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Central-Verein-Zeitung · 1932-07-29 · 31 (29.7.1932) · p. Seite 323

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
31 (29.7.1932)
Date
1932-07-29
Page
Seite 323 (sequence 3)
Language
German
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323 Seite so schwer, daß er an den Folgen dieses zweiten Stiches schwer darniederliegt. Als er nun zur Abwehr mit dem linken Arm um sich schlagen wollte, sah er nur noch, wie ein Ko tu m u n i ft von einem Juden in ein Haus gezogen wurde. Die Untersuchung förderte folgendes Zutage: Dieser Warenhausjude hatte e i n e n K o m m u n i ft e n g c b u n - gen, er solle füreine bestimmte Summe den SA.-Manu unschädlich machen. Der Jude hatte gehofft, nun. werde sein Warenhaus gestürmt und dabei völlig demoliert werden. Es wurde weiter festgestellt, daß dieser Jude am Abend vorher eine Versicherung gegen Tumultschäden in Höhe von 50000 Reichsmark abgeschlagen hatte. Er wollte also auf diese Weise sich in den Besitz dieser Versicherungssumme sehen. Außerdem hatte er wohl auch noch gehofft, daß infolge des erwarteten Sturmes ein Verbot der SA. oder der NSDAP, erreicht werden würde. (Zurufe: Pfui! An die Wand stellen!) Das ist das wahre Gesicht des JudenD Zur Ehre des Redners wollen wir annehmen, daß seine Gewährsleute ihn so falsch unterrichtet hatten. Die judenfeindlichen Folgerungen fallen allerdings ihm allein zur Last. Ein Vergleich des objektiven Tatsachenbericht-, wie wir ihn hier geben, mitj)em des Hohenzollernprinzen, zeigt Satz für Latz,-wie Wahres mit Falschem gemischt ist, um^die Entrüstung der Zuhörer bis zur Bereitschaft zu Gewalttaten zu steigern. Selbstverständlich sind auch in Sensburg wie allerorten Kaufleute in der T u m u 11 f d) a b e n t> e t) i d) e t u n g. Daß Lcsfkowitz die Tumultschädenversicherung. im Zusammenhang mit geplanten Bluttaten.n i ch t eingegangen ist, zeigt allein der Vergleich des anonymen Drohbriefes in Sensburg mit den Behauptungen des Prinzen August Wilhelm. $ l^rrrw'» tfv>jrV Der Vorfall, der sich in Bernstadt abspielte, hat weniger beunruhigende, aber trotzdem sehr ernste Zusammenhänge. Dort wurde planmäßig das Gerücht verbreitet, daß in der Synagoge Waffen versteckt feien. Um jede Lege'ndenbildung zu verhindern, erklärte sich der Synagogenvorstand sofort bereit, eine Durchsuchung der Räumlichkeiten vornehmen zu lassen. Sie erfolgte und blieb selbstverständlich ergebnislos. Aber bezeichnend ist, daß man Gotteshäuser der Juden als Lager-; räume für Mordinstrumente an sieht. So oft werden wir von Freunden gefragt: Was kann ich ' als einzelner Mensch zur Bekämpfung des Judenhasses eigentlich Am? Diese Berichte geben die Antwort: Immer und überall, wo man mitNichtjuden inBerührung kommt, von diesen Lügen und ihrer Entlarvung berichten und dadurch für seine Person sorgen. daß dem deutschen Judentum kein Schaden entsteht. V/ -v O' v»V * * *,'VV% v V , v . *Jr 4 Auffallend und für die zunehmendeB e unruh i g it ng des Auslands über die aus realpolitischen Erwügungen gar nicht mehr zu erklärende Steigerung der Judenhetze des Nationalsozialismus charakteristisch ist die Berichterstattung der Auslandspresse: Bei unserer Veröffentlichung in der „C. V.