Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 30 (22.7.1932)
- Date
- 1932-07-22
- Page
- Seite 314 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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314 Centralveresn deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens E. V. „ . . als Jude fühl’ ich kein Erröten i - jedoch als Deutscher schäm’ ich mich\a e fgl# irtr+J Sorrderbcricht für die „C. V.-Zeitung". Lchneiderrrühl, den 19. Juli 1932. Kundgebung gegen iudenfeind» lichen Terror und EnSredhf’yiig Dienstag, den 26. Juli 1932, abends 8V2 Uhr, im ehemaligen Herrenhaus, Berlin, Leipziger Strasse. Vorsitz: Justizrat Dr. J. Brodnitz, Vorsitzender des C. V. Redner: Politische und geistige Führer des deutschen Judentums. Eintritt frei. Einlass nur gegen Karten, die im Büro des C. V., Emser Strasse 42, erhältlich sind. (Oliva 5074—76.) ner besonders verhassten jüdischen Vizepräsidenten zu haben, ist eine andere Frage, die man sich längst hätte überlegen müssen.1' Also genau das, was die Gegner sagen: es ist nicht nötig. Mit solchen falschen Argumentationen fördert man die Absichten der Gegner. Das war man von der „Frankfurter Zeitung" bislang noch nicht gewohnt. Ich mochte nicht hoffen, dass das die neue Linie der „Frankfurter Zeitung" sein soll. Sind die Zeiten wirklich schon so, dass auch die „Frankfurter Zeitung" leise tritt? Ich möchte das nicht glauben. Wenn die „Frankfurter Zeitung" selbst die Auffassung ihres Berliner Korrespondenten nicht teilt, so möge sie seine Elaborate besser kontrollieren, denn die hier in Be- Wer die Weltgeschichte kennt, weiss, was unsere Zeit, unser Volk und überhaupt das ganze Abendland dem jüdischen Geiste wie dem griechischen Geschmack und der römischen Gewalt verdankt Die Bibel ist eines der deutschesten Bücher geworden, dessen Lehren Könige und Kärrner, Weise und Toren in Form von Zitaten gebrauchen. Wenn sie Beteuerungen und Schwüre, Ueberzeagungen des Verstandes^ und Ergüsse des Herzens^ geben"’ wollen, dann strömen ihnen die Worte der Bibel am beredtesten aus dem Mund — rein wie der traeht kommenden Sätze rühren an die Grundsätze der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung. Die Republik und damit die Freiheit des deutschen Judentums lässt sich nur verteidigen, wenn wir aushalten. Das geht aber nur, wenn die Republikaner, die die dabei so wichtigen Glieder des Staatsapparates noch in den Händen haben, eine Grundlage besitzen, auf die sie sieh verlassen können. Aber wie können die. zuständigen Behörden den judenfeindlichen Angriffen gegenüber noch stark bleiben, wenn sie weiter in den eigenen Reihen so beurteilt werden! Darum nochmals und immer wieder: Mehr Mut und mehr Haltung! cand. iur. Schleedorn, Frankfurt a. M. Quell aus verborgenen Tiefen. Keine „Schrift" bat unsere Dicht- und Tonkunst stärker befruchtet und die Wissenschaft mehr bereichert als die Bibel, da sie ja selbst von Wissenden geschrieben ist. Wenn man uns das Deutschtum auch absprechen will, es ist unmöglich: denn wir sprechen die deutsche Sprache — manche in einer Form, die den Gehalt veredelt. Wir sind von deutschen Dichtern und Denkern er zogen, von der Heimat Katar gestaltet, an der Heimat Schicksal . gebunden. ,,F remdstämm ig" sind auch zahllose Wörter der deutschen Sprache, deren Stammbaum bis in die Antike reicht; „fremdstäminig" ist der Ursprung mancher ererbten Merkmale und mancher erworbenen Eigenschaften im deutschen Volke; „fremdstämmig“ zahlreiche Bäurae in unseren Wäldern und Gärten, viele Wurzeln und Früchte unter den