dort hatte er geschrieben: „Daß dieser Nationalsozialismus, bei allen unerfreulichen Nebenerscheinungen nur das sichtbarste Zeichen einer keineswegs auf dumme Jungen und abgebaute Regierungsräte beschränkten Volksbewegung ist, die weit über die Nazikreise hinaus den weitaus größten Teil des deutschen Volkes umfaßt, daß hier und nur hier ein Weg gebahnt wird, der zu einer Wiedergeburt des Deutschtums, zu einer Zurückeroberung des deutschen Ansehens führen soll und hoffentlich führen wird, daß diese Abkehr von dem „Freiheits"- und Brüderlichkeitswahn der Umsturzzeit und der „Ersüllungs"-Jahre nicht mit Ähettowihen abzutun ist, — das wagen viele Juden einfach nicht zu begreifen." - In seinem Kommentar schreibt Naumann, daß die Worte, „daß hier und nur hier ein Weg gebahnt wird, der zu einer Wiedergeburt des Deutschtums" sich n i ch t a u f d e n N a t i o - nalsozialismus beziehen, sondern auf d ie nationale Bewegung, von der im selben Satze hervorgehoben werde, daß sie eine „Volksbewegung ist, die weit über die Nazikreise hinaus den weitaus größten Teil des deutschen Volkes umfaßt." - Gleichgültig, ob Naumann wirklich gemeint hat, was jeder aus dem Wortlaut seiner Ausführungen herauslesen mußte, nämlich, daß nationaldeutsch gesinnte Juden nationalsozialistisch Wahlen sollten, oder ob er nur für eme politische und geistige U n t e r st ü tz u n a der nationalen Kreise, die sich um die Nationalsozialisten gruppieren, eintreten wollte: Naumann hat sich zu dieser Zielsetzung durch kritstche Ausführungen und Forderungen leiten lasten, die nicht unwidersprochen bleiben können. Der Centralverein hat als die große Vereinigung aller derjenigen Im ’ den, die stets auf nationaldeutschem Boden gestanden haben, um so mehr die Pflicht zur Stellungnahme. als Naumann nicht nur für feine Person, sondern für den Verband nationaldeutscher Juden gesprochen hat, allerdings ohne die Oesfentlichkeit darüber zu unterrichten, welche geringe ' Bedeutung und welchen kleinen Umfang die; Gruppe hat. als deren Vertreter er sprach. So wüsten wir hier zu einer Reihe von fragen Stellung nehmen, zu denen Naumanns Antworten völlig unzutreffend sind, und die notwendigerweise zu einer gänzlich falschen Beurteilung des wahren Charakters und der wirklichen Gesinnung der überwiegenden Anzahl der deutschen Juden führen müssen. Einig sind wir mit Naumann, daß sich auch innerhalb des Kreises der aus denr^ Judentum hervorgegangenen Intellektuellen iLchriftsteller befinden. Oie den Kräften, die sich für den Wiederaufbau Deutschlands einsetzen, durch hämische Kritik, ungerechte Verallgemeinerung und falsche Zielsetzung große Schwierigkeiten bereiten, Schriftsteller, die das Bild des deutschen Volkes falsch malen, und die so im In- und Ausland eine unrichtige Vorstellung von den im deutschen Volke wahrhaft lebendigen Kräften geben. Wenn Naumann aber ausführt, daß es diesen Kreisen zeitweilig gelungen sei, die deutsche Literatur und Kunst in den Ruf völliger Verjudung zu bringen, wenn er ferner meint, man nenne Den Geist dieser Leute deswegen den „jüdischen Geist", weil die Abwehrkräste aus der breiten Maste der jüdi- - schen Deutschen nicht stark genug gewesen seien, diese Schädlinge zu beseitigen, so liegt hier der Kern der Mißdeutung, der die Naumannschen Gedanken zur völligen Verkennung der tatsächlich gegebenen Verhältnisse bringt. Von einer „Verjudung" der deutschen Literatur und Kunst wird immer von denjenigen Leuten gesprochen, denen eine bestimmte Literatur- und Kunstrichtung nicht gefällt. In dem kleinen, sehr aufschlußreichen Büchleinchon Paul Renner ,.K u l t u r b o l s ch e w i s m u s" (Eugen Rentsch Verlag), wird der Nachweis erbracht, daß auch die „dcutschgebürtigsten" Schriftsteller und Künstler von nationalsozialistischer ^eite dann bekämpft werden, wenn ihre Richtung den Nationalsozialisten nicht angenehm ist. Durch den Kniff, eine Richtung, die unter Umständen auch von unserem Standpunkt aus für abwegig gehalten wird, von vornherein als jüdisch zu bezeichnen, wird die ganze Behandlung des Fragenkomplexes in eine falsche Bahn gelenkt und innerlich verdorben. Würde man Schriftsteller und Künstler, die einen unsachlichen, dem deutschen Wesen feindlichen Einfluß ausüben, als schädlich bezeichnen, so würde die Mehrzahl der deutschen Juden sich diesem Urteil anschließen. Um so mehr ist es nötig, dagegen anzukämpfen, daß christliche Deutsche nicht deswegen zu Juden gestempelt werden, weil ihre Richtung verhaßt ist. Ties vor allem wegen der in diesem Vorgehen liegendenungerechtfertigten Gleichsetzung des jüdischen Einfluss es mit s ch a d l i ch e r W i r k u n g. Daß diese Methoden nicht