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Central-Verein-Zeitung · 1932-07-22 · 30 (22.7.1932) · p. Seite 315

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
30 (22.7.1932)
Date
1932-07-22
Page
Seite 315 (sequence 7)
Language
German
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315 tl Hitze und Staub erschlaffen den Körper besonders beim Reisen und Wandern. Eine kraklige Mundspülung mit dem herrlich erfrisch er. i-r. Cnlcrcdont- Mundwasser und eine gründliche Zahnreinigung mit Chlorodont-Zahnpaste wirken wohltuend, verschaffen das Geruh! der Sauberhai! und ....--missi^ .. - ,4 J; 1 r 0 W 1 ■; 3 :. ~ i 3ZLLUBL MUeÄMW in VEn In allen Teilen des Reiches veranstaltet der Centralverem in diesen Tagen Besprechungen mit den Vertretern der maßgebenden Zeitungen, um sie über die Lage der deutschen Juden und die Rückwirkungen der antistmiti'chen Propaganda in aller Welt zu unterrichten. Am 14. Juli fand in B e r l i n im „Haus der Presse" eine Konferenz statt, zu der Vertreter vieler wichtiger Berliner Zeitungen und Berliner Korrespondenten auswärtiger Blätter erschienen waren. lieber diese Pressekonferenz bat die Pressestelle des Centialvereins einen Bericht an 600 Zeitungen im ganzen Reich verbreitet, dem wir folgendes entnehmen: Bon über 60 Millionen Menschen, die in Deutschland wohnen, sind 560 000 Juden, also noch nicht ein Prozent. Und trotzdem richten sich zahllose scharfe und auf unwahrer Grund- Lteöerfüll auf jüdischen Bürger in Waldenburg Waldenburg in Schlesien, 19. Juli. Am Montag, IS. Juli, abends, wurde der jüdische Kaufmann SSoUmann aus Breslau auf dem Wege zum Lahnhof von einer Horde Nationalsozialisten überfallen und so schwer am Kopfe verletzt, das; er besinnungslos in dir PrivatNinit des Dr. med. Dohm in Waldenburg eingeliefcrt werden mutzte. Wollmann ist von den Nationalsozialisten mit den Worten: „Ta kommt wieder so ein verfluchter Jude!" angegriffen worden, ohne das; er Das geringste getan hat, um seine Angreifer zu reizen. läge beruhende Angriffe gegen diese halbe Million. Was bedeutet das und wozu muß das führen? Diese beiden Fragen bildeten den Ausgangspunkt und den Leitgedanken einer Pressebesprechung, die ^der E. B. in diesen Tagen im „Haus der Prepe" unter starker Beteiligung von Prepevertretern aller Richtungen abhielt. Ter stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil, Direktor Tr. Ludwig Holländer und stellvertretender Syndikus Dr. Hans R e i ch m a n n beleuchteten diese Fragen unter den verschiedensten Gesichtspunkten. VT vftO Tie kulturelle und seelische Derknüpstheit der deutschen Juden mit ihrer Umwelt und ihrem Vaterland? laue es als abwegig erscheinen, die Abwehr der durch die nationalsozialistische Agitation geforderten Entrechtung der deutschen Juden etwa vom Gesichtspunkte der nationalen Minderheiten aus zu betrachten. Es sei aber daran erinnert, daß durch die Friedensverträge im Amchluß an 1918 sogar sogenannte Liegerstaaten gezwungen wurden, sich in Minderheitenfragen der Aufsicht des Völkerbundes zu unterwerfen, daß über ein solcher Gedanke dem kulturell und geistig führenden Deutschen Reich gegenüber absurd erschienen fei. Man mache sich innerhalb der deutschen Grenzen gar keinen Begriff davon, in welchem Umfange das'deutsche Ansehen in der Welt durch die antisemitischen Ausschreitungen der letzten Zeit geschädigt worden fei. Deutschland rangiere in der öffentlichen Meinung der westlichen Staaten bereits hinter östlichen Ländern wie Polen und Rumänien. Im englischen Unterhaus bildeten die antisemitischen Anträge den Gegenstand von Interpellationen. Es ergebe sich, staats- und völkerrechtlich gesehen, der merkwürdige Zustand, daß die gegen die Ostjuden gerichteten Ausnahmeanträge