Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 33 (12.8.1932)
- Date
- 1932-08-12
- Page
- Seite 342 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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342 Durch die Explosion wurden die Fenster zertrümmert und die Fensterrahmen herausgeripen. Allen bürg (Ostpr.), 6. August. In der Nacht zum 5. August wurden bei dem Kaufmann Simon zwei große Schaufensterscheiben eirrgeschlagen. Die Täter hatten zum Einschlagen mit Wäger gefüllte Bierflaschen benutzt. Rosenberg (Westpr.), 7. August. In der Nacht vom 5. Zum 6. August wurde die Schaufensterscheibe des am Markt gelegenen Geschäftshauses BLumenthal durch einen Stein äcrtrmnmcrt. Die' Täter sind bisher nicht ermittelt. Berrthcrr (O.-S.), 7. August. In der Nacht zum 7. August sind in Oberschlefien zwei weitere Handgranaten-Attentate gegen jüdische Einwohner erfolgt. Gegen %12 Uhr nachts wurde eine Ererhairdgranäte gegen das Schtaszimmerfenstcr der Tochter des Kaufmanns Ehmann in Konstadt, gegen den, wie wir bereits in der vorigen. Nummer berichtet hatten, bereits ein Attentat verübt worden war, geworfen. Tie Handgranate verfehlte aber ihr Ziel und sprang von der Außenwand des Hauses zurück aus die Straße, wo sie explodierte und einige Scheiben, auch in dem gegenüberliegenden Grundstück des christlichen Apothekers Hofsmann, zerschlug. Gegen 2 Uhr nachts wurde eine Handgranate in das WobnzimmeÄ des Kaufmanns Stopp irr Putschen (O.-^.) geworfen. Durch die Explosion ist die Wohnungseinrichtung beschädigt worden, Menschen sind nicht zu Schaden gekommen. Königsberg (Ostpr.), 9. August. In Drcngfurt (Oupr.) wurde eine Fensterscheibe des Kaufhauses Weinberg durch einen Feldstein zertrümmert. In Osterode (Oüpr.) wurde an das Kaufhaus L o n k y eine Bombe gelegt. Glücklicherweise explodierte diese nicht, so daß kein Schaden angerichtet wurde. Breslau, 9. August. In Strehlen wurden die Schaufenster der Firmen Schnell und Levv — die beiden einzigen Firmen jüdiscker Inhaber am Platze — durch Feldsteine beschädigt. Bischofsburg (Ostpr.), 8. August. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag (6. zum 7. August) wurden gegen 3 Uhr morgens Schaufensterscheiben bei den Firmen Eugen Petzall und David Nachf. (Inhaber Wfr<r*k/44*>4<y*iUi'Il Der unbekannte Jurist, der*in dem Schriftsatz der Reichsregierung zu den Verhandlungen vor dem Staatsgerichtshof über den Reich—Preußen-Konflikt das Wort „Bürgerkriegstage" prägte, hat damit den knappsten und zugleich treffendsten Ausdruck für den Zustand gefunden, der sich gegenwärtig deutsche Innenpolitik nennt. Tie klirrenden Fensterscheiben, die lodernden Tankstellen, die explodierenden Sprengkörper, die stöhnenden und verblutenden Menschen sind auch in der letzten Berichtswoche zu sehen und zu hören gewesen. Auch jüdisches Leben und jüdisches Eigentum waren wiederum gefährdet, bedroht und geschädigL Landauf, landab zog sich die Schreckensspur des Terrors durch Ostpreußen und Schlesien. Umfangreicher noch als in der vergangenen Woche ist der Katalog der Schande, den wir auch diesmal in nüchterner Aneinanderreihung für sich sprechender Tatsachen veröffentlichen muffen. Wir deutschen Juden sind Objekte der Bürgertriegslage. Wir bezeichnen nicht als jüdisches Opser der allgemeinen Zerstörung der öffentlichen Ordnung, wer als Jude in irgendeiner politischen Gruppe aktiv mitarbeitet und damit das Risiko einging, für seine Betätigung auch eine „Q u i11 u n g" zu erhalten — röschen, was keiner Unterstreichung bedarf, solche Formen der „Quittung" von uns verabscheut und zurückgewiesen werten. Wir nehmen an dieser Stelle nur von den Borkommnisien Notiz, bei denen allein die Tatsache ihres Iudeseins Menschen zu Objekten und Opfern feindseliger Gesinnung und Betätigung machte. Denn wir sehen hierin den Ausfluß derselben Gesinnung. die durch henmlungslosen Bohkvtt jüdische Menschen um Besitz und Brot bringen will, und das Ergebnis einer Hetze, die gewaltsam Zusammenhänge z w i s ch e n den Politischen Bluttaten und den deutscher! Juden herzu stellen sich bemüht. Die Vertretung des CcrrtraLvereiris, die, wie wir durch eine Sondervorlage zur vorwöchigen Nummer der C. D.