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Central-Verein-Zeitung · 1932-07-22 · 30 (22.7.1932) · p. Seite 312

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
30 (22.7.1932)
Date
1932-07-22
Page
Seite 312 (sequence 4)
Language
German
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312 teilzunehmen. Immerhin habe ich b:s jetzt noch nichts davon gehört, daß unsere fanaLiscgsten Wmer sich der Salrarsan-Kur verweigern, weil dieses Heilmittel ton einem Juden und einem Japaner entdeckt wurde. Ich bin so wenig fremdstämmig wie Gustav Mahler, wie Mar Lieöermann, wie Friedrich Gundclf, wie Alfred Mombert, wie Franz Werfel, und wären wir alle es, so müßten konseguenterweise so distinkt flmvische Erscheinung^ wie Nietzsche und Richard Tehmel (man betrachte nur die Antlitze), Geister von so romanischer Prägung und Herkunft wie die Brentanos dazugezählt werden. Es ist nun einmal nicht zu ändern, daß geographische Grenzen keinen wirksamen Tamm aufrichtcn gegen die Zirkulation des Bluts und den Flug der Gedanken. Allein eine Millionenbewegung. deren Lenker sich auf den Haß, den Aberglauben und die Ignoranz stützen muffen, darf keinen Wert auf Logik legen, sonst ginge sie ihrer politischen Dorteile verlustig; was an Sehnsucht darunterliegt, an nationalem Traum, an Reaktion gegen die Ausklärerei und den dürren Oekonomismus des vergangenen Jahrhunderts. ist ein ernstes Trug und als seelischgeistige Revolution von Bedeutung; in das Bett des Antisemitismus geleimt, wird ein Zerrbild daraus, denn der ist nichts weiter als ein jeweils wohlsundieries und lukratives Geschäft, allerdings eines auf kurze Sicht und von einem schlechten Kaufmann betrieben Bm WMMMLMLLs. Tie Firma von Goldfchmidt - Rothschild & Co., Berlin, deren einer Inhaber unser altbewährter Freund, unser stellvertretender Vorsitzender Herr Ernst Wallach ist, hat sich vom laufenden'Bankgeschäft zurückgezogen und mit der Reichstredit-Gesellschast in Berlin fusioniert.. Tie Reichskiedit-GesellschafL hat sich in folgendem Sinne geäußert: „Es handle sich bei der Firma von Eoldschmidt—Rothschild & Co. uni eines der kapitalkräftigsten Bankge'chäste, das auch gegenwärtig sehr flüssig ist, so daß sich die Inhaber trotz der allgemeinen schlechten Zeiten sozusagen .am Zenich der geschäftlichen Entwicklung ms stprwakleben zurückzichen/ Tie Liquidation der Firma ist aus dem .Grunde erfolgt, weil der Wciterbetrieb des Ge- .'-schäftes bei den heutigen außerordentlichen Spesen und Abgaben nacki Anstauung der Inhaber 'einen genügenden Ertrag für die Mühe -und Arbeit nicht mehr gewährleistet. ' st st. Unser Freund Ernst Wallach wird sich in -Zukunft neben seiner Arbeit im Aufsichtsrat -einer Anzahl von wichtigen Gesellschaften besonders seiner politischen und sozialen Tätigkeit widmen. Wir begrüßen das von Herzen. 0 ü . r'" r» "O Tretest? Z-' l LJ i y ü VI U ü lind dodi Sfsafspsriel... .41z jLnrr2dnl.el2r.2ez Mitglied des Vereins fühle ich mion verpflichtet, Sie darauf aufir.arksara za machen, dass Ihr Artikel ..Es hat doch Zweck1* eir.e Wirkung aasüben konnte, die im Sinne der von Ihnen stets erstrebten und bewiesenen Unparteilichkeit nicht beabsichtigt sein dürfte. Sie schreiben: ,.Die alten Wähler des Zentrums und der Sozialdemokratischen Partei kommen gewiss bei dieser Wahl in keine Konflikte“, während Sie solche bei den Wählern der Staatspartei als vorhanden und begründet ansehen. Die hierin liegende Unterscheidung läuft mindestens objektiv auf eine Benachteiligung der Staatspartet hinan?, die ich aaeh ans sachlichen Gründen vom Standpunkte unseres Vereins aus beanstanden muss. Ich will mich speziell zu den Berliner Verhältnissen äus-ern. Dass es hier jüdische Wähler gab, die dem C. V. angeh ören und trotzdem Zentrum wählten, ist erstmalig bei den letzten Preiissenwablea zutage getreten, wobei sich ein Teil unserer Mitglieder durch die tendenziöse Behauptung, „die Stimmen gingen sonst verloren“, beeinflussen liess. Trotzdem sind im Wahlverbande Berlin (Potsdam II und Berlin) noch 7SOOÖ Stimmen für die Staatspartei abgegeben und dadurch zwei Mandate (Xuschke im Wahlverband, Schreiber auf der Lar.dcsliste) gewonnen worden. Selbst wenn jetzt wieder eine ähnliche Parole für Berlin propagiert würde, was aus Ihrem Aufsatz