Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 33 (12.8.1932)
- Date
- 1932-08-12
- Page
- Seite 343 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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I 343 4^tf AH v w d v i*-/ ’/\ . ®N fy! ' N V *V V~> V V*' 4 Die geheimmsvoKe „Jüdische GlarrSerrs§ememschsst Deutschlands" In den letzten Tagen vor der Reichstags-- Wahl wurde in verschiedenen Geöieren des Reiches, so in Ostpreußen, in Baden, in Pommern und anderwärts ein hektographiertes Flugblatt verbreitet, das am Kopf den Sowjetstern mit dem Hammer und der Bichel zeigt und unterschrieben ist jüdische Glaubensge mein schaff Deutschlands". Es stellt einen Aufruf „rui unsere jüdischen Glaubensgenossen^ dar, dessen einleitende Ausführungen deutlich erkennen lasten, daß es sich uni offensichtliche antisemitische Machenschaften handelt. Es heißt da nämlich: „Mit allen Mitteln müsten wir eine Machtergreifung der Nazis zu verhindern suchen, wenn wir nicht um alle unsere Rechte gebracht und unter.Fremdengesetz' gestellt werdstn wollen. Unsere ganze Sympathie gilt der Kommunistischen Partei, da wir deren Ziel, die Errichtung eines Sowjet-Deutschland, nur^begrüßen können, insbesondere, da wir rochen, daß in einem Lowjetstaate für uns Jaden eine freie Entfaltungsmöglichkeit gewährleistet ist. Im Hinblick auf die Entwicklung in Rußland finden wir dieses voll und ganz bestätigt, besonders wenn wir uns vergegenwärtigen, daß dort im Jahre 3917 unseren Glaubensgencmen der Weg in die führenden Stellen im weitesten Maße offenstand/ Und dann werden die seit mehr als einem Jahrzehnt ausgestellten, sattsam bekannten, immer wieder widerlegten falschen Behauptungen über eine übergroße Zahl jüdischer Persönlichkeiten in der sowjetrussischen Regierung und den verschiedenen Kommissariaten aufgewärmt. Wenn es dann empfehlend heißt, daß der kommunistische Waa: unsere Kraft und unsere Fähigkeiten zu schätzen weiß", dann ist die Herkunft dickes Machwerks eindeutig gekennzeichnet. Obwohl also die Tatsache grober Fälschung und Irreführung auf den ersteustBlick feststand, war es dennoch notwendig, die Oesfentlichkeit über den wahren cachverhalt zu unterrichten. Tie o st p r e u ß i s ch e Presto brachte eine von unserem Landesverband verfaßte Erklärung, in der darauf hingewiesen wurde, daß es weder eine Organisation mit der Bezeichnung „Jüdische Glaubensgemeinschaft Deutschlands" gebe, noch daß die jüdische Religionsgemeinschaft im Sowjetstaat eine bevorzugtere Behandlung genieße als die anderen Konfessionen. Eine ähnliche Erklärung erließ der Landesverband Pommern des G. B., zumal das pommersche Organ der NSDAP. „Tie Diktatur" (Wettin), jenen „Wahlaufruf" in großer Aufmachung veröffentlicht hatte. Es zeigt sich also, daß den Judengegnern selbst das vlumpste Mittel nicht zu schade ist, um die Juden zu verdächtigen' und um in der Oeffentlichkeit den Anschein zu erwecken, als ob eine offizielle Vertretung der deutschen Juden hinter der Kommunistischen Partei stände und damit ab-er zugleich auch für alles das verantwortlich sei, was unter dem Namen der Kommunistischen Partei wirklich und angeblich geschieht. ‘ —th— Schloss von Seite 342) der SA. dadurch, daß sie es Unterlasten, dis Ausschreitungen zu mißbilligen. Die tollsten Gerüchte werden verbreitet. Man scheut sich auch hiev nicht, den plumpen Verdacht auszusprechen, daß die Juden die Attentate selbst veranlaßt hatten. Man erzählt sich, der Destillateur Tauber, gegen besten Haus ein Attentat ^verübt worden war, habe 500 Mark für dis Ermordung des SA.