Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 20 (13.5.1932)
- Date
- 1932-05-13
- Page
- Seite 193 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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M. .:;.J Li»f!'{g' .«l*i* V -; -•«?'v <> 4? W v v^i fr"rt 19 S.1S32 Verlkrr, 13. Mai 1932 XI, Jahrgang ♦ Nr. 20 Einzelnummer LS Pfennig A >• UWMWl? \ /C? A. LSAD» INWNllNl Biertelrahrsabonnew.ent 2.22 SlM. (zuzügl. Destell^eld). .*V% , 4V*u«mu£ Ä *>-> Ivv^ r<Vj / - ‘ -V'-' J&t& Ä/ sy^ ^j| m KmÜMSs-V. Allgemeine Zeifung des Judentums Verlag und Schriftleitung: Berlin ^"13, E^.serSK. 42. Fernsprecher: ^2 Oliva 5074. .:. Poftsch-Äonto: Berlin 304 72. .:. Bankkonto: Dresdner Bank, Dspositenkasse Bi, SJecltruSirirtecs&otf 1, Hohrnzrrllerndamm 196, und von Solöfchmidt - Rothschild & Co., Berlin W8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Exprdinon Rudolf Moffr. Berlin 8V7 109, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,99 tfJi für die 7gespnltenr Zeile nach Rudolf Massrs Sronnalzsilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuchs (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralverrins 6,4ö JiJi, dis 62 mm breite Reklamrzeile 3,5*> c7iJL rs-^ Vf ,4 A . A Vf / A A /PN 'AWM*® iys-AtjfV\'X j £\syKi \ A * i>yv^ i5! -■' H! 1 i 1 I; [ I : -; j ) r \\ '1 ’ : ’ 1; : '; | * J 1! : I j/t; V < ■'! f )! V \ ■. 1 -! ' }; j *!; j/ ■ M a/ ^s/ ‘■^s/ Ivy v v vy*’ v V i^"-/ **»* w W'V'/V jf' y Dsn Dr. Ernst Fsösr Groener bleibt. Tie Gerüchte hatten eine Auf den ohrenbetäubenden Lärm, jrttt Lern die Wahlkämpfe des März und des April diese beiden Monate ungefüllt hatten, war im Mai zunächst eine fast befremdende Stille gefolgt, die auch in der Eröffnungssitzung des Reichstags deutlich zum Ausdruck kam. Leit dem Anschwellen des Radikalismus zur Rechten und Linken, der beiden grundsätzlich antiparlamentarischen Flügelparteien, haben wir uns so sehr daran gewöhnt, Reichstagssitzungen mit Lärmszenen und stürmischen Zwischenfällen gleichzusetzen, daß eine Parlaments sitzung, in der lediglich parlamentarisch diskutiert wird, uns wie eine Ueberraschung erscheint. Diese Ruhe nach dem Sturm war gewiß nicht einer pfingstlichen FriHensstimmung entsprungen. Sie war lediglich ein Anzeichen dafür, daß die Nationalsozialistische Partei den Wunsch hat, die Rolle des lärmenden Außenseiters mit der des salonfähigen Mitspielers zu vertauschen, und daß sie sich jetzt stark genug fühlt, um Machtpolitik hinter den Kulissen zu treiben und die Agitationspolitik auf offenerer Bühne aufzugeben oder doch aufzuschieben. Wer am letzten Montag die sonst so streitlustigen Scharen des Herrn Frick die scharfe Polemik Breitscheids gedlldig hinnehmen sah, war sich über diesen Wandel nationalsozialistischer Taktik sofort klar. . Auch am Dienstagvormittag noch hielt diese friedliche Stimmung an, und erst am Dienstagnachmittag, in der heftigen Auseinandersetzung mit dem Reichswehrminister Groener, enthüllte der Nationalsozialismus wieder sein wahres Gesicht. Derselbe Herr Straffer, der am Vormittag eine zwar inhaltleere, aber in der Form gemäßigte Rede zur Wirtschaftspolitik gehalten hatte, trieb am Nachmittag wieder unverhüllte Demagogie, und der von dem Reichswehrministor dokumentarisch geführte Nachweis, daß die „nationale" Gesinnung der Nationalsozalisten mit der Verweigerung der Erfüllung der selbstverständlichen vaterländischen Pflicht