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Central-Verein-Zeitung · 1932-07-15 · 29 (15.7.1932) · p. Seite 304

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
29 (15.7.1932)
Date
1932-07-15
Page
Seite 304 (sequence 8)
Language
German
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ZH4 Brandts Modelle meistens Christen waren- „das Akzeutnieren des Seelischen hat zur Annahme geführt, daß er meistens Juden gemalt Hütte. Zum Verspiel aus der sogenannten LudenbrauP find HenDrickje und sein Sohn Titus dargestellt. Rembrandt malte den Geist der Juden, während Menzel ihr Aeußerliches wiedergaö; gerade so, wie Leibt und Tefreggec nrit dem Tiroler es machten". Leibl, meint Liebermann, sei malerisch, das heißt innerlich, Tefregger sei literarisch, das heißt in diesem Sinne „äußerlich ll Uebenbei gesagt: nrit Menzel, Leibl und Tefregger hat Liebermann sicher recht, im Falle Rembrandt aber mag man, bis aus die „Judenbraut" und andere Einzelbeispiele, doch anderer Merrmng sein. Immerhin scheint die Münchener Affäre den Berliner Meister abgehalten haben, sich weiterhin an jüdische Motive heranzuwagen. Daß er aber sein Indentrmr niemals verleugnet hat, ist ebenso Tatsache wie das Faktum, daß er seit Jahrzehnten nicht bloß das Zentrum des Kunstlebens von Berlin ist, sondern daß jenseits der deutschen Grenzen kein zweiter Teutschec so populär ist wie Liebermann. Ties hat auch kein Geringerer als Wilhelm von BEe, der große Kunstkenner und unvergessene Schöpfer der Berliner Museen, rückhaltlos ausgesprochen. Ich habe ein Vierteljahrhundert lang bei Bode verkehrt, und ich weiß, mit w eucher Energie er für Liebermann ein trat und daß 2i ihn stolz seinen Freund nannte. Bode traf mit dem Meister wiederholt im Musemn und m bm privaten Kunstsammlungen Berlins zusarmnen. Wobei mir einsällt, daß mir Liebermanu 1924, als ich an meinem Buch „Technik des Kunstfammelns" arbeitete, einen Brief schrieb, in dem er sich über die Ausgabe des Sammlers, dessen Ziele und Charaktereigenschaften aussprach. Und es scheint mir wichtig, dieses Dokument auch hier mitzuteilen. Für Mar Liebermann scheint „der Kunstsammler, werrigmens der private Kunstsammler, nur seinem Gefühl nachzugehen, der andere aus Eitelkeit, eine berühmte Sammlung Zu besitzen, noch ein anderer — und diese Spezies", sagt Liebermann. „scheint mir die zahlreichste — weil Kunstwerke eine gute KapitalZanlage sind. Seine Knlrnrausgabe ist erst die Folge: tatsächlich unterstützt er, wenn auch nicht die Kunst, doch dir Künstler, wenn er deren Werke erwirbt. Er wird Knnlrmäzen, und wie bei so vielem, ist hierbei die Eitelkeit von großem Vorteil für die Allgemeinheit auch darin, daß sie die Sammler dazu treibt, ihre Sammlung stetig zu der besten Ich kenne -Sammler. die mit Mer er von Trrnwn^ Thrnrann oder Erntzner angeüuigen haben und nach zehn Jahren — jetzt gchi'snoch bedeutend schneller — die schönsten Manets und Eü'mmcs b'laßen. Pelerm in Paris, der vor rwanstg Jahren die smönste Manei>Sammlung.harr^ vertauschte vor Ausbruch des Krieges alle ftins Manets gegen ebensooiel Bilder von Cozamre. Ob sein veränderter Csschmack oder- Spekulation ihn dazw trieb, weiß ich nicht, jedem aus Halle er richtig spekuliert, da Ce- Zaunes jetzt ent höchsten bezahlt werden. Ter Säugrr Fllwcö, der mit seinen Manets Millionen verdiwt bah liebte im Grunde nur — Bold im. Tagegan hat Turomd-Nuel seine wundervolle Priva-.sennmlwng in der Rue de No me. und ander er kein einziges Werk verkaufte, nur aus Liebe für die französischen Jmpressionistün erworben. ebenso Moreau-Nelaton seine Co cals, Tslacrwix, die jetzt im Louvre sind. Auch bei - LN§K. schreibt Liebermann zum Schluß seines Zriestll ^gab es und gibt es — Gott sei» gedankt — auch noch jetzt Sammler, die ihre Bilder über alles lieben: der Ceheimrat Arnhold sachs mir mal, daß er jeden Morgen, bevor . er in fern Büro ginge, sich seine Bilder anlähe. Tann hätte er für den ganzen Tag, der so viel Aerger mit sich brächte, ein Quantum an Freude, Las ihn für die Unannehmlichkeiten entschädigte". Eduard A ruh old war übrigens einer der ersten Vorkmnpser für die Kunst Liebermanns. Das erste Stück, das er von dem Künstler erwarb, war das Aquarell Dann empfehlen v.!rzur P''?ege Ihres Köroers undzug!* k> zurStärHung TERAS E AU DE COLOGNE RUSSE ein Kölnisch Wasser, dos mit erfrischender, krf kinsnder Wirkung den Charakter eines vornehmen, erhaltend - würzigen Parfüms verbrndeC eine Taschenflasehe kostet 0,SG. RM., und ein Versuch wird- Sie üoerzeccren, sosr wir nicht zuviel versorechen. TBRA3 EAU DE COLOGNE RUSSE nur echt mit demTerashaus, ist in allen guten einsch’cafgen Geschäften en5/;id „T E R AS- HAUS" MAX SCHWARZLOSE „Tie Bleiche" von 7577. Ganze 400 Mark hatte damals das Bild gekostet, das eine Vorstudie zu dem Gemälde von 1883 ist, das sich der große Berliner Samnrler gleichfalls sichern konnte. Auch das „Altmanncrhaus in Amsterdam" von I8S1 hangt bei Arnhold, dann das „Stevens-Stift in Leyden" von 1389 usw. . . . Durch diese Holland-Ausschnitte war ja Liebermann berühmt geworden. Holland war immer seine große Liebe gewesen und in Holland hatte er seinen Freund Jozes Israels, von dem er sagte, daß jeder holländische moderne Maler ihm etwas verdankte. Im übrigen war es Liebermann, der den Holländer für Deutschland gleichsam „entdeckte". Er verglich ihn mit Millet. Beiden war, meinte er, gemeinsam die Schlichtstem und Einfachheit, „das Höchste, aber auch das Schwerste in jeder Kunst". Und er pries das Menschlein des Israels. „Israels schildert die Mühe und Arbeit wie der Psalmdichter, der das Leben köstlich nennt, wenn es Mühe und Arbeit gewesen." Mar Liebermann fühlte sich dein Holländer verwandt, doch er wuchs weit über ihn hinaus. Sein Temperament war und ist unvergleichlich stärker.. Gewiß, er hat von Israels gelernt und er gibt gerne zu, das dem so war. Aber er in, indem er die Großen der Vergangenheit studierte Nembrandt und Hals ebenso wie die zeitgenössische Kunst der Millet, Manet und Israels. trotzdem ein Eigener geworden. Tie „Pariser Augenkur", von der Man I. Friedländer in seinem geistreichen „Liebermann" spricht, hat dem Berliner ebensowenig geschadet wie die holländische „Augenkur". Liebermanus /Auge, sagt der Direktor der Staatlichen Gemäldegalerie Berlin, „tilgte die Banalität aus. Er ist stets groß, nicht mtr in den Gemälden, die nach Tormat und- Maßstab monumental sind, sondern mich in den Bildern, die dem Motiv und den Dimensionen nach bescheiden sind", Niemals ist über Liebermann ein besseres Wort gesagt aaerde ns als dieses Wort Friedländers. Nun aber sind wir schon sehr gespannt, wie sich die Bilderreihe der Jahre 1932 bis 1937 ausnehmen wird. Das Bildnis Sauerbruchs war, wie gesagt, mehr als ein verheißungsvoller- Anfang: cs wirkte wie ein Wunder. Vivant sequentes-f OJnsec’G Leser scLreö rrn ® SS- VL-- ü hi m Wer ist für Todesstrafe? In seinem Rundfunk-Gespräch mit Dr. H o 11 ander bezeichnet Dr.. Wilhelm Stapel die Juden, cm ihre Fremdheit gegenüber deutschem Rechtsempfinden zu erweisen, als Gegner der Todesstrafe. Dies ernste Froblem, Beibehaltung oder Abschaffung, beschäftigt die Oeffentlichkeit schon seli langem. Zugegeben, dass Zeitun'/ss ommert aus dem deiirokm::;'eben Tanger fast airsnahms- Ics scharfe Kritik