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Central-Verein-Zeitung · 1932-05-27 · 22 (27.5.1932) · p. Seite 214

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
22 (27.5.1932)
Date
1932-05-27
Page
Seite 214 (sequence 2)
Language
German
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214 Der Oberbürgermeister vonDresden: Die „C. V.-Zeitung^ hat als Organ des EenLralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sich jederzeit bemüht, an einer Förderung des inneren Friedens und an einem Ausgleich politischer Gegensätze mitzuarbeiten. Wie der Centralverein selbst, so hat auch sein Organ sich jederzeit in den Dienst eines wohlverstandenen Deutschtums gestellt. Was deutsch in uns und in der Welt wirkt, reicht weit höher und greift viel riese r, a l s Rassen - und Stammbaum - forschunges wollen. Deutsch ist ungeheurer, seit Jahrzehnten nach auswärts drängender^ Kulturwert. Deutsch ist ein gewaltiges wirtschaftliches Energiczentrum. DeuLsch ist ein Mensch h e iL sw ert, und deshalb ist Deutscher jeder, der deutschen Kulturbesitz als seinen eigenen Kulturüesitz haben will, dem das Erleben des deutschen Lölkes eigenes Erleben ist, und derdieNotdesdeutschen Landes als eigene Rot empfindet. Im Sinne eines solchen Deutschtums waren U * der Eentralverein und sein Organ stets tätig. (f*HL Der Polizeipräsident von Berlin: Ich gratuliere Ihnen zu Ihrem Jubiläum und füge den Wunsch an, daß Ihre Arbeit weiterhin von Erfolg für Ihre Elanbenägenosscn im Rahmen der Interessen deZ ganzen deutschen Volkes begleitet fein möge. . l/CI 1L^äy y i » . . . ich bin erst gestern von einem mehrmonatigen Auienchalt im Ausland zurückgekehrt. . . . Nun weist ich nicht, ob es noch Zweck hat. Ihnen zu sagen, was eigentlich selbstverständlich ist, daß ich Ihren tapferen Kampf gegen die geistige Seuche, die Antisemitismus heißt, seit Sie ihn führen, mit Teilnahme verfolge, und daß Sie, je mehr uns in unserem politischen Leben der menschliche Anstand und die geistige Achtung abhanden kommen muß, stolz auf Ihre unermüdliche Reinigungs- und Verteidigungsarbeit sein dürfen.?vuucuiv innerhalb und außerhalb des Vereins informieren. Sie soll grundlegende Probleure untersuchen und soll gleichzeitig dem raschen Ablauf der Ereignisse möglichst schnell folgen. Sie muß auf die oft schr verschiedenen Anschauungen unserer Mitglieder Rücksicht nehmen. Kaum möglich, alle zugleich zufrieden zu stellen. Um so nötiger ist es, einmal gelegentlich die Blätter im Zusammenhang durchzusehen, eine Beschäftigung, die wir unseren Freunden nur empfehlen können. Man bekommt erst so, trotz aller Kritik im einzelnen, die Ueberzeuguug, daß unsere Zeitung, als Ganzes genommen, doch ein recht klarer Spiegel des E. V. und seiner Welt ist. Ein Spiegel, in dem zunächst einmal d e r KreisderZührerdes Eentralvereins ein deutliches Bild hinterläßt. Kaum ein Mann von Bedeutung unter iljneii, der sich nicht hier mit den ihm am nächsten liegenden Problemen auseinandergesetzt hätte. Namen zu nennen, wäre ungerecht, denn ihre Bedeutung liegt erst in der starken Verbundenheit durch die gemeinsame Idee. Schwere Verluste hat dieser Kreis erlitten: in Nummern, die ihrem Gedächtnis gewidmet sind, finden wir Denksteine für Eugen Fuchs, den geistigen Führer der Bewegung, ttüchwirkcnd bis in die jüngste Generation, Paul N a t h a n , den schärfsten und kultiviertesten politischen Kopf des C. B.. Hugo Sonnen -- feld, das verkörperte Reckztsbewußtscin. Ludwig Haas, den deutschen Politiker von Rang, und Julius Gold stein, das geistige Gewissen unseres Kreises. Es erscheinen noch einmal die markanten äußeren Ereignisse des Vereinslebens, die Hauptversammlung von 1924 mit dem Referat Goldsteins über die Lage der amerikanischen Juden: von 1926 mit dem noch heute aktuellen Vortrag von R e i n h o l d L ev i n über das Positive in der E. B.-Arbcit. von 1928 mit den Wirtschaftsreferaten von Julius Hirsch und Norbert Gin« stein, die eine Schicksalsfrage des deutschen Judentums anschneiden. Tie ersten Wahlen zum Preußischen Landesverband 1924 bringen den ersten innerjüdischen Wahlkampf größeren Stiles. Mit ihnen beginnend die intensive innerjüdnche Auseinandersetzung: die Keren-Hajessod-ResoluLion von 1926, die sogenannte Mecklenburg-Resolution von 1928. 