Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 22 (27.5.1932)
- Date
- 1932-05-27
- Page
- Seite 219 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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2*9 — die Reparationssrage hatte .ja durch die Annahme des Tawes-Manes eine gewisse Beruhigung erfahren —, sich de- Problems, das sich nun mit aller Schwere eingestellt hatte, durchaus bewußt war. Fachleute von Nana diskutieren infolgedessen über die Frage: Was sollen unsere .Minder werden? und erteilen der deutsch-jüdischen Jugend Ratschläge mr die Berufswahl. Aber noch immer besteht der Glaube, daß cs sich um einen vorübergehenden Zustand handele. Auch in den jüdischen Kreisen, ja in ihnen Vielleicht noch stärker als in anderen, träumt man von den glücklichen Vorkriegszeiten. Man hofft, daß bald alles wieder so werden würde, wie es dereinst gewesen war. Nur wenige sehen, welche u n - geheueren Veränderungen die Struktur der deutschen, ja der Weltwirtschaft, durch den Krieg und die Nachkriegszeit erlebt hat. Es gilt deshalb, sich mit allen Kräften für die neuen Ausgaben vorznbereiten. Mußte der also als ein Siegers Werke gelten, der versuchte, seinen Mitmenschen die Lebenslüge zu nehmen? Rohm er ihnen damit zugleich das Glüll? Oder war es nicht im Gegensatz zu der Auffassung des Tr. Relling in Ibsens „Wildente" erforderlich, in dieser Lage durch das schonungslose Bekenntnis der Wahrheit ein „stimulierendes Prinzips auszustellen? In diesen: Ginne muß auch heute noch der Aussatz bewertet werden, der von dem Verfasser dieser Zeilen unter der Ueberschrist „Der Untergang des jüdischen Mittelstandes" am 13. November 1925 in der „E. D.-Zeitung" erschien. „Wir wagen, ohne statistische Unterlagen zu geben", so hieß es damals, „die Behauptung, daß der jüdische Mittelstand durch den Krieg und die Nachkriegserscheinungen dem Untergange geweiht zu sein scheint." Gert diesen Tagen ist an dieser Stelle immer wieder — und ganz besonders von mir — auf die Probleme hingewiesen worden, vor deren Lösung das deutsche Judentum noch steht. Inzwischen besitzen wir das statistische Material für die Tatsachen, die damals nur empirisch zu erfaßen waren. Wir wissen aus dem statistischen Standardwerke Sitbergleits und aus anderen Untersuchungen, daß zwar die traditionelle Basis für die wirtschaftliche Betätigung der deutschen Juden noch vorhanden ist, wir sehen aber, wie sich von Jahr zu Jahr die Differenzierungen verringern, und wie stark vor allem die soziale Angleichung an die übrige Umgebung fortschreitet. In der „C. V.-Zeitung" ist in den letzten Jahrerl auf diese Tatsachen immer wieder aufmerksam gemach: worden. Ebenso hat es der Centralverein als seine Aufgabe betrachtet, die Erkenntnis dieser Tinge zu fördern und Mittel und Wege zu finden, um den deutschen Inden den Uebergang in eine neue Welt zu erleichtern. In der „C. V.-Zeitung" ist dann zuerst von Felix Gold mann (Leipzigs (Nr. 36 vom 4. September 1931) der Vorschlag gemacht worden, durch die Begründung einer Stelle „die Möglichkeiten der wirtschaftlichen Betätigung der deutschen Juden genau zu erforschen und im Rahmen des Gegebenen praktische Vorschläge zu machen". Mit Recht erklärte Goldmanii, „es festige sich in allen sich verantwortlich fühlenden jüdischen Seelen die Ueberzeugung, daß die Zeit des Tisputierens und Theoretisierens vorüber sein müsie, und daß man Wege zur Selbsthilfe zu suchen verpflichtet sei". Goldmann nahm mit seiner Forderung Gedanken auf, die auf der Tagung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Ge- <r- G -w 3 "5 " 2 Ci (Ts -2ec c,* .er r: on c .rc: . — -J U «. j ,i J .» .. J :uJ «i :i .... ii n Ter „G. V.-Zeitu.ng" zum -Tust..,Ten Bestehen Tank und Gruß! Tank s:r ihren allzeit mannhaften, mutigen Kampf um Ehre und Recht! Gruß und Wunsch für weiteres Wirken in: Treuste des Glaubens und der Wahrheit- Professor, K&rhruhz Man muß das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht von einzelnen, sondern von der Masse. In diesem Sinne, im Sinne Goethescher Weltweisheit hat die „C. V.-Zeitung" zehn Jahre lang unentwegt und unermüdlich ihre hohe Aufgabe erfüllt. Tas Wahre zu künden und den Irrtum zu zerstreuen, d:e Juden aufzuklären über sich selbst und ihre Stellung zu ihrer Umwelt und ihnen Selbstbesinnung und Selbstachtung zu geben. Sie hat es als höchstes Ziel angestrebt, daß die Volksgenossen sich wechselseitig kennenlernen und verstehen, daß sie Wesen und Eigenart des anderen begreifen und achten und in hingebender Liebe mit ahm zusammen wirken und ihr Bestes. geben zmn Wähle des deutschen Vaterlandes. Dafür danken wir der ,,C. V.-Zeitung" an ihren: Ehrentage. WB fkmauJU'^ Oberstl&ndesgcrichisr&i, München Wenn man vernimmt, daß in diesen Tagen die ,.C. V.