an der Vollstreckung von Todesurteilen üben ssdf die Argumente der Gc-gner für überzeugend halten, so kann man doch nur zu "der Vcm 11 gerneinernng, Juden sind Gegner der Todesstrafe, gelangen, wenn man Demokratie gleich Judentum setzt und die Tagespressö für die wichtigste Manifestation des modernen Judentums hält. So steht es aber nicht. Achtet man, wie es Pflicht ist, auf wohlhegrür.dete Darlegungen r ep r ä s e r. tat i vc r Männer der Wissonscliafr oder der Pra^, sofindet ram bald, dass es ebenso jüdh a Anhänger der Todesstrafe gb.t wie nicktjüdlsdie Gegner. Zum Beweise bieten. MD sofort drei rersdnlichkcAen dzr. ein Philosoph, ein The ' . eia S tan tsinann. Der I.. r. > I n ner Ernst Marcus ko;:..:: in seinem aus dem Aac blass herausgegebenen Bm:* ,J'as Rätsel der £1::' kl.kcir4 (München^ bei Reinhard.. 1332) zu dorn SAkhia.*, dass der Märdorr der sDä rali der Vernichtung eines Menschen völlig ausserhalb der Sittlichkeit gestellt hat, der Vernichtung anheimfallen muss. „Die Wirbelwinde“, so sagt er S. 150, ..sind eine Gefahr für den Fl reger, er wagt sein Leben und langt zerschmettert auf der Erde an. Wir konnten ihn nicht schützen, das Fallbeil der Matur hat ihn getroffen. Aber den Eaubmörder, der sich in die Gefahr begibt, enter das- Fallheil des Gesetzes zu geraten und der sein Leben, diese Gesetze kennend, eir.setzt, den, ja den können wir. Gefühlvollen schützen: den Blitzstrahl den das Sittengesetz auf den Mörder herahsondet, den können wir ablenkenA Die Strafedient nicht der Besserung und nickt der Abschreckung, sondern ist logisch das Aequi valent des Gesetzbuches. Es gibt kein Aequivalcnt des Lebens als das Leben. „Wer unter bewusster Einsetzung seines Lebens tötet, d. h. es wagt, unter das Fallbeil des Mordes zu kommen,, muss darunter.“ Wir meinen, daa ist den kick. Als jüdischer Theologe wird Rabbiner Benno Ja e o b genannt. In sch.er 8 -..rh't „Arge um Auge11 (Iller'ha. L Ah v Vor log, Ibhg, die vh-’o tausend Eeitungrv.rhkei aak.vhcgh sogt er- (8. CI): „In dem Stroit um die Todesstrafe pflegt man von. jü hsjkcr Sei:o darauf lüoz-:- wcis.cn. dass nacli dem Talmud ein M Je--.urteil von mvielen in Wirklichkeit gar nicht zu erfüllenden Bedingungen abhängig gemacht wurde, dass dies einer 'tatsächlichen Aufhebung der Todesstrafe gleich;:am . . . Aber das ist eine seichte Apologetik. Erstens hatten die Juden zur Zeit der Mischn längst nicht mehr das jus gladli. so dass die Talmudlehrer es leicht hatten, milde zu sein. Sodann wird die Todesstrafe an sich und grundsätzlich niemals ar.gefaehten, nachdem die Thora sie statuiert hatte. Die Milde gilt immer nur der VöHstrevkur. Benno Jacob erklärt mit kohmm Worte, dass etwa die X ohmffung der Todc.-.troM in der Linie des aufgeklärten,, fortgeschrittenen Judentums, klau Es genügt ihm, in seinem B mhe klarzumachen, wie grhuhh'h schon im Neuen Testamcr.: die Formel der Talma n:h-v erstanden wurde, u::d rhms all die Grausamkci:c;u rh? die mittelaUerlich-kirchhci'G Ja. t:z unter Bcnifung auf d u V.h rtlaur des Alten IV beging — Verstümm;hon '’tr. T Jterqualcn, Sehündurg des hehänams Gerichteter —. de:: - 'eenen Instinkten, nimmer::, ehr unserer Bibel entsprangen. Fir Herbert Sanne!. brih d.er Ml.h.hcr at hemetrat für Feil M Mhir.-g der Todesstreie ia Pah* '.'ca mit einer Bo io im i'rh;rha v (März I'J31) ein. cio iri: ecu äh-rheu Victor Id-7'.'j sci.’/v's: V>km dos Gelees seherh. hat schm Krallea za fiirchtoz.«— Dr. Stapels Ansicht in diesem Punkto Lt se schief wiu seine ganze Siel hing zu» Problem Judentum uad Deuts-ebtura. Rabbiner Dr. Samuel (Essen).

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