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Central-Verein-Zeitung · 1932-07-08 · 28 (8.7.1932) · p. Seite 287

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
28 (8.7.1932)
Date
1932-07-08
Page
Seite 287 (sequence 3)
Language
German
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rs? VERSAMMLUNGEN! Es sprechen: Dr. Kurt Braun Dr. Friedrich Brodnita Dr. Margarete Edelhe&i Dr. Bruno Glaserfeld Dr, Fritz Goldschmidi Wilhelm Graetz Dr. Alfred Kirschherg Alfred Levi Dr. S. London Dr. Hans Reichmann Werner Rosenstock Dr. Joachim Seligsohsi Arnold Stein Dr. Alfred Wiener Dienstag, den 12. Juli 1932, abends 8% Uhr Neuer Ratskeller, Spandau, Potsdamer Tor 2 Mittwoch, den 13. Juli 1932, abends 8*4 Uhr Trausaal, Synagoge Levetzowstrasse, Levetzovrstrasse 7 Köpenicker Ratskeller, Köpenick, Schlossstrasse 4 Logenhaus, Kleiststrasse 10 (Gartensaal) Cafe Leon, Kurfürstendamm 155 156 Restaurant Goehel, Tempelhofer Ufer 6 „Unionfestsäle“, Greifsvralder Strasse 221-223 »^Alpenrose“, Bln.-Wreissensee, Berliner Allee60(tckeLindenaiiee) Donnerstag, den 14. Juli 1932, abends 8f/2 Uhr Ratskeller Friedenau, Rheinstrasse 1 (Eingang Lauterstrasse) Gemeindehaus Oranienburg, Oranienburg, Havelstrasse 6 LANDESVERBAND GROSS - BERLIN Dr. Bruno Glaserfeld Zugesandte Einladungen gelten als Ausweise Widerstand, daß ein christlicher Syndikus der Commerzbgnk in Kassel, der als Interessen« Vertreter seines Unternehmens an der Sitzung . teilnahm, den Polizisten. zurief, ob sie denn nicht Waffen besäßen, um sich durchzusetzen. Diese - Äeußerung steigerte den Tumult immer ment: die Akute riefen: „Was, du Ound, du willst hier auch noch Hetzen?" Plötzlich sprang ein SA.-Mann auf, stürzte nach vorn und versetzte dem jüdischen- Rechtsanwalt einen Schlag ins Gesicht, der die Brille zertrümmerte und eine große Beute an der schlafe verursachte. Ter Ueberfallene wehrte sich kräftig und bekam hierauf die Worte zu hören: „Was, du Hund, ich muß mich von einem Juden schlagen lasten? Ich mache dich kalt/ Weitere Tätlichkeiten konnten die Landiäaer veri hindern. Tie^Zustände waren jedoch inzwischen ' derart unerträglich und unwürdig geworden, : daß der Richter erklärte, er hebe den Termin ' im Gastzimmer auf und verlege nunmehr die; Sitzung an den Ort des Amtsgerichts. Damit war der Zweck des gerichtlichen Termins vereitelt worden. . Es war aber noch nicht gei nug: ein weiteres beschämendes Nachspiel , folgte. Auf ^dem Hof der Gastwirtschaft ' schlugen die SA.-Leute den christlichen Vertreter der Kommerzbank blutig, im Gastzimmer selbst näherten sie sich dem jüdischen Rechtsanwalt unter Beschimpfungen und stießen ihm den Stuhl, auf dem er'saß, fort, so daß er zu Boden fiel. Ter Anwalt forderte daher die Polizeibeamten auf, ihm Schutz zu gewähren und chn aus der Ortschaft herauszugeleiten. Er begab sich, zu Fuß auf die Landstraße. Ihm und den in seiner Begleitung befindlichen Polizisten folgten Awa dreißig Nationalsozialisten, riefen ihm Beschimpfungen zu und warfen Steine nach ihm. - Nach etwa 500 Metern traf der Anwalt das Auto des Vertreters der Commerzbank, der rhn alsdann mit seinem Wagen mitnahm. Das ift_ der nackte Tatbestand. . Die zuständigen Behörden find von dem Vorfall unterrichtet. und die Beteiligten sowie der Eentralverein haben die erforderlichen Schritte emgeleitet. 150 Entscheidungen gegen den Wirtschaftsboykott Von R.