auch noch von Inden angewandt werden, davor zu warnen ist unsere Pflicht. Der ßeis©€Üi©irasS' des Cenfralvereins erstmalig in diesem Jahre eingeführt, erfreut sich starker Beanspruchung. Er erteilt auch jetzt noch kostenlos, gegen \ Erstattung des Briefportos, Auskünfte j über deutsche Kurorte und Gasthäuser, unter dem Gesichtspunkt, ob sie als judenfeindlich angesehen werden müssen oder ob sie jüdischen Gästen hinreichenden Schutz vor Belästigungen aus politischen Gründen bieten. Es können auch Auskünfte über solche Häuser gegeben werden, die dem Centralverein erklärt haben, dass ihnen jüdische Gäste jederzeit willkommen sind. Anträgen unter Jbeifügung von Rückporto sind zu richten an den Reisedienst des Centralvereins, Berlin W 15, Emser Strasse 42. Cu: meint ' vom •piticr „wenn JWm -.kjt In seinen weiteren Ausführungen Naumann, die dein schür Inden erführe:' Nationalsozialismus nur das eine, „daß ein. früherer Austreichergcselle sei", daß die Nazis an die Regierung käme to:geschlagen würden" und äan hingen mehr. Im gleichen chufaa: dann der bereits wieoergegebene, io unheilvoll mißverständliche Satz über den Weg, den Herr Tr. Raumann in einer Front mü 0er „Volksbewegung" im Schlepptau Hitlers zur Eroberung des deutschen Ansehens als den einzig richtigen und wünschenswerten bezeichnet. Man greift sich an den Kopf. Herr Dr. Naumann kennt doch das Programm des Nationalsozialismus und seine judenfeindlichen Forderungen. Jeden Tag hat er Gelegenheit zu bemerken, daß diese Forderungen nicht nur auf dem Papier stehen, sondern in unheilvollst e r Weise sich a u s w i r k e n. Herr Dr. Naumann kennt die Aeußcrungen m a ß - g e b l i ch st e r Männer in der nationalsozialistischen Bewegung, ihre hemmungslosen Angriffe und ihre offene Hetze gegen die deutschen Inden. Er weiß, oder müßte es wenigstens wigen, daß Herr Hitler bisher noch " bei keiner Gelegenheit auch den maßgeblichsten Rednern seiner Partei - wegen ihrer Haltung in der In densrage entgegengetreten isch Und vergißt Herr Tr. Naumann bei seiner Stellungnahme zum Nationalsozialismus denn ganz, daß die Nationalsozialisten der von ihm, Naumann, geführten Gruppe T u m m - heit und Heuchelei vorwerfen und sich in jeder Weise über sie lustig machen? — Heute kennt Herr Dr. Naumann die Terrorakte, die in den Wochen, seitdem er seinen Aufsatz veröffentlicht hat, den Weg eines erheblichen Teiles der Nationalsozialisten gekennzeichnet haben. Können wir glauben, daß Herr Naumann aus den Ereignissen der letzten vierzehn Tage gelernt hat? Nein! Tenn er ist von Scheuklappen geblendet. Mit berechtigter Empörung erwähnt Herr Naumann den üblen Witz über die „Ozis", jener „Organisation zitternder Israeliten". Nur übersieht er, daß er die Mitglieder dieser so herrlich erdachten Organisation vielleicht am meisten in seinen Kreisen findet. Es gehört nicht viel Mut dazu, sich heute als Anhänger und Freund des Nationalsozialismus zu bekennen. Diesen Mut hat Herr Tr. Naumann bewiefen. Mut — man könnte es auch leicht als — charackterliche Beweglichkeit — deuten. — Wir verkennen nicht, daß im Nationalsozialismus Menschen sind, die den judenfeindlichen Teil seines Programms und seiner Praxis ablehnen. Solange aber in seinen maßgeblichsten Schichten seine Grundausfastung über die Juden auch nur im entferntesten ausrcchterhalten wird, können wir in ihm keinen Weg zur Wiedergeburt Deutschlands sehen. Wir kennen andere und bepere Wege und wissen, daß auch die heutige Reichsregierung und die Regierungen der großen Länder es ablehnen, nur oder hauptsächlich nur in der nationalsozialistischen Bewegung den geeigneten Weg zu Deutschlands Größe und Einigkeit zu erblicken. Im Gegenteil, wir wigen, daß die Einsicht, nationalsozialistische Praxis würde Deutschlands Untergang bedeuten, auchsi in den maßgeblichsten Kreisen stündlich mehr durchdringt. So wenig wir verallgemeinern und jede Forderung, nur weil sie vom Nationalsozialismus erhoben wird, von vornherein als verfehlt ablehnen, so sehen wir mit ungetrübtem Blick, -daß das Gute in ihm meist nicht eigenst ä n d i g und das Eigenständige meist nicht g u t ist. W i r werden uns nickst aus Angst zu einem Bekenntnis bringen lasten, das vielleicht deswegen heute vielen zweckmäßig erscheinen mag, weil sie hoffen, auf diese Weise den Folgen der brutalen Gewalt zu entgehen. Tenn das würde nichts anderes als eine Preisgabe letzter charakterlicher F e st i g k e i t bedeuten. Wir sind n a t i o n a I ö e u t f ci], weil wir die Wiederaufrichtung und die Größe Deutschlands wünschen. Wir wißen eher, daß die Stellung der Juden unter Fremdemecht. Hetze und Gewalttaten gegen die Juden nicht der Weg zu