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Central-Verein-Zeitung · 1932-06-09 · 24 (9.6.1932) · p. Seite 245

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
24 (9.6.1932)
Date
1932-06-09
Page
Seite 245 (sequence 1)
Language
German
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14. 6.1S32 / Serlin, 9. Juni 1932 XI. Jahrgang * Nr. 24 Einzetnummer 2S pfenyfto vr"‘ { - :?; 1 > c"; l; i i , V-!! y 5 WM -'ssjfcja. '7 Allgemeine Zeifung des Judentums Brerteliahrsadonrrsrnent 2.25 RM. (zuZügl. sj-eftc-gO). Verlag ua- Echriftleittrug: B^rllrr V7 15, Cnfec 6tx. 42. F-insprechrr: J 2 OHm 5071 P2üschL^k:?.Lo: Berlin 304 72. .:. Bankkonto: Dresdner Bank, Depositenkasfr 81 _ Serliit^Stlziicsisif 1 Hohrn-ouerndanrnr 1S6, urJ> von Soldschnridt. Rothschild L Lo., Be-lin W 8. «üernrge Tnzergenanna^rnr: «nnan^n-Crpeiitton S^SoIf Söffe, Berlin SW ICO, und deren Filialen. AnZeigenPreise: 0,L0 JUL für Me Tgcrpaliene Seife nach Rudolf Mosses xormalzerlennier.ev Nr. 4, Fninürrnanz-ig-n uni SrellenZ-suchr (nicht EtellrnanLeLsrr) für Sirglisier des Lentralvereins 0,45 JUL, die 62 mm breite ReLlarnezerle 3,5-0 JUL £>/*» A ,s * T\ Ck^ '"'V A 4 ffl -f? .7/ jf V’ 4/V v L# -m? V -w/ 'V <*v Dr. M. E. Mit linernrariefer Schnelligkeit hat sich dis Regierungsbildung irr der letzten Woche vollzogen. Zn dein neuen Kabinett vom allgemeinpolitifchsn Standpmckr aus 3fcHmi3 zu nehmen, ist nicht unsere Ausgabe. Als überparteiliches Organ haben wir auch keine parteipolitischen Forderungen an das neue Kabinett zu stellen. Aber wir dürfen und müssen von ihm fordern, daß es die bürgerlichen Rechte der deutschen Juden, ihren und erfahrbaren Anspruch auf volle bürgerliche Gleichberechtigung anerkennt und schützt. Das neue Kabinett hat in einer Regierungserklärung die äußeren Umriffe seines Programms gezeichnet und dabei erklärt: „Im übrigen macht die Regierung in dieser Stunde keine Versprechungen. Sie wird handeln, und man soll sie nach ihren Taten beurteilen." So wollen auch wir keine Versprechungen, wohl aber Taten, wenn der immer heftiger brodelnde Judenhaß energisches Turchgreifen erforderlich macht, lind wir vertrauen dabei aus den neuen Reichsinnenminiüer Freiherrn von Gay!, der in einer Aussprache über die politische Lage Zu einem Vertreter der „0 fr - preußischen Zeitung" sagte: „Die Regierung werde es sich angelegen sein lassen, nicht nur für Ruhe und Ordnung, sondern auch für das Recht und die Sicherheit des einzelnen Staatsbürgers zu sorgen." In welchem Umfange Recht und Sicherheit der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens täglich bedroht sind, lehren die sich ständig wiederholenden Terrorakte, von denen wir einige Beispiele in der letzten Woche mitgeteitr haben: lehren Reden wie die des nationalsozialistifchen Fraktionsvor sitz enden im preußischen Landtag, Kube, Dersannnumgen wie die des Abgeordneten Leers, bei denen, er vor Hunderten von Jugendlichen Sätze spricht, die diese Jugend zu Ausschreitungen eufhchen mästen. Und schließlich zeigt es uns ein Interview, das der nationalsozialistische Rcichsragsabgeordnete Hauptmann Goering einem Vertreter der „6a?wttL de! popolo“ gegeben hat. Oie rin entwickelt er ein Programm für dis Entrechtung der Juden in Deutschland, das der italienische Journalist mit der Bemerkung wiedergibt: "Das fafchiftische Italien habe für. einen solchen A u s b r u di d e § Judenhasses fein Aerständnrs: dieser Haß un d d i e F o r m seinerAeußerung wirken auf die Italiener abstoßend." Wir erwarten, daß die Regierung Verständnis dafür hat, daß sich die deutschen Juden durch derartige tätliche und wörtliche Bedrohungen gefährdet sehen und deshalb mit aller Schärfe die Wahrung ihrer verfassungsmäßigen Rechte verlangen. - Eine der ersten -Handlungen des neuen Kabinetts war die Auflösung des Reichstags. Ter Wahlkampf beginnt bereits in diesen Tagen, und gegenüber der Bedeutung dieser Wahl „Ein Kaufmann kann Hopnungm _ schöpfen von heut auf morgen, immer wieder Hoffnung, weswegen ist er noch kein Betrüger. Er ist ein