Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 26 (24.6.1932)
- Date
- 1932-06-24
- Page
- Seite 262 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2ö2 „d a ß der Hunderts a tz j ü d i s ch e r Z w angs - und K onk u r s v e r no a l t e r den H u nd erLsatz tu; Iu b c n in der © c f n in i b e t» ö t f c r ni n -j r e u ü e n 3 nicht ü bersteig ist Wo bleibt da die Logik! Wenn nmn schon von Pro-entuorru. spricht, so müßte sie doch nach de..! der Juden ßu Handel und Industrie iw den genannten Amtsbezirken berechnet werden! Im Augenblick wichtiger als alle Drohungen ist die Praxis im -Reiche, dort, wo die Nationalsozialisten Las Zepter schon schwingen oder wo man es mit ihnen nicht verderben will, weil man ihre Macht oder gar ihren Terror fürchtet. - Wir können hier nur einen Ausschnitt aus dem umfangreichen Material vorlegen, das tagtäglich im Centralverein einläuft. Zuerst die Theater. Tie Zahl der Bühnen im Reiche, die nur „arisches" oder „nach Möglichkeit arisches" Personal ernstellen, wächst. Nicht alle erklären freimütig diese Absicht bei Einstellungen. Es ist zwar nicht sehr mannhaft, aber so bequem, einen jüdischen Künstler aus künstlerischen Gründen abzulehnen (beileibe ist damit nicht gesagt, die Ablehnung jedes jüdischen Künstlers sei auf Antisemitismus Zurückzuführen). lieber die sich weiter verringernden Möglichkeiten jüdischer Angestellter, in bestimmte Betriebe hineinzukommen, ertönt ja seit langem das Klagelied. Mit vollem Rechte! Mit den Aufforderungen natieualsozialistischer Zeitungen, nicht in jüdischen Geschäften zu kaufen oder nur „deutscholütige" Berkaufsstätten aufzusuchen, mit den Namensverzeichnissen „deutschblütiger" Kausleute, Aerzte, Zahnärzte, Anwälte setzen wir uns, den Lesern dieses Blattes bekannt, seit langem auseinander. Wir haben die jüdischen Akademiker auf diese Gefahren aufmerksam gemacht. Ein juristisches Schrifttum ist auf unsere Anregung und unter unserer Mitwirkung entstanden. Auf dem Rechtswege haben wir vielfach schon klare Urteilsspräche erzielt, die keineswegs einen Sieg trockener Paragraphen, sondern für die Praxis, für den Alltag viel bedeuten. Tie Fortschritte dieser nationalsozialistischen Boykott Propaganda sind sehr unterschiedlich. In den Großstädten sind sie bisher weit weniger zu spüren als in den Kleinstädten, aber auch keineswegs überall. Tie Erfolge hängen von dem Fanatismus und den: Einfluß örtlicher Führer, der Innigkeit des Zusammenlebens jüdischer und nichtjüdischer Einwohner, von der religiösen Zusammensetzung der Bevölkerung (evangelisch oder katholisch) ab. Tie Einstellung der Stadtverwaltung spielt teilweise eine entscheidende Rolle, nicht immer die der Landesregierung, die oft nicht so durchgrcisen kann, wie sie es vielleicht des Handels - und Wandels, des Fremdenverkehrs wegen, aber nach weit sie von Terror und Boykott ungerecht und unzulässig bedrohte Minderheiten zu schützen sich für verpflichtet hält, möchte. In einigen Städten des Reiches geht es toll her. Bon Gnoien in Mecklenburg ist hier schon wiederholt gesprochen worden. Wir wollen nicht vergessen, daß brave jüdische Familien sich einfach nicht mehr halten konnten und, jahrzehntelang am Tue, das Feld, sozusagen als Flüchtlinge, räumen mußttu. Neuer- Bad Wildlingen heu: Hierancn* c Acc-flleiden. Kote» Kaiserhof. Haas ms: allen Komfort der Nenze;:. Herrliche La^c. St re: _:e HL.