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Central-Verein-Zeitung · 1932-07-15 · 29 (15.7.1932) · p. Seite 305

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
29 (15.7.1932)
Date
1932-07-15
Page
Seite 305 (sequence 9)
Language
German
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Verbild Siche Opferfreudigkeif Zufolge Ihres Artikels „Deutsche Jaden“ übersende ich Ihnen beigeschlossen 1 Mark in Briefmarken. Wenig, fast beschämend wenig. Bis zu dem unheilvollen Kriege war ich recht gut situiert, habe aber durch Krieg und Inflation alles verloren, so dass ich nicht mehr Steuerzahlung zu leisten habe. Der sehr kleine obige Betrag erfolgt denn auch nur, weil ich nicht ganz abseits stehen will. Mochten doch recht viele meinem Beispiel folgen. •L. W. (Berlin). . . Liner Aufforderung, in Anbetracht der Schwere unseres Kampfes Beiträge zum Wahlfonds zu geben, kam als erste ein langjähriges Mitglied, das achtzigjährige Fräulein W., nach, die sich recht und schlecht mit geringer Beihilfe ihrer Familie durchs Leben schlägt und in ihrer Begeisterung für unsere Sache ohne Zögern 5 Reichsmark zahlte, während manche bessergestellte Mitglieder sich eist schwer und zögernd zur Wahlspende entschlossen .. Michelsohn, Syndikus des Landesverbandes Pommern des C. V. „Ich bin bald 70 Jahre, Kleinrentner mit 57 Reichsmark monatlicher Unterstützung einschliesslich Ehefrau; es fällt mir schwer, eine Mark auszugeben, aber ich tue es gern, um den deutschen Juden zu helfen, die am meisten durch die unglücklichen Zeiten verloren haben und dafür am meisten beschimpft werden.“ M. M. (Berlin). „Deutscher Geist in Gefahr" In Nr. 21 der C.V.-Zeitung hat das Buch von E. R. Cartia3 »»Deutscher Geist in Gefahr“ eine ausführliche Besprechung gefunden. In ihr fehlt a&er ein genügender Hinweis auf die Kapitel „Krise und Universität“, „Masse nnd Elite“, „Soziologie oder Revolution“. Auf sie nachträglich hinzuweisen ist Pflicht. Wenn hinsichtlich der Stellung des Verfassers zur Judenfrage keinerlei Zweifel bestehen und ihm jegliche von kleinlichen Gesichtspunkten ans diktierte Haltung fern sein dürfte, so muss doch betont werden, dass die von ihm geübte aphoristische Darstellung des_ Problems aas mannigfachen Gründen zum Widerspruch feerausfordem muss. „Das Problem des Judentums kann im Rahmen dieser Schrift nur gestreift werden. Wir können nur einige elementare Klärungen vornehmen.“ (S. 84.) Gerade in einer solchen Formulierung liegt die schwere Gefahr, dass die scheinbar beiläufigen, skizzenhaften Ausführungen, aus dem Zusammenhang herausgerissen in einseitig-willkürlicher Weise gedeutet und tendenziös entstellt werden. Unmittelbar an das Bekenntnis: ..Ich stimme mit dem Propheten des .Reiches1 . in der Verwerfung des Antisemitismus überein“ reihen sich jene oben kritisch betrachteten Ausführungen an, die durch ihre hypothetische Form und durch die Cebernahmo schlagwortartiger Formulierungen befremden nnd besser unterblieben wären, „Ich würde auch die These des von mir bewunderten Sombart bestreiten, dass der jüdische Geist La sich wesenhaft rational und abstrakt sei. Die Besinnung auf die israelitische Prophetie und auf die chassidische Mystik genügt, um eine solche generalisierende Behauptung zu widerlegen. Man weis3 zu wenig vom Judentum, wenn man vergessen kann, dass es auch in ihm höchsten Bluts- und Seelenadel, also Aristokraten und Mystik gibt. Die Jüdische Mentalität1, von der Sombart spricht, darf nicht vom jüdischen Berlin abgelegen und verallgemeinert werden. Hier wäre vielmehr eine weitere Scheidung einzuführen, die zwischen signorilem Westjudentum . und unterdrücktem Ostjudentum. Aber diese Dinge sind so kompliziert, dass sie im Vorbeigehen nicht erledigt werden können.