Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 34 (19.8.1932)
- Date
- 1932-08-19
- Page
- Seite 349 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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2Z 8.1332 \dn7/ m 7 /\ k V ut:v> . *7 Serlin» 14. flugust1YZ2 XI. Jahrgang » Nr. 34^ Liazelaummrr 2S Pfennig -J i/V ÄSMW ÜÄS feJrM. E!Q2LÄMJS:'JÄW^2N UilMs-rNS'S.Y. Allgemeine Zetfung des ^Judentums Verlag unL SchrifrlelLuag: Berlin W15, Coifec ctt-42. Fernsprecher: 2 Oliva 5274. .:. Postscheckkonto: Berlin 304 72. .:. Bankkonto: Dresdner Bank, Depositenkasse U U 8icIiR^S3ilK<r5öocr I, Hohenzollsrndanrnr 1 £5. ■ Alleinige Anzeigenannahme: Tnnsnern.L;crd:tiLN RrrLslf Mssss, Lrrlin 8V/ 152, und deren Filialen. DnzeiLenxceife: 0,S0 SM für die 7§rspaltrne Zeile nach Rudolf Moffes Nonnalzeilenrneffer Slr. 4, FamilienanZergen unL StellLngesuche (nicht Strlrnangrsole) für Mitglieder des Denrraloereins 0,42 SJ<. die 62 mm breite Rcklanr-zrile 3,50 SM» B'rertelrahrsavonuemenr 2.25 RM. (äusüßL Destellgrld). Das WslMuch Ter Schritt bz3 Eentralvereins leim ReichZ- Präsidenten, dessen Ergebnis die großen Nach» richtenbüros und Tageszeitungen bereits der Oeffentlichkeit mrtgeteilt haben, bildet den Abschluß einer Reihe von Maßnahmen, durch welche die rneinungöildenden wie die., restimmenden Kräfte unseres öffentlichen Lebens auf die gefährliche Entwicklung der deutschen Judanfrage aufmerksam gemacht wurd-cn. Tie ständige Beobachtung der Umwelterfch-einungen hatte gezeigt, daß sich Unkenntnis über Die wirkliche Lage des deutschen Judentums mit einer weitgehenden Gleichgültigkeit gegenüber den möglichen und immer näheren Wirkungen der natiOnalsozialistisch-amisemirischen Politik verband. Ter unbekannte Jude war der uninteressante Jude, und die Zusammenhänge grundsätzlicher Natur, die eine notwendige Verbundenheit des jüdrschen Schicksals in Deutschland mit dem von über zwei Dritteln des Eesamtvotkes schufen, wollte oder konnte man nicht erkennen. Damit war die Aufgabenstellung für den Centralverein klar gegeben: es galt, in den letzten entscheidenden Monaten und Wochen die politische Aufklärungsarbeit gleichzeitigem der allgemeinen Kampffront der brerten Massen-Aröeit. wo sie stets und in ständig steigendem Ausmaße betrieben wurde, und an den zentralen Stellen des politischen Lebens durchzuführen. So kam es zu den bedeutsamen Pressekonferenzen in verschiedenen Teilen des Reiches, so entfaltete die Pressestelle des Centralvereins eine ebenso mühsame wie schließlich wirkunasvolle Arbeit, und so wurden zahllose Einzelpersönlichkeiten von Einfluß in Berlin und im Lande ausgesucht. Mit der damit bewirken zunchmenden Einsicht in die Zusammenhänge wuchs auch das Interesse an dem Schicksal der deutschen Juden, und die öffentliche Meinung in ihren sichtbaren und weniger sichtbaren Trägern keschäf- .tigte sich wieder lebhafter mit unseren Fragen. Der Besuch beim R e i ch s i n n e n m i n t - ft er Freiherrn von Gay! rückte dringende AUS DEM INHALT: Ludwig Holländer: Hitler und Max Naumann. Seite 350. — Nochmals: „Ein plumper Wahl schwinde!/* Seite 351.