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Central-Verein-Zeitung · 1932-08-12 · 33 (12.8.1932) · p. Seite 341

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
33 (12.8.1932)
Date
1932-08-12
Page
Seite 341 (sequence 1)
Language
German
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1 £8.1832 XL Jahrgang ♦ Ur. 33 Einzelnummer 20 yfrnnig / / x VierrcliQhrdadounLuiLnr 2.25 NM. (zuziiz!. Äest-llg-w). /XUtzsmsinL Zeifung des Judentums Verlag vnL Echrrillerkrng: BrrUn W 15, Emfer LLr. 42. Fernsprecher: J 2 ONra 5074. Poftscheckronts: Berlin 304 72. .:. Ssnüsr.to: Dresdner Dank, Dep-siLLnka^s fl; S«Jin«£3iljn2r-:3orr 1, Hohsnzo^erndainnr 1ZS. Wetniß« Tnrrr^rnannLhnrr: Bnnoncen-E^prLitirn Rudolf Mosse. Berlin SW in, und der-n Filialen, ^nr-igenprerse- 0,00 j?.ä für Sie 7g:sp2?Lsnr Zeile nach Rudolf Dr-sfrL SlormalzeUeNDrsser Nr. 4, Farnilienanrei^n und Ctellengesuchr (nicht EtsÜsnanLedote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 JU*., dir 62 mm breite Reklanrereile 3,50 JUL v ,-A C/ VvV -9 'Ta , . ■;.; \;;';/ : 7vy/pß&'y f t-üv'-9 '0 S’ / v :■ i' x; / 44 ftefi) M LÄ S-LA-Un c:A ^*^£2 /3 ■rv/ vXjr .. . Köln, 10. Sfcgufi. In der Nacht vom 7. zum 8. August wurde vor der S Y n a g v g e in der Noonstraße zu Köln eine Granate mit einem Durchmllfer von 7,5 Zentimeter gefunden, die hinter 'das Gitter geworfen wurde, aber glücklicherweise nicht explodiert war und von der Polizei rechtzeitig entfernt werden konnte. Dw die Synagoge in einoin dicht bebauten und stark bevölkerten ertadtviertel liegt, bemächtigte sich der Bevölkerung eine außerordentlich starke Erregung; denn ein geglücktes Attentat hätte zu unabsehbaren Folgen führen können. Bon den Tätern fehlt bisher jede Spur. Neldenburg, 3. August. Bei dem Kaufmann Arthur I h i g wurde eine große FenstcwsHeibe und bei denn Kaufuumn Munter zwei große Schaufensterschcibcn durch Sternwürse zcrrrünrmert. Rössel (Ostpr.), 5. August. Bei dem Kaufmann Jsraelski wurden zwei Schauferrsterscherben^mit einem grossen Stein Zertrümmert. Die Witer entkamen unerkannt. Lyck, 5. August. In der Nacht zum 4. August war'en unbekannte Täter ein Schaufenster der Firma L L m b e r g & Tikotzk i. ein. Die Fensterscheibe der Adler-Apotheke, deren Inhaber Jude ist, wurde Lurch eine Handgranate zertrümmert. Jedoch ist die Sprengkapsel, die sich an der Granate befunden hat, nicht losgegangen, so daß ein größerer Schaden nicht entstanden ist. Jol-annrsbnrg (OsLprh, 6. August. Am 4. August erfolgte vor dem KonstktionZhaus <2 ch e i n m a n n eine Explosion. Die Täter hatten ein 40 Zentimeter langes, 80 Millimeter starkes mit Sprengstoff gefülltes Gasrohr auf ein Fenster geiegt und es mittels Zündschnur zur Explosion gebracht. An der Hoüeite des Gebäudes ^wurden fast sämtliche Scheiben zerstört. Tie umherfliegenden Glasteile und (nfeniplitter verursachten erheblichen Sachschaden. Rosenberg (O.-S.), 6. August. In der dritten Morgenstunde des 3. August wurden von unbekannten Tatern Handgranaten gegen den Türeingang des Hotels B a g i n s k i) geworfen. Die Tür und die Einfassung wurden stark beschädigt, ebenso ein eiserner Auwmat. Lrtelsbrrrg, 6. August. In der Nacht zum 6. August gegen 2 Uhr wurde auf Las Gasthaus von David L i L:w a ck eine Brandbombe geworfen. Tie Bombe explodierte in dem Wohnzimmer des Hauses. W w T. vfaf <y um ■n/ "-V V>v’“v L. H. Das ruhige Leben der jüdischen Bevölkerung in kleinen Orten ist jetzt vielfach durch Unruhe, Terrorakte, gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Boykott in außerordentlichem