Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 33 (12.8.1932)
- Date
- 1932-08-12
- Page
- Seite 344 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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544 "Ä □ Killt Kill? Tie alte Lüge von der „Versudung der deutschen Preffe" kann nunmehr endgültig erledigt und unseren Gegnern baut: eine Waffe aus der Hand geschlagen re erden, mit der sie seit Jahren unendliches Unheil ungerichtet haben. Wir werden finden, daß diese Waffe ein zweischneidiges Schwert war. Wir können seine eine schneide stumpi machen, die andere aber wird sich mit nnglchwächrer scharfe weiter in den Körper des deutschen Judentums bohren. Ter mögliche Nachweis, dach die liberale, demokratische und sozialistische Preffe in Deutschland sich in stetem Rückgang befindet und daß die Preffe der Rechten im gleichen Maße zunimmt, bedeutet, daß der Cf t n f I u ß des liberalen Gedankens, der allem den energischen Kampf gegen den Judenhaß auf seine Fahnen geschrieben hat, immer mehr zurückgeht und daß die Organe unserer Gegner immer tiefer in die Breite wirken. Tenn außer der numerischen Unterlegenheit bleibt zu bedenken, daß auch der bisher an sich geringe Einfluß jüdischer Redakteure, Journalisten und Berlage auf die geistige Gestaltung des deutschen Pressewesens immer geringer wird. Es ist ein bitterer Trost zu wissen, daß eine Lüge eine Lüge war, wenn man in seinem Innern wünschen müßte, sie möae Wahrheit sein.- So erhebt sich die Frage, was kann geschehen, um den schwindenden Einfluß der Preffe wiederherzustellen, die unseren Problemen mindestens objektiv gegenübersteht? Wir glauben, daß in dieser Zeit tarsächlich eine „Judenpresse" im Geiste des deutschen Juden-- Anzahl der Tagesze'tuncen. 4800 1 4500 ^' ^02 Tageszeitungen hsgess^L 4200 -. 3900 _ 3600.. 3300.. 3000.. 2700.. 2400.. 2100.. 1800 . . .1500.. 1200.. 900 600'.. 300.. 100 r Tafel 1 2415 Netrtra! ,1280 Leckt; U L U □ tu ms geschaffen werden müßte, die dieses Schimpfwort zu einem Ehrenwort erhöhen würde. Was besagt es, daß unr:-re „E. B.- Zeitung" wöchentlich oder monatlich ins Land geht, wenn täglich, stündlich Tinge geschehen, zu denen wir sofort publizistisch Leellnng nehmen müßten? Es hat sich bitter gerächt, daß wir keine „Judenprcsse" besitzen, die cs als ihre Ausgabe betrachtet, Willen un Judentum und Judenheit, Aufklärung über Lügen und Verleumdungen, Begriffe von Volk und Etaat in die Masse hinauszutrazen. Vielleicht werden die nun folgenden Feststellungen Anlaß dazu sein, die Möglichkeiten nach dieser Richtung einmal wieder mit allem Ernst zu prüfen. Ueber den heutigen Stand der deutschen Tagespreffe gibt seit dem Krieg zum erstenmal umsaffenden Ausschluß das „Handbuch der deutschen Tagespreise", das das „Deutsche I n st i t u t für Zeitungskünde" unter Leitung von Professor Tr. E. Tovifat soeben im Verlag Carl Tuncker, Berlin, erscheinen läßt. Wie stark die deutsche Tageszeitung mit ihren Lesern, ja selbst mit der Landschaft verhaftet ist, über die Vermehrung der sog. „Kopsblätter", die Frage Gefinnungs- oder Boulevardpreffe. über politische Richtung, Erscheinungsweise, Auflagenhöhen, Umfang, Gliederung und Leitung von 4 7 0 3 Z e ist u n a e n (rgl. Tafel 1) gibt das Werk unendlich viele Ausschlüsse. Roch ist es nicht vollständig: denn noch immer Huben zahlreiche Zeitungen die Fragebogen des Instituts nicht oder nur unvollkommen ausgefüllt. Aber aus dem vorhandenen und dem neu eingegangenen Mateflußder groß st ä d t i scheu Presse bei weitem geringer ist, als gemeinhin angenommen wird. Eine Zeitungsdichte u n - ter 16 000 haben "in Deutschland nur die preußischen Provinzen Brandenburg, Hohen zollern und die Länder Baden, Hessen, Meck