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Central-Verein-Zeitung · 1932-07-15 · 29 (15.7.1932) · p. Seite 299

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
29 (15.7.1932)
Date
1932-07-15
Page
Seite 299 (sequence 3)
Language
German
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.44 ,Msnschl:chs uuö pMPchs- RZMurlosiMM Der Präsident des Lerrtsthrrr Auwalivsreins gogou die Beschrnrpfrrngen der jüdischen Anwalt schabt Rechtsanwalt Dr. Rudolf Dir, der Präsident des Deutschen Anwaltverems, hat gegen die Beschimpfungen, dis der nationalsozialistische Fraktionsführer im Preußischen Abgeordnetenhaus, Kube, gegen die gesamte Anwaltschaft und besonders gegen die jüdischen Anwälte ausgestoßen Hatte/in einem „Offenen Briese" protestiert. In ihm heißt es: Die Parlamentsgeschichte des deutschen Volkes kennt keinen Vorgang dieser Art. Noch niemals ist ein deutscher Stand auch in Zeiten : höchster politischer Spannung von einem deutschen Abgeordneten in dem Ausmaß be- . leidigt worden, wie dies mit den Worten geschehen ist: ,D)ie Mehrzahl der heute in Deutschland noch tätigen Anwälte hat wiederholt Ehrauffassungen bekundet, die den deutschen Ehrauffassungen grundsätzlich widersprechen." Die Anwaltschaft ist ein deutscher Stand, ergänzt sich aus allen sozialen und sonstigen Schichten des deutschen Volkes und zählt Anhänger aller politischen Richtungen und aller Weltanschauungen zu ihren Mttgliedern. Sie ist damit ein Mikrokosmos des deutschen Volkes. Ich bedauere tief, daß es einem Mitglied und Abgeordneten der Nationalsozialistischen Partei des deutschen . Volkes Vorbehalten geblieben ist, mit dieser Beleidigung eines deutschen Standes das deutsche Volk zu beleidigen. Gleichgültig, welche Stellung man weltanschaulich, politisch und rasienmäßig zur Judensrage einnimmt, kann man nur bte menschliche und politische Kulturlosigleit Ledauern, die Ln solchen antisemitischen Ausfällen gegen meine jüdischen Kollegen liegt. Insbesondere als Deutscher und Exponent eines Standes des deutschen Volkes muß ich auch hier wiederum mit großer Beschämung die Tiefe des in solchen Ausführungen lregenden politischen und kulturellen Niveaus feststellen. Soweit Ihre Rede Angriffe auf die Vorstände der AnwalLZkammern und die aus ihnen hervorgehenden Ehrengerichte enthalt, hat die Vereinigung der Vorstände der deutschen Anwaltskammern in einem an den preußischen Herrn Justizminister gerichteten Schreiben bereits Verwahrung eingelegt. Rudolf Dir, Präsident des Deutschen Anwaltsvereins. Nach der Verlesung dieses Briefes im preußischen Abgeordnetenhaus wiederholte der nationalsozialistische Abgeordnete Rechtsanwalt Tr. Freister Kuöes Tlnwürfe in verstärkter Form. Als ihm der preußische Justizminister erwidern wollte, wurde er niedergebrüllt. Unfern Lesern ist die Vorgeschichte durch den Aufsatz bekannt, dm Rechtsanwalt Dr. Wilhelm Kunz! am 1. Juli an dieser Stelle veröffentlicht hat. Wir haben ihm nichts hinzuzusügem -VV; f-VAN / W Wft - ■. \j w V 4vv ,{ V v /■>-,-) V / , ✓ / >•' , , ./ ■„ E&aös sln'jcjro hrr m 6.1. 1 fl;;:. ,j Am 4. Juli sprach der stellvertretende Vorsitzende des Centraloere'ms, Dr. Bruno Weil, vor der Ortsgruppe Nürnberg des C. V. und deren Gästen über „Vor den ReichZtags:ralchen". Die Versammlung war trotz des heften Sommerabends überfüllt. Tr. Weil gab einen glänzenden Ueberblick über die innerpolitische Entwicklung in Deutschland seit 1870, zeigte die Eingliederung der deuftchen Parteien und besonders der NEDAP. in das soziologische und kulturelle Gefüge der Zeit und' schüderre anschließend die heutige Lage. Seine Aussührungen ftmden einen begeisteren Beifall; Dr. Weil wurde immer wieder herrorgerufen. Als die Einladungen zu dieser Versammlung bereits ergangen waren, erschien an den Nürnberger Anschlagsäulen das berüchtigte Plakat „Fertigmacgen nach Palästina", nachdem schon einige Wochen vorher eines mit der fettgedruckten Ankündigung „Die Juden sind unser Unglück" an den Mauern geprangt hatte. In der jüdischen Gemeinde Nürnbergs herrscht darüber begreifliche Erregung.. Tie Ortsgruppe Nürnberg des E. D. beschloß daher im Anschluß an den Vortrag Weil eine ftwrliche Protestkundgebung. In dieser kamen die Vertreter der einzelnen jüdischen Organisationen, der Frauen und der Jugend außerordentlich