Maße gefährdet. Wir verstehen die Not unserer jüdischen Freunde: wir begreifen, daß viele sich verlaßen fühlen, und sehen aus den täglichen Zuschriften, daß an Stelle ruhiger Zuversicht mancher Ton der Verzweiflung über die gegenwärtige und zukünftige Lage laut wird. Wir sind die letzten, die diese Stimmen leicht nehmen. Wir wißen,- daß es nicht nur genügt, unseren Freunden immer wieder zuzuruftn, auszuharren und die kleinen Gemeinden nicht dem Untergange zuzuführen. Hinter jeder derartigen Mahnung muß der Wille zur Tat stehen. Die größten Versprechungen, die gemacht werden, können nichts nützen, wenn denen, die in kleineren Orten wohnen, nicht ein Rückhalt aas den größeren Städten geboten wird. Soweit es sich um die Aufrechterhaltung der Gemeinden handelt, werden die Landesverbände der jüdischen Gemeinden Helsen, soweit der Politische und der wirtschaftliche Boykott die Möglichkeit, sich ehrlich zu ernähren, beeinträchtigt,, werden die Landesverbände des Centralvereins und feine Hauptgeschäftsstelle alles tun, um Gesetz und Recht zur Durchführung zu verhelfen. Allerdings ist es notwendig, daß die, welche es angeht, für Rat und Tat empfänglich sind. Besterwißer und Eigenbrötler schaden sich nur selbst und nehmen anderen die Freude am Helfen. Erfahrung und Technik, Takt und Ueoorsicht erwirbt man nur durch genaue Kenntnis und Beobachtung aller in Frage kommenden Umstände. Unser Rat ist nicht imnier bequem, nicht immer von unmittelbarer Wirkung; aber er ist wohlüberlegt und hält sich innerhalb der Grenzen des Erfüllbaren. Diese Beschränkung ist das Wesentliche. Politische Donquichotterien liegen uns fern, wir lächeln über das „man sollte" und „man müßte", das nicht aus letzter Klarheit geboren ist. Man rufe uns, und wir werden kommen. Aber unsere Anwesenheit hat nur dann Zweck, wenn das erfüllt wird, was wir oben sagten. Trotz aller trüben Ereigniße im einzelnen hat der Staat noch nicht versa g t. Bedenken wir, daß auch er nicht überall sein kann und daß auch der Staatsgewalt gewisse Grenzen gesetzt sind! Hier sollen gewiß nicht Vorwürfe gegen unsere Freunde erhoben noerden. Es ist jedoch nützlich, wenn sie sich immer wieder darüber klar werden, daß sie trotz unserer sei: einer Reihe von Jahren immer wiederholt ergangenen Mahnungen und Warnungen zu einem -großen Teile die Augen gesthloßen hielten und nicht sehen wollten, trotzdem aller Anlaß gegeben war, sich in klarer Weise über die Entwicklung "Rechenschaft zu geben und mit unserer Hilfe alles dasjenige zu tun, was den Gang der Entwicklung im Sinne der Ruhe und des Bürgern riedens hätte beeinflußen können. Honte gilt cs, 'Würde zu bewahren. Wir werden überall da helfen, wo wir nicht nur den Wunsch, sondern auch den Willen sehen, der unsere Freund? innerach ermutigt und ihnen die Kraft gibt, an die in den meisten Fällen gut und gerecht gesinnte Bevölkerung jenen Vaf ertönen zu lassen, der unserer Kultur und dem deutschen Namen in der Welt in ehrenvoller Weste entspricht. Falsch ist es, die Ställe der bisherigen Wirksamkeit au'.zugeben; fehlerbest ist es ferner, zu glauben, daß Abwanderung in die Großstädte Verelendung verhütet. In Großstädten herrscht Dunerelend. In den kleineren Orten wird sich die Lage zuerst bessern unter der einen Voraussetzung, daß dis jüdische Bevölkerung im besonderen Maße ihrs innere Halsung zu wahren versteht. Unsere Freunde können versichert sein, daß wir alles tun. werden, urr. zu helfen. Verlaßen ist nur, wer sich für verllnBn hält.

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