Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 31 (29.7.1932)
- Date
- 1932-07-29
- Page
- Seite 324 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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ifTlA Pressebesprechung in Stettin Am 21. Juli hielt der Syndikus des Centralvereins, Tr. Alfred Wiener, in Stettin einen Dortrag vor Vertretern der pommerschen Presse. Tr. Wiener unterstrich ganz besonders die Gefahr der Haßerregung gegen die Juden für das gesamte Vaterland. Wenn es nicht möglich sein würde, die politischen Kämpfe ohne Anwendung von Schlagring und Revolver durchzuführen, wenn es nicht möglich sein würde, endlich anständige Formen im öffentlichen Leben Teutschlands herberzusühren, die gestatteten, die notwendigen weltanschaulichen Gegensätze sachlich auszutragen, sei das Schlimmste für den inneren Frieden und damit auch für die äußere Geltung Deutschlands zu befürchten. Tas Judentum mache keinerlei Anspruch auf Unfehlbarkeit und ouf einheitliche Gutartigkeit. Aber ebenso müsse es sich mit aller Entschiedenheit dagegen wehren, daß alle Juden Sklareks seien. Zum Schluß wies Tr. Wiener auf die Trohnngen gewisser nationalsozialistischer Kreise hin, sämtliche Juden in Deutschland unter Fremdenrecht zu stellen. ,/Vrr werden/ so führte der Redner aus, „in diesem Kampfe Sieger bleiben und bleiben müssen, weil man Teutsche in Deutschland nicht entrechten kann/ Im Anschluß an diese Ausführungen machte ein bekannter pommerscher Verleger wichtige Mitteilungen über die Haltung der pommerschen Kleinstadtpresie auch den Juden gegenüber. Als hervorragendes Mittel der Aufklärung bezeichnete er die „E. D.-Zeitung'. Die Monatsausgabe dieser Zeitung mühte in Millionen Exemplaren verbreitet werden. Sie sei geeignet, ruhige und sachliche Aufklärung über das Judentum in christliche Kreise zu tragen. Ter Vorsitzende des Landesverbandes Pommern des C. D., Rechtsanwalt Tr. Marcus e, wohnte der Veranstaltung bei. , Ostpreußen Der Landesverband Ostpreußen des C. V. veranstaltete vor den Reichstagswahlen eine Reihe von Vortragsabenden und Einzelbesprechungen mit maßgebenden Gemeindemitgliedern. ■ So sprach Dr. Jsmar Freund (Berlin), Mitglied des Hauptvorstandes des C. B., in Elbing, Königsberg, Tilsit und Aüenstein über das Thema „Deutsche Juden in Rot". Die Versammlungen waren überall sehr gut besucht. Dem Vortrag Tr. Freunds, der sich ausführlich mit der Geschichte der Emanzipation der deutschen Juden, den kulturwidrigen Forderungen der Nationalsozialisten in bezug auf die Entrechtung der Inden und der Bedeutung der Reichstagswahl befaßte, wurde großer Beifall gezollt. Vor den Gemeindeangehörigen in D e n t s ch - E y l a u. A n g e r b u r g, L y cf « und dt ö ft e n b u r g sprachen gemeinsam Dr. Felix Hermann (L^rlin) und Landesverbandssyndikus Kurt Sabatzky. Rege Aussprachen zeigten, wie stark sich die oftpreußischen Juden für unsere Arbeit interessieren. * ' In Marie n werder sprach Tr. Hei- 'nrann allein vor den Mitgliedern der-dortigen 'Gemeinde. In Gemeindeversammlungen in B xa ünsb erg / ' GuWb innen ~ * und Goldap behandelte Syndikus Saöatzky das Thema „Brennende politische Fragen und wir deutschen Juden". Auch hier kam in der Aussprache ein lebhafter Meinungsaustausch zustande. Besprechungen vor führenden Gemeindemitgliedern, bei denen Tr. Hermann. eingehende Mitteilungen aus der Arbeit der Zentrale und Syndikus Sabatzky aus der des Landesverbandes machten, fanden in Insterburg, Osterode, Allen stein und S e n s b u r g statt. Dr. Heimann veranstaltete eine solche Besprechung auch noch in Tilsit und Sabatzky in Bartenstein. Bei allen Besprechungen und sämtlichen Vorträgen kam die starke LereitschafL unserer ostpreußischen Freunde zu Unterstützung der C. V.-Arbeit in Zentrale und Landesverband zum Ausdruck. RhLirrlanö-WssLfalLn Anschließend an die hervorragend verlaufene Delegiertentagung, die, wie berichtet, am 19. Juni in Dortmund stattfand, hatte der Landesverband Rhei nl a n d - W e st f a l e n eine große Anzahl Versammlungen einberufen, an der Mitglieder und Freunde des C. V. teilnahmen. Der Ehrenvorsitzende des Landesverbandes Tr. Herzseld (Esten) sprach in Düsseldorf und Wuppertal. Die Vorstandsmitglieder des Landesverbandes Dr. David (Hagen) und Hauptlehrer Kaiser (Duisburg) sprachen in Paderborn und Emmerich. Bürgermeister Dr. Weißer referierte in Dortmund. Ter Syndikus des Landesverbandes Hessen-Rastau und Hesten, Tr. Marx (Frankfurt a. M.