Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 22 (27.5.1932)
- Date
- 1932-05-27
- Page
- Seite 218 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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21$ innere Notwendigkeit der Gestalttung des jüdischen Lebens in dieser Zeit. Ter Versuch des Antisemitismus, das Judentum zu isolieren, schafft namentlich für die an kleinen Orten ansässigen einzelnen Familien und Personen einen schwer erträglichen Zustand. Es bedeutet eine außerordentliche sowohl tatsächliche wie vor allem seelische Entlastung, sich als Glied einer starken und um* fassenden Organisation zu wissen, zumal deren Bestehen die einzige Möglichkeit bietet, den Kamps gegen die Bedrohung durch den Antisemitismus mit Aussicht auf Erfolg zu führen. Diesem letzten psychologisch entscheidenden Bedürfnis wird immer mehr Rechnung getragen werden müssen. Tie Zusammenfassung der Mtglieder soll nicht allein eine politisch aktionsfähige Gesamtheit ergeben, sondern darüber hinaus eine lebensvolle deutsche und jüdische Gemeinschaft schassen. In dieser Richtung liegen Ausgaben, deren nähere Skizzierung den Rahmen dieser Ausführungen sprengen müßte. Dr. Mauritius Kali in Gedanken um die „G. V.-Zeiiyogff Von Obersludiendirekfor Dr. Driesen (Frankfurt a. M.) Tie Idee wirbt um die 3cele. Zur Tat zwingt erst der Weckruf der täglichen Kleinarbeit. 8ie ist so unvermeidlich, wie sie unermüdlich sein muß. Und ihre Pillen können nicht immer verzuckert sein. Tarum wirken sie nicht als Genußmittel, sondern als Arznei. Und darin liegt ihr heil. Erkenntnisse brauchen Zeit. Um so mehr Zeit, je zeitloser und darum gültiger ihr Inhalt ist. Erkenntnisse stehen über dem Erfolg der Stunde. Wir denken in Jahrhunderten, wir leben in Jahrtausenden. -Was bedeuten zehn Jahre! Und doch kann die geistige Kleinarbeit eines Jahrzehnts tief ein pflügen in dendurch Um Wälzungen gelockerten Boden einer Uebergangszeit. Erkenntnisse aus der Kleinarbeit'. Eine Minderheit — auch eine religiöse — gestaltet nicht, sie wird gestaltet. Tiefe Lebensform erzeugt Kraft, zäheste Kraft der Abwehr. . Tie Kraft der Abwehr verinnerlicht sich: zur Selbstbesinnung und zur Einfühlung in die Umwelt. Einfühlung schasst Möglichkeiten des Lebens, der Arbeit, der Mitarbeit, der Freude am Tasein in der Umgebung der Heimat und der Menschheit. Sie zeigt H e i m a t s - A u f g a b e n und Men schheits-Aufgaben als selbswerständliche Pflichten mW Freuden und erzieht dadurch zur Heimats-Berechtigung und zur Menschheits-Berechtigung. Und so löst und erlöst sie von der Hoffnungslosigkeit weltgeschichtlicher Minderheit und von ewig lastender Problematik. Eine Minderheit, die sich den Erlebnis- Achalten der um sie gelagerten konzentrischen Kreise innerlichst verbunden fühlt, in Freud und Leid, ist in ihrem Gesamtbewußtsein. durch das Selbstbewußtsein der eigenen Werte und durch das ebenso intuitive Miterleben der Werte der anderen, seelisch nicht einsam und nicht abgekapselt. Sie ist im Gemüt nicht verkümmert und in Haltung und Zurückhaltung sicher. Und sie beweist ihre Gewineuspslicht zur Mitarbeit gerade mi den schwersten Aufgaben von Heimat rmd Menschheit, opferwillig und unbeirrt immer wieder durch die Tat. Von Dr. Kurl Zielenziger Als am 4. Mai 192*2 die erste Nummer der „C. B.-Zeitung" erscheint, steht der Kurs des Tollars aus 282. Ter Wert des Standardgeldes der Welt hatte sich in Deutschland also um das Siebenundsechzigsache erhöht. Deutschland befindet sich schon i n - mitten der Inflation. Aber noch geht die Abwertung der Mark verhältnismäßig langsam vor sich. Tenn am 8. Januar 1922 harre man einen Kurs von 188 für den Dollar verzeichnet. In den fünf Monaten war also der Wert des Tollars im Bcrhältnis zur Mark erst um 50 Prozent gestiegen. Tie Teutschen stehen in diesen Tagen noch unter dem Eindruck der Konferenz von. Genua, die zum erstenmal den Versuch machen sollte, in einer gemeinsamen Verhandlung zwischen den deutschen Telegierten und den Vertretern der Alliierten das Reparationsproblem zu losem Auf der Schlußsitzung am 19. April hatte der deutsche Außenminister Walther Rat Henau die denkwürdige Rede geholten] die in den Worten gipfelte: Tie Weltwirtschaft könne niemals wiederhergestellt werden, solange die Völker im halben Kriegszustand miteinander verbleiben, weil die öffentliche Meinung in einigen Ländern leider noch nicht demobilisiert habe." Erinnert diese Mahnung nicht an die Ausführungen, die Reichskanzler Tr. Brüning vor kurzem vor der auswärtigen Preste machte, wenn er erklärte: „Es ist zwar kein Krieg mehr, aber es ist auch kein Friede. Es äst ein Zwischenzustand, der im Interesse der Welt endlich sein Ende finden muß." Auch damals war das Reparationsproblem die Frage der deutschen Politik. Trotz der Inflation war man sich aber der im Gang befindlichen Wandlungen der Struktur der deutschen Wirtschaft noch wenig bewußt. Noch hatte im Innern des Landes das Preisniveau mit der Verminderung des MarkwerteZ nicht Schritt gehalten. Das läßt sich leicht aus den Anzeigen der ersten E. B.