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Central-Verein-Zeitung · 1932-07-01 · 27 (1.7.1932) · p. Seite 278

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
27 (1.7.1932)
Date
1932-07-01
Page
Seite 278 (sequence 6)
Language
German
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27s Schöna weiis Zmme schon nach emiiialkjent Putzen mit t*r Tr.nL erfrisch, schmeckenden..CHlorodonL-Zehnpa'!:", sü reckt uns ein Raucher. Tube 50 Pf. u. 50 Pß Versuch überzeugt. das gleiche leisten wie die jüdischen. Freilich, daß sie den jüdischen „im Heilerfolg Lurch'chmttlich überlegen seien", dies dürfte kaum statistisch zu belegen sein, dürste auch kaum auf wissenschaftlicher, sondern nur auf „völkischer Beobachtung* beruhen. Und was die Reklame anBetxr’ft, so kann diese im gewöhnlichen Sinne ja schon deshalb keine Rolle spielen, weil der ärztliche Ehrenkodex sie streng verbietet und die Ehrengerichte weitgehende Mittel zu ihrer Unterbindung haben. Und die größere Geschäftsrüchtigkeit? Tazu nur eine Gegenfrage: 2Su find die ärztlich approbierten Seitengänger auf goldgepflackerten Pfaden häufiger zu finden, unter chriülichen oder jüdischen Aerzten? Wollten wir gar die nichtapprobierten Heilbehandler hier hinzuziehen, die den Aerzten gleichzusetzen eine weise Gesetzgebung nicht mehr weit entfernt ist, so würde sich eine epidemische Ausbreitung dieser Art des Sinnes für Gelderwerb gerade im nichtjüdischen Teil der Bevölkerung nahezu mit Ausschließlichleit ergeben. Aber der Verfasser des Aussatzes im „Völkischen Beobachter*", Dr. H. George, der sicherlich kein Arzt ist, — er hätte sonst doch wohl die Aufforderung, zu deutschen Aerzten zu gehen, selbst als „reklamehaft" empfunden und vermieden — der Verfasser sucht die Antwort auf seine Fragen nicht auf dem rechten Feld: nicht aus dem des Geistes ist sie zu finden, sondern allein aus dem des Herzens. Was der Kranke von seinem Arzt verlangt und gerade von dem, wie George sich ausdrückt. „in der Not und Sorge der alltäglichen hausbackenen Praxis stehenden" Arzte, das ist nicht bloß, wenn auch in erster Linie, eine geistige Leistung, nämlich Erkennen und Behandeln seines Leidens; er wünscht auch einen Arzch ja er hat das dringende Bedürfnis nach einem solch-en, der inneren Anteil nimmt an seinem Wohl und Wehe. Es wäre unsinnig, solche Anteilnahme den christlichen deutschen Aerzten absprechen zu wollen — wir alle kennen und verehren viele von ihnen auch wegen dieser Seite ihres Wesens —, aber es kann doch wohl kein Zufall sein, daß gerade d i e Aerzte sich je und je bei allen Völkern einer besonderen Wertschätzung erfreuten, die von, jenem Stamme kommen,, für den Mitsühlen und Mitleidcn ein besonders hervorstechender Charakterzug von Anfang an gewesen und im Lause seiner tränenreichen Geschichte mehr und mehr geworden ist. Man sieht, wir leiden nicht an der gleichen Überheblichkeit, wie sie der .^Völkische Beobachter" zur Schau trägt, und suchen auch die Parade nicht im Hieb in einem innerdeutschen Streit, der Zwar als Symptom der geistigen Verfassung weiter Kreise von traurigster Bedeutung ist und als Teilerscheinung einer allgemeinen, gegen die Juden gerichteten Boykottbewegung ernsteste Beachtung fordert, der aber doch im gegenwärtigen Augenblick zurücktritt hinter den Gefahren, die, von außen kommend, Deutschlands ganze Existenz bedrohen. Nach Berlin und Danzig.. SelÄstverückcküA iss ter Centralrerein Len Meldungen eines grölen Berliner Blattes über rudenfeindlcche Ausschrciwng:-.?. in der Berliner Untergrundbahnnachgegangen. Trraller Bemühungen ließ sich meder auf dem Pslizeirr ^üdium noch an einer sonstigen Stelle irgend 3 Lü-iweu, rvas als Bestätigung ser Meldung anges.rrn werden konnte. Die BVG (Berliner Ver^.