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Central-Verein-Zeitung · 1932-07-01 · 27 (1.7.1932) · p. Seite 277

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
27 (1.7.1932)
Date
1932-07-01
Page
Seite 277 (sequence 5)
Language
German
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277 f7) .v>,> - 1 N A «O ,-fs . ’\ v^WyW',/ f ijVv «*vi^ ‘<v> G V^ &«W^V f-’V fRv-vV -A V'X j^ v/ w vy Zm iri/dfer Dr. öüB Mhrr iLerliO Hl Unter dem Titel „Arzt upb Nas'ezugel'ürigfeit" bringt der „Bölkisckie Beobachttr" vom 14. d. M. einen Artikel, denen Ziel au? Len Schlugworten hervorgeht: „Deutsche, geht zu deutschen Aersten!" Hm diese Ausforderung zu begründen, wird an die Worte eines GcistlickLn am Ererbe eines bekannten jüdischen Arztes angelnücht, der gesagt haben soll, daß dos jüdische Bott von die Heilkunde gepflegt habe und daß jüdische Aerzte immer von C-mesungsuchenden an erster Stelle aufgesucht morden seien. Sehe man \\d). so fälgrfe der Versager fort, die jüdische Lerztelchaft einmal daraufhin an, so sehe man, daß in der Tat die Zahl der jüdischen Aerzte erstaunlich groß sei, in gar keinem Berlstiltnis ,zu dem jüdischen Bevölkerungsanteil stehen), und daß sie „merkwürdigerweise von der niastjüdi'chen Bevölkerung mit Vorliebe ausgesucht werden". Woran, fragt der Verfasser, könne dies gelegen sein? Seien chm die jüdischen Aerzte tüchtiger in Wissenschaft oder Praris? Daß dies in'der Wissenschaft nicht so sei, ergebe ein Blick auf die große Zahl der nickstjüdischen deutschen ärztlichen Forscher von Weltruf;' und in der Praris könne man sagen, Ich; die nichrjüdischen praktischen Aerzte „in wigenschastlicher wie technischer Hinsicht" mindestens dasselbe leisteten wie ihre jüdischen „Konturrerttrn". chm Heilerfolg durchschnittlich sogar mehr". Tie Gründe nrüßten also andere sein. Diese feien im allgemeuum das Bestreben des Judentums, sich überall da breitzumachen, wo eine Dcinslustung des deutschen Volkes möglich sei, und im besonderen die größere Geschäftst ü ch t i g k e i t und hi e k l a m e g e w a n d h e i t des jüdischen Arztes. _ Wenn idi einem Wunsch der Schrift lettung dreier Zeitschrift, auf diese Behauptungen zu erwidern, Folge leiste, so geschieht es nur mit innerem Widerstreben: aber solange eh nötig fern wird, sich gegen VVrblenLung und schlechten Willen zu rvchren, solange wird mch immer der eine oder andere das Opfer eines Kampfes mit ungleichen Waffen bringen müssen in der Hoffnung, daß er vielleicht doch einmal gunt Siege führen wird. Hatte doch auch das deutsche Volk 16 Jahre lang gegen die Kricgsschuldlüge und die ganze übrige „Propaganda" anzukämpfnr, um jetzt endlich zu erleben, das; dem Erpresierparagrapsten 21I des Versailler Diktats auch bei unseren Feinden gebührende Verurteilung zuteil wird. An diesem Beispiel rvollen wir unsere Hoffnung starken und es wieder einmal versackten, auf einem engeren Gebiet einer ähnlich gen rieten Be rhetznu g sp ropaga uda entgeoeng.ulreten. Es ist wahr, die Zahl der jüdischen Aerzte ist weit größer, als dem jüdischen Berölkerungsanteil entspricht. Aber woran ist dies gelegen? Wer sonst ist schuld daran, als die Gesinmmgsgenonen des „Böltischn Beobachters"? Sie babau den Juden, die nach dem Fallen der Mauern des räumlichen Ghettos auch aus den Schranken des geistigen heraus strebten, sich von der ihren Borfahren ein Jahttaufeud lang aufgezwungenen ausschließlichen Ve'chäsnguuz mit dem .Handel" zu befreien