Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 21 (20.5.1932)
- Date
- 1932-05-20
- Page
- Seite 208 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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L0S s C.V.-lügend Ziele und Arbeit Ist eine C. V.-Iugend notwendig, und welches ist bejahendenfalls ihr Ausgabenkreis? Die Antwort muß berücksichtigen, daß die Jugend, und die jüdische wie die nichtjüdische, ebenso Schüler wie bereits Berufstätige, stark politisiert und radikalisiert ist. Dies droht, sich verhängnisvoll für das Judentum in Deutschland auszuwirken. Wertvolle junge Menschen gehen durch die sog. „rote Assimilation" — Aufgehen in einem totalen Kommunismus — verloren. Andere wieder, und das trifft besonders auf die in den kleinen Städten oder sonst irgendwie in menschlicher Vereinsamung oder jüdischer Vereinzelung Lebenden zu, geraten in Gefahr, dem sie umgeoenden Judenhaß zu erliegen und schließlich selbst an die von den Judenfeinden ständig vorgetragene angebliche jüdische Minderwertigkeit zu glauben. Wo sich geeignete Führer finden und wo diese Aufgaben nicht eüva schon von bestehenden Jugendorganisationen gelöst werden, soll nun die C. B.-Jugend durch einen möglichst frühen Zusammenschluß der jüdischen Jugend unö durch Vermittlung von möglichst reichem jüdischen und allgemeinpolitischen Wissen eingreifen. Wissen um den Wert des Judentums erstickt Minderwertiakeitsgefühle im Entstehen, gibt aber auch die Möglichkeit, antisemitischen Angriffen im Kreise von Altersgenossen ausklärend entgegenzutreten, und erzeugt so starkes Selbstbewußtsein. Wer von Jugend an darauf eingestellt ist, sein Judentum und sein Deutschtum zu bekennen und zu vertreten, wird dieses Schicksal: Deutscher und Jude zu fein, nicht bedauern und zu ändern suchen, sondern es im Gegenteil stolz bejahen. Die Opfer, die ihm diese Haltung auferlegt, werden seine Liebe zu der von ihm verteidigten Gemeinschaft wecken und stärken und es unmöglich machen, daß er die Lösung der ihn bedrängenden politischen Fragen außerhalb oder gar in Gegnerschaft zu dein ihm überkommenen Judentum sucht. Tie Aufklärungsarbeit unserer Jugend im Kreise ihrer Altersgesährten kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Tie jüdische Jugend gibt ihren Mitschülern oft fürs Leben die entscheidende Vorstellung von den Juden. Neben der Wissensvermittlung wird daher in der C. V.- Iugend eine gegenseitige Selbsterziehung der jüdischen jungen Menschen erfolgen müsien. Fragen der Lebensverernfachung. der Berufsumschichtung, der Rückwanderung von den Großstädten in die Klein- und Mittelgemeinden werden hierbei eine gewisse Rolle spielen. Jugend suchte zu allen Zeiten Gemeinschaft. In Zeiten der Gefahr und der Bedrohung ist aber Zusammenschluß und menschlicher Zusammenhalt in viel stärkerem Maße notwendig und auch ein Bedürfnis. Die C. B.-Jugend bindet daher ihre Menschen auch kameradschaftlich aneinander. Insofern bewirkt die C. V.-Iugend dadurch vielleicht eine Absonderung von der Umwelt. Es ist dieses gewiß zu bedauern. Sie ist aber letzten Eudes auch Folge der seit Kriegsende wie auf vielen Gebieten so besonders gerade auch auf dem der Jugendbewegung rmmer mehr zu beobachtenden Konsesüonaliüerung. Diese Trennung wird die E. V.