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Central-Verein-Zeitung · 1932-06-09 · 24 (9.6.1932) · p. Seite 246

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
24 (9.6.1932)
Date
1932-06-09
Page
Seite 246 (sequence 2)
Language
German
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Lestechungsunwesen in der Handelskammer 31t Berlin seine ordentliche Hauptversammlung abgehalten. Aus dieser Tagung erklärte der Borsitzend^, Ministerialrat a. D. Tr. Buhl von. der I. G. Farbenindustrie: „Ter VertrauenZbruch zahlreicher Wirtschastssührer, wie Lahustu, Katzenellenbogeu u. a. m., hat das Vertrauen weitester Kreise erschüttert. Nur die rückstchlslose Befreiung von derartigen Elementen gibt die Gewähr sür eine Gesundung der Wirtschaft/ Wir wissen, daß in völkischen Kreisen besonders die Vorgänge im Schultheiß- Konzern als Argument gegen die Juden in Deutschland benutzt worden sind. Wir haben kein Interesse, das Vorgehen des Herrn Katzenellcnbogen — der übrigens dem Judentum längst den Rücken gekehrt hat — in irgendeiner Weise Zu rechtfertigen. Wir beabsichtigen auch keineswegs, eine Berechnung darüber aufzustellen, ob die Schaden, die die Gebrüder Loh usen oder die Generaldirektoren der Favag der deustchen Wirtschaft zugeiügt haben, ernster waren als die Aktienmanipulationen der Gewaltigen des Schultheiß-Konzerns. Sie sind inzwischen schon wieder durch die eigenartigen Vorgänge im B u r b a ch - K 0 n z e r n überboten worden, die, zart ansgedrückt, als ein schwerer Mißbrauch den Aktionären gegenüber angesehen werden müssen. Mit Recht aber werden wir uns gegen die Behauptung verwahren müssen, daß diese Borkomnuliise ausschließlich den jüdischen Teutschen zur Last gelegt werden dürfen. Tie Not der deutschen Wirtschaft hat die Reichsregierung gezwungen, zll schärf ft e n A b lv e h r m a ß n a h m e n zu greisen. Wie in einer belagerten Festung, ist jeder heute verpflichtet, sich Mitverantwortlich für die Allgemeinheit zu suhlen. Niemand hat das Recht, Bestände aus der elfernen Nation ohne Erlaubnis der Kommandierenden der Festung sür sich zu verbrauchen. Seit dem Abzug der ausländischen Kredite im vorigen Jahr, kärnpft Deutschland um den Bestand an Gold und Devisen, die es sür die A u s r e ch t e r Haltung seiner Währung braucht. Ter zurückgetretenen Regierung Brüning wird man es hoch anrechnen muffen, daß sie sich mit aller Energie gegen jedes inflationistische Experiment gewehrt hat. Ta gerade wir deutschen Juden wissen — was in diesen Blättern oft betont worden ist —, daß die Inflation uns selbst den schwersten Schaden zugefügt und zur Verelendung des jüdischen Mittelstandes beigetragen hat, werden wir alle diesenigen als s ch w e r st e S ch ä d l i n g e d e r deutschen Wirtschaft bezeichnen müssen, die um ihres-persönlichen Vorteils willen sich an den eisernen Bestanden der Währung vergreisen. Mit Abscheu stellen wir fest, daß aus der Liste der Devisenschieber and) jüdische Namen zu finden sind. Wir halten das Vorgehen der Zollsahndungsstelle lind der anderen Behörden gegen sie für völlig berechtigt. Tie Staatsgewalt muß gegen sie Vorgehen wie gegen jeden anderen Verbrecher. Aber wenn wir von diesen Menschen abrücken, dann zerschneiden lvir das Tischtuch zwischen ihnen und uns genau so, lote es jeder andere Deutsche tun würde, der in einent Abwchrkampf nichts mit Fahnenslüchtigen gemein haben möchte. Ist es nötig, immer wieder Zll betonen, welch großen Anteil die deutschen Juden an de:n Aufbau der deutschen Wirtschaft hatten, nur deshalb, weil sich unter den Tausenden und aber Tausenden von Juden, die in der Wirtschaft tätig sind, auch vereinzelte finden, die mit dein Wege strauchelten? Muß inan wirklich darauf Hinweisen, daß die Gebrüder S f t a r e f keineswegs den deutsch-jüdischen Kaufmann repräsentieren? Oder würde etwa jemand zu behaupten wagen, daß der P a st 0 r Srenter, der jetzt int Tevaheim-Prozeß ebenfalls in Moabit auf der Anklagebank sitzt, das Beispiel für einen deutschen Geistlichen bildet? Gewiß, die Eerechtdenkenden aller Lager werden mernals solche Verallgemeinerungen anstellen. Aber mehr denn je ist es jetzt Pflicht der EM WEM kLÄÄ bZS ErNÄöWÄs Am Sonntag, dem 5. Juni, trat der Arbeitsausschuß des Ceniratvereins zu seiner Frühjahrssitzung zusammen. Mitglieder aus allen Landesteilen waren erschienen und nahmen lebhaftesten Anteil an den Beratungen. In der Leitung wechselten Justizrat Tr. Brodnitz, Tr. Bruno W eil und Tr. H e r z s e l d (Esten) ab. Angesichts der schwerwiegenden Veränderungen in der politischen Cesamtlage und der wachsenden Schwierigkeiten, denen das delltsche Judentum in seiner politischen und wirtschaftlichen Stellung ausgesetzt ist. war es selbstverständlich, daß der ganze Vormittag den lebenswichtigen Fragen der staatsbürgerlichen Stellung der deutschen Juden gewidmet war. Referate von Tr. Ludwig Holländer und Tr. Bruno Weil zeigten die Hauptlinien für diese politischen Besprechungen, die durch Einzelberichte