eindrucksvoll aum Wort. Stehend nahmen dann die versammelten jüdischen Männer und Frauen aus Nürnberg und Fürth in Ueöereinstimmung mit den Erklärungen der Vertreter der Kultus- Sinden, des Rac-Dinats, des Reichsbundes her Frontsoldaten, der Frauen und Mütter und der Jugend folgende Entschließung an.' „Wi? erhoben feierlichen Einspruch gegen die schmachvolle jrrdenfeindliche Hetze in unseren Heimatstädten. Erbittert wenden wir rrn§ gegen dis Verleumdungen und Veschimpiungen. Eilt Zorn und Entrüsirrng verwahren wir uns gegen die S tj c n & p l c f a 1e ,Die Inderr sind unser Nrrglücll und »Fertigwacher; nach BaläftmaA Wir verlattgett, daß einem Zustand ein Ende gemacht werde, der mit einem Rechtsstaat unvereinbar ist. Wir wenden uns an alle gerechidenkenden Mitbürger, wir wenden uns an Reich und Land und rufen sie auf, den ungehemmten Schmähungen und der gefährlichen Aufreizung zum Hatz endlich Einhalt zu tun." Die Entschließung wurde von der gesamten Nürnberger Presie abgedruckt und den Behörden zugeleitet. De. LuLNlg ksNäNösr vsr Le§ OsriÄlrliHen Nrens Die Verschärfung des politischen Angriffes gegen die deutschen Juden, wie sie sich in den nationalsoZialiüchchen Anträgen im Preußischen Landtag, in Versammlungen, Plakaten und in der Presse täglich deutlicher offenbart, zwingt '-■f, A A . / -AJ' V s ck. feine n Kampf a•'e INN; ' r bis;a amlche ‘-71 v ■;v g r *v v a auch den Centralverein, den Juomwaß -:;::r Oefsentlichkeit ai.chuer; auch die Pre'll jft.^ua gegen das J"de.'.tu::r u.D über das uaare Wesen von Judentum, und Judenhüt rrchwt. Aus diesem Grunde hatte der L a n d e Z v e r b a n ) O b e r s ch l o s i e n d e Z C e n t c a l v e r e i n s am vsraauaenen Mittwoch die Vertreter der Presse "seines B-zirüZ zu einer Aussprache geladen. Der Wnn'ch, mit dlesen Pressevertretern dis durch die politische Entwicklung der letzten Zeit in den Vor» dergruud. des öffen-llchen Jnteresies gerückrrn Fragen, -soweit sie die Inden betreffen, zn besprechen, fand, wie zahlreiche Zuschriften zergten, lebhafte Zustimmung. Vielfach wurde sogar geäußert, daß man die Darstellung der Probleme von jüdischer Seite direkt als ein Bedürfnis empfinde. Besonders begrüßt wurde, daß der Direktor des Centralverems, Dr. Ludwm Holländer, dessen Rundsunkgespräch mir Dr. Stapel starke Beachtung gesunden hatte, sich „als einer der Führer und 'berufensten Vertreter des deutschen Judentums" für 'die Aussprache zur Derfüaunq gestellt hatte. Tie Beteiligung war stnfolgedesten trotz der Urlauoszeit aus allen Teilen der Provinz und von seilen aller Parteirichtungen sehr groß. Einleitend erklärte der Landesverbandsvor. sitzends Justizrat Tr. Skaller (Beuthen): an der Bewegung, welche gegenwärtig das deutsche Land durchziehe, sei das Bemerkenswerte, daß im politischen Meinunaskampf eas Irrationale an dis stelle von Vernunftgründen, getreten sei. Wenn man dem Nationalsozialismus auch noch so objektiv gegenüüerstehw so müsse man doch sagen, daß die Judensrage für ihn reines AgitationsuntteftsLi. Es gelte, sachliche Argumente an die Stelle unbestimmter Empfindungen zu setzen. Hierbei solle die Presse mithelsen. Dr. Holländer sprach von dem Heimatrecht und der Kulturveröundenheit "der deutschen Juden, von ihrem Anteil besonders am wirtschaftlichen Ausbau Oberschlesiens, von ihrer vaterländischen Haltung im Abstimmungskampf und' der Treue, mit der sie' jenseits der jetzigen deutschen Reichsgrenzen zur deutschen Minderheit hielten. Die Angriffe gegen die sogenannte ,4$ u b e n p x e f f e' führte er auf ihren sachlichen Kern zurück. Er sprach von den Bluiopfern der deutschen Juden im Weltkriege. Dem Schlaawort vom Reichtum der Juden setzte er die Tatsache entgegen, daß die wirtschaftliche Entwicklung zu einer Verelendung weiter jüdischer Kreise geführt habe. Frage um Frage wurde so aufgeworfen: Warenhaus, Bolschewismus, Stellung zu den Ostluden usw., und alles freimütig ^und ohne jede iLchönfäröerei behandelt. Die' judenseindliche Einstellung des Nationalsozialismus und die rohe Art seiner Agitation wurde eingehend dargelegt und an Tatsachen beloiesm. Eine auf sehr hohem Niveau sichende Aussprache trug zur weiteren Klärung der vielen Probleme bei. k. 1 i 5 ' / - , f, y>-: J

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