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Central-Verein-Zeitung · 1932-07-22 · 30 (22.7.1932) · p. Seite 310

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
30 (22.7.1932)
Date
1932-07-22
Page
Seite 310 (sequence 2)
Language
German
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1 'er Pall PJeysyadf d. I n ii % Unerhörte Verdächtigungen gegen die Pfälzer Juden Protest des Landesverbandes Pfalz des C. V. /pn r?*.'*-. vivu y 31- RflRLSRÜHE UBEnsvEesieiimyiii Ursprung 1835 SPUR- UHD LEBEF!S?ERSICKERU3G MIT MOüüISBEIIEIIGBl Mitarbeiter gesucht die öffentliche Meinung irrezuleiten, scheitern und richtige Bewertung aller Maßstäbe sich wieder durchsetzen wird. Alle Deutschen geht es an, besonders alle deutschen Juden: Leisetreterei bedeutet Ichsucht, ihr müssen wir uns mit flammender Schärfe entgegensetzen. IV. Tie kommende Wahl stellt uns vor Entscheidungen, die ein jeder für sich treffen mutz. Wir wünschen, daß Deutschland Zur Ruhe und Zur Kraft des inneren und äußeren Ausöaus erwache. Tie jüdischen Menschen sind — wie alle Menschen — verschieden. Es gibt Positiv gebundene und spekulativ ausschauende Typen. Aber alle müssen wissen, daß ihre Stimme eine Waffe im Kampfe für die Menschlichkeit, für das 9kecht gegen rohe Gewalt und gegen jede Verleumdung bedeutet. Wir können den Zu uns gehörigen Wählern keine bestimmte Partei empfehlen. Unsere Freunde schreiben uns Briese, welche die verschiedensten Auffassungen von dem Werte jeder einzelnen Partei kundtun, und nur darin einig sind, daß sie den nationalsoZialistischen Terror auf das entschiedenste ablehncn. Aber es gibt Gebiete, in denen der kundige Mann sich die letzte Entscheidung immer Vorbehalten wird. Darum betonen wir: Es gibt keine Partei der deutschen Juden, und wenn wir heute fordern, daß in diesem Wahlkampf keine Stimme verlorengehen darf, so legen wir unseren Freunden mit dieser Parole nur die Pflicht Zur genauen P r ü f u n g auf, ob in den einzelnen Wahlkreisen, die ihrem inneren Aufbau nach völlig verschieden gestaltet sind, der Erfolg eines Kandidaten überhaupt möglich ist. Niemand wird mit jedem Parteiprogramm völlig einverstanden sein. Kleinliche Rechthaberei darf nie die Entscheidung beeinflussen. Heute handelt cs sich um das Grosse und unr das Entscheidende. Entscheiden wir rrus für dic^grosse Forderung: Wahrheit, Recht und Friede im Deutschen Reiche; und — vor allem — werden wir nicht müde, weder jetzt noch nach dem 31. Juli! Ter Kampf wird noch lange dauern, aber der Schneid beseitigt jede Leisetreterei. Deutsche Juden, wählet! Veranlaßt alle, zur Wahl Zu gehen! Vergesset es nie: Euer Stinrmzeitel bedeutet trotz unserer zahlenmäßigen Schwäche viel. Eure Haltung und euer Schneid nach dem 31. Juli vielleicht noch messet Am 10. Juli fand in Neustadt an der Haardt ein Sautag der NSDAP., Gau Pfalz, statt. Während des Umzuges der SA. ereigneten sich mehrere-Zwischenfälle. An einer Stelle des Ortes wurden die Demonstranten beschossen, an einer anderen Stelle erhielt ein SA.-Mann einen Hitzschlag. Bei der an die Demonstration anschließenden Kundgebung im Neustadter Stadion hielt der süddeutsche SA.-Führcr von Jagow, wie wir bereits in der vorigen Nummer der „C. B.-Zeitung" berichteten, eine aufreizende Rede, in der er behauptete: „Aus dein Hause des Juden Lcvtz wurde auch geschossen." Auch die ,M. S. 3-* wiederholte in dem Bericht über den Cautag die Verdächtigung gegen die Juden. Diese Behauptung ist vom Anfang bis zum Ende erfunden. In der Kcllcrcislraße, wo sich der angeführte Zwischenfall zugctragcn haben soll, wohnt kern Jude mit Namen Lcvh, in Neustadt a. d. Haardt gibt es überhaupt keinen Juden dieses Namens. In Wahrheit hat sich folgendes zugetragen: Als die Nationalsozialisten durch die Kellereistraße zogen, erlitt ein SA.