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Central-Verein-Zeitung · 1932-05-13 · 20 (13.5.1932) · p. Seite 194

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
20 (13.5.1932)
Date
1932-05-13
Page
Seite 194 (sequence 2)
Language
German
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1-4 Politik. Dagegen wird jetzt die Innenpolitik'zum Kampfobjekt zwischen den vier großen Parteien, die nach der Bestandsaufnahme der letzten Wahlen und nach der Abschreibung der bürgerlichen Mittel- Parteien noch geblieben sind. Für die kommenden Kämpfe um Verfassung und Gleichberechtigung wäre es verhängnisvcll, wenn es dem fortschrittlich und freiheitlich gesinnten Bürgertum nicht gelingen sollte, wieder zu politischer und parlamentarischer Zusammenfassung und Repräsentation zu gelangen, wenn es sich resigniert damit absinden wollte, nur noch (in Variation eines Vorkriegswortes) Objekt, nicht mehr Subjekt der Gesetzgebung zu feilt* „In Kümmernis und Dunkelheit Ta mußten wir sie bergen! Nun haben wir sie ^doch befreit. Befreit aus ihren bärgenI Ha, wie das blitzt und rauscht und rollt! Hurra, du Schwarz, du Not, du Gold!" Wahrend der Tage des Frankfurter Parlaments wehten die Farben Schwarz-Rot-Eold von den Häusern der alten Reichsstadt. Aber als das Parlament kläglich endete, hob die Reaktion im Jahre 1850 ihr Haupt wieder und die Farben Schwa rz-Rot-Eold wurden geächtet. Doch wetzte vom Jahre 1859 an wieder ein freiheitlicher Wind durch die deutschen Gaue, als der italienische Krieg und die bedeutsame Jahrhundertfeier von Schillers Geburtstag im Jahre 1859 eine mächtige nationale Welle auslösten, die durch die Ereignisse in Schleswig- Holstein noch anwnchs. Die Bursä)ensä)astön trugen jetzt wieder öffentlich ihre alten Farben, und andere Organisationen ahmten ihnen nach, Sänger, Turner, Schützen. Und die Fürsten sahen das ruhig mit an. So begrüßte zum Beispiel der jugendliche Großherzog Friedrich I. von Baden im Jahre 1862 die unter Schwarz-RoL-Go!d tagende Lehrerversammlung in Mannheim. Und im Jahre 1864 schlug König Ludwig I. von Bayern allerdings ohne Erfolg — die Farben Schwarz-Rot-Gold wieder als Bundesfahne vor. Als der Krieg zwischen Preußen und Oesterreich im Jahre 1866 ausbrach, hißte der Deutsche Bundestag in Frankfurt die „deutschen Farben"', und die gegen Preußen kämpfenden Kontingente der süddeutschen Staaten trugen schwarz-rot-goldene Armbinden. Das Jahr 1848 hatte, allgemein gesprochen, die ersehnte Freiheit der Persönlichkeit geboren; das Jahr 1871 brachte durch Bismarcks politische Tatkraft dann auch noch die Einheit des Reiches. Noch wehten während des Deutch- Franzosischen Krieges bei Siegesnachrichten fast überall die schwarz-rot-goldenen Flaggen, noch wurde auch nachher der „Sedanstag" mit Schwarz-Rot-Sold gefeiert. Aber als das neue Reich geschaffen war, da gab man ihm neue Farben. In der Verfassung von 1871 heißt es. „Die Flagge der Kriegs- und Handelsmarine ist schwarz-weiß-rot." lim die Vorherrschaft Preußens auch äußerlich kundzutun, hatte man das h oh enzo tierische Schwarz-Weiß gewählt, dem man dann (da die preußischen Farben allein aus Widerstand gestoßen wären) als Ergänzungsfarbe das Rot hinzufügte. Ob das hinzugefügte Rot nirr gewählt wurde, weil es die Flagge weithin deutlich sichtbar machte, oder ob es die alte brandenburgische Farbe ist, so daß damit die Vormachtstellung Brandenburg-Preußens symbolisch verewigt werden sollte, das hat Bismarck niemals gesagt und ist auch öis^heute noch nicht entschieden. So wurden Lchwarz-Weiß-Rot die Farben des neuerstandenen Kaiserreichs, und