-Führers Bunk ausgefcht. Wer es wagt, diese törichte Verdächtigung zu bezweifeln, wird auf die nationalsozialistifchs Zeitung „Ostfront" hingewiesen. Tort habe es gestanden. und was man schwarz auf weiß besitzt .. . Unsere Leser wissen, daß das Blatt die Aufnahme einer preßgesetzlichen Berichtigung abgelehnt hat! In Leobschütz verbreitet die nationalsozialistische Ortsgruppe ein Flugblatt, iw dem es u. a. heißt: „Deutscher Arbeiter! Rücke ab von Verbrechern, die sich von Juden und Jrrdenkrrechterr unter der Parole ,Schutz dem Arbeitet zum Morde auf Die Straße Hetzen lasten." Unser oberschlesische r Syndikus hat die betroffenen Ortschaften besucht und die notwendigen und beruhigenden schützenden Maßnahmen an Ort und Stelle besprochen und eingeleitet. Auch über diese letzten Vorkommnisse werden wir an maßgebender Stells berichten, und neben diesen Aktionen Ausklürungsmaßnahmen in den besonders verhetzten Landesteilen zur Durchführung bringen. Der täglichs Tote A.H. Das preußische Innenministerium hat der Oeffentlichkeit vor wenigen Tagen eine merkwürdige Statistik übergeben. Sie betrifft die politischen Gewalttaten, die innerhalb der letzten Zeit begangen wurden. Die Zahl der Menschen, die auf Straßen, in Zimmern und in Wäldern zu Tode kamen, geht an die Hundert. Gründlich, wie nun einmal Statistiken find, wird ausgerechnet, wieviel Mordtaten von links und von rechts begangen wurden, und bei wieviel Menschen man nicht weiß, ob sie durch Links oder durch Rechts ihr Ende fanden. Wenn man die Turchschnittszisser errechnet, so kommt fast aus jeden Tag ein Totstr. Wir meinen, daß diese Feststellung auf die ungeheure Mehrzahl des deutschen Volkes nachdenksamer wirken muß als die Aufteilung nach Richtungsrubriken. Was ist" das für eine Zeit! Während Männer den tiefsten Geheimnchen der Natur nachsinnen, in Laboratorien über ihre Forschungen Tag und Nacht vergessen, hingegeben an große Aufgaben, Aerzte gefährdete Leben zu erhalten suchen, — um die gleiche stunde gibt es Hunderte von Menschen, die auf nichts anderes sinnen, als Werte zu zerstören, Menschen Wunden und Schmerz zuzufügen, Leben erlöschen zu lasten. Und es regt sich keine überstarke Entrüstung über die Parteigrenzen hinweg und fegt diese kleinen Menschen, die sich Helden dünken, weil sie ihre Mordinstinkte mit Politik verbrämen, hinaus aus der Gemeinschaft, hinein in die entlegensten Winkel ihres Nichts, aus dem sie eine Zeit des Irrsinns und der Umkehrung aller Werte hervorschteichen und hervor brechen. ließ. Tie Stellungnahme zu Mordtaten darf nicht abhängig werden von der politischen Quantität unö politischen -Dualität der Morde. Jedes Menschenleben, das mutwillig zum Erlöschen gebracht wird, ist eine brennende Anklage gegen die Umwelt, die solche Taten geschehen ließ. In allen Ländern der Welt hat man in der Nachkriegszeit die schöne Sitte eingeführt, an beftimmren Tagendes Jahres um eine bestimmte Stunde wenige ^Minuten des Schweigens der Erinnerung an die Toten zu widinen. Solange nicht jeder anständige deutsche Mensch in dieser Zeit jeden Tag zwei Minuten innehalt in seiner Werktagsverrichtung und still und eindringlich überlegt: Was kann ich tun, um diesem Morden, um dieser Entartung des deutschen Volkes Einhalt zu tun, so lange ist er pflichtvergessen, verantwortungslos. Denkt so an den täglichen Toten, dann wird es ihn bald nicht mehr geben. 8M-0iTlf tSÄ ,LW LÄ D la rer fcs&a Wr In dem Rechenschaftsbericht „Sechs Wochen Wahlarbeit im b. 23/ in Nr. 32 der „E. V.