Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 26 (24.6.1932)
- Date
- 1932-06-24
- Page
- Seite 265 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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265 ‘ui/ v > rMZ SraNZKyHsLäEtze m Wsö-refth!sMA LA In unaufhaltsamem Eiltempo erfüllt sich t-a* deutsche Schicksal in Ostobe r sch t e f i e n. Sie politische, wirtsck^ftliä-e und kulturelle Absthuürung vom Mutterland zeitigt l>eute, zehn Jaure nach der Einverleibung au Polen, 'Ergebnisse, die man seinerzeit, als das deutsch-polimme Genfer Oberschlesien-Abtommen ins Wellen gesetzt wurde, kaum hätte ahnen können. Ans die Gründe dieser Entwicklung soll hier nicht näher eingegangen rverden, sie sind ja hinlänglich belannt. ,Was aber selbst dem kritischen Beobachter ostoberschlesischer DeutschtumZprobteme vielfach zn entgehen Pflegt, ist die A u s w i r 5 n n g d e r I n d e n s r a g e auf die Zukunstsgestaltung der deutschen Minderheit. _ Bis zum Umsturz gab es int heutigen Polnisä)- Oberschlesien, wie eben in ganz Deutfchland, kein besonderes kulturelles und politisches I u d e n p r o b l e m; die Bekenner jüdischen Glaubens zählten sich zur deutschen Bolkegemeinschast, das Deutschtum war ihnen etwas Naturgegebenes, ihre deutsche Heimat ein Heiligtum — neben den Heiligtümern der jüdisachn Religion und Tradition. Tie Sunthese von Deutschtum und Judentum hatte sich fast lückenlos gefchopen und -innerjüdifche Befriedigung und harmonisches Zusammenleben mit den chichtj irdischen Deutschen geschaffen. Als über Oberschlesien die schweren Zeiten der Umstünde und Bolksabstinummaen bereinbrachen. standen die Juden in geschlopener Front an der Seite der Heimattreuen Kämpfer, obwohl ihre Position als Deutsche und Inden — beides nach polnischer Aufsaltung sicherlich keine erstklassige Empfehlung — erheblich schwieriger^ als die Stellung ihrer christlichen Doltsgenopen war. Erst kürzlich hat die nwstoberschlesische deutsch-jüdische E.L.-Jugend anläßlich eines Eautresfens in' Beilthen dem im'Kampfe gegen die polnischen Insurgenten gefallenen 16 Jahre alten Schüler Rudolf Haase ein ehrendes Gedenken bereitet. Nach der Teilung vollzogen die zurückgebliebenen Inden gemeinsam mit den anderen deutschen Parteien als lopale Staatsbürger die itru vermeidliche politische Umorientierung. Aber über einen Kernpunkt ließen die Juden die neuen Machthaber nicht im Zweifel: in Frage n d e r P f! e g e u n d E r h a l t u n g deutscher K u {t u r g ü t e r g a & e s f ü r s i e n n r ein Znsa m m engehen m i t d e r d e u t - scheu T-l i n b e r I) e i t! Wie konnte man auch einem deutsch orientierten Juden znmnten, daß er von heute auf morgen seine deutsche Vergangenheit abschüttete und den Geist Goethes etwa durch die Welt eines Mickiewicz ersetzet Blau fand es vielmehr durchaus natürlich, daß die deutschen Juden sich im deutschen Boltebund m führender Stellung betätigten, daß sie die deutschen Theater materiell und ideell unterstützten und ihre Kinder in die deutschen Schulen schickten — kurz: das; sie einen festen Pfeiler für das Blinderheitsdentschtum bilden. Je mehr aber die Bereinigung der ehemaligen preußischen Gebiete mit dem übrigen Polen eine Vermehrung zugleich aber auch eine Ver« dünnung des jl.K'chen Bevölkerungsteiles mit sich braelge, um io stärker wuchs der'Einfluß der zugewanderten jsidistben Krene. wie sehr auär die kulturelle, soziale und wirtschajtliche Ueberlegenheit