>, hielt Versammlungen in G e! s e n k i r ch.e n, Duisburg, Hagen und Hamm ab. Endlich sprach der Syndikus des Landesverbandes Westfalen Dr. Plaut (Esten) gemeinsam mit Friede K a d - den (Hagen) in Essen. Dr. Plaut sprach ferner in Wuppertal, Nieder marsberg, Langendreer, Wattenscheid, Paderborn, Oberhausen und Recklinghausen. Sämtliche Veranstaltungen waren stark besucht. Wo Aussprachen gewünscht wurden, fanden sie in voller Harmonie statt. Einmütige Anerkennnng der Leistungen des C. V., einmütiger Wille, an seiner Tätigkeit durch ideelle und materielle Hingabe mitzuwirken, kennzeichneten den Geist der Veranstaltungen. Hamburg Eine überfüllte Versammlung, die der Centralverein im Curio-Haus in Hamburg veranstaltete, nahm nach Vorträgen von Direktor Jacques Meyer und Tr. Mauritius K a h n emstümmg eine Entschließung gegen die Beschimpfungen und Verdächtigungen des deutschen Judentums an. fl! cisere ser* schreiben Ikibedlngf wählen* aber welche Partei? Täglich laufen in der Schrifllcitung der „C. Y.-Zeitung“ Anfragen von Freunden und Lesern ans allen Parteilagern ein, die uns um Rat fragen, welche Partei sie wählen sollen. Sozialdemokratie, Zentrum, Bayerische Yolkspartci, Bauernbund usw. sind nach unserer Auffassung so unumstritten, dass Diskussionen über solche Parteien hier fälschlicherweise den Eindruck erwecken konnten, als trete der Centraivereiu für irgendeine bestimmte Partei ein. Schwierigkeiten bestehen nur bei denjenigen unserer Freunde und Freundinnen, die der Staatspartei nahestehen; die Frage, ob die Stimmen, die für diese Partei abgegeben werden, in ihrer Auswirkung gesichert sind, wird daher in den Zuschriften am lebhaftesten erörtert. Die einen verlangen von ans, wir sollten die Wahl der Staatspartei dringend empfehle», die andern fordern von uns eine eindeutige Warnung vor solcher Wahlentselieidimg, und die dritten machen uns schon die Erörterung dieser Frage zum Vorwurf. Aus den vielen uns Mer zugegangenen Briefen geben wir einzelne Ausschnitte wieder, die uns die Grundfragen am schärfsten zu beleuchten scheinen. Wir selbst aber entnehmen aus dem Für und Wider, dass der Ccntralverein sich in seiner .Stellungnahme nicht beirren lassen darf, dass seine Parole immer mir lauten kann: Jede Stimme gegen die judenfelr.dnehen Parteien! Die Auswahl unter diesen nicht Judenfeind! leben Parteien aber muss jeder'unserer Freunde nach eigenem Gewissen und nach eigener Gesinnung selbst treffen. Die Scbriftleitung Referendar Hartwig Levyj Hamburg: . . . Ausgangspunkt eines wahltaktischen Erfolges . kann nur innere Geschlossenheit und gemeinsam ersirebies Emwic» sei«. Ich halte es daher so verfehlt wie irgend möglich, abgesehen von den rein weltanschaulichen Unterschieden, die doch auch eiu/ernm^sen ins Gewicht fallen dürften, die vorhandene eigene freisinnige Partei durch Stimmabgabe an andere, wenn auch repibük&ni- - sehe Parteien, rrr schwachen. Besonders eigentümlich muss cs dabei berühren, wenn dieser Hnrg zur Zersplitterung gerade in unseren eigenen jüdischen Reihen vornehmlich zu Tage tritt. Insbesondere In der letzten Zeit bin k*h von befreundeter christlicher Seite mit Besorgnis auf diese Erscheinung hingewiesen werden. Tor allem wir jüdische« Staatsbürger haben die Pflicht, einer Partei, dis in guten Zeiten ste's für uns eingetreten ist, auch Leute die Treue m haben. Im entgegengesetzten Falle härten wir sonst am wenigsten Recht, über einen wreüerea Rückgang der einzigen noch vorhandenen liberalen Bürgerpartei Beschwerde zu führen . - Dr. H. Eckstein, BerÜn-Dshüem: 5000 Stimmen gerettet — 200 OOÖ Stimmen vernichtet! Das haben bei der letzten Preussenwabl die Kleinmutigen erreicht, die aus der von den Nationalsozialisten verbreiteten Furcht heraus, die Staatspartci würde überhaupt kein Mandat erringen, lieber gleich Zent rum oder SPD. wählten. Ein bisschen weniger Angst —.und es waren"in Schleswig- Holstein-Altona die 1500 Stimmen abgegeben, die ein Mandat, 'retteten, und in Frankfurt am