- Zeitung" ist auf die außerordentlich starke und wirkungsvolle Verbreitung der Neuauslage des „Anti-Anti" und der Broschüre „Wir deutschen Juden" in christlichen Kreisen hingewiesen worden. Beide Broschüren gelangten durch die Pressestelle des E. V. auch 'trt die Redaktionsstuben von etwa 600 deutschen Tageszeitungen. Tre zahlreichen Nachbestellungen seirens der Schrisileitungen, vor allem - aber die stattliche Anzahl der uns bisher bekannrgewordenen durchweg ausführlichen und anerkennenden Besprechungen in der deutschen Tagespreise sind ein deutliches Zeichen für den Wert, die Wirkung und die Brauchbarkeit des „Anti-Anti" wie auch der Broschüre „Wir deutschen Juden". Der „Anti- A n t i" wurde bisher u. a. in folgenden deutschen Tageszeitungen besprochen: „Ter Altmärker" (Stendal; liberal). „Altonaec Nachrichten" (bürgerlich-neutral), „Alzeyer Beobachter" (demokratisch), „Augsburger Post- Zeitung" (Bayer. Dp.), „Bitterfelder Allgemeiner Anzeiger" (parteilos), „Dürener Zeitung" (Zentrum), „Erlanger Tagbla-t" (neutral), „Förster Tageblatt" (bürgerlich), „Frankfurter Zeitung" (demokratisch). „General-Anzeiger-Küstrm" (parteilos), „General-Anzeiger der Stadt Wuppertal" (parteilos), „Tie Glocke" (Oelde i. W.; Zentrum), „Groß-Gerauer Tageblatt" (neutral), „Hallische Nachrichten" (parteilos), „Hannoversch^ Volkszeitung" (Zentrum), „Heikörmmer Abendzeitung" (demokratisch), „Hersorder Zeitung" (parteilos), „Ter Hinterpommer" (Köslin- SPD.), „Hörder "Volksblatt" (Dortmund-Horde; neutral), .Kölner Tageblatt" (demokratisch), „Kölnische Zeitung" (volksparteilich), „Königsberger Hartungsche Zeitung" (demokratisch), „Landeshuter Tageblatt" (liberal), „Landauer Tageblatt" (neutral), - „Leipziger Volkszeitung" (SPD.), „Lübecker General-Anzeiger" (unabhängig), „Neue Augsburger Zeitung" (Bayer. Dp.), „Neue Breslauer Zeitung" (demokratisch), „Neues Pommersches Tageblatt" (Stargard; unabhängig), „Oöerschlesische Dolksstimme" (Gleiwitz; Zentrum), „Ostdeutsche Morgenpost" (Beuthen; gemäßigt rechtsstehend), „Pfälzischer Kurier" (Neustadt a. d. H.; parteilos), „Pfälzische Volkszeitung" (Kaiserslautern; demokratisch), „Rheinische Zeitung" (Köln: SPD.), „Saar-Zeitung" (Saarlouis; Zentrum). „Stotberger Zeitung" (Zentrum), „Volksblatt" (Bochum; <-PD.), „Volksfreund" (Karlsruhe: SPD.), „Volksmacht" (Bielefeld; SPD.), „Vossische Zeitung" (Berlin; demokratisch). Die einige Zeit nach dem „Anti-Anti" erschienene Broschüre „W i r deutschen Juden" hat gleichfalls in der Presse starke Beachtung gefunden; sie wurde n. a. in folgenden Zeitungen gewürdigt: „Alzeyer Beobachter" (demokratisch), „Bayerische Staatszeitung" (München; neutral). „Bremer Volkszeitung" (SPD.), .pTüsseldorfer Tageblatt" (Zentrum), „Eschweger Tageblatt" (unabhängig-national). „General-Anzeiger für Wese!" ' (parteilos), „Höllische Nachrichten" (parteilos), „Heilbronner Abend-Zeitung" (demokratisch), „Heilbronner General-Anzeiger" (parteilos). „Kölner Tageblatt" (demokcatrch), „Lippische Landes- Zeitung" (Detmold: bürgerlich-liberal), „Mittelrheinische Volkszeitung" (Bingen; Zentrum), „Nassauer Bote" (Limburg; Zentrum), „Neue Badische Landeszeitung" Mannheim; denwkratisch), .Neues Pommersches Tageblatt" (Stargard; unabhängig). „Nürnberger Zeitung" (neutral), „Regensburger Neueste Nachrichten" (dem.), „^chwarzwaldzeilung ,Ter Grenzer"" (Freudenstadt; liberal), „Volksmacht" (Bielefeld; SPD.), „Vossische Zeitung" (Berlin; dem.). Selbstverständlich haben auch die jüdischen Zeitungen in Deutschland und im deutschsprachigen Ausland den „Anti-Anti" und das Heft ,Wir deutschen Juden" ausführlich gewürdigt und zur Benutzung und Lektüre wärmstens anempfohlen. —tb— ■i