“ Dass sie aber doch eben in dieser Weise erledigt werden, muss gerade in einem Werke befremden, in dem Feststellungen und Urteile das Ergebnis wissenschaftlicher Beweisführungen sind. Mir liegt alles Kleinliche fern. Aber gerade deshalb muss auf die Möglichkeit einer völligen Entstellung und bewusst tendenziöser Auswertung der Ausführungen von Curtius über die. Judenfrage hingewiesen werden. Zudem ist hervorzuheben, dass diese Ausführungen im Zusammenhänge einer Diskussion über die Kontroverse „Staat — Gesellschaft“ gemacht werden, und dass - diese Erörterung eines grundsätzlichen Problems auf den folgenden Satz enthält: „Es ist darum begreiflich, dass in diesem Streit zweier Potenzen . . . derjenige ohne weiteres für die Gesellschaft optieren wird, der keinem Staat und keiner Nation verpflichtet und eingekörpert ist. Darin dürfte ein Grund für die von Sombart hervorgehobenen Zusammenhänge zwischen sozialistische! Gcscllschaftslchre und Judentum liegen (8. 84). Dass in dem oben bezeiehneten Zusammenhang eines umfassenderen Problems auch diese letzte Stellungnahme die Grundlage einer entstellenden Deutung sein kann, ist eine Tatsache, der auch durch den gleich folgenden Satz nicht begegnet werden kann, dass nämlich „die beliebte Entgegenstellung von Judentum und Deutschtum die wesentliche Tatsache übersieht, dass es ein deutsches Judentum gibt.“ Auch die Ausführungen auf 8. 85 müssen in gewissem Sinne zum Widerspruch herausfordern. Nachdem Curtiu3 von den Möglichkeiten gesprochen hat, die das Judentum habe, „um selbst über seine Situation nnd seine Bewertung zu entscheiden,“ und nachdem er meint: „Wir können uns nur mit den Juden auseinandersetzen, die sich auf dem Wege der Assimilation oder auf dem der Opposition mit uns in Verbindung setzen“, kommt eine Reihe von Feststellungen, die einer tieferen Begründung und innerer Verbundenheit in gewissem Umfange zu en traten scheinen: „Dieser Situation gegenüber ist unsere Stellung klar und einfach: Wir bekämpfen nicht das Judentum, sondern die Destruktion; nicht eine Rasse, sondern eine Negation.“ Oder: „Aber die Schuld trifft nicht nur Deutsche und Deutsch stämmige allein, sie trifft ebenso unsere Juden, von denen leider gesagt werden muss, dass sie zum überwiegenden Teile und in massgebender Betätigung der Skpesb und der Destruktion zugeschworen sind. Diese Juden sind von der Idee des Judentums selbst abgefallene Joden (?), vom Glauben des auserwählten Volkes“. Da sie aber auch nicht bereit seien, „sich dem Christentum, dem Humanismus oder dem Deutschtum zu öffnen nnd es aufzunehmen, bleibe ihnen also nur die Negation in ihren zwei Fermen: Destruktion und Zynismus“. Mit der rein zahlenmäßigen Feststellung, dass die Zahl der „vom Glauben des auserwählten Volkes abgefallenen Juden“ wirklich bedeutend geringer sei als Curtius meint, ist es nicht getan. Denn gerade hier offenbart sich in ihrer ganzen tragischen Schwere die Gefahr, die in der Möglichkeit einer absichtlichen Verzerrung und Umdeutung eines Tatbestandes liegen kann, deren sich der Verfasser beim Niederschreiben der Zeilen wohl nicht im ganzen Umfang des Wortes bewusst gewesen ist. Wenn es „peinlich ist, auf solche Dingo eingchen zu müssen“, so ist es auch peinlich, zu Acusserungen in einem sonst ausgezeichneten Buche Stellung zu nehmen, die eben nur-als „Zwischenbemerkung“ gedacht sind, die aber ihres innersten Gehaltes wegen eins solche Behandlung und Darstellung nicht gestatten. Dr. Max Salomon (Frankfurt a. Main). Bad Wildlingen heilt Hierencm! Hotel Kaiserhof, Haas mit allem Krrafort <**- Nenzeit. Herrliche Lage. Strenge Dii.TkCrhe. v-:;2 Pension von 7,— bis 9,— il. Besi :zer: K. £:>.cmaü::r. S:S«! L V.