-r.^ivür-'ü-aiLl hat erklären lassen, daß sie jegliche Brrlsrae aeaen den Mißbrauch ihrer Verkehrsmittel zu rslir'.fcben Propagandazwecken getroffen habe. Wider ö 9 m y 4 i# * Md KlsiMNNÜSM Don Dr. Eva Reichmann-Irrngmann Tis Zeit ist gegen uns. Unerbittlich verlangt diese Wahrheit, daß wir ihr ins Auge sehen. Kein Wunder, daß aus allen Ecken und Winkeln die Nörgler angekrochen kommen. Einige von ihnen kennen wir schon seit langem, Das sind die Zweifler aus Prinzip. Cs sind die, deren Auffassung von der zionistischen als der einzigen Lösung der Judensrage die V e r - elendungstheorie schon brauchte, als die Tatsachen noch eine andere Sprache redeten, und die jetzt über dem Frohlocken angesichts der scheinbaren Bestätigung ihrer Lehren zu übersehen versuchen, daß sich die Theorie etwas gar zu gründlich verwirklicht, gründlicher jedemalls als die auf ihr beruhende Lösung. Tie gedanklichen Konslvuktionen sollen ihnen trotzdem so lange unbenommen bleiben, wie sie ihnen Antrieb zu ausbauender Arbeit, welcher Art auch immer, zu geben imstande sind. Verwerflich werden sie dann, wenn sie unsere Leistung zu unterhöhlen versuchen; wenn sie durch planmäßige Herabsetzung unserer Arbeit Leben und Existenz von 500 000 deutschen Juden zum höheren Ruhme der Theorie zu gefährden beginnen. Welche kleinliche, unwürdige Haltung liegt in diesem: „Wir haben es immer gesagt!" Es riecht nach Genugtuung und nach Schlimmerem, wenn man mit Behagen die Anzeichen einer Entwicklung registriert, an der lebendige jüdische Menschen zugrunde gehen! Noch dazu, da es sich um eine Entwicklung handelt, die weder durch weitest verbreitete Einsicht in die sich angeblich als wahr erweisenden Lehrsätze noch durch den von ihnen getragenen zionistischen Lösung?plan hätte ausgehalten oder gemildert werden können. Doch die Nörgler aus Grundsatz können unZ nicht mehr schrecken. Allzu getreulich haben sie jede Etappe unseres Weges begleitet, als daß sie uns noch aus der Fassung bringen könnten. Wer eine andere Sorte von Kritikern gibt es, solche, die nicht vom grünen Tisch her in billiger Großzügigkeit dem deutschjüdischen Kamps jeglichen Sinn absprechen,' sondern solche, die aus Persönlicher, traurig erlebter Erfahrung heraus sagen: Es ist ja doch umsonst. Sie haben gearbeitet und gehofft, sich entgegengestemmt und an die Vernunft geglaubt — und sie erleben es nun: Kaufleute und Akademiker, Künstler und Angestellte, daß fanatischer Judenhaß sie geistig und wirtschaftlich abschnürt und der Vernichtung preisgeben will. Was sagen wir diesen gutwilligen Enttauschten? An Beispielen, die vom Erfolg der C. V. - Arbeit künden, ist kein Mangel: Da wird — um nur eine ganz kleine Auswahl anzusührcn — Prozeß um Prozeß gegen den Boykott jüdischer Kaufleute durchgeführt; da wird die gesamte jüdische Akademikerschuft durch energische Weckrufe veranlaßt, der Wahl ihrer Berufsvcrtretungen die notwendige Bedeutung beizumesien; da wird dem Boykott jüdischer Stcllungsuchendcr durch planmäßige Kleinarbeit Boden entzogen; da findet jeder Fall judenfeindlicher Verfolgung seine sachkundige Bearbeitung und — in den meisten Fallen — seine Sühne; da gehen allmonatlich 50 000, ja 60 000 aufklärende Schriften in nichtjüdische