herausgelesen werden kennte, so nehmen wir dennoch mit Bestimmtheit an, dass wir in Berlin weit über die nötigen 60 Oiö Stimmen erhalten würden, dadurch also auch für den Reichstag je ein Mandat im Verband und auf der Reich3liste. Eino Gefährdung dieses Erfolges wäre lediglich darin zu . befürchten, dass die geschilderten Tendenzen von massgebender Seite wie der Ihrigen .auch nur indirekt gestützt werden. Ich vermag mir ater nicht vorzustellen, dass der G. V. eine solche Politik fördern will. Oder soll er dafür die Verantwortung übernehmen, dass durch seine Haltung nicht einmal die erforderlichen GOCCö Stimmen im War.iveroar.de erreicht werden? Der Erfolg hiervon würde sein, dass nicht r.ur die beiden Mandate verloren gehen, sondern auch alle Stimmen, die von entschlossenen Anhängern der Staatspartei abgegeben werden, wegen einiger fehlender Stimmen ausfallen und indirekt dem Rcehtsradikalisraus zugute kommen. Auch für den C. V. besteht doch ein drir.gcodas stv-. tsbürgerliche? Interesse daran, dass eine liberale Partei als Aiiffangspartei erhMton bleibt, auf der nach den Wahlen hoffentlich eine grosse bürgerliche Mittelpartei auf gebaut werden kann. Katz, Stadtrat. Stadial fester, Berlin-Schönebcrg. Keine Stimme darf fehlen In Nr. 29 vom 15. Juli & J. schreiben Sie: __Der Centralverein. der niemals "Wahlparolen für bestimmte Parteien ausgegeben hat . . .. kann dem einzelnen die Verantwortung für die Lösung dieses Konfliktes nicht ahnehmen ... Ist eine solche Einstellung zu den politischen Frauen von beute richtig? Ist es für eine führende Zeitung der deutschen Juden angebracht, im Augenblick höchster Gefahr die Geführten und der Führung nötig Bedürfenden sich selbst zu überlassen? Glauben Sie, dass Sie Ihrer politischen Neutralität etwas vergeben, wenn Sie jetzt, im Augenblick höchster Sturmbereitschaft, den alten und darum nicht mehr zeit ge mässen Standpunkt verlassen würden? Nein, so kann man seine Führeraufgabe nicht auffassen 1 Heute gilt cs, den deutschen Juden zu sagen, was sie tun sollen, welche politische Partei gewählt werden muss, ja: gewählt werden muss! wenn der einzelne jüdische Wähler sich nicht versündigen soll am deut-. sehen Vaterlande und an der deutschen Judenheit. Heute gilt es klipp und klar zu sagen: In den für sicher anzusehenden Wahlkreisen der Deutschen Staatspartei, also in Hamburg, Berlin und Württemberg, mag der jüdische Wähler dieser Partei die Stimme geben. Diese Partei, die Partei eines Ludwig Haas, verdient unsere ganze Sympathie und unsere ganze Arbeit. und sicher unseren Stimmzettel in diesen Wahlkreisen. Aber es darf keine republikanische Stimme verloren gehen, es dürfen nicht mehr als 150 000 Stimmen und damit etwa drei Mandate der verfassungstreuen Wählerschaft unter den Tisch fallen. Es müssen diese Stimmen positiv nutzbar gemacht werden. Spätere ruhigere politische Zeiten, die auch wieder kommen werden — darauf nicht hoffen, damit für baldige Zeiten nicht rechnen, bi esse an Vernunft und Gerechtigkeitssinn Deutschlands zweifeln, hi esse den sicheren Untergang der deutschen Kultur Voraussagen —, können wieder das Spiel zwischen Farteischatticrungcn freigeben, spätere ruhigere Zeiten können uns wieder die Möglichkeit bringen, . die Partei zu unterstützen, die uns gerade passt. Heute heisst es für jeden deutschen Juden: Deine Stimme nur einer zuverlässig verfassungstreuen Partei! Kein Radikalismus von links kann uns helfen, den Radikalismus von rechts zu besiegen, nur eine starke Mehrheit der Parteien der Vernunft und des Rechts. Für den deutschen Juden, ausserhalb der oben genannten Wahlkreise, heisst die Parole zum 31. Juli: Zentrum oder Sozialdemokratie! R. Mendel. Denkt an den Nachbarn! Die letzten Wahlen habqn gezeigt, dass grosse Wählcrmassen der Nationalsozialisten aus dem ehemaligen Mittelstand, dem Kleingewerbe und dem selbständigen Handwerk stammen. Der Grund ist der in diesen Kreisen immer grösser werdende Existenzkampf. Deshalb rufo ich besonders den Hausfrauen zu: Bringet dem Kleingewerbetreibenden und dem Handwerker Verdienst, übergeht bei euren Einkäufen den Nachbarn nicht! Viel Hass und Verärgerung könnt ihr damit beseitigen. E. C. (Frankfurt a. M.). / Vi S \ . .JÜ vJ üÜL;

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