Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 28 (8.7.1932)
- Date
- 1932-07-08
- Page
- Seite 286 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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der beteiligten, sollten sich ganz anders als bisher gegen das Blutvergießen zur Wehr setzen. Gewiß könnte die Regierung sich energischer dem Treiben der Straße entgegensirmmen. Aber sollen Besonnenheit und Mäßigung die Zügel führen, so wird der 33. .Juli von entscheidender Bedeutung werden - wenn, ja iuenn — das ,i st das Wesentliches — ein jeder, ob alt oder jung, ob Mann oder Frau, seine W ah I p f I i dy i erfüllt Tie antisemitischen Nationalsozialisten, die in den letzten Wochen so krasse Proben zügellosen Judenhasses in der OessenAichstst gegeben haben, rechnen mit der Alleinherrf /last und werden alles einsetzen, um am 31. Juli ihr letztes Ziel, die absolute Mehrheit, zu erreichen-. Daran werden sie die Stimmen der deutschen Juden allein' nicht hindern können. Aber schon wird täglich die Nt acht der Gegensront klarer und wirkungsvoller. Schon werden selbst rechtsstehende Kreise stutzig über Las Treiben einer Partei, die in einem brutalen'Kample gegen 550GÖ0 deutsche Juden anscheinend der Weisheit höchsten Schluß sieht. Türfen wir deutschen Juden gerade jetzt! neinmütig Werdens £,.:~ müssen wir räch: unser Lchues einse^rn, um za . nstrem! Teile die Allcstcherrfchast einer Partei g.r verj hindern, von der wir bisher keiner/st überragende, alles andere in den Hintergrund drängende nationale Tat gesehen Habens i Es ist nicht unsere Art, schwarz zu malen! oder cai Furcht zu erregen, um irgendeine Wirkung zu erzielen. Wir setzen unser Vertrauen auf den gesunden politischen und vaterlandischen Sinn der deutschen Juden, der sich auch am 31. Juli Zu bewähren haben wird. 4!EfM <£3©bi Y©5t©e* Die Studenfenausschreitungen an der Berliner Universität Eine Erklärung des Rektors Die Studentenausschreitungen an der Universität Berlin am 30. Juni veranlagten uns, mit dem Rektor der Berliner Universnät erneut Rücksprache zu nehmen. Ter stellvertretende Vorsitzendedes C. V. Tr. Ludwig T i e tz uud der Syndikus des Landesverbandes Groß-Berlin Tr. Reichmann wurden von dem derzeitigen Rektor Professor Tr. Luders empfangen. Die Vertreter des C. V. gaben ihren: Bedauern darüber Ausdruck, daß im Laufe der letzten vier Semester mindestens einmal im Semester antisemitische Vorkommnisse an der Universität den C. V. befaßt Härten. Bei den letzten Ausschreitungen sei zum ersten Male die Forderung nach Ausschließung der Juden von nationalsozialistischen Studenten gestellt worden. Die Sicherheit der jüdischen Studenten sei durch die Gewalttätigkeiten gefährdet. Der Rektor gab die Versicherung ab, datz über die EnIrechLuugofordcrungen gar nicht diskutiert worden sei. Sie hätten auch bei den Verhandlungen mit den nationalsozialistischen Studenten keine Rotte gespielt, sondern seren die Forderung eines einzelnen Studenten gewesen. Die Sicherheit der jüdischen Studenten wie aller anderen werde selbstverständlich von der Universität gewährleistet. Tie Erklärung aller Teile der Studentenschaft, den Burgfrieden nunmehr Zu wahren, werde hoffentlich von der gesamten Studentenschaft beachtet werden. Im übrigen sei der Anlaß für die letzten Vorgänge nicht in rein antisemitischen, sondern eher in politischen Leireggründen zu suchen. Bericht eines Augenzeugen Am Donnerstag, den 30. Juni, kam es an der Berliner Universität wieder einmal zu üblen Ausschreitungen der Hitler-Anhänger. In der 11-Uhr-Pause begannen die RAstnalsoziatiften ohne 'Anlaß mit Sprcchchörcn „Juden raus", Liedern wie „Volk ans Gewehr", „S A. marschiert" und versuchten einzelne jüdische und republikanisch^ Kommilitonen anzupöbeln und zur Universität herauszudrmmcu. Acer alle freiheitlichen Studenten, vom Zentrum und den Jung-deutschen bis zu. den ^vAstdemolrater, und'Kommunisten, stunden gestble--. m zur Abwehr der naeiouaLsozial ist:Herausforderung Zusammen. Durch die Tis.ziplinierLheit der freiheitlichen Studenten, die der Rektor ausdrücklich anerkannte, und durch das persönliche Eingreifen des Rektors, der zu vermitteln und beide Gruppen zu gleichzeitigem Abzug aus dem Vestibül zu bewegen suchte, kam es zunächst nur zu einem „Stellungskrieg". Ter Führer derNazistudenten, die den Rektor auspsisfen und anjohlten, erklärte aber, daß „erst die Juden raus" müßten, — das sei für sie eine „Ehrenfrage". Ter nationalsozialistische Student Kalter, der schon im letzten Semester als Krawallmacher vom Moabitev Schnellschosfengericht zu mehreren Monaten Gefängnis verurteilt. nach dem Freispruch in zweiter Instanz aber wieder weiter studieren darf, hetzte, bis die Nationalsozialisten doch noch zum Angriff vorgingen. Obgleich viele der Unseren durch Stockhiebe, Koppelschläge und Bisse (!!) verletzt wurden, konnten die Nationalsozialisten zurückaeworfen werden. Nachdem der RÜtor und verschiedene Professoren nochmals eingegriffen hatten, marschierten wir in Viererreihen geschlossen ab. Der verhältnismäßig schnelle Verlauf des Krawalls ist dem Umstand zu danken, daß die Nationalsozialisten dreist nur noch ihre zahlenmäßig nicht allzu starken L. A.