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Central-Verein-Zeitung · 1932-07-08 · 28 (8.7.1932) · p. Seite 285

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
28 (8.7.1932)
Date
1932-07-08
Page
Seite 285 (sequence 1)
Language
German
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12 7.1S32 Ciajolnisramet 20 Pfennig * BierieiiahrSadonnemenr j' 2.25 ÄM. (A'^ügl. Bestellgeld). Allgemeine Zeifurtg des Judentums - Ler.dg und Schriftlertung: Berlnr VT 15, Cmfec Stt. 42. Fsrnfprschsr: 3 2 Oliva 5074. Postscheckkonto: Drcttn 304 72. Bankkonto: Dresdner Dank, DepostLenkasse kl i, | Derlin-Wilmersdorf 1, Hoh-n-ollerndarnm 196. und von Eoldschmidt. Rothschild & So., Berlin W 8 «IT«iniß« Anzekgenannohme: Annoncen-Exvedition Rudolf Moffr. Berlin SW ICO, und deren Filialen. Anzeigenvreise: 0,90 JtJL für dis TgcfpoU-ne Het^ nach Rudolf Mosssz AkonnslzeUen^ssfer Rr. 4, Familienanzeig-n und Stellengesuche (nicht SLellenangedote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 JtJt, dis G2 min brrüs RrklameZeile 3 50 S.JU Zum 31. Juli Die Wahlparole des Centralvereins lautet seit seinem Bestehen „Wählt keinen Angehörigen einer antisemitischen Partei". Tie Mitglieder des Centralvereins verteilen sich bekanntlich auf alle Parteien, . die den Antisemitismus ablehnen und die auch Deutschland als der deutschen Juden Heimat erhalten will. Sicherlich würden/und wir verraten damit kein Geheimnis, deutsche Juden auch der 'Deutschnationalen Volkspartei ihre Stimme' geben, wenn diese nicht programmatisch antisemitisch Ware. Für sie kann also kein ehrliebender Jude eintreten. . - * * Bei dieser Wahl liegen die Verhältnisse für diejenigen unserer Mitglieder, die bürgerlichen Parteien nahestehen., noch im Dunkeln. Die Entscheidung der sozialistisch eingestellten Juden ist ohne weiteres klar. Aber der Aufmarsch der bürgerlichen Parteien außerhalb des 3 errtru ms und der Bayerischen Bolkspartei ist noch nicht ' übersehbar. Noch ist nicht offiziell erklärt, welche Listen- Verbindung die Deutsche Bolkspartei einzugehen beabsichtigt. Ebenso unklar sieht es noch bei der W i r t s ch a f t s p a r t e i aus. Besonders schwierig liegen die Dinge bei der Deutschen Staatspartei. Ter Ausgang der Preußcnwahlen hat ‘— das ist allen bekannt — denen, die ihr die Stimme gaben, eine arge Enttäuschung bereitet: denn das im Lande umlausende Gerücht, es werde keine Stimme verlorengehen, hat sich leider nicht bewahrheitet. Die . Wähler der Staats-Partei, auch die jüdischen, warten daher gespannt, wie sich die SLaatspartei in der Frage der Listenverbindung entscheiden wird. Wir nehmen an, daß diese Entscheidung alsbald fallen wird. Wir wißen, daß viele unserer Freunde den dringenden Wunsch haben, ihrer bürgerlich freiheitlichen Gesinnung durch die Abgabe ihrer Stimme für' eine bürgerliche Mittelpartei zum Ausdruck zu bringen. Aber wir verstehen auch, daß gerade diejenigen Wähler, die sich der großen entscheidenden Bedeutung dieser Wahl bewußt sind, aus ihrem staatsbürgerlichen Verantwortungsgefühl heraus die Gewißheir verlangen, daß ihre Stimmen nicht verhallen. Die Mittel- Parteien werden daher möglichst bald, eindeutig zu erklären haben, welche Maßnahmen getroffen sind, um den Verlust auch nur einer Stimme zu verhindern. Von den neu austauchenden Parteien hat sich bisher nur die Sozial-Liberale Partei, eine Gründung des Professors Ernst Hornesfer in Gießen, in Rheinland-Westfalen der'Oessentlichkeit vorgestellt; welche Bedeutung sie hat, welche Listenverbindung sie eingeht, wie sie programmatisch zum deutschen Judentum steht, bedarf noch gründlicher Klärung. Tie Sozial-Republikanische Partei, Otto H ö r s i n g s Gründung, die den Judenhaß nicht nur nach ihrem Parteiprogramm ablehnt, sondern auch in ihrer Wochenschrift „Tie neue Kampffront' einen erfreulichen Aussatz gegen ihn aus der Feder Ernst Richters bringt, hat beschlosien, keinerlei Kandidatenlisten für die Wahl einzureichen, ihren Anhängern dagegen die Wahl der Listen der Weimarer Koalition, also des Zentrums, der Staatspartei und der Sozialdemokraten zu emwehlen. 'Bei dieser Wahl, bei der es sich stärker als Auf zu den SC 13 51 d y e h 53 El ff; S « deTcTvJ Gross-Serlln.Seif© '2B7 Kessen-Nasssu.. Sslks 239 je lim die Bekämpfung der rechtsradikalen judenfeindlichen Richtung handelt, ist es für die Entscheidung der deutsch-jüdischen Wähler dringend notwendig, daß gerade die bürgerlichen Parteien, die auf jüdische Wähler Wert legen, aus schnellstem Wega klar Farbe bekennen. * Unverständlich, sogar der Ausdruck gewissenlos ist kaum zu scharf, ist das Gerede mancherorten, es nütze alles doch nichts, und man wolle Wahlenthaltung üben. Wer so etwas ausspcicht oder sogar verbreitet, der verdient nicht, wahlberechtigt zu sein. Täglich färbt sich das Pflaster deutscher Straßen rot von Blut, täglich löscht parteipolitischer Haß jugendliches Leben aus oder schasst ihm schweres Siechtum. . Gerade wer wie wir jeden Menschen und seine Angehörigen tief bedauert, der in der Blüte der Jahre ins Grab sinkt, wer wie wir diesen stillen Bürgerkrieg als Deutschlands größtes Unglück ansieht, wer wie wir schnellstens diese Schmach beendet sehen möchte, darf nicht vergesien, daß der Stimmzettel die beste geistige und für viele die einzige Waffe gegen all den Terror und all die Verhetzung ist, die Deutschlands Gaue durchtoben. Anständige Anhänger aller Kreise, auch O! /: ID 1

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