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Central-Verein-Zeitung · 1932-06-09 · 24 (9.6.1932) · p. Seite 247

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
24 (9.6.1932)
Date
1932-06-09
Page
Seite 247 (sequence 3)
Language
German
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247 ihnen allen ist gemeinsam die F r e i h e i t v o n solchen Bindungen, die unnütz erschein e n. Es rs: ein Verbrechen, wenn man in einer Zeit wie der heutigen auch von jüdischer Seite immer wieder Predigt, „der Liberalismus ist für alle Zeiten verloren. Kommt, wir gehen jetzt gegen ihn vor". Wir alle säßen nicht hier, wenn es nicht einen Liberalismus gegeben hätte,der gelehrt hat, datz derMenschalleinnach seinem inne - r e n W e r t, n i ch t nach Abstammung, sog. Blutsgemeinschaft, und Religion zu messen i st. Wenn wir dw Art an den Liberalismus legen, dann können wir uns nicht wundern, wenn wir nicht mehr als Deutsche empfunden werden. Selbstverständlich gibt es auch bei dem Liberalismus' Auswüchse und verpaßte Gelegenheiten seiner Weiterbildung. Aber wir müsieu uns ernstlich fragen: Wie werden wir uns vor der judenfeindlichen Welle retten können, wenn wir iunner auf der Weltanschauung herumtrampeln, die uns die Gleichberechtigung und dem gesamten deutschen Volke Jeine Stellung in der Welt gebracht hat.— Wir niüj]en ferner klar zum Ausdruck bringen, daß wir uns mit gewissen Formen einer von manchen Juden geteilten Lebensauffassung niemals einverstanden erklären können. Dr. Holländer setzte sich daun mit einzelnen Grundlosen jüdisch nationaler Schriftsteller auseinander und hob hervor, daß der Zionismus in seiner Erundaufsassung deutscher Dinge eine einheitliche Betrachtungsweise nicht kenne. Die „Jüdische Rundschau" und in ihr Kurt Btumenfeld sprechen von dem „Bankrott des Liberalismus", nennen die E. L.-Führer „die Führer von gestern", und behaupten, wir hätten uns einen Begriff des Deutschtums zurechtgemacht, der heute nicht mehr stimme. Demgegenüber ist zu sagen, daß wir bis 1929 mit neun Zehnteln aller Deutschen im Einverständnis darüber waren, was deutsch ist. Wenn das auch heute nicht mehr der Fall ist, so bleibt doch unsere Anschauung vom Deutschtum richtig. Wenn wir darin Konzessionen machen würden und etwa dächten, wir seien nur Staatsbürger, aber im übrigen dem deutschen Volke fremd, so wäre dies ein Schlag gegen unsere Ueberzeugung,gegen unser Wollen und unser Sein und es wäre um unsere Gleichberechtigung geschehen. Wir haben den Mut, auch heute zu wiederholen, daß das Deutschtum nichts Gegebenes, sondern etn?as Gewordenes ist. Wenn uns weiter daraus ein Vorwurf gemacht wird, daß wir die Wertigkeit hervorragender jüdischer Männer und Frauen als Beweis für die Kulturleistungen der deutschen Juden anführen, so wiederholen wir, daß wir das niemals in einem gewissen Selbstruhm getan, sondern lediglich um zu zeigen, wa s ist. Der deutsche Antisemitismus ist in dieser Zeit höchster Wirtschaftsnot im tiefsten Grunde der Kampf um das tägliche Brot. Die Hakenkreuzler haben ihren Erfolg, weit sie in ihren Versammlungen vor Leuten mit engem Lebens raum Ausführungen machen, die das Bill) erstehen lasten, als ob die Juden einen zu großen Lebensraum hätten. Der Verstand hat zu einem großen Teil Bankrott gemacht, deshalb glaubt die Maste an Wunder. Wir Juden dürfen uns nicht benebeln lasten. Das wirtschaftliche Bild, das sich uns in der Zukunft darstellt, ist gewiß nickst rosig. Die Rückkehr zu einem primitiveren Leben wird notwendig sein. Tie btc Inden vielfach beherrschende konservative Wirtschastsgeünuuug nmß überwunden, bei der Berufswahl werden neue Wege sachlicher und örtlicher Natur gefunden werden mästen. - Nur innere kraftvolle Tapferkeit, nur die M a ch t unserer geistigen und sittlichen Grundsätze ohne Konzession an die Tagesmeinungen — unter denen die Kulturgesinmrng leiden müßte — können und werden uns helfen, die schweren Zeiten zu'überwinden und innerhalb des gesamten deutschen Volkes auch seinen jüdischen Beilandteil cu;5 der Krise herauszumhren. vr. M. E. *\ tff-~* > -M. f\ Jl - er? mn » i \ P-'M *7^531 -79 s&isöa'wvss\J»davÄ ^2z^liLs » &»■ r-/ 4 11 “t *■» / ■ ‘1 :1 >g fcär «i<r’4r © tvLnZrungrn in örr öeutsch- Züöischen IngLNöbrNrguug Von der B u n d e s l e i t u n g der „K a m e r a d e n", D e n t s ch - j ü d i s ch e r Wanderbund, geht uns folgende Mitteilung zu: „Die Entwicklung der letzten Jahre hat ergeben, daß die ursprüngliche Grundlage des Bundes, nämlich der Wille zur Erfassung junger Menschen der deutsch-jüdischen Schickst in einem Bund der Jugendbewegung, nicht mehr ausreicht, um bis einzelnen Bundesrichtnngen zusammenzuhalten. Ein Teil der M e n - scheu des Kameradenbundes fand gleich anderen Kreisen der deutschen Jugendbewegung die Fortsetzung und Erfüllung seines bisherigen Weges in einer sozialistischen Haltung