-ZM für jMAr Seitdem durch die Aufsätze der „C. x}.* Zeitung* „Das Tor ist offen'* die Idee der Schaffung eines Angestelltenboimes in die Erörterung gestellt wurde, hat die Verwirklilurg des Gedankens gute Früchte getragen. Tie Zahl der Besucher stieg vom Tage der Eröffnung im November xa\d) an und schwanke zwischen etwa 90 und etwa 170 täglich. Alle beruflichen und sozialen Schichten^ Ir jüdi'chen Bevölkerung waren vertreten. starke Unterstützung fand die aus einigen jüngeren Mitgliedern des C. D. bestehende 5 e i ru l e 11 n n g bei zwei jungen Rabbinern, die es aurge zeichne! verstanden, vielen Heimbesuchcrn das Judentum wieder näherzubrrügen. Wir bemühten uns vor allem, die Leilwcle durch lange Arbeitslosigkeit verbitterten und außerordentlich niedergeschlagenen Nien'chen durch A r b e i t s g e m e i n s ch a f L s n und Vorträge Zu interessieren und ihnen neuen Lebensmut, zu geben. "Dabei wurde Lin Gebiet vernachlässigt; neben den praktischen Fragen des täglichen Lebens wurde eifrig über Literatnw Kunst und Geschichte gesprochen. Ten breitesten Naum nahmen naturgemäß die immer lebhaften Aussprachen über jüdisch- und deutschpolitische Fragen ein. Tie mindestens dreimal wöchentlich stattfindenden Arcritägemeinfchafton waren durchweg gut besucht. $:t der letzten Zeit wurde mit Erfolg dazu ürergegangen, auch von Besuchern des Heims Borträge halten zu lassen. Die Sonnabende und Sonntage galten dein Frohsinn. An Feiertag- und F e ll t a a s - abend en wurden religiöse Feierstunden"gehalten, an beiden Sederabenden' mr über 70 Menschen Sederfeiern veranstaltet. Mancher Teilnehmer erlebte zum ersten Male einen richtigen Sederabend; die Milte! dazu wurden zu einem Teil von den Besuchern selbst au'grbracht. Im übrigen erhielt jeder Besucher räalich Brot und Tee kostenlos. Nach siebenmonatiger Tätigkeit vt ein gewisses Ziel erreicht; es ist geplant, das bisher für jeden Besucher offene Heim in ein „C. V.- Klubheim für jüdische Werktätigemit einem etwas geschlogeneren Charakter uw zuwandeln. In dem Berliner C. V.-Leim für jüdi'we Angestellte ist eine lebenskräftige Zelle deut'chjüdrschen Lebens entstanden, die während und nach Beendigung des Umwandlung-rrozwes, in dem sich das deutsche Judentum jetzt befindet', vielleicht einmal wichtige Aufgaben für die Erhaltung deutschjüdischen Lebens zu erfüllen hat. Kleine Chronik Das langjährige Mitglied des Cenrraloerrins Ludwig Herrn stadl (Breslau) wird cm 17. Zuli 60 Zähre alt. Sic gratulieren herzlickst. — Zn Prsußifch.Holland starb ' im Alter von 1^ Irilen das langjährige treue Mitglied des Centralner-rins, Geheimer Sanitätsrat Dr. Sigismund Ko er.. — V.r.z Weinberg (Lirperods bei Liprstadt) ist iw Aller von 64 Jahren gestorben. — Wir sprechen den Ang'. horigen unserer Freunde das herzlichste Beileid ru-. Nach München. Das Hotel „Der Reichsadler"' (Führung A! b e r t H a u f e r) in München, bat einen Teil feiner Räume an die NSDAP, zu Bürozuncken vermietet.; r u : n In str-! 0 \* A.v Lststrärn-ä' 1 ■ ■ n -yrc Olf'O (0‘-'0 II] . "i-r^riMSÜSrereAÄ '<jink^e7bMl;isriVe:^K^enKÜ WaadSiu BÄäftiseMundspüluiigmit dem herrli*erfrisdrenden Chlorodoni-! Mundwasser und eins gründliche Zahr.reinigang mi» Chtorödont.Zahnpaste wirken wohltuend, verspanen Gefühl der SauoerKen und

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