— Die deutsche Judentrage vom Ausland gesehen. Seife 352. — Neue Bücher. Seite 354. * *■; . i s. 7 SS-t -t SiJ*l;i:’!;} h i'M ff* .A ‘ * '/ *sy wv ¥d- Berlin W 8, den 12. August. Wrlhelmstraße 73. Büro Des ReichZprästDenten. Der Staatssekretär. „Das Schreiben Des Ceutralvererns Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und Die Diesem beigesügte Materialsammlnug haben Dem Herrn ReichspräftDenten Vorgelegen. Der Herr NeichspräsiDent, Der jeden Versuch einer Einschränkung Der verfassungsmäßigen politischen und religiösen Rechte Deutscher Staatsbürger und Die von Ihnen mitgetcilten Ausschreitungen jüdischen Iteichsangehorigen gegenüber lebhaft nriszbiüigt und bedauert, hat Das Schreiben und Die Anlagen Dem Herrn Reichsminister Des Innern zur Nachprüfung zugeler^et. $em ArrsDrrrck vorzüglicher Hochachtung Dr. Meißner." Rechts- und Verfassungssordeningen in den Vordergrund. - - - Auf der Grundlage dieser Vorarbeiten schien dann -er Zeitpunkt für einen Schritt bei der höchsten Stelle des Reichs, dem Herrn Reichspräsidenten, gekommen. .Dir Zuspitzung der gesamten innenpolitischen Lage hatte. einen kaum noch zu erhöhenden Grad erreicht. Entscheidungen von bestimmendem Inhalt auch über das Schicksal der deutschen Juden standen unmittelbar bevor. In der machtpolitischen Auseinandersetzung der großen politischen Gruppen war von Besorgtheit um unsere Sonderlage wenig zu finden; es gab da zu viel Bindungen und taktische Dordringlichkeiten. Unberührt in diesem Nahkamps stand allein der Reichspräsident, von der absoluten Mehrheit des Volkes gewählt und darum Eelcgenheitsmehrheiten gegenüber unabhängig. Er verkörperte in sich die Kontinuität der Versossungsgrundrechte aller Bürger, auch der Angehörigen verschwindend kleiner oder besonders bekämpfter Gruppen. Ein verfassungsrechtlich unbestreitbarer und von jeweiligen Parteigruppierungen unantastbarer Rechtsanspruch wie der der deutschen Juden auf Gleichberechtigung konnte nur bei ihm als der weithin sichtbaren Verkörperung des Rechtsstaates geltend gemacht werden. Dieser Schritt geschah durch Ueberreichung einer Dokumentenmappe, die die Aufschrift trägt: „Die Stellung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei zur Judensrage, eine Ma - terialsammlung, vorgelegt vom Centralverein deutscher Staatsbürger-jüdischen Glaubens E. Dck. Ein Sammelumschlag enthält in sieben Untergruppen („im Parteiprogramm und Schrifttum, in gesprochenem Wort, in Theaterstücken und Liedern, in der Preffe, Boykott, Ausschreitungen, Anträge im Landtag") aus fast zweihundert weißen Bogen (daher „Weißbuch") Tatsachen und nichts als Tatsachen über die Art und Weise, wie die nationalsozialistische Bewegung sich die Lösung der deutschen Judensrage denkt und wie sie ihre Vorbereitungen dazu trifft. Aufmerksame Leser der „C. V.-Zeitung" würden sehr viel Bekanntes finden. Aber auch sie würden, wie jeder Unvoreingenommene, erschüttert sein von der ungeheuerlichen Fülle des Stoffes und von der durch ihre Zusammenstellung säst unerträglichen Roheit und Brutalität der nationalsozialistischen Ausdrucksweise. Die besonders umfangreiche Maps>e „Ausschreitungen" zeigt k o m m e n t cf r - los die Ergebnisse: Trümmer, W u n d e n, V l u t. Aus diese nüchterne Tatsachendarstc-llung erfolgte die Antwort des Herrn Reichspräsiidenten. Wir wissen, daß niemand, der dieses Weiß, buch kennenlernt, anders als Herr von Hindenbürg Stellung nehmen kann. - Das Weißbuch, heute ein politischer Akt, wird — so hoffen wir, sehr bald — k u l t u r h i st o r i s ch e Bedeutung erlitten: kommende Forscher und Geschlechter sollen an ihm ermessen, welchen Grad politischer Gemeinheit es in Deutschland im zweiten Vierte! des 20. Jahrhunderts gelten konnte, ehe sich im letzten Augenblick die wirklich aufbauwilligen und verantwortungsbewußten Kräfte ihrer Verantwortung zur Reitling des deutschen Na mens vor der Mitwelt wie vor der Geschichte bewußt wurden. Dr. Alfred Hirschberg.