-Zcitung kurz mitgeteilt hatten, beim Rerchsinrrcnminister vorstellig wurde, hat gerade diese Gesichtspunkte ausdrücklich zur Darstellung gebracht und Lurch umfangreiches Material belegt. Ter Ernst, mit dem der Minister diese Mitteilungen entgegennahm und mit dem er die Gesetze mit allen Mitteln ausrechtzu erhalten versprach, war unverkennbar. Tie Verordnung der Reichsregierung, die von ausreichend abschreckender Wirkung hätte sein können, ließ jedoch noch acht Tage auf sich warten. Tie terroristischen Gruppen nutzten die Frist aus und so riß die Attentatsserre nicht ab, sondern setzte sich in verstärktem Maße fort. Die Nationalsozialisten mögen versuchen, die tatsächliche Blutschuld an den Geschehnissen der letzten 19 Tage abzuleugnen. Ihre intellektuelle Schuld, jedenfalls soweit es sich um die Anschläge auf Juden handelt, steht außer Frage. Was die Kieler nationalsozialistische Zeitung „Der Volkskampf" nach dem Attentat am 6. August schreibt, ist von u nab leugbarer Deutlichkeit: ^„Me jene Landvolkkämpser um Claus Dein, haben auch die Demonstranten der gestrigen Nacht an der Synagoge keine Personen beschädigt und^nur sehr geringen Sachschaden angerichtet. Sie haben offenbar lediglich eine Demonstration beabnchriar, deren Methode wir aber durchaus verstehen. Wir machen uns diese Motive ausdrücklich zu eigen: es ist das Verhältnis des deutschen Voltes zu seinen jüdischen Gästen, das hier zrrgrundellrgt. Die Juden haben durch Wv'chcr und freche Schiebungen einen sehr großen Teil des deutschen Bolksvermögens legal zusammengestohleu ... In den Villenvierteln haben die'e Blutsauger ihre Synagogen eingerichiet, in eurem volkssremden Baustil. Orientalische Valäste mitten im deutschen Land, oft goldüberladen eine freche Herausforderung der arbeitenden Maffen, deren gestohlenes Eigentum hier zu einem protzigen Siegesdenkmal zusammengehäust wurde . . . Die freche Provokation des Volkes hat lange genug gedauert. Tie jüdvchen Verbrecher und ihre deutschen Soldknechte mögen nicht ihr Gewissen, das sie nichr besitzen, aber ihre Angst wieder einmal gefühst haben gestern nacht. §. Grünbaum) durch Steinwürse zertrümmert. Ter Stein, der die Scheibe der Firma David Nachf. zerschlug, muß mit ungeheurer Wucht^ geschleudert worden sein, da der hinter der scheibe befindliche Vorhang durchbohrt wurde. Gleiwitz (O.-S.), 9. August. In der Nacht vom 7. zum 8. August wurde auf die Wohnung des Kaufmanns Arthur Go t t h e l s ein Handgranaten-Attentat verübt. Personen sind glücklicherweise nickst zu schaden gekommen, jedoch wurde erheblicher Sachschaden verursacht. Hindcnbnrg (O.-S.), 9. August. In H i n d e n b u r g (O.-S.), wurde in der Nacht vom 8. zum 9. August ein Sprengkörpcrattentat gegen die Filiale des Warenhauses Oskar Herzberg verübt. Schaufensteranslagen gerieten in Brand. Der Sachschaden ist erheblich. Münsterberg (Schl.), 9. August. In der Nacht vom 8. zum 9. August wurden in das Geschästslokal des Kaufmanns Hirsch in Münsterberg drei Pistolenschüsse abgegeben. Während ein Pistolenschuß die Fensterscheibe zertrümmerte, blieben die beiden anderen i:n Mauerwerk stecken. Das arbeitende und das arbeitslose Volk hat den Einblick der Judcnpaläste satt. Hinaus mit den jüdischen Verbrechern aus Deutschland! Weg mit den Wucherpalästen aus nnserm Land! Vielleicht wird die Warnung der leisten Nacht verstanden, und in diesem Sinne begrünen wir diese Warnung an das Verbrechertum." Der C. V. hat beim Oberpräsidenten in Kiel wegen dieser gefährlichen Verhetzung Antrag auf Verbot des Blattes gestellt. Ein Sonderbeauftragter des Centralvcreins weilt in diesen Tagen in Kiel, um die notwendigen Maßnahmen an Ort und Stelle zu besprechen. In den Landesteilen, die von den verübten Terrorakten besonders stark betroffen wurden, herrscht unter der gesamten Bevölkerung eine außerordentlich starke Erregung. In vielen Ortschaften benehmen sich die Nationalsozialisten wie die Herren im Lande. Wie es dort im einzelnen aussieht, mögen die Schilderungen zweier Berichterstatter, die im Aufträge des E. B. in Ortelsburg und Obers ch l e s i e n waren, zeigen. In Ortelsburg, so schreibt unser ostpreußischer Berichterstatter, sieht man überall auf den Straßen uniformierte SA.-Leute. Jeder zweite, vom kleinsten Schüler bis zum ältesten Greis trägt ein Parteiabzeichen. In den Läden prangen als begehrte uno einträgliche Verkaufsartikel Embleme der nationalsozialistischen Bewegung. Jüdische Bürger können sich in Ortelsburg kaum unbelästigt aus der Straße aufhalten. So riefen z. B. uniformierte SA.-Trupps im Kommandoton den jüdischen Einwohnern Schmähruse nach. „Die Juden sind hier vogelfrei", erklärte ein führendes jüdisches Gemeindemitglied. In der ganzen Gegend werden Gerüchte verbreitet, nach denen die Juden selber Urheber d e r Z w i s ch e n f ä l l e sein sollen. In I o h a n n i s b u r g z. B. versteigt man sich zu der Behauptung, die Juden Hütten die KPD. durch die Zeichnung von phantastisch hohen Beträgen sowie durch Lieferung mit Kleidungsstücken unterstützt, damit sie Nazimorde begingen. In Oberschlestcn ist die Lage außerordentlich gespannt. Weite Teile der Bevölkerung unterstützen die. Siegesstimmunz