die Ostjuden im wesentlichen nicht treffen würden, weil hinter diesen ihre Heimatstaaten und der Völkerbund stehen, daß dagegen die deutschen Juden, seit Jahrhunderten eingegliedert in das Volksganze, seit vielen Generationen treue, opferfreudige Bürger Deutschlands in Krieg und Frieden, dem Terror schutzlos preisgegeben sind. Bei allen Volksabstimmungen der Nachkriegszeit haben die deutschen Juden mit dem ratimmzettel für Deutschland gekämpft. Eine einzige Abstimmung steht noch bevor, die im Saargebiet. Es bestehe nicht der mindeste Zweifel, daß auch hier die deutschen Juden für ihre deutsche Heimat stimmen werden. Aber man müsse sich doch einmal den seelischen Zustand dieser Menschen vergegenwärtigen, wenn ne durch ihre Stimmabgabe sich selbst aus freien Bürgern zu Bürgern zweiter Klane in einem dann vielleicht sür sie rechtlosen Deutschland machen. Sogar die italienische Presse, die doch bestimmt saschistensreundlich ist, begreife nicht die Judenhetze des Nationalsozialismus. Die angesehene Turiner Zeitung „Gazzette de! P o p o l o'knüpfte an einen Bericht über die Entrechtungsplän.e der Nationalsozialisten gegen die deutschen Juden die Bemerkung, das faschistische Italien, lvelches den Juden als ausgezeichneten italienischen Bürger kennt, habe nir einen solchen Ausbruch _ des Judenhalles fern Verständnis; dieser Haß und die Form seiner Aeußerung wirken auf die Italiener abstoßend. Und das angesehene nordische Blakt „Göteborgs Handelsoch Sjösaits- Tidning" schreib: in einem Leitartikel,. „das dcunche Dolk könne nicht dem 'Antistmitismr§ anhaimfoUen, ebne dm An'pruck darauf zu verlieren, für ein Kulmrvvlk gebasten zu werben. _ Der Anristminsmus bedeute einen Rückfall in den Nuuonausmms. liberalst wo man die Besinnung noch nicht verloren habe, müüe es Teutschlanks Anstb.n Schaden, daß eine Bewegung, die eine wiche 'Ausbreitung gefunden habe _ wie der Nationalst z:alisrnus, einem so abstoßenden Varbarismus bulligen könne, wie er in der antistmiki'chen st-revaganda der Partei zum Ausdruck komme. Wenn der deutsche 2la= Nationalsozialismus von dm zivil:sterren Völkern ernst genommen werd-.n wolle, und wenn er glaube.^ daß sein Programm ernste VrüstlNg verdiene, so müsse er in erster vinie den Antistrnitisnws aus feinem Claubensoekmnmis aus schließen. Wenn die deutschen Juden sich mit aller Bl acht gegen chie Volkssenck e des Judenhanes wenden und einsetzen. so leisten sie damit euren Dienst an der Wahrung und Wiederherstellung des deutschen Ansehens in der Welt. L^Z'BrrLr LrrÄMLiW» Unter dem Leinrort: Aussv rechen. *was ist . . . ch veranstaltete der Landesverband Groß-Berlin des Eentralvercins am 12., 13. und 14. Juli zehn große MitgliederversanmAungen in allen Teilen Berlins. Zu einer Klärung der Lage vor den Reichstagswahlen sollten die Referate und die Aussprachen dieser Abende bei den Mitgliedern aller Berliner Eentralvereins-Ortsgruppen beitragen. Ohne Schönfärberei schilderten alle vierzehn Redner die politische Entwicklung und folgerten aus ihr die Aufgaben für den einzelnen und für den (semratvercin. Die bevorstehende Entscheidung verlange von jedem deutschen Juden Arbeit und Opfer. Der schlimmste Vorwurf, der die Abscirsstehenden treuen könnte, wäre der des Zuspät. Ausübung der Wochwflich: sei noch das mindeste, was von jed<un deutschen Inden in dieser ernstesten Zeit zu verlangen ist. Tie Aussprachen, die ncch an die Referate anschkojsen, zeigten ernsten Kampfeswillen bei den ältesten und jüngsten Mitgliedern. In einzelnen Ortsgruppen stellte nch die Jugend in erfreulicher Zahl für die bstmoehrarbei? zur Versügung. Die Versammlungen erfüllten in den Vororten und in den zorUralgelegonen; st

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