*!: vrnue. Volle Pension von ” —l'is 9,—Besi;."er: ff. Schumacher. dinas ■ ip :ven st J°, in t er ein.;.,: ■lttu fr: imi? chen Srädc ul " die T in CC zm Cervc hnlich d ort. wo die : 'st'.st. r-.alsv' illttm dis llll cbrheit iu der Etttt wer'; tttuu . 'mn und T dccmoste r stc üvn. Tie ttttiche i'.uscho Tunen c.i.st nicktt von heute us morgwi li .wcrn, cwur anst-!: ige jüdisW i;: itt’ücmr r ucchuwz . ii )nen u:Uichst den ge iU'ftli ttu abschneiden — dazu reichen Mut und Tüchtigkeit. Wir haben Berichte eines unbedingt zuverlässigen Reisenden aus Re u s: ad t an der Aiich (Franken) gelesen, die verdienten, allen dcur'chen Juden ebenso wie allen gcrew ttn und einsichtigen deutschen Christen ins Haus geschielt Zu werden. Wenn das Trittes Reich sein soll, daun ade Gerechtigkeit und Wohlanständigkeit, dann ade Bürgersinn und Eewcrbesreiheit! Wer die Geister rief, der wird sie nur chw-er wieder los. Sie toben heute gegen Juden, denen nichts vorzuwersen ist, als daß sie Religion und Staurmesgemeinschast die Treue hatten. Sie werden sich morgen andere Ziele ausjucheu und diese bedrängen: denn solcher Haß ist stets, wie der Tiger im Buche, hungrig und gierig auf etwas, und von ihm lodert ein „Verzehrend Feuer" her, das letztlich den verbrennt, der es mutwillig anfachte. Tie Gefahr solcher Boykottbewegung dnrf nicht gering geachtet werden zu einer Zeit, wo kein Berufs stand auf Rosen - gebettet itt und wo die Sclbststlcht oft mit geschäftlichem Anstand und beruflicher Ehre' in Krieg gerät. Es gibt schon genug Leute in Kleinstadt und Großstadt, die sich das Stoßgebetlein zu eigen machen: „Lieber heiliger Florian: Behüll mein Haus, zünd' andere an'." Tas ist ja gerad-e das Rafsinierte und Ernste dieser Boykoktbewegung: Sie wird in einer Zeit vorgetragen, wo die Betroffenen unschuldig doppelt gestraft werden: Erst haben sie schwer unter der Mrr'chaftsnot unserer Tage zu leiden — die Juden noch verstärkter, weil sie großenteils in Berufszweigen sitzen, die schürstr als andere mitgenommen sind — und dann will ihnen noch der politische Boykott das Lebenslicht ausblasen. Cft versündigt sich jemand, kein Richter weist es, keine Sühne erfolgt. Aber manche Sünden tragen ihre Folgen in sich. Niemand entgeht ihnen. Weltgeschichte wird dann Weltgericht. Nichtiger Zeitgeschichte: Zeitgericht. Wer es unternimmt, einem Deutschen die Ernährung zu unterbinden nur deshalb, weil ihm die Rast nicht gefällt. Tine rolitnch: Einstellung nie.c . schlägt den Aww rächen jedes Siams:.' V'i sich und seine Familie anständig du.v.. .estwen. ins Ge acht. llud er enirntttt wu rnrnW aller gegen alle. Warum hw.w bei dem. Juden hattmachwW Tun sozialistischen öTttlcr keinen Gre'chen Verdienst mehr und zum katholischen Krämer keinen Pfennig getragen! Ter organisierte Arbeiter wird dann die Ladentür des deuischnarionalen Waren Hauses nicht mehr austliuken! Und wenn der jüdische Künstler vcrsthutt wird, dann bitte j folgerichtig >'siehe die für Ratronalwzialisten bc- : legten Sitzreihen des Dessaus? Theaters!): Nur Künstler onstetlen, die der Nationalsozialistischen ’ Partei arge schlosien sind, und keine „Unterj menchen" anderer