-A. Dr. Hans Lazarus Unseren Freunden ist zur Genüge bekannt, mit welcher nachhaltigen Energie und welchem erfreulichen Erfolge der Eentralverein der nationalsozialistischen Boykottbewegung bisher entgegengetreten ist. Zahlreiche Urteilssammluugen sind, worauf wir wiederholt Hinweisen, bei unseren Landesverbänden niedergelegt, so daß in allen Bezirken für vorkommende Fälle reichhaltiges Material bereit liegt. Unser Archiv umfaßt jetzt etwa 150 Entscheidungen. Erst in diesen Tagen ist wiederum eine neue Sammlung von 25 Urteilen verbreitet worden. Unter ihnen ist folgende bemerkenswert. Die Bezirksleitung der NSDAP, in Sonneberg in Thüringen verbreitete ein Flugblatt mit der Ueberschrift: „Der Mittelstand stirbt?" Es wurde darin, wie üblich, ausgefordert, nicht in jüdischen Geschäften und Warenhäusern zu kaufen, da die jüdischen Firmen mit „jüdischer Anreißermethode" und „raffinierten Schaufensterkniffen" arbeiten und nur minderwertige Qualitäten, Ramsch und Schund vertrieben. Die Kunden jüdischer Geschäfte sielen dem nationalen und wirtschaftlichen Freiheitskampf der NSDAP, in den Nucken. Die jüdischen Firmen, die sich vorher um Raterteilung au den C. V. gewandt hatten, erwirkten gegen die Bezirtsleitung der NSDAP, und gegen den Trucker des Flugblattes bei dem Landgericht Meiningen am 10. Juni d. I. — 1 Q 28^32 — ei n e einstweilige Verfügung. In ihr wurde den Aulragsgegneru verboten, Zum Boykott jüdischer Geschäfte nach Art des oben gekennzeichneten Flugblattes aufzusordern. Auch wurde der Aus- Hang des Flugblattes untersagt. Aus der eingehenden, 16 Seiten umsasienden Urteilsbegründung geben wir die nachstehenden Stellen im Auszug wieder: JEknn es auch die Antragsgegner bestreiten, so geht doch ba*3 Flugblatt „Der Mittelstand stirbt?" zweifellos auf den Boykott der jüdischen Geschäfts Sonnebcrgs aus mit den Ziele, sie zu vernichten. Das ergibt sich aus dem Flugblatt selbst eindeutig ... Es will nicht je nach dem Ilmfang die jüdischen Unternehmer venchieden behandeln, sondern es stellt lediglich auf den Unterschied zwischen jüdischen und nichijüdischen Geschäften zu kaufen ab und fordert vom Leser, nur in nichtjüdischen Geschäften zu kamen, dijüdischen Geschäfte also zu meiden. Darin liegt eine Doykottertlärung aller jüdischen Ge'chäste. Daß alle jüdischen Geschäfte Sonneb.rogemeint sind, ist für den objektiven und unbefangenen Betrachter außer jedem Zroeifel. Der vorn Flugblatt „Der Mittelstand strröt?" verlangte Boykott ist seinem Zic! und Zweck nach unsittlich. Wenn es in dem Flugblatt ohne jede Einschränkung heißt: Deutscher kaufe nicht beim Juden', Deutscher kaufe nur beim Dörnchen*, so liegt darin die Austorderung, grundwylich und so lange nicht irr jüdischen Geschäften zu kaufen, bis diese zugrunde gegangen und zugunsten des nichtjüdischen Mittelstandes und der nichtjüdischen Geschäfteverschwunden sind. Dieses Ziel ist unsittlich, denn cs erstrebt die Beseitigung eines bestirnmren Teiles der Geschäfte Sonnebergs. und zwar nur deshalb, weil sie von Juden geleitet weiden. Wenn sich die Antragsgegner demgegenüber aus das Programm der NSDAP, berufen, das auf rassischer Grundlage einen gomnden Mittelstand und die Beseitigung hit Warenhäuser fordert, so ist das in diesem Zusammenhang unerheblich. Das Gericht entscheidet nicht über Partei- oder Wirtschafts- Programme, sondern ausschließlich darüber, wie der unbefangene, vernünftige Leser das Flugblatt „Ter Mittelstand stirbt?" auffaffcn soll und muß. Ta ist nur die eine Deutung möglich, daß er ausgefvrdert wird, alle jüdischen Geschäfts Sonnebergs bis zur Vernichtung zu boykottieren . . . Zu dickem Zweck ruft das Flugblatt neben den nationalsoziallstischen Wählern alle Volksgenossen auf in der Erwartung, daß diese Menge die Vernichtung und das Verschwinden der jüdi-

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