- Zeitung" vorn 22. Juli über die Pressekonftrenz des Centralvereins in Berlin hatten wir bereits die „Gazetta del Popvlo" in Turin zitiert, die die Verständnislosigkeit des Italieners gegenüber solchen Ausbrüchen des Judenhasies "und ihre abstoßende Wirkung feststellt. Wir hatten ferner das „Göteborgs Handelsoch Sjöfarts-Tidning" zicierff das den Anspruch des deutschen Volkes auf den Rang einer Kulturnation in dem Augenblick für gefährdet erklärt, in dem der Antisemitismus, ein „abstoßender Barbarrsmus", in der deutschen Politik wesentlich werde. Wir'können heute auf gleichgerichtete Veröffentlichungen der weitverbreiteten Londoner Zeitung „The Daily Exyrest" verweisen. Tie Stellungnahme dieses Blattes ist um so bedeutungsvoller, als es sich bisher dem Ra t i o n_a1 f o 3 i a l i § m u 3 mit beson - derer L ympathie .zugewandt hat. Sein Berliner Korrespondent ist jener Reporter, der rn i t H i t l e r gemeinsam den Deutschland-Flug zur Zeit des zweiten Wahlganges um die Reichspräsidentenschaft durchführte und über ihn spaltenlang berichtete. Dieser erfahrene Journalist, dessen enge Vertrautheit mit den führenden Persönlichkeiten des Nationalsozialismus nicht bestritten werden kann, fühlte deutlich bei der Beobachtung der nationalsozialistischen Agitation eine neue scharfe Wendung zum Antisemitismus hin. Die erschreckenden Vorkommnisse der letzten Tage veranlaßten ihn zu einem ausführlichen Telegramm an sein Blatt, das am 23. Juli, also unmittelbar nach den Sensburger Vorfällen, zur Veröffentlichung gelangte. Zwei Tage später, am 25. Juli, ergänzte die Redaktion des Blattes die erschütternden Mitteilungen ihres Korrespondenten durch einen Artikel, der an leitender Stelle veröffentlicht wurde und in wortgetreuer Uebersetzung lautet: - Die d judenfeindliche Hetze der Nationalsozialisten ist jetzt in einem Anwachsen zu blindem Wüten m Deutschland begriffen. Jüdische Kaufleute und andere jüdische Berufe werden boykottiert. Jüdische Angestellte werden entlassen, jüdische Bürger tätlich angegriffen, jüdisches Eigentum tft schutzlos. Ter Nationalsozialismus hat sich durch diesen ungestümen Kurs zu einem Moloch entwickelt, dem die Juden geopfert werden. Wozu kann diese wilde Verfolgung dienen? Deutschland braucht eine Politik, die es rettet, nicht einen Pogrom. ,Zuda verrecke!" ist der Schlachtruf der - Nationalsozialisten. Wenn ne den Sieg davontragen, wird es die Inschrift auf dein Grabe Deutschlands sein." Ein schweres, ernstes Wort in schwerer, \ ernster Stunde, das in London nieder- V geschrieben wurde. m&mu Uti Wir deutschenJuden sehen nicht so trübe. Wir wiffen, daß die große Mehrheit des deutschen Volkes solche Eewaltparoten ablehnt. Wir wiyen, daß bis weit in die Kreise der nationalsozialistischen Anhängerschaft hinein die Methoden, wie man sie gegen die deutschenJuden anwendet, nicht gebilligt \ werden. Wir wigen, daß die guten Eigenschaften des deutschen Volkes auch \ diese Epoche des Ver sinkens in Haß, \ Verleumdung und Gewalttat lebens-; kräftig überdauern werden. Aber z alle diese Kreise und Kräfte haben \ sich in bedenklichem Maße an den Ton und Inhalt deutscher Politik gewöhnt, wie sie jetzt \ in Straße, Saal und Zeitung zu vernehmen sind. Es muß immer wieder, immer lauter und immer dringender hinein- \ gerufen werden in die beut* \ sche Welt, worum es geht, \ und daß ein Meer von Blut \ und Tränen die zwaugs- \ lausige Folge von Ausschreitungen sein muß, die bei den deutschen Juden Heginnen. Das Voltsgewigen \ muß endlich erwachen und uns im Kampf gegen die \ Verleumder unterstützen. \ Der Kampf darf nicht . weiter mit Totschlägern, \ Dolchen und Revolvern 1 geführt werden! Dr. Alfred Hirschberg.

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