- StudeuLen einzuspannen vermögen. Die arbeitswilligen Studenten ind es bald satt, die Lehr- und ernsreiheit und den ganzen Hvchschulbetrieb auf die Tauer durch dieses wildeTobenge st örtzu sehen; auch die ihnen sonst politisch Nahestehenden machen bei diesen Uebersällen nicht mehr mit. Tie Teutschnationalen sind nach den letzten Krawallen sogar in einem Flugblatt energisch von diesen A. - M e t h o - den auf der Universität abgerückt! Die Antrags im Preußischen Landtag. Abgeordneter Kuttner stellt uns zu seinem Aufsatz „Tie Antragsiut im Preußischen Landtags („C. L.-«Zeitung^ Rr. 27 vom 1. Juli 1932) eine Ergänzung zur Verfügung, in der er die unübersichtliche und verworrene Abstimmung um VA) Uhr stütz zu den natiormlsmialistsicher, Agitationsanträgcn im einzelnen dürfte llt. SeineAr: ssührunge!, sind insofern vonBedcutnng, als das amtliche Protokoll über die Landtags fitzung (12. und 13. Sitzung auf Seite IlAll—10S0) die Vermutung rcchchertigt. als ob sow-otzl die SPD. wie die KPS. auch für den Antragstnnckt betr. die Lcschlaaniünne der Vermögen der Lstftrderr gesummt habe. Adgeordnoter KuUnrr fällt die V Arme im eilucluen klar. Eine Verviclll-uig. ng stumr Zuschrift an uns sicht vrfondcru ll'.u .ert.n Lesern kostenlos zur Verfügung. L/e.-llerror bei einer 2tv/ong5ver3te!gerong Am 24. Juni fand in einem Orte bei G ö t - tingen die Zwangsversteigerung eines Grundstückes in dem Zimmer einer Gastwirtschaft — das zuständige Gericht liegt nicht im Orte — statt. Das Verfahren wurde von drei nichtjüdischen Gläubigern, darunter einer Kreissparkasse und_ einer Landeskreditanstalt, betrieben. Ein jüdischer Rechtsanwalt nahm für einen christlichen und einen jüdischen Interessenten den Dersteigerungstermin wahr. Bei Terminsaufrus waren in dem Ga st Zimmer etwa 30 uniformierte SA.-Leute anwesend. Der Richter eröffnest die Sitzung mit dem Hinweis, daß er die Litzungsvolize, ausüöe, und alle Personen, die sich etwa ungebührlich benehmen würden, aus dem Saale weisen müsse. Aus diese Bemerkung riesen ihm die SA.-Leute zu: „Sie haben hier nichts zu melden und niemand herauszuwersenG Er möge zunächst einmal schriftlich seine Berechtigung für die Ausübung des Hausrechts nack)- weisen. denn das Gastzimmer sei am Tage vorher von den LA.-Lcntcn gemietet worden. Ter Richter unterbrach daraufhin die Sitzung und ließ das Ueberfallkommando alarmieren, das nach etwa einer Stunde in Gestalt von vier Landjägern erschien. In der Zwischenzeit fielen sortgesttzt beleidigende Aeußerungen wie etiva: „Hier riecht's nach Knoblauch, macht die Fenster auf. Tie Juden gehören nach Palästina. Hier wollen sie nur schachern und dem Bauern das Geld abnehmen uswG Auch nach Erscheinen der Landjäger setzten die SA.-Leute ihr ruhestörendes und beleidigendes Verhalten _sort. Mehrfache Aufforderungen zu angemestenem Verhalten blieben erfolglos. Infolgedessen sah sich der tzstichrer genötigt, einen SA.-Mann, der sich besonders pöbelhaft benahm, aus dem Saal zu weisen. Beim Hiuausgchen drehte sich dieser au der Tür um und rief dem Richter die Worte zu: „Na, warte nur, dich habe ich mir gemerkt. Wenn es so weit ist. Ziehe ich mir meine Brille aus und rechne mit dir ab." selbstverständlich begleiteten die übrigen diese Worte mit Gejohle,? und der Richter mußte Zwei weitere SA.- \ Männer aus dem Saale verweisen. Als die; im Grundbuch eingetragenen Rechte verlesen .' wurden, m.achten die SA.-Leute, sobald es sich : um Posten von Gläubigern mit jüdischem - Raunen handelte, Lemerlungeu antisemitsicher . Färbung. Schließlich störten die WA.-Männcr - derartig, daß der Richtersich gezwungen sah, - sämtliche uniformierte Personen *\\n\ Verlassen! des Saales cmfznfordern. Sie weigerten sich uud riestn. erst müsse der Jude, nämlich der - jüdische llstcht-.amvail. heraus. Tie Landjäger ‘ versuchten die Gst.-Leuie aus dem Zimuu'r drängen: diese leisteten jedoch so heftigen j