sie haben über eine glorreiche Zeit des Aufschwungs und einer wiyenschastlich-künstlerischtechnifchen Entfaltung geweht. Damit wurden sie Sinnbild des „Größeren Deutschlands. Die Revolution des Jahres 1918 hat das Kaisertum wieder beseitigt, und die Weimarer Verfassung hat statt der sogenannten Kaiserfarben wieder die freiheitlichen Farben der Lützower, Jahns, Arndts. Uhlands zur Reichsflagge erklärt. Man kann darüber streiten, ob es nicht beycr gewesen wäre, die Farben des Kaiserreichs — aber sie waren ja, genau genommen, nicht diese, sondern sie waren zu den Farben Alldeutschlands geworden — bestehen zu lasten. Ans jeden Fall aber ist es undeutsch, die neuen Farben zu beschimpfen. Sie haben eine ehrenvolle Vergangenheit, sie verkörpern den Teil der deutschen Geschichte, in dem das Volk mündig wurde . . . Darum sollte man diese ehrenvollen Farben öffentlich zeigen. Mögen sie das Ideal, das sie verkörpern, wiederbringen: innere und äußere Freiheit! Prof. Dr. Ferdinand Gutheim (Freiburg i. Br.) % «V, r. Die Jahne öes Hambach er Festes / Zur Erinnerung an Pfingsten 1932 Vor hundert Jahren wurden zum erstennrar die FarLen SHwsrz-Not-Goid als Symbol der Freiheit und des Vaterlandes proklamiert; heute sind sie Gegenstand heftigster politischer Bekämpfung und als „Judenfahne" diffamiert. Die hundertste Wiederkehr des Hambacher Festes, das Pfingsten 1832 die freiheitliche« Elemente in Deutschland zu neuem Aufschwung begeisterte, gibt zu nachstehender geschichtlicher Erinnerung Anlas;: hatten, und so sind heute noch die Farben der auf allen deutschen Universitäten vertretenen Burschensckpsten Schwarz-Rot-Eold. Und auch der Turnvater Jahn wühlte damals Schwarz- Rot-Gold zu den Farben seiner Turnerscharen. Da aber Fürst Metternich, der damalige österreichische Minister und Lenker der Geschicke Westeuropas, als ausgesprochener Reaktionär jede freiheitliche Bewegung haßte und in den Farben ^chwarz-Not-Gold das Sinnbild fortschrittlicher Freiheitsbewegung erblickte, zumal nach dem studentischen WartburgfesL 1817 und dem Attentat des Studenten ^and auf den Dichter Kotzebue in Mannheim rrn^Jahre 1819, verbot er sie. Von nun an war '^chwarz-Rot- Gold, zum Märtyrer geworden, das Dymbol der Freiheit. Kein Fürst duldete diese Farben. Nur die Landesfaröen waren zu tragen erlaubt. Deutschland aber, das als Deutscher Bund auf dem Wiener Kongreß im Jahre 1815 wieder lose zusammengefügt worden war, hatte keine einheitliche Flagge, und wenn es einmal eine solche brauchte, so galt wieder dafür das Gelb-Schwarz Oesterreichs, das auch im Deutschen Bund wieder Präsidialmacht geworden war. Da kam eine neue Freiheitswelle infolge der französischen Julirevolution im Jahre 1869. Auf dem „Hambacher Fest" zu Pfingsten 183 2, bei dem auf der Pfälzer Maxburg aus allen Teilen Deutschlands Frecheitssreunde, vor allem Studenten, zusammenkamen, um gegen den absolutistischen Druck der Fürstenmacht zu opponieren, wurde Schwarz-Rot-Eold als neichsfarbe ausgerufen, und das sich nach Freiheit sehnende Volk jubelte dem Beschlüße zu. Daß diese Farben von der Reaktion nun noch mehr gehaßt und verfolgt wurden, ist natürlich. Um nur ein Beispiel anzukühren: Ter bekannte plattdeutsche Dichter Fritz Reuter, der als „vaterlandsgefahrlicher Demagoge* sieben Jahre im Gefängnis schmachten mußte, war dadurch seines hochverräterischen Treibens überführt worden, weil er „am hellichten Tage" das schwarz-rot-goldene Burfchenband auf der Brust zu tragen gewagt hatte. Ta kam endlich das Jahr 1848, das die Fesseln des PolizeistaateZ durchbrach. Unter seinem Eindruck erlaubten