Arzneimitteln, die uns unentbehrlich geworden; „fremdstämmig" sind auch mehrere lebenswichtige Getreidesorten, die uns unentbehrlich geworden; „fremdstämmig" viele Tiere, die uns gute Kameraden sind. So der Hund, der wachsame Behüter unseres Hauses, und das aus den Kiessteppen Russlands stammende Pferd, unser treuer Begleiter in Krieg und Frieden, das bei uns so hoch geschätzt wird, dass der Kavalier sogar seinen Kamen vom Cawallus (Pferd) erhalten hat. Sie alle haben das Bürgerrecht erworben, weil sie nützlich und schön sind. Sind aber unter allen Geschöpfen der Erde nicht die Menschen am wertvollsten? Kann man gerade dem vernunftbegabten Menschen die Rechte aberkennen, die man Worten, Pflanzen, Tieren gibt? Dr. R. M. Müllerheim. Berichtigung. In Kr. 29 der „C. V.-Zeitung" vom 15. Juli d. J. muss es in dem Artikel „Wer ist für Todesstrafe?" heissen: ,,. . . Die Strafe dient nicht der Besserung und nicht der Abschreckung, sondern ist logisch das Aequi valent des Gesetzbruches . . .“ „Fremdstämmig"- doch eingewurzelt Tas Schwurgericht in LchneidemüHl verurteilte am 18. Juli den Händler Karl £ d) nt i b i aus TLegers, Kreis ^chlcchau, wegen Körperverletzung mit t ö d l i ch e in Ausgange zu drei Jahren Gesangn i s. Xcr Angeklagte, der im braunen Hemd und hakenkreuzgeschmückt erschienen war, hat im Tezember vorigen Jahres in Ltegers den jüdischen Händler Hopp derart körperlich mißhandelt daß er an den Folgen der Tat in Berlin verstarb. Ter Angeklagte kümmerte sich als eifriger Nationalsozialist mehr um seine Partei als um seine eigenen Angelegenheiten. Kein Wunder, daß deshalb sein Geschäft zurückging und ihn sein jüdischer Konkurrent, dem von allen Seiten das beste Zeugnis ausgestellt wird, überflügelte. Bon da an verfolgte der Angeklagte den jüdischen Händler mit Tenunziativnen, üblen Nachreden und hämischen Bemerkungen. Als er ihn eines Abends auf der dunklen Torsstraße allein traf, stellte er ihn heimtückisch unter vier Alkgen in einem Hausflur. Mit den Worten: „Hab' ich dich, verfluchter Jude!" versetzte er ihm einen Tchtcrg. der den Angegriffenen bewußtlos niederstreckte. Natürlich bekannte sich der Angeklagte nicht zu seiner Tat. die der Staatsanwalt mit Recht a l s u n - deutsch und ruchlos b e z e i ch n e t e. Ter Verteidiger, der nationalsozialistische Rechtsanwalt Fiebing aus Flatow, versuchte die ganze Angelegenheit aus politisches Gebiet zu schieben. Aber alle Ausreden und Verdrehungen halsen nichts. Tie Jndizienkette war, insbesondere auf Grund der eingehenden Gutachten verschiedener Berliner Professoren, lückenlos. Tas Gericht erkannte den Angeklagten für schuldig und versagte ihm mildernde Umstände. In der Urteilsbegründung wurde ebenfalls die Verwerflichkeit der Tat gebührend gekennzeichnet. Tiefer Prozeß hat wieder einmal grell die Zustande in den Törfern und kleinen Ttüdten beleuchtet, in denen die Nationalsozialisten unumschränkte Herren sind. Gerade in dieser Umgebung steht oft die Beliebtheit des einzelnen Juden seiner allgemeinen Verfemtheit entgegen. Aber selbst Wohlgesinnte werden dann immer durch Terror gezwungen. mitzumachen, oder zum mindesten gehindert, für den Juden einzutreten. Und merkwürdig: auch in diesem Prozeß wurde die Ausrede gebraucht, man meine nicht den einzelnen Juden, sondern nur die Allgemeinheit. Und der Angeklagte behauptete steif und fest, trotzdem er Nationalsozialist sei, sei er kein Antisemit (!), und er würde es lieber sehen, wenn der tote Jnde noch am Leben wäre. Tiefe merkwürdige Judenfreund schüft konnte ihm natürlich keiner glauben. 9 jr