Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 22 (27.5.1932)
- Date
- 1932-05-27
- Page
- Seite 217 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Gerade wer, wie ich, weder selbst Jude noch mit Juden verwandt ist, hat wohl einen nüchternen objektiven Bück für den Wert und die Aussichten Ihres Kampfes, wie er in der ,.E. V.-Zeitung" zum Ausdruck kommt. Der Antisemitismus ist eine seelische Krankheit, entsprungen dem Gefühl allgemeiner Verzagtheit, das nach einem „Schuldigen" sucht. Wie alle heilbaren seelischen Krankheiten kann auch Sieje nur behoben werden durch unablässige kla re und ruhige Feststellung der wahren Sachverhalte. Solches leistet Ihre Zeitschrift in einer stets gerechten und vornehmen Weise. Sie werden Erfolg haben, dessen bin ich sicher. Schnell freilich wird der Erfolg nicht kommen; dazu sitzt die Krankheit bei uns zu tief, obwohl sie, wie die Geschichte anderer Länder zeigt, heilbar ist. Vielleicht aber bedeutet ein langsam errungener Sieg mehr als ein rasch und leicht errungener* gung dieses schlimmsten inneren Feindes der deutschen Nation wird und mutz gelingen, wenn jeder, der sich miwerantwor:-' lich fühlt, Deutschland vor dem Rückfall in ärgste Barbarei zu bewahren, in diesem Kampfe seinen Mann freftr und auf seinem Posten aushält. Darum, verehrte „E. V.- Zeitung", weiter so, allen' Feinden zum Trotz! Glückauf! Professor an der Universität Leipzig Seit ihrem Erscheinen schon verfolge ich die „C. V.-Zeitung" mit grossem Interesse. Dabei haben mich zwei Dinge immer wieder mit Freude und Genugtuung erfüllt. Erstens die Beharrlichkeit, mit der die „C. V.-Zeitung" sich bemüht, ihre Leser im Sinne ihrer trefflichen Förderer H u g o Preuß und Walther Rathenau zu Staatsbürgern zu erziehen, die die Republik freudig bejahen und alles für sie einzuseßen bereit find. Der feine Takt, mit dem sich die „E. D.-Zeitung* dieser Aufgabe widmet, ehrt sie, sie gibt damit allen Gegnern der vollen staatsbürgerlichen Gleichberechtigung unserer jüdischen Mitbürger ein gutes Beispiel nobler Federführung. Besonders hoch schätze ich zweitens die sachliche und mutige Art, in der die „E. V.-Zeitung" jederzeit, auch in den schwersten Tagen der Republik und ihrer Hüter und Verteidiger, den turbulenten Nationalismus bekämpft hat. Die Be.zwin- Vorsiizender der Sozialdemokratischen Partei Das zehnjährige Bestehen der „E. V.- Zeitung" gibt erwünscht Gelegenheit, Herausgebern und Mitarbeitern dieses Blatres^Dank zu sagen für den Anstand und die Fairneß ihrer Abwehr eines Kampfes, der meist ohne Anstand und Ritterlichkeit geführt wird. . Die „E. V.-Zeitung" ist keine jüdische, sondern eine deutsche Zeitung. Immer bat sie das allgemeine deutsche und volkliche Interesse höher gestellt als die spezifisch jüdischen'Belange. 'Sie hat bewiesen, daß deutsch sein und Jude sein kein Widerspruch ist — daß der deutsche Jude Anspruch darauf hat, als vollberechtigter deutscher Staatsbürger geachtet zu werden, wenn er die Pflichten des deutschen Bürgers wie jeder Deutsche anerkennt und erfüllt. - Tie „C. V.-Zeitung" ist in den zehn Jahren ihres Bestehens eure Stimme des öffentlichen Gewissens gewesen. Sie hat gerufen, wo andere schwiegen —.sie pat dadurch eine Front anständiger Menschen in Deutschland geschaffen. Der „C. B.-Zeirung" stehe es nicht nur zu, den Vollbesitz der Rechte unserer jüdischen Mitbürger gegen jedermann zu verteidigen und dadurch an der Bildung einer wahren deutschen Volksgemeinschaft mitzuwirken. sie hat dem deutschen Volk gegenüber die Pflicht, auf der Wacht zu stehen gegen Unverstand und Roheit, die den deutmal genügen, die stattlichen zehn Jahresbände dieser Zeitung Zeile für Zeile wieder abzuschreiben; auch dann bliebe noch genug ungesagt. Wir können in diesem Zusammenhänge, wo es um die Aufklärung und Erfassung von Menschen .für und im C. V. geht, nur einige flüchtige Bemerkungen über die Voraussetzungen der Lcistungsmöglichüit machen. Das aber heißt einiges zur Frage der Organisation