Sanguiniker, wenn du willst, ein Dichter, der in einer W-elt von Jllupwn lcdr, — oder aber er ist ein wirkliches Genie, der Land sieht, wo kein - anderer es sieht." (Björnfon: „Ein Bankrott.") Tie Welt ist aus den Fugen. Kein Tag vergeht. an dem nicht auf dem Schlachtfeld der Wirtschaftskrise neue Opfer fallen. Roch immer peinigt die Geißel der Arbeitslosigkeit die führenden Industriestaaten. Stets höher steigt die Kurve der Konkurse. Die Vereinigten Staaten, Südamerika, England, jetzt auch Frankreich und viele andere Länder befinden sich inmitten dieses Strudels. Hilflos scheint die ganze Menschheit auf einem Schiff ohne Steuerung durch den tosenden Ozean zu treiben. Niemand weiß, wohin der Weg der Wirtschaft führt. Große Wandlungen sind im Sange. Noch immer ist kein Land zu erspähen. Denn wir sind noch längst nicht „hundert Meter vor dem Ziel". Tie Krisis, unter der die ganze Welt seufzt, lastet am schwersten auf Deut s ch l a n d. Hier machen sich ihre Folgen am stärksten bemerkbar. Dieser unblutige Krieg fordert in unserem Vaterland schwerste Verluste. Viele Firmen von hohem R a n g sind in der letzten Zeit z n s a m m e n g e b r o ch e n. Alter und Solidität konnten sie nicht vor dw°em Schicksal bewahren. Der Sturm, der über die dcutftcho Wirtschaft hinbraust, hat viele Häuser in ihren Erundfesien erschüttert. Durch Zusamm.enöruch des einen Unternehmens wurden viele anders mit in das Unglück hinemgezogen. Denn der Steuermann, der sein Schiff durch diese wildbewegte See hindurchlteuern will, muß nicht nur eiserne Nerven, sondern einen klaren Kopf besitzen. .chZn schlechten Konjunkturen", so laßt Björnson deni bankrott gewordenen treten auch die Ergebnisse der Parlaments- Wahlen in den Landern fast zurück. Wir registrieren lediglich, daß die Nationalsozialisten in Oldenburg die absolute Mehrheit erreicht haben, daß ihnen in M e ck l e n b u r g dieser erwartete Erfolg nicht geglückt ist, und wir erwarten, daß jeder deutsche Jude bei den Wahlen in Heften seine Wahlpflicht in dem allein rnöglichen Sinne: „Gegen den Judenhaß, für die Erhaltung der Verfassung" erfüllen wird. Auch für die R e i ch s t a g sw a h l kann es für uns nur diese eine Parole geben. Don S>r. Kurt Zielenziger Großkaufmann erwidern, „auf die guten hinspekulieren, das muß Sache der Leute bleiben, die es können, andere müssen die Hände davon lassen." Mit Bedauern haben wir fesigesiellt. daß.sich unter all den Firmen, die ein Opfer dieser Zeit geworden sind, auch Häuser befanden, die von deutschen Inden begründet und geführt wurden, Unternehmungen, deren Namen einen Klang hatten, die der deutschen Wirtschaft nicht nur in Deutschland selbst, sondern weit über seine Grenzen Ehre machten, und auf die wir als deutsche Juden stolz sein konnten. Wir haben auch mit Erschrecken aus den amtlichen Berliner Konkurslisten gesehen, wie stark Firmen jüdischer Inhaber betroffen sind. Ein Berveis dafür, daß die Krisis die Juden in Deutschland doppelt schwer trifft, weil sie nicht nur unter der allgemeinen Wirtschaftsnot leiden, sondern auch betroffen werden von den Krisenerscheinungen der Wirtschaftszweige. in denen gerade Juden eine besonders starke Stellung hatten. Llber jenen Unglücklichen stehen die anderen gegenüber, die als Glücksritter glaubten, aus der Not der Zeit eine Tugend machen zu können. Oder auch jene, denen der Boden unter den Füßen schwankte, die aber unfähig waren, eine ehrliche Bilanz zu ziehen. Wie cs der nordische Dichter in seinein heute höchst aktnellen Drama dem Bankrotteur entgegenhalten läßt: „Sagen Sie klipp und klar: Ich habe nicht den Mut. ein neues Leben anzusangen — ein Leben ohne Lüge." Wenn etivas die Lage in Deutschland erschwert hat, wenn eine Tatsache dazu beitrug, das Ansehen der deutschen Wirtschaft auch im Ausland herabzusetzen, dann waren es die W i r t s ch a f t s s k a n d a l c, die immer wieder die Oeffentlichkeit beunruhigten. Bor wenigen Tagen hat der Verein gegen oas GchZdDss der WWchsft /

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