der Aelteren. Im Gegensatz dazu ist für den zweiten Kreis der bewußte Anschluß an die Geschichte und Gegenwart des Judentums e i n e A u s g a b e, die, neben der Teilnahme an der Neugestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse, den unbedingten Einsatz jedes einzelnen erfordert. Eine dritte Gruppe hält bewußt daran fest, ein reiner Erziehungsbund zu sein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, junge deutsche Juden so zu erziehen, daß sie alle ihre menschlichen Kräfte frei entwickeln können, um dann als Reife ihren Weg im deutschen Lebensraum selbständig zu gehen. Ter Zerfall des jüdischen Bürgertums in Deutschland drängte die einzelnen Richtungen zu schärferer Ausprägung ihres Wesens und sprengte damit notwendig den bisherigen Rahmen des Lundes. Die einzelnen Teile bleiben in loser Verbindung miteinander, da keinerlei persönliche, sondern nur sachliche Gesichtspunkte die Trennung verursachten." Durch" die nunmehr erfolgte Trennung der verschiedenen Richtungen des Kameradenbundes hat eine Entwicklung, die bereits seit längerer Zeit im Gange war, ihren organisatorischen Niederschlag gefunden. Wenn heute die Einheit des Bundes, trotz der Gemeinsamkeit der Tradition, nicht mehr zu erhalten war, so hängt dies mit den entscheidenden Wandlungen "zusammen, die innerhalb der deutschen Jugendbewegung und innerhalb des deutschen Judentums vor sich gegangen-sind. Die wirtschaftlichen Wandlungen drängten zu einer neuen unb entschiedenen Stellungnahme zu den Fragen der großen Politik, und die 'jüdische Not stellte neue Aufgaben, für deren Lösung die Ideologien in der überkommenen Fa'stung keinen ausreichenden Weg weifen konnten. Die „Kameraden" gehören seit zehn Jahren Zu den besten Bünden der jüdischen Jugendbewegung. Wenn sie heute einen einheitlichen Bund nicht mehr bilden, so hat dies praktisch für die jüdische Jugendbewegung keine Folgerungen. Der zahlenmäßig überw i e g e n d e Teil der Menschen, der als „zweiter Kreis" in der Erklärung bezeichnet wird, bleibt als deutschjüdischer Bund bestehen unter voller NW'" isst Gss Celfgismiüs Um alle Anfragen, die täglich über judeiifemdliche Kurorte und Gasthäuser gestellt werden, zuverlässig beantworten zu können, hat der Centralverein in diesem Jahre erstmalig einen Reisedienst eingerichtet, der am 15. Juni d. J. seine Tätigkeit beginnt. Er erteilt kostenlos Auskünfte über deutsche Kurorte und Gasthäuser, unter dem Gesichtspunkt, ob sie als judenfeindlidi angesehen werden müssen oder ob sie jüdischen Gästen hinreichenden Schutz vor Belästigungen aus politischen Gründen bieten. Es können auch Auskünfte über solche Häuser gegeben werden, die dem Centralverein erklärt haben, dass ihnen jüdische Gäste jederzeit willkommen sind. Wir bitten, nur schriftliche Anfragen unter Beifügung von Rückporto zu richten: an den Reisedienst des Centralvereins, Berlin W 15, Ems er Strasse 42. Wahrung seiner deutschen und jüdischen Ideale. Dieser Bund ist von einem starken jüdischen Veranckrortungebewußtsein getragen und spürt in sich mit allem Ernst die Verpflichtung, der jüdischen Gegenwart zu dienen. Es handelt sich daher bei dem Dorgegangenen nicht etwa um eine Auflösung der d e u t s ch j ü d i s ch e n Jugendbewegung, sondern imt eine organisatorische Umwandlung, die infolge der nun geschaffenen Klarheit für die Lache nur von Nutzen sein kann. MZLMS r SANSMaMsMm t Dir Not der Zeit und das Wohl ihrer Kinder machen cs den jüdischen Eltern zur unbedingten Pflicht, sich rechtzeitig um die Elternbeiratsroahl an der-Schule ihres Kindes zu kümmern! Aus den Kreisen unserer Mitglieder wird uns Errichtet, daß neben der christlich-unpolitischen Liste a’Ä) eine christlich-nationale Liste geschaffen worden ist, die ihre zersetzende Wirkung schon in den -Vorbesprechungen sowohl an den Volksschulen (Grundschulen) als auch an den Lyzeen und Gymnasien ausübt. Es ist unbedingt erforderlich, daß diejenigen jüdischen Eltern, denen eine Kandidatur auf den GlternbeiraLstrstcn angeboren wird, dieses Anerbieten an-' nehmen. Es ist Pflicht der jüdischen Ettern, innerhalb der Schule ihres Kindes auch für sich und ihre Kinder das Recht nud die Gercchngkeit in Anspruch zu nehmen, die in der Schulrerf.stsung jedem Kinde gewährleistet worden sind. Gttcrrr, die Schulzeit bestimmt das Kebeusschicksal eures Kindes! Darum nehmt teil an der Gestaltung dieser Schulzeit! Margarete Fried. Am 5., 12., 10. und 26. April fanden aus der „Deutschen Welle" vier Nundfunkvorträge frutr, in denen der bekannte Orientalist Professor Scha oder das Thema „Die großen orientalischeu Religionen und das Abendland" behandelte. Die einzelnen Vorträge beschäftigten sich mit den folgenden Gegenständen.- Israel, die Anfänge des Christentums, die Perser und der Jflam. Wie schon aus diesen Themen hervor-

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