sagen. Der Sinn des Bestehens einer politischen Organisationdesdeutschon Judentums liegt nicht in einer verwaltungsmäßigen Erfassung eines Lestinnnten großen Kreises der jüdischen Bevölkerung. sondern vietnwhr in einer politischen Führung dieses Kreises. Die Aufgabe einer solchen Führung stellt heuteAnsorderungen anZeit, Kenntnisse und Arbeitskraft, wie sie in einer gelegentlichen und nebenberuflichen Beschäftigung mit solchen Aufgaben allein niemals erfüllt werben können. Boi der großen Kompliziertheit der vielfältigen Zusammenhänge, in die die Bekämpfung des Antisemitismus gestellt ist, besteht die außerordentliche Gefahr, daß bei nicht fachgemäßer genauer Erledigung der gegebenen Aufgaben das Gegenteil eines Erfolges, nämlich die Schädigung unserer Interessen, eintritt. Den Ausgaben gewachsen wird nur ein Kreis von Menschen fein, der nicht nur genügend spezielle Ausbildung, sondern auch Erfahrungen besitzt, die ihn befähigen, in jedem einzelnen Fall die Erfordernisse abzuschätzen und zu übersehen. Wir nehmen für den E. B. in Anspruch, daß ihm. und nur ihm allein, ein 5kreis solcher Mitarbeiter zur Verfügung steh:. Führung eines so vielschichtigen Gebildes, wie es das deutsche Judentum darstellt in einem nicht minder vielschichtigen Kampfe, dessen Aktionsradius sich in den lehren Jahren in nicht vorauszuahnender Weise erweitert hat, ist naturgemäß nur durch eine Leitung zu erreichen, die die einzelnen Aktionen in geordneter Planung ineinander gliedert. Von dem Bestehen einer solchen Leitung, die sich ihrer Verantwortung bewußt ist, in diesem Bewußtsein mit vollständiger Ueberlegenheit und Kaltblütigkeit den Ereignissen gegenübersieht und nicht die Nerven verliert, hängt nahezu alles ab. Wir scheu Namen schänden, indem sie durch Verhetzung gegen die Juden wähnen, Deutschland zu dienen. Darum soll die „C. D.-Zeitung" im alten Geiste weiter wirken. Er ist ganz gewiß deutscher als der Ungeist, gegen den Ministerialdirekte r r. D . Toleranzist das Ergebnis und damit das Kriterium jeder wahren Bildung. - Toleranz in Glaubens- und Gewinensfragen war die Stärke schon des aufgeklärten Absolutismus eines Friedrich des Großen. Sie ist im Zeitalter der Tenwtratte Voraussetzung für jedes staatliche Gemeinschaftsleben, das dem gesellschaftlichen Fortschritt dienen will. Toleranz setzt die „Ehrfurcht" (im Goethefchen einne) vor der Einzelseele voraus; sie ist eine Forderung auch der christlichen Ethik. Rassenhaß und Haß der Konfessionen zerstört die edelsten Kräfte der menschlichen Seele und muß im Gemeinschaftsleben zum Terrorismus rmd damit zur Auslösung der Gesellschaft, nun Kampf aller gegen alle führen. Möge Ihr Kampf, den Sie auch im Sinne wahren Christentums und damit in Uebereinstimmung mit allen rechten Christen führen: um Menschenachtung, um inneren Frieden und damit um gesellschaftlichen Fortschritt, von Erfolg gekrönt sein! Staatssekretär im preassischen Ministerium des Innern nehmen für den C. V. in Anspruch, daß er diese ruhige und sachliche Linie feiner Politik in keinem Augenblick, auch nicht angesichts der sich überstürzenden Ereignisse, eingebüßt hat. Wir können diesen Anspruch erheben, da die Richtigkeit der politischen Prognosen des C. V. sich seit Jahren bewährt hat. Auf dieser dominierenden Stellung der polüisaien Leitung ruht das Schwergewicht der Arbeit auf den im Lande tätigen beautu-tcu und ehrenamtlichen Kräften der Organisation. Ihnen fällt die Durchführung der konkreten Aufgaben zu, die sich in den meisten Fällen nur örtlich erledigen lassen. Ihnen ist auch die eigentliche Leistung zu danken, und man spürt überall dort, wo die Arbeit sachgemäß verrichtet wird. das Bestehen des Bewußtseins von ihrer Notwendigkeit: auf dem flachen Lande und in den Kleinstädten aus ersichtlichen Gründen weit -mehr als in den Großstädten. Die hier in ihrern Aufriß andeutungsweise gezeichnete Organisation ist nicht rmr die Voraussetzung für eine wirksame Bekämpfung anti» semitischer Vorgänge, sie ist zugleich eine