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Central-Verein-Zeitung · 1932-07-29 · 31 (29.7.1932) · p. Seite 322

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
31 (29.7.1932)
Date
1932-07-29
Page
Seite 322 (sequence 2)
Language
German
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Die Manöver sind zu plump, als daß sie nicht durchschaut werden könnten; wir werden jeden Einzelfall in aller Ausführlichkeit zur Darstellung bringen und in den Sck)einwerfer der Oejsentlichwn stellen, um der giftigen Aktiondie moralische Rechtfertigung stets im gleichen Augenblick zu entziehen, in dem sie verleumderisch und kämst l:ch konstruiert wird. Wenn es im „W e st d e u t s ch e n Grenzb l a t tu vom 16. Juli — Herausgeber ist jener Dr. Robert Leh, der durch eine Parlamentsrede den spontanen Zwischenruf reranlaßre: „Herr Präsident, ein Verrückter ist im Landtag" — in einem Wahlaufruf heißt: „Hebräer hetzen zum Mord an deutschen Volksgenossen", so kann man das nur ftstnageln, denn es sind keine Einzelheiten angegeben, die eine sachliche Widerlegung Zuließen. Und wenn die Düsseldorfer „Volks par ol e" vom 19. Juli vom „Jüdischen MordkourmuniSmus" schreibt und schreit: „Das ganze Volt verlangt die rücksichtslose Ausräucherung der jüdischen MorDzentralen. . so ist auch dieses nur eine Bestätigung unserer Vermutung über eine einheitliche nationalsozialistische Hetzparole, aber es stecken keine Tatsachen, nutzt einmal erfundene, dahinter. Deutlicher wird die „S ch l e s i s ch e Wahlzeitung" der Nationalsozialisten, w a s ne unter Dcordzentralen meint. Sie schreibt: ..Die geheimsten Fäden dieser Bluttaten aber führen in jene Kreise hinein, die im Centralvercin deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sitzen." Selbswcrsiändlich hat der Landesverband Niederschlcsicn des C. B. alle juristischen Möglichkeiten, die Wcrtcrverbreitung dieser abscheulichen Verleumdungen zu verhindern, sofort angewendet und eine einstweilige Verfügung auf Nrrterlas s u n g in Breslau ausgebracht. Aber der Vorgang zeigt, wo man hinaus will. Und wie sehr wir mit Stolz den Hatz, den uns der Nationalsozialismus cntaegcnspeit, als Beweis treuer und wirkungsvoller Pflichterfüllung für Ehre und Eristenz des deutschen Judentums empfinden, ebensosehr ist es Pflichterfüllung f ü r das deutsche Jude :i t u m . sogar solch krankhaften Verdächtigungen enrgegenzirtreten. Zwei Fälle der letzten Woche sind zu berichten, um die sich nationalsozialistische Legenden zu ranken beginnen: Sensburg in Qst- Preußen und B e r n st a d t in Schlesien. lieber sie hat bereits die Tagespwsie berichtet. Aber wir sind in der Lage, das Ergebnis von Erhebungen miizuteiken, die unmittelbar nach den Geschehnissen der Syndikus des Landesvcrbandes des G e n t r a l v e r e i n s , ßurt c a - baüky, und der auf Vortragsreiscn für die Zentrale Zurzeit in Ostpreußen tätige frühere Landesverbandssyndikus des E. V., Dr. Felix H e i m a n n, angestellt haben. Danach steht folgendes fest: Am 21. Juli, mittags 12 Uhr, kam cs vor dem Gebäude der ehemaligen Kr eis käste in ^ensburg zu einem Zusammenstoß zwischen einigen Nationalsozialisten und Kommunisten wegen der gegenseitigen Begrüßung „Heil Hitler" und „Not Front". Ter .Kommunist Hasenpusch geriet hierbei in Tätlichkeiten mit einem der drei Nationalsozialisten. Der Nationalsozialist Gralla, der Angestellter des Stadtbanamts ist und der sich in das Büro begeben wollte, bemerkte das und versuchte, die Streitenden zu trennen. Als er in der Hand von Hasenpusch ein zugeklapptes Messer' erblickte, ries er diesem zu: „Nimm sowrt das Meyer weg." Hasenpusch klappte ans diese Worte hin das Messer aus und stach aick Gralla ein und verletzte ihn schwer. Nach der Tat flüchtete Hasenpusch in die Geschäftsräume des j ü d i s ch e n K a u f m a n n s L e f f k o w i h. die sich in unmittelbarer Nabe des Tatortes befinden, lief durch den Laden und verließ das Haus durch den hinteren Eingang zu einer anderen Straße. Die Nationalsozialisten, von denen sich inzwischen eine größere Menge auf dem Marktplatz cmgesammelt hatte, zogen vor das Lesskowitzsche Haus, um Hasenpusch zu fassen. Als Herr Lesfkowitz bemerkte, daß sich eine größere Menge dem Geschäft näherte, schloß er mit einer Angestellten die Türen. Weder Herr Lesfkowih noch die Angestellte wußten, daß Hasenpusch durch den Laden gelaufen war. Die Menge, unter ihnen viele in SA.