die deutschen Fürsten jetzt nicht nur die Farben, sondern der Bundestag erklärte sie sogar für die offiziellen Farben des Reicks. Am 9. März dieses Jahres flatterten die Farben Schwarz-Rot-Gold au? der Arbeitsstätte des Bundestages in der Eschenheimer Straße in Frankfurt a. M. Und am 31. März erklärte der preußische König Friedrich Wilhelm IV., daß er „diese alten deutsck^n Farben angenommen und sich unter das ehrwürdige Banner des Deutschen Reiches gestellt hatte". d Alle deutschen Bundestruppen wurden jetzt mit dieser „deutschen" Kokarde versehen. Damals sang der wegen „hochverräterischer Absichten" in . der Verbannung in London lebende Dichter Ferdinand Freiligrath: Ter Begriff Vaterland umfaßt eine Summe von Kräften: den Boden, der uns ernährt, auf dem unsere Eltern und Großeltern gewohnt und sich gemüht haben; die Berge, Täler, Wälder, Flüsse, die uns umgeben; die Tichtenverke, die unsere Gefühle und Gedanken in poetischer Form auswrechen; die Menschen, in deren Mitte wir leoen, mit denen wir zusammen unserer Heimat Wohl und Wehe durchlebt haben. „Vaterland" ist ^unabhängig von Staatsformen und Dersagungsvaragraphen. Wenn es aber einen WesensauZdruck in der Derfaffung gefunden hat, dann muß diese zum Maßstab der Einstellung zum Vaterlands werden. Symbol dieser Einstellung ist die Achtung vor den Farben des Reiches. Nach Artikel 3 der Reichsverfassung sind die Reichsfarben schwarz-rot-gold, mit diesem Artikel hat die Reichsverfassung nicht irgendeine willkürliche Fahne geschaffen, sondern sie hat sich damit an die alte deutsche GeschichtsenLwrcklung angelehnL. Das im Jahre 962 von Otto dem Großen geschaffene alte heilige „Römische Reich deutscher Nation" stand seit 1438 (vorher schon unter vereinzelten Herrschern wie Rudolf von Habsburg, feinem Sohn Albrecht I. und seinem Enkel Friedrich von Oesterreich) dauernd unter ver Führung Habsburg-Oesterreichs, deflen Fahnensarben Gelb-Schwarz (schwarzer Reichsadler in goldenem oder gelbem Felde) in gewissem Sinne auch die Farben Deutschlands darstellten. (Nebenbei gesagt waren dreifarbige Fahnen und Wappen bis in die neueste Zeit unbekannt. Erst die französische Revolution von 1789 setzte zum erstenmal zwischen die Pariser Stadtjarben Blau-Rot das Weiß des königlichen Lilienbanners.) Das blieb so, bis unter Napoleons wuchtigem schritt das alte Deutschland tm Jahre 1806 zusammenstürzte. Jetzt löste sich das Reich in seine einzelnen Teile auf. Deutschland war, wie man zu sagen pflegt, kein politischer Begriff mehr, sondern nur noch ein geographischer. Es gab einzelne Landessaröen. aber keine Reichsfarben mehr. Bald nach dem Zusammenbruch kamen die Befreiungskriege 1613/14. die den Siegeslauf Bonapartes ein jähes Ende bereiteten. Eine vorher noch nie erlebte vaterländische Welle durchflutete damals alle deutschen Herzen. Unter den Kämpfern zeichnete sich besonders das Freikorps von Lützow aus, das durch Theodor Korners Gedicht „Das war Lützows wilde^verwegene Jagd" unsterblich geworden ist. '^eine Feldzeichen waren ^chwarz-Rot-Gold. Und da dieses Korps die Bewunderung aller erregte, wurden seine Farben^beliebt und nachgeahmt. Rach Napoleons ^turz schlossen sich zur Förderung der neuzeitlichen Gedanken von Neichseinheit und persönlicher Freiheit, die die große französische Revolution kurz vorher verkündet hatte, die fortschrittlich gesinnten Studenten zusammen und bildeten in Jena im Jahre 1615 die Deutsche Burschenschaft. Diese wählte die Farben des Lützow schien Korps, zumal viele ihrer. Kommilitonen darin gedient

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