-Iugend durch aememschasttiche Veranstalrungcn mit der nichtjüdischrn Jugend in ihrer Wirkung aözu- SRoeckl-ZKandschuhe 1;. C/\ o 27 eigene Filialen in allen grösseren Stadien des Reiches schwächen suchen. Unsere jungen Menschen müsien es lernen, an die Fragen, die heute die Menschen und besonders die Jugend bewegen, vom Standpunkt immer ihres deutschjüdischen Seins aus Stellung zu nehmen. Das mag als eine Verengung erscheinen, ist aber in Wirklichkeit in heuriger Zeit eine Sicherung der eigenen Stellung. Ganz besonders muß der junge jüdische Student mit einer nicht vom Verstand, sondern vom Herzen, von der Liebe zu seiner Gemeinschaft kommenden festen Einstellung an die Universität gehen. Tenn er soll bei seiner Rückkehr in den Ferren die Arbeit in den C. V.-Jugendgruppen bereichern durch das, was er sich in Fortbildung seines eigenen politischen Wissens an der Hochschule erarbeitet hat. Die C. V.-Iugend in Oberschlesien erstrebt endlich eine Zusammenarbeit mit allen auf deutschjüdischem Standpunkt stehenden Jugendorganisationen. Die oberschlejische C. V.-Iugend ist in sich selbst nicht einheitlich. Sie gliedert sich in die Arbeitsgemeinschaften der Aelleren und in die jugendbewegten Gruppen der Jüngeren. Die Grenze bildet etwa das 16. Lebensjahr. In den Arbeitsgemeinschaften sind die großen Kreise zu unterscheiden, in denen Vorträge mit Diskussionen und ab und zu geselligen Veranstaltungen abgehalten werden, und die eigentlichen - Arbeitsgemeinschaften im kleinen Kreise, in denen die Führer für die C. V.- Iugend herangebildet und grundsätzliche Fragen besprochen werden. In den kleinen Arbeitsgemeinschaften haben sich alle Teilnehmer aus den Gegenstand der Besprechung vorzubereiten. Die Führer der einzelnen Gruppen endlich kornmen mit den Mitgliedern des Landesjugendausschusses regelmäßig zu Führerbesprechungen zusammen. um die Erziehungs- und sonstige Arbeit miteinander zu behandeln. Dr. I. Jakobowitz (Beuthen). Gautrefffen der ©bersdilesisdien C. V.-lugand Am Himmelfahrlstage traf sich die oberschlesische, vom C. D. betreute deutschjüdische Jugend in der Nähe von Tatischau auf einer Waldwiefe, um sich zum ersten Male die Gemeinsamkeit ihrer Ausgabe und ihres Zieles vor Augen zu führen. Es fanden sich etwadreihundert junge Menschen aus Beuchen, Gleiwitz, Hindenburg, Oppeln, Ratibor, Gr.-Ltrehlitz und Cosel zusammen, teils in besonderen hündischen Gruppen, teils in losen Arbeits- oder Wanderkreisen, wie sie sich im Lause der Winterarbeit herausgebildet hatten, teils auch als einzelne Teilnehmer der C.'D.-Jugendveranftaltungen. In der Begrüßungsansprache wies Tr. Erich H i r s ch b e r g (Oppeln) daraus hin, daß es die Ausgabe der Jugend sei zu lernen, wieder mit der Natur zu leben und den Einzelwillen in die Gemeinschaslsleistung einzugliedern. Nach einem Lied nahm Tr. Jakobowitz aus Beuthen die Weihe der Wimpel vor, die die jugendbewegten Gruppen aus Beuthen, Gleiwitz und Oppeln mitgebracht hatten. Ten Abschluß der Morgenfeier bildete das Eedenk- «VV* +4 ft V 4^ Wvvw/ f'-yv : / : i' 1 i! 1! ' i . » i * /: i Das brandenbrrrgische Brovinziarschulkollegium hat den Termin für die diesjährigen ElterberraLswahlen für Berlin aus Sonntag, den 2 6. Juni, festgesetzt. Tie Kandidatenlisten müssen bis spätestens 16. Juni beim Wahlvorftaud (nicht Schulleiter:) eingerercht, etwaige Einsprüche gegen die Nichtigkeit der WählerLiften bis spätestens 1 9. I u n i erfolgt sein. Tie Kandidatenlisten sind ad 1 6. I u n i durch Arrchang bekannt zumachen. Die ersten amtlicherr Elternverfammlungcn werden gleich nach Schluß Der Psingstferien stattfinden. Die Auslegung der Wählerlisten n:::ß spätsftens in der Zeit vom 2 9. Maibisll. Juni erfolgen. Tie zweite amtliche Elternversammlung, in der der Wahlvorstand gewählt wird, wird