Häuser. An Beweisen für Erfolge ist gewiß kein Mangel. Aber so oft auch dem einzelnen geholfen wird, so schnell von Tag zu Tag die Mappen anschwellen, in denen die Dankschreiben derer verwahrt find, denen Stützung gewahrt werden konnte — der Judenhaß wütet weiter. Das große Ringen um eine Entgiftung der öffentlichen Meinung, um die Entlastung des politischen Kampfes vom Druck des Judenhasses scheint noch lange, lange Jahre währen zu müsien. Zeit sei es, so schünt es manchem Kleinmütigen, den Kampf abzubrechen. Aber darf Enttäuschung solches bewirken? Muß ne nicht gerade anstacheln zu verstärkter Leistung? „Mißerfolg — wenn man einmal so sprechen will — haben heute alle republikanischen Parteien; „Mißerfolg" hat der sozialistische Gedanke, wenn auch die neue Front der nationalistischen Scheinsozialisten darüber hinwegzuiäuschen versucht; „Aaßerfolg", erschütterndsten Mißerfolg hat die gesamte Wohlfahrtspflege, die sich einer uneindämmbaren Flut von Elend gegenübersieht. „Mißerfolg" hat nicht zuletzt die Weltwirtschaft als Ganze-, die seit Jahren einer Krise von gigantischen Ausmaßen ohne Aussicht auf Niederzwingung ratlos gegenüöersteht. Und deshalb sollten alle diese Parteien, die Institutionen, die Menschen den Kampf ausgeben? Nur unechte, im tiefsten Grunde hohle Gedanken und Gegebenheiten kapitulieren vor dem Mißerfolg. Was einen Inhalt hat, der in sich fest gefügt ist und nicht dauernder Bestätigung durch günstige Zeitumstände bedarf, hält auch den ungünstigen stand. Hat man schon gehört, daß das Gedankengut der Weimarer Versasiung von ihren Anhängern aufgegeben wird, weil sich die Zeit scheinbar gegen sie wendet? Daß die össentliche Wohlfahrtspflege ihre Tätigkeit einstellt, weil sie dieser Masienarmut doch nicht zu steuern vermag? Hätte im November 1918 eine vom Umsturz besonders stark bedrohte Schicht wie die preußischen Großgrundbesitzer die Flinte ins Korn geworfen, hätte sie nicht mit einer Zähigkeit sondergleichen ausgehalten und in der Stille gewirkt, bis wieder einmal günstigere Zeiten anbrächen, so hätte sie sich nicht bis zu Tagen, die wie die heutigen, ihnen politische Erfolge geben, am Leben erhalten. Der geschichtliche Ablauf ist nicht gradlinig, er ist ein ewiges W und Auf. Nur wer im Wellental die Kraft verliert, aus der Erinnerung an vergangene Höhe den Glauben an den glitzernden Wellenberg der Zukunst zu schöpfen, geht unter. An der Haltung des letzten E. V.ers in dieser Krise der deutschen Judenheit wird sich der Wert des Centralvereins erweisen. Wir glauben an seinen Wert, weil wir an die deutschen Juden glauben. Wir haben vorhin — kurz wie es dieser Ort erfordert — erwähnt, was der C. V. leistet, wie er in Hunderten und Tausenden von Fällen Hilfe bringt. Es war, gemessen an dem tatsächlichen Radius seines Leistungsumfanges, eine allzu knappe Liste. Größer, viel größer stellen sich Arbeitsgebiet und Durchschlagskraft dem sachkundigen Beobachter dar. Und trotzdem macht das alles noch nicht den eigentlichen Wert des C. V. cuS. Der Wert des Eentralvcreins in dieser Zeit liegt in seinem Ta-Sein. Seine Arbeit nutzt, sie hat Erfolg. Aber nutzte sie nichts, hätte sie keinen Erfolg — s i e müßte dennoch getan w e r d e n. In dieser Zeit des Judenhasies und der Judenverfolgungen, der Erniedrigung Ißlüfenreiner gesunder d/eini ist das Ergebnis der ständigen Pflege mit \wm als ZuscJz xum Waschwasser. Aber KAI SER-SO RAX ~muö esYeinl «*V-

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