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Central-Verein-Zeitung · 1932-07-15 · 29 (15.7.1932) · p. Seite 300

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
29 (15.7.1932)
Date
1932-07-15
Page
Seite 300 (sequence 4)
Language
German
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300 „Wir Vsllsn feine 3u&en» Verfolgungen" sagt Gregor Straffer. Aber-erNationalsoZLalisi von Zagorv führte auf dem Gau- Lag -er NSDAP, in Neustadt in -er Pfalz laut Bericht in „Oie NSZ", Nr. -L5S, aus: . . Dir müssen unisr allen Hmständen mri dieser Mordxest ausräumen . . . Ich frage die Behörde von Neustadt, ich frage den Ministerpräsidenten Dr. Hew, ob sie von diesen Mordanschlügen in der Madt. dort in der Hauptstraße, die doch offensichtlich vorbereitet waren, Kenntnis hatten und was sie für Schritte gestern unternommen haben. Ich sage, Kameraden, wenn die Behörden es nicht können, müssen wir es machen, und wir machen es, wir lasten unsere Kameraden nicht mehr zu-, sammenschreßen und Zusammenhauen. Wir stecken das Mordpack in die Ghettos und in die Gefängnisse und hängen es eines Tages an den Galgen, und auch jene, die hinter ihnen stehen. Aus dem Hause des Juden Levy wurde auch geschossen. Kameraden, wir wollen ihnen beweisen, daß unsere größte Starke in der Disziplin liegt, aber wir wollen dem Juden sagen, und jedem einzelnen Juden sagen wir es persönlich: „Tu Jude allein bist schuld, das; unsere Parteigenossen hingcmordet werden. Du bist schuld, dag unser Volk sich hinmordet, du Jude bist schuld, dass dieser Zwiespalt in unserem Volke ist, du Jude musst es büssen. Volksgenossen. Parteigenossen und Kameraden! Ich weiß es, ich habe nicht nur die Hoffnung, sondern den tiefen Glauben, dass gerade dieses Blut, gerade diese Opfer «ns gross und stark machen und doch einmal Deutschland befreien werden. Ich weiß es, Kameraden, daß jede Bewegung nur so viel wert ist, als Opfer für sie gebracht werden . . - In Wirklichkeit gibt es einen Mann namens Levy nach unseren Feststellung noch ein Haus Levy. en in Neustadt weder W. T. B.^ Telegraphen-Union verbreiteten längere Berichte über diese Versammlung. Zahlreiche schlesische Zeitungen, unter ihnen der „Dolksbote", Oppeln, das „Volksblatt" in Hindenburg, die „Coseler Zeitung", die „Oberschlesische Volksstimme". Gleiw itz, und sieben ihrer Kopsdlätter, der „Oberschlesische San« derer" und die „Deutsche Ostfront" aaben große Teile der Ausführungen Dr. Holländers wieder. Tie rechtsgerichtete „Ostdeutsche Morgenpost" schreibt: „Mit Straßenagitation und demagogischen Mitteln der Politik ist der deutschen Judenfrage nicht beizukommen, denn sie stellt ein historischkulturell-soziologisches Problem von so weitreichenden Zusammenhängen dar, daß sich jeder lehr ernst und aus genauer Kenntnis der Wechselwirkung deutscher und jüdischer Art auseinandersetzen muß/' * Dr. J. Jakobowitz. BerlammlrmZrn in StzjM unö Breslau Am Mend des gleichen Tages fand eine G e nr e i n d e v e r s a m m l u n g in C l e i rv i tz statt, in der Dr. Holländer gleichfalls — emetnfüm mit Dr. Frankel — einen Vortrag iclt. Am 5. Juli sprach Tr. Holländer in Breslau über „Tie Inden in der Krise". Ter rotze, etwa 500 Personen fassende oaal der essing-Loae erwies sich als ‘ 311 Kein, so daß eine Pa r a ll elv e r sanun lrrng im Nebensaale notwendig wurde, in dem etwa 200 Besucher Platz fanden. Nach Begrüßungsworten des Vorsitzenden Rechtsanwalt Dr. A p t referierte Tr. Holl ä n d e r zunächst im großen Saale, während Syndikus Dr. Fränkel die Veranstaltung im kleinen Saale wahrnahm. Dann wiederholte Dr. Holländer seine Aeußeruugeu im kleinen Saale. lieber diesen Vortrag, der mit stärkstem Beifall angehört wurde, berichtete u. a. die „Neue Br esIa u er 3e 11unq° vom 7. Juli ausführlich. RüVs'VSL'BschLichtSiZ Wir haben in diesen Blättern verschiedentlich auf die große Gefahr Angewiesen, die SensationZberichtersLattung und Verbreitung von TaLarengerüchten in unserer Politisch erregten Zeit bedeuten. Tie Gegensätze im deutschen Volke, Unruhe und Blutvergießen find wahrlich schlimm genug, als daß man die einzelnen Tatsachen noch ausbauschen oder nach Manier schlechter Zeitungsschreiber gar Enten in der Sommerhitze ausbrüten sollte. Wir kennen seit Jahren kerne „Sauregurkenzert" mehr, und mit ihr