suchten und sich deshalb geistigen Berufen zmvaudten, bis zum heutigen Tuge nahezu olle geistigen Berufe verschlossen oder dach oen Zutritt zu ihnen höchst erchuaert dis cid die sogenannten „freien Berus?" des Praküschcn Arztes und des Nechtsanmrlis. Darin ist dis ec;lfch§r.Leude Urlacko zu sehen für die Ueeerz.ch der jüdistch-eu rlcrzte in Deutschland, nickit in der» Bestreben des Judentums, das denuche Volk überall becinstusien zu wollen. Auf solche Unlenullttna braucht man eigentlich in der Zeitung des GenLrolvrreins -nicht einzugehen; denn alle, die seine Ziele kennen, willen, dreh solches Bestreben unvereinbar rväre mit dem Wesen des Eentralvereins, eines Vereins von Juden, die Deutsche und und Deutsche fern wollen, denen deutsches Schill'al zum mindesten ebenso hoch steht wie jüdisches, sehr vielen, für die nicht Religion oder Tuadrtiou, sondern Kultur und Stant-öürgertum den Angelpunkt des Lebens bilden, sogar höher und an erster Stelle. Auch darüber braucht man kein Wort weiter zu verlieren, daß die deutsche medizinische Wissenschaft auch ohne die Mitarbeit der jüdischen Forscher ihre Wellgelttmg erlangt hätte, ebenso wenig darüber, das; beutfdje jüdische Forscher — wenn sie einmal gezwungen werden, über solche anßerwissenschattliche Frage nachzudenkeu — sich dessen voll bewuht sind, wieviel sie de: Vor- und Mitarbeit ihrer christlichen Kollegen zu danken heben, in erster Lime zwar den deutschen, aber rvcilerhin auch denen der ganzen Welp Aber umgekehrt i st a u ch d i e medizinische Wissenschaft der gaumen Welt von jüdischen Forschern befruchtet und gefördert worden. Nicht um einen Streit nach Art der knabenhaften Frage, wer größer sei, Schiller oder : ... _ *■■{=£*£<£*•• -v-sasaiMK ü v'N -g- 8 \ vVfV’T--"' / Das ö22MM2ÜZ- V/S332?! Facliin^er Yersan’i3tc-Il«, Berlin SW 11 Schf>nebergcr Straps« 161. Telefon: Lätzovr: 8'-5r)Äb Goetl)e, zu entfachen, sondern um auch dem Fernerstehendcn ein Bild von der Znsanuu.en-> arbeit aus rvissenschaftlichem Erbiet zu geben, sei ein Beispiel aus den letzten Jahrzehnten angesührt. Wohl war es der christliche Tonische S ch a u d i n n , der durch Entdeckung des Erregers der furchtbarsten Seuche unter der K'.llrurmenschheit die Grundlage für ihre tiefere Erforschlmg und ihre spätere Bekämpfung schm. a(>er es war der jüdische Deutsche August von Wasser tu ö ti u , der durch die nach ihm etnannte Seroreaktion die Diagnostik dieser Krankheit auf eine früher nicht geahnte A-che hob, und es rve»r der jüdische Deutsche st-mck Ehrlich, der in genialer, unermüdliche Forsche rarbeit das Heilmittel gefunden, dem <»«m voraussichtlich ein allmäijlichs Erlöschen der Branchil an erster Stolle zu danken haben wird. Wir kommen dem „Völkischen Boobachwr^ noch einen weiteren Schritt entgegen. Wie wir nicht zögerten, imsore Bewunderung für chrrftliche Forscher deutscher und anderer Nationalttät Ausdruck zu geben, so erkennen wir gern m, dast unsere christlichen Kollegen in der Prapis 3.S5D3* scynreolheLni: in der Zejf der Notverordnungen Die übermüi-si^ gespannte Atmosphäre lilsst in niasehen Frauen übertriebene Befürchtung^p. für die Gefährdung der künftigen Sicherheit aufkoni* men. Meine Freundinnen und ich sind weit entfernt davon, diese Acngstliehkeit zu näiiren; doch meinen wir, dass jeder einzelne verpflichtet ist, durch Vornehmheit und Un au [fälligkeit in Auftreten und Aufmachung zur Entspannung bei* zutrügen. Es ist Pflicht unserer