der b od e n ft a n d i g e n Juden such als ein Element der Beharrung erwies. Es ist zwar auch hier die soziologisch übliche Anpassung der zngewanderwn Kreise an die höhere Kulturfornr, die noch vorhandene deutsche Kultur, fest- Zustellen. Aber im Gegensatz zu den alten Trägern dieser Kultur von früher her, für die sie ein starker innerer Besitz war, verbinden die neu von ihr erfaßten mit dieser Hinneigung kein aktives und damit zugleich auch politisches Interesse. wre schon seit Jahren andauernde schwere Wirsichafsinotchat das deutsch-jüdische Problem rn mnobcr'chlesien für einige Zeit in den Hintergrmtd gedrängt — bis die letzten Wahlen"in die Repräsentanz der jüdischen Gemeinde in Katww:7; diese Frage wieder in den Brennpunkt des po.ttnchen Jnierepes rückte. Bei dielen kam es zu:n Versuch einer Politischen Auseinandersetzung zwischen den bodenständigen und den zngeu.nnderten Juden, die mit einem Wahlsieg der deussmftüdssck-en Grurpe endete. Betrüblich dabei ist aller rrez dieses Erfolges die Feststellung, wie ungnnmg sich zahlenmäßig die deutsche Gruppe zur o^üdischen Gruppe verhält. Da-s gleiche Bild ergibt sich bei der Betrachtung des 3 cfji! lwesens. Tie Kattowitzer deurime vRittel'chnle wird im ganzen nur noch von IW dettt'chssüdssMn Schülern besucht, während das Gymnasium und die Realschule zusammen kaum noch 40 zählen. Die Fragen, die l:ch dann! erheben, sind nicht nur für das de uw me Judentum in Oberschlesien bedeutungsvoll^ Sie ragen fchickfalhasss in die Zuknnnsaeww7wnng Deutschlands und Oberschlesiens überhaupt hinein. Dr. Friti Seifter (Bielitz). C.V.--Mwüm , f, . \ 1fj : -! ,f;> %P Vv/^VVi»fi ,!K Dor Landesverband des G. V. Rheinland- Westfalen cröffnete am Sonntag. 19. Juni, seine Tätigkeit zu den Reichstagswahlen mit einer DAegwrtentaguug. Mehr als 159 Delegierte aus allen Teilen des Bezirkes versammelten sich in dem Gemeindehaus. Zunächst sprach der Ehrenvorsitzende des Landesverbandes, Rechtsanwalt Dr. H e r z f e l d (E'wn). Bon der selbstverständlichen Wahlpflicht und der Nottvendigteit höchster finanzieller Opchrbereitschast jedes Juden ausgehend, legte er das Verhältnis des E. V. zu den Politischen Parteien dar und zeigte, wie im einzelnen praktische Wahlarbeit geleistet werden könne. Wichtiger als je sei es. daß dieses Mal 1 c i n e 3 11 m m e t> e r I o r e n g e f) e; infolge» deren müßten die jüdischen Wähler daraus achten, daß die Parteien, denen sie ihre Stimme geben, die Geltung der Reststimmen durch Anschluß an ein? andere politisch-nachbarliche Gruppe gesichert haben. Die E. B.-Parole: „Keine Stimme einer antisemitischen Partei" werde uneingeschränkt ausrechterhalten: von dieser grundsätzlichen Einstellung ans könnten daher die jüdischen Wähler alle Parteien unterstützen. die ihnen in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht Zusagen. Eine Parole zugunsten einer Partei oder einer Pareeigrnppieruna komme bei der Neutralität des E. V. unter keinen Umständen in Frage. Der G. V. erwarte, daß die Neichsregierung entsprechend ihren Erklärungen die verfassungsmäßige Gleichllerech tumng'für alle Staatsbürger unterschiedlos aufrechterhalte und im Großen wie im Kleinen an dieser ihrer Erklärung fest halte. Der Syndilnsdes G. B., Dr. Alfred W i e n e c (Berlin), warnte vor irgendeiner Verzweistungsstiumnmg. Gerade in dieser überaus ernsten Zeit dürften Worte wie: es helfe alles nichts, unter reinen Umständen laut