- Tracht, glaubte mm, daß Lesfkowitz und seine Angestellten den Täter schützen wollten, und wandte sich drohend gegen das Geschäft. Aus der Menge heraus tönte es u. a.: „Das jüdische Packzeug hat den Mörder begünstigt." Die Menge verzog sich später und suchte in der Stadt nach dem Täter. Auch die Polizei war eifrig bemüht. Es gelang schließlich, Hasenpusch in seiner Wohnung sestzunehmen. Trotzdem zogen die Nationalsozialisten erneut gegen 2 Uhr vor das Lesfkowitz sch e Hans und stießen judenfeindliche Drohungen aus. Die Menge wurde immer stärker; schließlich drang sie in den Laden. Ter christliche Angestellte Ernst Dworrak wurde aufgefordert. den Laden zu schließen. Als Dworrak sich weigerte, fielen sie über ihn her und mißhandelten ihn. Auch der Neffe des Geschäftsinhabers, Kurt Lesfkowitz, wurde tat lief} angegriffen und am Hinterkopf verlest. Bei dieser Gelegenheit entwendeten die Nowdies auch einige Konservenbüchsen mit Würstchen. Als Täter wurden der frühere Qrisgruppenleiter der SA., Kirm (Sensburgft sowie die SA.- Leute Bürogehilse Z i m rn e r m a n n iSensluirg) und Arbeitsloser Heinri ch i,SensVurgl sestgestellt. Sodann zog die Menge vor das Geschäft von Gustav Bütow Nachsg., Inh. P o :n m e r , deren Inhaber ebenfalls Juden sind, und verlangte die Schließung des Geschäfts. Hierbei wurde eine Scheibe in der Ladentür eingedrückt. Weiterhin zogen die Leuta unter denen sich auch viele Kinde? im Alte? von 8 bis 9 Jahren besonder», vor die Geschäfte von P a s ch. Alexander, Klein, M o s e s , Abraham und Sondland. wo judcnhetzerische Drohungen ausgestotzen wurden. Bei Abraham ries der Tischlerlehrling Matz aus: „Wenn du nicht schlicht, schlagen wir dich tot!" Neben Matz wurde als einer der Rädelsführer ein gewisser G o l l u b Astgestellt. Als einige der Geschäftsleute den Nationalsozialisten erklärten, sie würden auf ihre Anordnung nicht schließen, sondern lediglich auf Anordnung der Polizei, wurde entgegnet: „Die Polizei hot hier gar nichts zrr sagen, sondern wir haben hier etwas zn sagen." Am Morgen des 22. Juli erhielten fast sämtliche _ jüdische Geschäftsleute anonyme Briese mit folgendem Wortlaut: I ii fc e ii Scnsburgs! Aus einwandfreier Quelle ist mir bekannt, daß der kommunistische Mordanschlag auf unsere SA.-Leute von euch Vorbereitet und finanziert ist. Als kleines Beispiel gebe ich nur an, daß der Judenlümmel Pasch gestern eine Versicherung über 40 000 Am. gegen Einbruch . und Demolieren seines Ladens mit sofortiger Wirkung abgeschlossen hat. Ihr habt heute aus Augst' vor der Rache des Voltes eure sämtlichen Läden aeschlofsen. Ich warne euch, wenn euch euer Leben und Eigentum lieb ist, eure Geschäfte in den nächsten 14 Tagen wieder aus- Schen. ^Jch selbst werde mich von diesen Heu Feiertagen überzeugen und im nicht Einhaltung-salle auf das energischste cingreifen. B l u t f o r d e r t B lu t." $2ü L L. c“;;i ein Tie Vertreter des Centralvere i n s ergriffen noch während der Ausschreitungen die geeigneten schritte. Sie suchten zunächst, da sie sich gerade in Allenstein befanden. den^Regierungspräsidenten auf und sprachen in Sensburg selbst beim Landrat und dem Bürgermeister vor. Tie Qrtspresse, die über die Vorgänge in einer Form berichtete, die die Erregung der Bla neu nur noch^zn erhöhen geeignet war, wurde zu ergänzenden Berichten mit wahrheitsgetreuer und dadurch ausklärender Darstellung veranlaßt. Ebenso wurde dafür gesorgt, daß die verbreitetesten o st p r'e iFß i [ d) c n Zeitu n g c n wahrheitsgetreue Berichte veröffentlichten. An die „P r e u ß i s ch e Zeit u n g", das Parteiblatt der Nationalsozialisten für Qstprenßen, die dem Kaufmann Leffkoooitz B e g ü n ft i o u n g vonvarf, wurde eine p r e ß g e s e tz l i ch e Berichtigung gesandt. Sensburg bat sich beruhigt, aber in einer Berliner Wahlkundgebung vom 23. Juli hat PGinz August Wilhelm, Sohn Wilhellus II., die folgende Tarstellnng der Geschehnisse gegeben: „Als ich neulich in Sensburg gesprochen hatte, besuchte ich dort einen schwerleideo.deu SA.-Kameraden. Lluch hier in Sensburg ist es so wie in vielen kleineren ostpreußischen Städten, daß der Warenhansjude die halbe Stadt in der Tasche hat. Tiefer SA.-Kamerad w-ar. nachdem er sich Wahlmaterial geholt hatte, ans dein Nachhauseweg. Pb ätzt ich wurde er durch einen Messerstich an der rechten Hand verletzt, merkte cs aber erst, als ihm das Blut herunterties. Plötzlich hörte er: das Schwein hat noch nicht genug. Im selben Augenblick wurde er noch einmal verletzt, und zwar an der ganzen r llneu mm mm

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