-Zeitungen ersehen. Tie Preise waren durchaus noch nicht Mmal so hoch, wie sie der Tollarbewertung entsprechend hätten sein müssen. Tie Kapitalien und die Vermögen galten infolgedessen auch keineswegs als so dezimiert, wie sie es eigentlich schon waren. Tenn diese Verminderung des Markwertes, die um die Milte des Jahres 1922 bereits bestand, war schon sehr viel stärker, als jemals der französische Franc, die italienische Lira oder viele andere ausländische Währungen entwertet worden waren. Man glaubte damals auch noch, daß man Herr der Inflation werden würde, sobald die Reparativnsfrage endgültig gelöst sei. Man hatte die Hoffnung, den Eturz der Mark noch brennen zu können, und man wurde in dieser Hoffnung durch die Tatsache bestärkt, daß die Abwärtsbewegung des öfteren von einem Wiederanfteigen des Markkurses begleitet mar. Tie Ermordung Walther R a t h e n a u s, die sich nun auch schon zun: zehnte;; Male fährt, wirkte gleichsam wie eiu Fanal. Bon diesem Tage ging es rapide abwärts mit der deutschen Währung. Jetzt machte sie nicht mehr Sprünge um einige wenige Prozente. Sie fiel ins Bodenlose. Bon Monat zu Monat verzehnfachte sich der Wert des Tollars. Ende Dezember 1922 hatte die amerikanische Währung bereits einen Kurs von ungefähr 8500 Mar? erreicht. ' Wenn man die ersten; Jahrgänge der „(i. V.-Zeitung" durchblattert. wird man mit Interesse feststellen, daß ein Problem auf wirtschaftlichem Gebiete die Mitarbeiter beschäftigt: die Abwehr gegen völkische A n - griffe, die Juden seien schuld an der Inflation. Wie stets, so auch damals. Keine Situation konnte es geben, an der die Juden nicht schuld gewesen seien, kein Unglück in Deutschland, das sie nicht herbeigeführt hätten. So galt die Abwehr, die der C. V. mit allen Kräften entfachte, der niederträchtigen Behauptung, in den deutschen Juden die Urheber der Inflation zu sehen. Mit Recht wurde vor 10 Jahren aus die Tatsache hingewiesen, daß sie an den Folgen dieser Entwertung der deutschen Währung ebenso schwer zu tragen hätten wie die übrige deutsche Bevölkerung. Das andere Problem, das sich zwangläufig aus diesen Verhältnissen für die deutschen Juden ergab, blieb infolgedessen in diesen Tagen noch im Hintergrund. Man debattierte zwar auch schon damals über die Frage der B e r u f s u m s chicht u n g. In verschiedenen Zuschriften an die „E. V.- Zeitnng" setzt man sich für eine stärkere l a n d w i r t s ch a f t l i ch e Tätigkeit der Juden ein. Felir A. T h e i l h a b e r macht in 'einem Aussatz „Berufsproblematik der Juden" („E. B.-Zeitung" 48/49 vom 6. Dezember 1928) .zuerst darauf aufmerksam, daß „ohne daß die deutsche Iudenheit etwas davon merkt, eine starke Veränderung mit ihr vorgehtck „Vielleicht^, so schreibt er dmnals. ..wird man in einer Generation über eines unzufrieden sein, daß bei der Zurückflutnng der Juden in die wirtschaftlicheren Berufe keinerlei Rechnung der Wandlung der Zeit getragen imrrdeck Auch er verlangt deshalb eine stärkere Beschäftigung in der Landwirtschaft und verweist auf das Beispiel Amerikas, wo die Führer der Judenheit die einseitige Bcrusstätigkeit ihrer Glaubensgenossen 311 durchbrechen gewußt haben. Dieser Gedanke wird dann auch von cuweren Schriftstellern verfolgt. Mit ganz besonderer Energie setzt sich aber A. Neust a u s i Fritzlar) für ihn ein („E. V.- Zeitung" Nr. 20 vom 15. Mai 1925), indem er die ländliche Siedlung für die I u d e n fordert. Wohl weiß er, daß die Struktur der gegenwärtigen jüdischen Gemeinschaft sie unerbittlich in die Stadt weist, daß die Forderung einer Rückkehr aufs Land in jüdischen Reihen ans ungeheure Schwirrigkeiten stoßen werde. Aber durch die Rückkehr auf das Land würden „die regenerativen Kräfte unserer Gesamtheit wachgernfenck Tiefe Erörterungen und auch Debatten über die B e rm s s w a h l beweisen, daß man in den Kreisen des Eenlralvereins in jenen Tagen, die der Inflation folgten, und in denen nach einer kurzen Teslationsperiode der Wiederaufstieg der deutschen Wirtschaft gesichert schien assifra baulich GcfulvteS Zahnbrlages xT: jotöcnb«: Drücken Sst eckm Estang Chlorodvnt Zahnpasrr auf blt UcCzrjz C'broSonS Zahnbürste (SprzialLürsts tnü geahnten Borsten.' schnitt), bürsten ^:e 2hr Gebiß nun nach ellcn Seiten, auch von unten nach oben, tauchen Sir erst jeck die Dürste in Wasser und spülen Sie vr.lt Cmorvdonl. Mundwasser umerSurgeln gründlich nach. Tw Erfolg wird Sie überraschen! Der mi^arbenr Zahnbelag ist verschwunden und ein herrliches Gefühl der Frische bleibt zurück. Hillen Sie sich vor minderrvertlgen, bllligen Nachahmungen und verlangen Sie ausdrücklich Chlorodont Zahopasle. Unler-Vorkriegspreise.