der Freunde aus allen Landesteiten ergänzt wurden. Bei aller Verschiedenheit der landschaftlichen Färbung zeigte sich wieder die Geschlossenheit in Grundanschauung und Ziel: in der Liebe zur deutschen Heimat j ü d i s ch e n Deutschen, besondere Disziplin u n d taktvolle Zurückhaltung zu üben, um ihren Gegnern jcde Möglichkeit eines Angriffs zu nehmen, eingedenk der Worte Walther Ra-Henaus: „W i r t s ch a f t r st nicht P r i v a t s a ch e, sondern Gemeinschastssache, nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Absoluten, nicht Anspruch, sondern Verantwortung/ unbeirrt durch alle -Anfeindungen für die Erhaltung der Gleichberechtigung der deutschen Juden zu kämpfen. Zur Verwirklichung dieses Zieles sollen unsere Kräfte stärker noch als bisher auf die Abwehr der judenfeindlichen Angriffe und die Aufklärung urfferer nichtjüdischen Mitbürger gesammelt werden. j Daß diese äußerste Anspannung zur Bewältigung der an jedem Tage neuerwachsenden Ausgaben erforderlich ist, war die lleberzeugung aller ArbeitsansschußmiLalicder. Deshalb hat jeder Einzelne von ihnen sich bereit erklärt, tatkräftig in seinem Bezirk an der Aufklärung unter Mitgliedern und Nichtjuden mitzuarbeiten. Auch die Haupivorstandsmitglieder sollen sich verstärkt in diese praktische Arbeit eingliedern, um die Front der geistigen Kämpfer zu verbreitern. j Unter dem alles beherrschenden Eindruck dieser Notwendigkeiten standen. auch die Beratungen wichtiger verwaltungsmäßiger und kulturpolitischer Einzelfragen, die den Nach- : mittag des Sonntags ausfüllen. Referate i des Vorsitzenden des Verwalmngsausschufses, I. Baruch, und des Syndikus Dr. Alfred Wiener gaben hierzu die Grundlagen. rr W.MA E32H ln örr W" Anläßlich der Generalversammlung der Ortsgruppe Berlin-Charlotten bürg des Eentratvereins sprach Tr. Ludwig Holländer am 7. Juni im Berliner Logenhaus über das Thema „Deutsche Juden in der Krise". Einleitend machte er die Einschränkung, daß er zwar als Direktor des Eentratvereins spreche, aber in alten parteipolitischen Fragen lediglich seiner persönlichen Meinung Ausdruck gebe, da der Verein parteipolitisch neutral sei. Tr. Holländer ging von dem Kabinettswechsel aus, der gezeigt habe, wie starke Kräfte am Werke seien, die die Balken der heutigen Verfassung in Brand setzen wollen. Wenn auch die heutige Regierung sicherlich gewillt sei, die Rechte der Inden zu schützen, so dürfe man die bestehende Gefahr doch weder übersehen noch verkleinern. Die Fragestellung, die vor drei Jahren noch undenkbar schien, ob die Juden tatsächlich noch ihre verfassungsmäßige Gleichberechtigung als unbedingt gegeben betrachten können, ist heute nicht mehr eindeutig zu bejahen. Weit über die Kreise der Judengegner hinaus gilt heute die Forderung nach Gleichberechtigung aller Rauschen als das Postulat eines angeblich längst überwundenen Liberalismus. Der Kampf um die Ideale eines richtig verstandenen Liberalismus, der mit dem sogenannten Asphaltliberalismus nicht das geringste gemein hat, ist der Existenzkampf nicht nur der Judenheit. sondern auch des Judentums. Denn alle die Voraussetzungen des Liberalismus, wie Menschenwürde, menschliche Freiheit und dergleichen, sind auch die Grundlagen der Thora. Ter neue Nationalismus bedeutet das Aushören des R e ch t s und den Sieg der an röche Goto alt gebundenen Macht im Staate. Alles soll zerstört werden: nur die Kräftigsten, die das Chaos überleben. sollen den Staat führen. Früher sprachen wir von dem nationalen Ideal des Staates, in dem Sinne der Wohlfahrt der Bürger, der Freiheitlichkeit der Einrichtungen, der Zukunstsfreudigkeit, die in jedem Bürger liegen soll, und das verbindende Band war der Glaube an ein Vaterland, das letzten Endes im Geistigen, in Sprache. Sitte und Kultur lag. Indem der Rationalismus auch geistig alles uniformieren will, führt er die Menschen aus das Gebiet des Tierischen hinüber: sie werden dressier3e Elemente eines rohen Machtwillens. Auf diesem Hintergründe spielen sich dann Ausschreitungen ab, wie sie sich in den letzten Tagen in kleineren und mittleren Städten Deutschlands und in Oesterreich immer wiederholen. Wenn wir uns fragen, wieso es soweit gekommen ist. w erkennen wir die Schuld in dem immer stärkeren Umsichgreifen einer rohen Materialist-'sichen Betrachtungsweise. Von der Masse hat di/e Anschauung auch auf eine große Zahl Gebildeter übergegristcn. , Tie meinen, nur die reinblütigste Raste sc: in der Lage, eine vaterländische Politik durch Zufuhren. Tatsächlich scheint diese Gedankcnführung durch die großen Enttäuschunaen auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete, die lvir seit 1916.19 erfahren haben, gestützt zn werden. Zu den politischen Enttäuschungen ist der Bankrott der freie n P r 0 d u t t i 0 n gekommen. Auch hieran soll nun der „langüberledte LideralGmuM schuld sein. Es allst verschiedene Arien, von Liberalismus: politischen, wirrschastlichen, religiösen nswu

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