-Zeitung" die Feier des zehnjährigen Bestehens begehen kann, so wird man sich gern dessen bewußt, daß in diesem verhältnismäßig kurzen Zeitraum eine Fülle nützlicher Arbeit geleistet worden ist, die nicht mehr allein den Bestrebungen des E. D. gegolten hat, sondern den gesamten I n t e r e s s e n d e s deutschen Judentums gewidmet war. Tiefes Blatt ist daher unentbehrlich geworden für jeden, der ein Spiegelbild aller wichtigen Ereignisse zu erhalten wünscht. Auf diese Weise ist es aber auch ein Band geworden, das die beuffdjen 'Juden umschlingt und einigt. Es steht national auf deutschen: Boden und muß deshalb national-jüdische Bestrebungen ablehnen, doch nimmt es Parteimäßig gegenüber den einzelnen Richtungen in: Judentum keine Stellung und verhindert so schon durch fern Bestehen, soweit es in seinen Kräften steht, jeden gehässigen Kamps unter ihnen. Es ist -ein Werkzeug des Friedens und hat für seine Sicherung in dem gleichen Maße, gesorgt, in dem es für die Verbreitung von Wißen und Kennwisien auf allen Gebieten eingetreten ist, die der Einwirkung durch eine Zeitung zugänglich sind. Ich kann zu dem Jubiläum keinen besseren, aber auch keinen aufrichtigeren Wunsch aussprechen als den, daß es der „C. V.-Zeitung" unter ihrer bisherigen sympathischen und zielbewußten Leitung üefchieden sein möge, der deutschen Judcnheit auch ferner zu dienen, zugleich als sein Sprachrohr und als eine Quelle reicher Belehrung. Wenn sie diese Ausgabe erfüllt, wird sie auch bleiben ein weithin sichtbares Zeichen unserer innigen Verbundenheit mit unserer deutschen Heimat. mein den im März 1931 besonders von ProsMwr Tr. Juli n s Hirsch und Ludwig Holländer erhoben worden waren. Tie Aussprache. die je nt cinfetzte. hat dann vor wenigen Gchnawn zur Gründung der „A rb <? its - g en: ein s cfi a f t f (i r W i r t s ch a s t s r r a - g e n der I n d e n i n T e u t s et) l a n d" ge* führt; dieser Arbeitsgemeinschaft gehören Vertreter aller jüdischen Organisationen und einige wenige Fachleute an. Tie ,.C. V.-Zeitung" hat über diese Gründung mehrfach berichtet.. Noch sind die Arbeiten dieses Wirtschaftsausschußes nicht abgoschlopen. Noch läßt sich nicht übersehen, ob es ihm gelingen wird, die Ausgaben, die er sich gestellt hat, zu losem Wenn jetzt die „E. V.-Zeitung" in das zweite Jahrzehnt eintritt, wird sie zwei große Aufgabengebiete vorfinden. Noch immer gilt es, den Kampf um die A u s k l ä r n n g ü b er j ü disches Wesen zu führen. Gleichzeitig aber muß der Weg gefunden werden, der es den deutschen Inden ermöglicht, sich in diesem Eriftenzkamvf zu behaupten: um ihrer selbst willen, aber ebenso zum 'Nutzen der deutschen Wirtschaft und der deutschen Kultur. Sie haben einst in guten Tagen an ihrem Aufstieg tatkräftig mitgewirkt und sind des ernsten Willens, sie aus der Not wieder zu neuer Blüte mitherauszusühren. I rtme rri pf o ro d a s ReeM Der C. D. rechnete von seiner Gründung an den Rechtsschutz zu seinen wichtigsten Ausgaben, das Wort „Rechtsschutz" in: weitesten Sinn verstanden, nicht nur die Gewährung von anwaltschaftlichem Beistand an jeden Juden, der seiner Zugehörigkeit zum Judentum halber in ein gerichtliches Verfahren verwickelt wurde, sondern ebenso die Verteidigung der Rechte der Mischen Gesamtheit gegen jede Gefährdung oder Beeinträchtigung. Mögen zeitweise andere Ausgaben, wie Massenaufklärung und politische Einflußnahme mehr in den Vordergrund getreten sein, so behauptete die Rechtsschutztätigkeit'doch immer ihren Rang, zumal sie unverkeimbar in ihren Auswirkungen auch der Aufklärung der nichtjüdrschen Umwelt und der Bekämpfung politischer Gegner dient. Richtig gehandhabt, kann gerade der politische Prozeß auf solche Kreise wirken, die unsere Versammlungen und Ausspracheabende nicht besuchen und an die man mit Reden und Schriften schwer herankommt. Der aufmerksame Leser der „E. V.-Zeitung' kennt die mannigfachen Gebiete, aus die sich all die Jahre hindurch unsere Rechtsschutzarbeit erstreckte,- wir dürfen uns daher daraus beschränken, hier von Einzelheiten absehend, nur die Grundzüge auszuzeigen. Unsere Arbeit bewegt sich auf allen Rechtsgebieten; die staats- und v e r w a l t u n g s r e ch t l i ch e Seite, die sich am engsten mit dom Politischen berührt, können wir hier nur streifen. Wir erinnern nur an die langjährigen Kämpfe um gleichmäßige Zulassung der Juden zu öffentlicher: Aemtern. Beförderung zum Reserveoffizier usw. Im Vordergrund des Interesses stand von jeher die strafrechtliche Bekämpfung von Angriffen gegen Glauben, Ehre und S i ch e r h e i t d e r I u d e n: Anklagen wegen Religionsbeschimpfung, wegen Beleidigung und wogen Aufreizung zun: Klanenhaß sind die hauptsächlichsten Mittel in diesem Kampf. Schritt für Schritt mußte bei den verschiedenen Telittstatbeständen ein zureichender