in den meisten Fällen in der Zeit vom S. bis 12. Juni tagerr. Es ist dringend notwendig, die hier angegebenen Termine sowie die Dekanntmachungerr in den Zeitungen zu beachten, um alle Ansprüche geltend machen zu könuerr. Die nachstehenden Ausführungen, die ans Anlaß dieser jetzt bevorstehenden Wahlen gemacht werden, gelten natürlich Ln gleicher Weise für die ElLernbciratswahlen in allen Gebieten Deutschlands. Die Elternbeiratswahlen sind insofern für alle jüdischen Eltern, die schulpflichtige Kinder haben, von besonderer Bedeutung, als der Elternbeirat die beratende Instanz bei allen Vorfällen des Schullebens darstellt. Insbesondere werden alle Beratungen über die Ausgestaltung von Schulveranstaltungen, Festen, Schulheimen, Schulvereinen, dann aber auch Angelegenheiten des Schullebens selbst, wie die etwaige Einrichtung von Zeitungslesezimmern usw. vom Lehrerkollegium in Zusammenarbeit mit dem Elternbeirat erledigt. Selbstverständlich trifft dies auch auf etwaige judenfeindliche Ausschreitungen größeren Umfanges ^zu. Es ist gerade im Interesse des jüdischen Schulkindes dringend notnoenfcuj, daß einer oder mehrere jüdische Vertreter tm Elternbeirat einer jeden Schule sitzen und sich tatkräftig am Leben der Schule beteiligen. Was sollen die jüdischen Eltern wählen? Bisher gab es bei den Elternbeiratswahlen immer zweMListen: Die Liste „^chulmrsbauch die die Jnrere^en der svziuloLuwkt.^stschc-u Elternschaft vertritt, und die sog. „Christlich-Unpolitische Liste", die alle Bürgerlichen von der Staatspartei bis zu den Teutschnationalen umfaßt. Es ist aber durchaus möglich, daß bei diesen Wahlen die Nationalsozialisten eine eigene Liste aufstellen; größte Wachfamkeit^ist vonnöten. An der Mehrzahl der Berliner schulen, insbesondere der höheren Schulen, hatte man sich in früheren Jahren, da beide Listen einzeln nicht die notwendige Zahl Unterschriften für den Wahlvorschlag aufbringen konnten, auf eine sog. Einheitsliste geeinigt, die Vertreter'aller Richtungen umfaßte. Auch diesmal wird dies an einer großen Anzahl von Schulen der Fall fein. An solchen Schulen werden die Nationalsozialisten versuchen, eine möglichst große Anzahl ihrer Leute in die Elternbeiräte zu bringen, bzw. die amtlichen Versammlungen miL_ viel Stimmaufwand zu beherrschen. Alle fortschrittlich denkenden Eltern und ganz besonders die jüdischen Eltern müssen also möglichst zahlreich^diese Versammlungen besuchen, nie müssen, wenn nötig, in der Diskussion reden und selbst Vorschläge für die etwaige Einheitsliste machen. Je zahlreicher Vertreter der fortschrittlichen Elternschaft im Elternbeirat vorhanden sind, desto eher ist die Gewähr für eine Gestaltung des Schullebens im fortschrittlich-republikanischen Sinne gegeben, desto besser können etwaige j u d e n s e i n d l i ch e Strömungen in Schach gehalten werden. Nicht anders ist es natürlich dort, wo eine Listen- Wahl zustande kommt. Jüdische Eltern müssen entsprechend ihrer politischen Einstellung ihre S t l m m e 8 u m Wohle ihrer Kinder abgeben. Bisher ist es meist gelungen, auch jüdische Vertreter aus die sog. „Christlich-Unpolitische Liste" zu bringen. Wie wichtig das angesichts der nationalsozialistischen Zersetzungs- und Verhetzungsbestrebungen gerade innerhalb des mittelständischen Bürgertums ist, muß allen verständigen Eltern einleuchten. Also, jüdische Eltern, wahrt eure Rechte als Eltern schulpflichtiger Kinder, und beraubt euch ihrer nicht durch Fernbleiben von den vorbereitenden Besprechungen zu den Elternbeiratswählen! 11.6.