Parteien. j Es ist ja so merkwürdig, daß sich nach! unserer Ittiwrzeugung im Verhalten zum Juden oft die Gerechtigkeit und Wertigkeit von Menschen offenbart. Nach soziologischen Gesetzen wird an irgendeiner Minderheit, als „dem Teil i des kleinsten Widerstandes", oft das ausprobiert,; was anderen Mehrheiten vielleicht zugedacht ist. Wir sind gewiß nicht froh, gerade im deutschen Vaterland diese „Probierrolle" spielen zu sollen. Wir werden sie aber weder feige noch lau hinnehmen. Wir werden uns mit der sittlichen Kraft, die uns innewohnt, dagegen ausbäumen und wir werden alle die in unserem deutschen! Volke, die der Haß nicht blind macht und die j sich nicht vor Angst hinter dem Wen verkriechen. > immer wieWr aufrusen. Wir werden cs der j Prelle und den Behörden, den Fachorgaui-! sationen, den Handelskammern, kurz allen Be-; teiligten weit nachdringlicher als bisher unter- | breiwn, daß wir nicht gewillt sind, Juden, nur i weil sie Juden sind, aushungern zu lasten. Wir werden überall in Deutschland vor den Gefahren dieser Boykottpolitik für Handel und ' Wandel, für Beruf und Amt warnen. Wir : werden jeden erlaubten Weg bcschreiten. der uns weiterLringen kann, und unsere alten Wege ausbauen und verbessern. j Aussprechen, was ist: Ter judenfeindliche; Boykott ist eine Gefahr, ist die Gefahr. Ter Nationalsozialismus ist entschtosien, diese Waffen gegen uns tatkräftig zu schwingen. Wir sind uns klar, was dagegen zu tun ist. Jede gute Anregung, jegliche Unterstützung sind uns willfommcir. Wer aber gleichgültig beiseite steht oder nichts Best eres zu tun weiß, als hämisch! an den Karnpfcnischlossencn herumzumäkeln — Schande über solche! -'S V "s^ V" v' A -y - i / Zur Ru:r"unk?c)s Oreöö? Sirafftes Als durch Machtspruch der neuen Reichsregicrung ein Nationalsozialisr zum nrodernslen NRasicnpropagandamittc!, dorn Rundfunk, zügeln'Tn wurde, da erwartettu die Parteinnhänger die Erfüllung der Losung, die sie seit Monaten mit partewssiziellcm Feuereifer iu die Wett postmut' hatten: „Ruv.dstrnk frei für stiller!" Aber cs kam anders, stiller wollte sich ossencar nicht ohne die fa.wüsirrerde Wirkung. die vom Anblick einer viel-auwndköpfigen gläubig c Bumsten Menschcnmcr'.ge ansacht, vor die Ätasieu wagen. Leim Forriall des optischen Reizes geht das Sprechen schwerer ur:d verantworrrmgsooller vonstalleu, das stören kühler und kritischer, stiller mag gute Selbsterkenntnis bewiewn haben, als er die i.nacheure Chance der erster: heißcrkämpncu narianalsozialiilischeu Rundfunkrede nicht dadurch'Zunichte machte, daß er seine Rednerstnnst unter Gesetze zwang, denen sie Härte unterlicgLn mästen. So sprach Hitters sachlicherer Jünger, der Neichsorganistuionslciter der Partei, Gregor S t r a s s c r. Er vermochte es. derr Ruf im allgemeinen zu rcchn'errigeu, der von ihm als von einem der überzeugte n Parteiführer spricht, von einem, dcur es vor allen Trugen mit dem. was er unter Sozialismus versteht, ernst ist. Sicht man von der parteipolitischen Natur der Giirzeiwrderllngen eb, die hier nicht iutewssiercu, und bringt man auch das schroererc Kunststück sc rüg, die uagcuW Frage zu unterdrücken, wir all diese herrlich tönende Harmonie zwi'-chcn Sränden, Klassen und Menschen aus dem kstugcndeu Reiche der Worte aus den