einsichtigen Freundinnen, durch Beispiel und Rücksprache in den ihnen erreichbaren Kreisen Frauen und Mädchen darüber auf/.tikiiiren. wie ein verfälschtes, uunatürliciics Gesicht, auffällige Berualung und Kleidung auf Gesinnungsgegner wirkt. Wir woiien nicht etwa einer krieche riehen Mimikry das Wort reden; was wir bekämpfen. ist das herausfordernde Zuviel an Behängnng und Maskierung, das selbst bei gering bemittelten berufstätigen Frauen und Mädchen heute ganz ohne Rücksicht auf die /AMtumstünde üblich geworden ist. Taktvolles Auftreten auf der Strasse, in Cafes and Vorgärten. vor deren Gittern hungernde Menschen um Pfennige bitten, ist heute eine politische Forderung; wir richten sie aa die Frauen aller Religionen and aller sozialen Schichten. A. (ch Berlin-Dahlem. Segen des Landlebens Zweimal fuhr ich in diesem Jahre zur Beerdigung iiefH'r Verwandter in die fränkische Laud-chaU. Das erstemal war es mein Vetter, der in jungen Jahren \ orbildiuh mitten unter den Bauern de- Frankeustädtchens lebte. Fr selbst verwaltete den grossen Grundbesitz ruit eisernem FleLss. Er leistete wie jeder andere Baiser die schwere körperliche Arbeit, und sein guter Einfluss wirkte im weitesten Umkreis. Zu seiner Beerdigung erbienen Hunderte von christliche:: Kauern und Stauden tiefergriffen an seiner Bahre. Ein Gr.--rä;idter sagte zu mir: ..Er stark wie ein König in seiner LamKrhsltG Dies war Ernst Kaudclbauia in Aub. Zum zweiten Male machte ich m die-er Vöo«:*he den Weg nach dem fränkischen Dorf Niederwerrn. Wieder standen ganze Dorfabordnur.gen von Bauern an der Kahre eines edlen Mannes, Markus II e s s 1 c i u. Tief erschütterte mich wieder dieses Zeichen treuer Anhänglichkeit in dieser so schweren Zeit. Juden werden an so vielen Plätzen gehasst und verfolgt. und hier diese Zeichen treuester Liebe und Fmmds ein ft. Nach einer Rede des KabHners hielt ein Freund des Verstorbenen, der Vorstand des Krieger Vereins, einen lief empfundenen Nm-hruf. Er bedauerte es, da cs es heute so weit gekommen ist, dass die Menschen sieb in Hass gccenüberst^hen und sieh nicht mehr verstehe», und rühmte dem Verstorbenem nach, wie er es verstanden Labe, Liebe zu säen und zu ernten. Nun kommt für uns Jaden aus diesen Erlebnissen die bitter traurige Lehre: Auch wir >rcd mitschuldig an unserer heutigen Lage. Sehen wir uns in diesea Dörfern um. die schönsten Gehöfte von Juden geben Ln andere Hände über. Wir sind doch sehr in die Irre gegangen, als wir alle in die Städte zogen, und wir müssen den Weg ..Zurück" finden. Viele von uus linden; sich von falschem Schein blenden lassen und die Jugend dem Lande entfremdet. Wir versäumen auch jetzt noch die Zeit, die Dörfer veröden immer mehr, da zu wenig Nachwuchs da ist, der zurück geht. Ich fragte meinen Vetter, der selbst co-eft seinen Pflug führt, wie das komme, und er gab mir die treffende Antwort, dass w l r Frauen daran schuld s i n d. Denn die Frauen drängten in die Stadt uad wollennicht aufs Land zurück. Die Söhne sind iw die Stadt gegangen, um kloir.sb sbhü ng 1 ge Stel hi n gen a nz ti nehmen. und' die Töchter wolle« uaeh der Stadt Karaten. Wir mbw-u nun de« Hebel bei der Landjugend ansetzen, rnti^en sie wieder durch Vorträge und Belehrungen stolz auf ihr Vaterhaus, auf ihr Dorf, auf ihren Grund und Boden mache «. l)k*> ist der einzige Weg. den Ich sehe, um das deutsche Judentum zu retten. Meta Sander, Saht.

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