noerden. Jeder Arbeit, die mir Blut. Kraft und mir warmem Herzen für eine Weltanschauung der Humanität und^Gerechtigkeit eingesetzt werde. sei Erfolg bescheren, wenn nicht sofort, so für eine spätere Zukunft. Robert Blähers Gesetz von der Erhaltung der Energie gelte nicht nur für chemisthe. sondern auch für geistige Kräfte. Wenn Gregor Btrasser im Rundfunk verkündeg habe, die' NSDAP. wolle keine Juden- Verfolgungen, so solle sie dies beweisen, indem sie die hemmungslose Hetze in Wort und Schrift in ihren eigenen Reihen unterbinde. Darüber hinaus aber gäbe es auch eine Judenverfolgung sozusagen,,aui kaltem Wege". Die Bestrebungen der Nationalsozialisten, den sogenmmtcn jm dischen Einfluß im Thmter und Rundfunk, im Akallemikertum und in der Geschäftswelt aus« znsäalten, seien rillig einderrtig. Hiergegen werde sich der E. B. und das deuts.che Judentum bis zum letzten mit größter Energie ivenden. Dem A n t i sem iri s m u s der nativu o z i a l i st i s dien Beweg u n g n n d dessen brutalen Auswirkungen enrgegenzn treten, dürfe der E?-V. nicht a b la s s e n. Wo dieser Kampf geschickt und opferwillig geführt werde, feien überall Er'elee nackzuweilen. Wer unter den deutschen Juden die letzte Ella nee. die die Reichtagswahl im Kamps gegen den AntisemitismuZ gebe, nicht ersinne oder gar übersehe, könne sich nachher nick 7 wundern, wenn ihm hart zngesttzt werde. Jeder deutsche Jude müßte namhafte Opfer für den E. V. und für die Partei, der der einzelne angeb.ört, bringen. Nur wer alles bis zum äustersien einsetzt, ist des sicher wieder hereinbreawmden Zeitalters der Humanität und der roaeren Gleichberechtigung würdig. Eine lebhafte Aussprache schloß sich an die mir wärmstem Beifall ausgenommenen Referate. Redner aus den verschiedenen Teilen des Lantesrereandes kanten za Worte. Einmütig wurde t-er Arbeit roie dem Programm des C. V. Dank, Bei'all und Zustimmung gezollt. Ein Vertreter des R. I. F. machte verschiedene interessante Mitteilungen aus seinem besonderen Wirkungskreis. Vou anderer Seite wurde darauf hingewiesen. das; die geistigen Strömungen der Nachkriegszeit sorgsirliiger verw-lak lverden müßten: denn erst die Untersuchungen der Strömungen wie der gemhlsmäßigen Triebe der Gegenwart ergeben die rechten Grundlagen für eine zutresstndr Beurteilung un'erer Zeit. Der Syndikus des Landesverbandes Hessen- Nassau und Hessen, Dr. Martin M a r r (Frankfurt, machte eine Reihe interessanter Mitteilungen aus dem he^si^chcn Wahlkamps. Er roies ettf nette wrchologische Nllethoden hin, die gerade in den letzten Tagen im Freistaate Hessen erfolgreick e Anwendung fanden. Es werde zu überlegen Bin. wieweit diese gefühlsmäßige Propaganda auch aui die E. V.-Arbeit Anwendung finden könne. tsiach den Schlußuoorten der beiden Referenten dankte der Vorsitzende des Landesverbandes, Rechtsaumalt Dr. H rombach (Essen), allen für ihr Erscheinen und dem. Vorsitzenden der Orto gr'.'pve Dort m u u d des E. V., Rechtsamvall Dr. Koppel, für die herzliche Gastsrruud'chass. A.n Vormittag hatte der engere Landesverband-Vorstand in seiner mehrstündigen Sitzung grni.d'ätzUche Fragen programmatischer und loch--Acker Art anläßlich) der Reichstagsrvahlen erörtert. Der Eindruck der Tagung war sehr stark. Es Kkueu erhebende Stunden, die die überfüllte Versammlung erlebte. Den Geist dieser Stunde in sideo jüdische Haus Rheinland-Westfalens zu tragen, war das Gelöbnis jedes einzelnen, der sie miterleben durste.