sollte auch der Journalist alle früheren sommerlichen Gewohnheiten zu Grabe getragen haben. Die Leser gehen heute auch im Juni und Juli mit der Voraussetzung an die Zeitung heran, daß jede Meldung wahr ist, und verlangen, daß sie genau recherchiert und nicht übertrieben ist. Immerhin hat der Leser im Jnllmde noch die Möglichkeit, die Nichtigkeit der Meldung durch den Vergleich mit anderen Zeitungen einigermaßen nachzuprüfen. Diese Kontrolle hat aber der Leser im Auslande nicht, und jeder Journalist sollte daran denken, daß sensationelle Meldungen von der ausländischen Presse übernommen und dort den Lesern, womöglich mit großer Schlagzeile, vorgesetzt werden. Am größten aber ist die Verantwortung natürlich bei Meldungen der AuÄlandskorrespondenten oder Telegraphenbüros; denn ihr Signum bedeutet nicht nur für den ausländischen Redakteur, sondern auch für den Leserkreis gewissermaßen die offizielle Marke und damit die letzte Gewähr sär die Richtigkeit der Meldung. Wir sind die letzten, die irgendwelche Tatsachen oder Vorgänge - vertuschen oder verkleinern wollten. Aber Falschmeldungen oder Uebertreibungen, wenn sie von judenseindlichen Ausschreitungen in Deutschland handeln, können leicht das Gegenteil von dem erreichen, was verantwortungslose Journalisten mit ihnen bezwecken. Heute' ist es leider so, daß schon die Berichterstattung über wirkliche Geschehnisse geeignet sein kann Deutschlands Ansehen im Ausland in vielen Fällen aufs schwerste zu beeinträchtigen. Uebertreibungen, ob ihre Urheber nun Juden oder, wie uns bekannt, auch Nichtjuden sind, könnten als bewußt deutschfeindliche Handlung aufgesaßt und den Juden zur Last gelegt werden. Als Juden wie als Deutsche halten wir es darum für unsere Pflicht, alle Journalisten auf diese Gefahren hinzuweifen. Man muß als verantwortungsvoller Journalist die politischen Rückwirkungen einer unbedachten oder nicht genügend kontrollierten Berichterstattung täglich vor Augen haben, und das deutsche Volk hat das Recht, angesichts dieses drohenden Schadens auch einmal das Opfer einer Sensation von der Presse zu verlangen. Dr. M. E. Die Münchener „W e l t am Montag" teilte mit, daß sich prominente Vertreter deutscher jüdischer Organisationen an das Reichskabinett gewendet und ihm die Frage vorgelegt hoben, ob es entschlossen sei, den bisherigen Rechtszustand der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung der Juden zu wahren. Die Reichsregierung habe hierauf durch Staatssekretär Planck antworten lassen, sie lehne jeden Antisemitismus ab, und alle Befürchtungen, daß die staatsbürgerliche Stellung der deutschen Juden sich verschlechtern könne, seien unbegründet. Diese Erklärung — so hieß es in der Meldung des Münchener Blattes weiter — hebe Herr Staatssekretär Planck mit der ausdrücklichen Bitte abgegeben, der Oeffentlichkeit von dieser Stellungnahme des Kabinetts keinerlei Kenntnis zu geben. Tie Meldung wurde von einigen Berliner Zeitungen übernommen. Das „Berliner Tageblatt" gibt sie mit der Ueberschrift: „Ein seltsames Schweigegebot" wieder. Auf einer Pressekonferenz des E. D., die unter starker Beteiligung in Anwesenheit der stellvertretenden Vorsitzenden des C. D. Tr. Bruno Weil und Dr. Ludwig T i e tz am 11. Juli stattfand, wurde zu dieser Meldung der Tagespresse mitgeteilt, daß seitens jüdischer Organisationen keinerlei Empfang bei der N e i ch s r e g i e r u n g n a ch g e s u ch t worden ist, eine Erklärung der Reichsregierung ans einen; solchen Anlaß also auch nicht abgegeben werden konnte. Tie Zitierten Aeußerungen des Staatssekretärs Dr. Planck stehen im Zusammenhang mit einer Meldung der Jüdischen Tclegraphen-Agerüur vom 5. Juni, die mit Kenntnis und B i l l i g u n q b e r Reichsregierung veröffentlicht worden ist. Sie sind in einem Briefe des Staatssekretärs Planck enthalten, der inhaltlich mit der in der Presse verbreiteten Darstellung übereinstimmt. Ein Schweigegebot i ft an dieses Schreiben nicht geknüpft worden. Die I T A -M eldung, auf die oben Bezug genommen wird, hatte feftgestellt, daß die Reichsregierung die verfassungsmäßigen Rechte der deutschen Juden zu schützen gewillt sei. In der Pressekonferenz des E. D. fanden noch eine Reihe anderer wichtiger Fragen ihre Beantwortung.

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