1929 die HaupLoorstandsberaLungen über die Stellung zur .levcksb Agency und schließlich die fast einstimmige Resolution des Hauptvorstandes von 1930, die angesichts der dringenden äußeren Not zu einem inneren dalancs ok power kommt und die Kräfte aller positiv eingestellten Freunde wieder für die gemeinsame Arbeit frei macht. Ein Kapitel für sich, das man nicht ohne Lächeln liest, die zahlreichen Publikationen der ersten Jahrgänge, die sich mit dem Verbände uationaldeukscher Juden auseinandersetzen, ein der Bedeutung der Sache nicht immer entspreckiender Energieaufwand. Daneben regelmäßige Berichte über alle wichtigen Ereignisse der jüdischen Welt: dis O st j u d e n a r t i k e! von Paul Natban: die Berichte ül>er Kolon i f a t i o n s f r a g e n . die P a l ä st i n a a u if ü tz e von Ackred Wiener ' und die Berichterstnttung über nationaliüdische und zionistische Ereignisse und deren kritische Würdigung aus der Feder von Reichmann, Hirschberg und Eva Reichmann-Juugmcmn. Im allgolneinen hat die Zeitung hier eine klare Linie gehalten. Sie hak sich bei den Auseinandersetzungen im G. D. von inquisitorischem Radikalismus serngehalten, hat aber alle Aich- Lungen deutlich in Erscheinung treten lasten. In der Abgrenzung zu anderen jüdischen Bewegungen hat sie die allen C.V.ern gemeinsamen Ueberzeugungcn herausgearbeitet. Wer die. Artikel, die sich mät dem Zionismus auseinandersetzen, im Zusammenhang durchsieht, kann nur, ohne im einzelnen allem zustirmneu zu können, die Feststellung treffen, daß die Zeitung ihren Kamps in einem würdigen, von Litera tenirome und Parteifanatismus gleich weit entfernten. Ton geführt hat, den man allen jüdischen Preffeerzeugnisten und Parterauseinandersetzungen wünschen rnöchte. Die Errveiterung unserer Arbeit kommt in der Erfassung neuer Schichten zum Ausdruck. Die Jugendarbeit bekommt eine steigende Bedeutung, lieber die Blätter der „Kameraden I über den „Kanrpser" der Deutsch-jsedischen Jngendgelneinschast, über die Publikationen mck) die Arbeit der deutsch-jüdiscksen Arbeitsgemeinschaften wird regeknräßig lrorichtet. Schließlich erscheint 1925 die erste selbständige Jugendbeilage, für die bald Alfred Hirschberg verantwortlich zeichnet. Und cs ist in dieser rückschauenden Betrachtung vielleicht der Hinweis gestattet, daß in dieser Beilage eine ganze Reihe von Problemen, die heute zentrale Bedeutung bekommen haben, erstmalig eingehend in der „C. V.-Zeitung" besprochen wurde: die Berufsumschichtung, die Angestelltenfrage, Judentum und Kommunismus, Schulsragen, das Problem einer neuen Religiosität und so fort. Ern lieberblick über die Nummern laßt es bedauern, daß die Jugendbeilage in letzter Zeit nicht mehr erschienen ist und läßt den dringenden Wunsch nach einer recht häusigen unt> möglichst ungebundenen Fortsetzung dieser Aussprachen wach werden. Neben der Jugendarbeit tritt die F r a u e ritt r b e i t immer mehr in den Vordergrund. Sie hat in der Gründung der Berliner Frauengruppen durch Margarete Fried ihren organisatorischen Anstoß bekommen und in der Zeitung eine eindringliche Zusammenfassung in der im Letzten Jahre erschienenen Frauen- Sondernummer gefunden. Diese Sondernummern find überhaupt eine Spezialität unseres Blattes geworden. Sie haben sich aus den Zusammenstellungen entwickelt, die in den ersten Jahren als Anhang der. Zeitung veröffentlicht wurden. Unter dem Titel „Willen und Waffen" im Abwehrkamps wurden orientierende Uebersichten gebracht, unter denen die Aussätze Biujamin Segels über die .^Weisen von Zion" besonders bemerkenswert find. Don den hieraus entstandenen apologetischen Nummern heben wir nur hervor: den Briefwechsel Goldstein—Tillesen, die Nummern zur Rassensrage, die Auseinandersetzung zwischen Goldstern und Mahrann (dem damals nock) antisemitischen). Von den positiveren Dingen gewidmeten Nummern: die Rheinland- und die Oberschlesien-Nummer, die Lessing-, die Freiherr-vom-Stein- und die Mendelssohn-Nummer, und schließlich die große Sondernummer „Mitarbeit an deutscher Kultur". Unter den politischen Nummern spielen die Wahlnummern eine besondere Rolle. Ueöerhaupt ist ja die „E. B.-Zeiümg" in erster Linie ein politisches Blatt. Alle Ereigniste der deutschen Politik haben hier ihre Spur hinterlaffcn. Gleich der erste Jahrgang bringt die Ermordung Walther Rathenaus, das erste große Warnungssignal deutscher Parteiverhetzung. 1925 stirbt Ebert, und die nachfolgende Präsidentenwahl findet uns aus der Seite der Kandidaten der Weimarer Parteien. Aber noch vor der Wahl Hindenburgs schreibt die Zeitung, daß „in diesen Blättern niemals auch nur ein kränkendes Wort gegen den Feldmarschall geschrieben worden ist". Und nach der Wahl meint sie, daß ,chie Vergangenheit des Feldmarschalls die Gewähr dafür gibt, daß er bestrebt sein wird, die Gleichberechtigung und Gteichachtung aller Deutschen in gleicher Werse zur Durchführung zu bringen". 1929 stirbt Strefemarm, von uns mit allen ans-

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