-Mann vor dem Hause des SchokoladengeschäsLs Kipp einen Hitzschlag und Zog sich beim Hinfallen eine kleine Verletzung zu. In den Reihen der SA. hieß es sofort, aus dem Hause sei ge« schossen worden! Auch bei anderen Zwischenfüllen waren Juden weder direkt noch indirekt beteiligt. Der Landesverband Pfalz des Centralvereins beantwortete die Verdächtigungen, die von Jagow gegen die Juden ausgesprochen hatte, mit folgender, in der gesamten Presse veröffentlichten „Erklärung!^ Im Zusammenhang mit den Vorfällen bei der Kundgebung der NSDAP, am 10. Juli 1932 in NeusiadbHaardt ist ohne jeden Anhaltspunkt für die direkte oder indirekte Beteiligurrg eines Juden eine maßlose Inden hetze entfacht worden. Wir legen vor aller QcsscntlichkeiL gegen diesen Versuch, die Juden, wie immer, für alles verantwortlich machen zu wollen, und gegen die unerhörten Verleumdungen und Beschimpfungen schärfste Verwahrung ein." Zu der vom Ecntralverein veröffentlichten „Erklärungbehauptete die „NSZ. Rhein- Frontvom 14. Juli: „Am Sonntag, den 10. Juli 1532, abends, fragte der Jude Dicysuss, Besitzer des Schuh- Hanfes Adolf Trey'uß Söhne, Landau, Filiale Neustadt, Hauptstraße 48, in einem Neustadter Lokal, was es in Neustadt gegeben hure. Aus die Antwort: ,Es war eine Schiestereitz 'ragte Treysuß: ,Hat cs Tore gegeben?' Antwrrt des Gefragten: ,Ja, einen.' Antwort des Juden Dreyfuss: ,Bloss einen? Es hätten siebzig sein müssen/ An der gleichen Stelle wurde die Behau ptung aufgestellt: „Und ist der Reicksbannerführer Weil in Neu- E stadt, der am Vortage des VtvrdüberscNs an der ' gcheirnen Sitzung im Nebenzimmer des Gasthauses Mü.tzcr trilnahm., nicht Jude?"' Diese „geheime Sitzung* ist eine freie Erfindung, ebenso wie die Behauptungen über Viktor Treyfuß. Dieser hat in der Presse eine „Erklärung" veröffentlicht,; in der er die in Nr. 159 der „NSZN vom j 14. Juli gebrachte Mitteilung über seine Per-! son als „eine schamlose Verleumdung - und von Anfang bis Ende frei erfunden" bezeichnet.! Ter Eentraloerein 'deutscher Staatsbürger ' jüdischen Glaubens hielt am 14. Juli in Landau eine Versammlung ab, die sich gegen die Judenhetze der NSDAP, und insbesondere gegen die Angriffe der „NSZ." befaßte. Tie Versammlung nahm folgende Entschließung einstimmig an: „Die heute, am 14. Juli 1932, in Landau versammelten Pfälzer Juden erheben lauten Protest gegen die maßlose Judcnhetze, die von der NSDAP, in immer zunehmendem Maße als Propagandamiticl des Wahlkampfes betrieben wird. Sie weisen entschieden und voller Empörung die ungeheuerlichen Verleumdungen zurück, mit Denen den deutschen Inden die Schuld an allem Unglück und nun auch an den politischen Zusammenstößen der letzten Wochen arrfgebnrdet werden soll. Sie legen feierlichst Verwahrung ein gegen den immer wiederholten Versuch, Die Erregung der Massen auf die kleine Minderheit der Juden abzulcnten. Sie vertrauen aus den Sieg des Rechts und der Wahrheit!!" Die Entschließung ist von einer grossen Reihe Pfälzer Zeitungen veröffentlicht worden. r“~r~'-———^— -— |; R^isediemsf | | das Cenfrclvereins \ Um alle Anfragen, die täglich über \ judenfeindliche Kurorte und Gast- - häuser gestellt werden, zuverlässig bei antworten zu können, hat der Central- | verein in diesem Jahre erstmalig einen Reisedienst eingerichtet. Er erteilt kostenlos Auskünfte über deutsche Kurorte und Gasthäuser, unter dem j Gesichtspunkt, ob sie als judenfeindlich angesehen werden müssen, oder ob sie jüdischen Gästen hinreichenden Schutz vor Belästigungen aus politischen Gründen bieten. Es können t auch Auskünfte über solche Häuser l gegeben werden, die dem Central- \ verein erklärt haben, dass ihnen jüdi- * sehe Gäste jederzeit willkommen sind. Anfragen unter Beifügung von Rück- ■. porto sind zu richten an den Reisedienst j des Centralvereins, Berlin \Y 15, Emscr 1*1 Strasse 42.

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