lenburg-Strelitz, Schaumburg-Lippe und Thü ringen: über 15 000 Berlin, Oberschlesien Ostpreußen, Pommern, Rheinprovinz, West falen und die Länder Bremen, Hamburg, Lübeck und Sachsen. Noch immer dominiert in Deutschland die sogenannte G e s i n n u n g s preffe, d. h. die Preffe, die einer bestimmten Partei oder zum mindesten einer Parteirichtung sich verbunden fühlt. Tenn auch alle die Zeitungen, die nach außen hin „neutral" und „unabhängig", „unpolitisch" oder ähnlich firmieren — und ihre Zahl ist im ständigen Wachsen begriffen —, laffen ihre politische Gesinnung ohne Schwierigkeit erkennen. Tie Boulevardpreffe, die die Nachricht, die Unterhaltung bewußt in den Vordergrund, die Gesinnung in den Hintergrund schiebt, befindet sich bei uns noch, im Gegensatz etwa zu Amerika und Frankreim, stark im Hintertreffen. Es sieht auch nicht so aus, als ob sie die Gesinnungs- Presse verdrängen würde. Wie verteilen sich die Zeitungen auf tue Tafel 2 HS SAP. ßSY?. £¥P. WirL-P. RlCfflS IM Dem. SPD. KPD. UMS IEUIH usw. Anhalt. 1 8 4 18 Baden. 2 33 <i 4 1 1 . 18 . 134 Baverrr. 1 3 9 89 177 1 7 3 29 361 Braun schweig - 12 4 2 20 Bremen. . 1 2 1 1 1 2 Hamburg . - . . Lübeck ...... . 2 . 1 1 9 1 1 2 1 2 2 15 1 Hesien . Livre-Detmold . 1 2 18 ' 13 2 1 99 r 1 5 Meck! bg.-Schwer in Mecklbg.-Strelitz . 3 1 12 1 1 1 57 18 1 5 Oldenburg .... 19 7 1 3 20 Breutzru. 38 5 1 618 306 4 81 38 97 1367 Sachsen. Schaumburg-Livve 2 1 123 1 8 7 13 149 5 Thüringen.... 2 €3 37 3 9 3 15 114 Württemberg * . . 18 1 59 « 93 Reich 4703 . . . . 123 43 17 10 1073 603 12 125 49 . 192 2456 663 Mitte! | _,39?lWs rial haben die Bearbeiter alledas herausgeholt, was billig erwartet werden kann. - Tas Institut mußte es sich überall da versagen, das Material statistisch auszuwerten, wo es nur unvollkommen war. Tas gilt vor allem für die Frage nach der Auslagenhöhe, die nur von etwa 50 Prozent der befragten Blätter beantwortet wurde. Aber selbst die erteilten Auskünfte müssen mit aller Vorsicht bewertet werden, da in Deutschland — im Gegensatz etwa zu Amerika — keine öffentliche Pflicht zur Nennung dieser Ziffern besteht. Tie sich hieraus ergebenden Fehlerquellen sind aber für Zeitungen aller Richtungen die gleichen, so daß sie für unsere politische Untersuchung ohne Gefahr außer acht gelassen werden können. Dies um so mehr, als die Ergebnisie, die errechnet wurden, sich mit Schätzungen anderer Stellen ausfallend decken. Tie Untersuchung ergibt folgendes: Tie Z e i t u n g s d i ch t e beträgt in Deutschland 13 270, d. h. auf diese Zahl von Einwohnern entfällt je eine Zeitung. Tiefe Ziffer gewinnt für uns erst dann Zinn und Bedeutung, wenn wir sehen, dass es nur zwei Lander mit einer höheren Dichte auf der ganzen Erde gibt, nämlich die Schweiz mit einer Dichte von 6000 und Dänemark mit einer solchen von 13 000, während die gleichen Ziffern z. B. für Frankreich 26 830, für England 77 2 70, für Amerika 661 000 sind. In dieser Zahl kommt das starke Eigenleben der deutschen Länder zum Ausdruck, sie zeigt aber auch, daß der Ein* verschiedenen politischen Richtungen? (Vgl. Tafel 2.) Fassen wir die Zeitungen der einzelnen Richtungen nun nach Gruppen Zusammen und richten uns dabei nach der augenblicklichen politischen Konstellation, so muffen wir alles rechts vom Zentrum zu „R e ch t s" zählen. Tas wären die Zeitungen, die sich nationalsozialistisch, deutschnational, deutschvolksparteilich, konservativ, national, bürgerlich oder rechtsstehend und ähnlich nennen. Zu Links" zählen wir alles links vom Zentrum, also die Organe, die sich kommunistisch, sozialistisch, r ep u Mi f a n t f ch, demvlr a t i s ch, staa t s p a r te il ich. Polit. Richtung dcrjaqeszeitungen in Prozenten. Tafel 3