gedroht hat, machte aus der bis dahin in Disziplin gehaltenen Fraktion wieder eine in hemmungslosen Beschimpfungen sich ergehende lürrnende Schar. Die Natur durchbrach die Taktik. Und doch ist damit zu rechnen, daß die Nationalsozialistische Partei, um zur Macht zu gelangen, wieder parlamentarische Mimikry treibt — das Reich interessiert sie im Moment weniger als Preußen. Die Gerüchte um eine Acnderuug in der Zusammensetzung der Neichsregierung sind vorläufig verstummt. B r ü n i n g bleibt und reale Ursache. Aber diese Versuche, im Anschluß an das Wahlergebnis in Preußen entscheidenden Veränderungen im Reichskabinett den Weg zu ebnen, gingen nicht von nationalwzialkstischer Seite aus, sondern von solchen Kreisen, die in der Erwartung nationalsozialistischer Mitwirkung rechtzeitig eine Art Auffangstellung beziehen wollten. Tie Nationalsozialisten, hat mancher Mißerfolg gelehrt, daß man auch in der Politik die Artischocke nur Blatt für Blatt verspeisen kann. Sie richten ihre Blicks deshalb zunächst aus Preußen. Sie haben begriffen, daß man ganz gut auf die unangenehme Verantwortung für eine unpopuläre Außenpolitik und Finanzpolitik im Reiche verzichten kann, wenn man inzwischen in Preußen die Machtpositionen besetzt, die diföderative Reichs- Verfassung den Ländern und ihrer Derwaltunaserekutive überlassen hat. Don diesem Standpunkt aus ist die programmatische Rede zu berverten, die Herr Kube, der Vorsitzende der nationalsozialistischen Landtagssraktion, kürzlich in Kassel gehalten hat — eine Kundgebung aufschlußreich in dem, was sie sagt, wie in dem, was sie verschweigt. Kein Wort von Juden und Judentum in der ganzen langen Rede. Gewiß wäre es falsch, deshalb anzunehmen, daß das antisemitische Schlagwort lediglich zum Stimmenfang verwendet worden und nun in die Rumpelkammer abgelegter Dekorationsstücke getan sei. Llber es ist immerhin charakteristisch, d'vß, sobald eine praktische politische Ausgabe gestellt wird — und Kube war sichtlich bemüht als praktischer Politiker zu reden — die völkische Phrase versiegt. Und ebenso interessant ist ein Gegenbeispiel. Den Deutschnationalen rief der nationalsozialistische Sprecher zu, daß die Nationalsoziali'-ten sich nicht mit dem Begriff des „Sozialen" begnügen, sondern „sozialistisch" bleiben würden. Gerade diese Wendung aber unterschlägt das Kasseler Blatt, das sonst die Rede des Fraktionssührers auf zwei Seiten ausführlich wiedcrgibt —• gewiß ein charakteristisches Beispiel jener Agitation mit auswechselbarem Boden, die je. nach den Interessen der Schichten, an die man sich wendet, bald die eine, bald die andere Seite hervorzukehren liebt. Die Lage der beiden politischen Hauptsaktoren der Stunde, des Zentrums und der Nationalsozialisten, ist fast die gleiche: äußerlich Ruhe und Zuversicht, allgemeine unverbindliche Demerkungeu der Koalitionsbercin'chaft, Auf- Vmösr Kmöhsfs- »Lö SpKa§s§Mfchäs.KuAg Auf dem jüdischen Friedhof in Turbach bei Ofsenburg wurden 13 Grabsteine unrgestürzt. Die Aufklärung der Tat ist schnellstens zu erwarten. Die Synagoge in Krossen a. v. O. wurde mit der Inschrift „Zerschlagt die Judenpest" besudelt. Obwohl-der Bürgermeister selbst die Untersuchung des Falles leitet, konnten die Täter noch nicht ermittelt werden, doch vermutet man sie in den gleichen Kreisen, die schon oft die Fenster und Geschäfte der jüdischen Bewohner mit Hakenkreuzen und Inschriften verunziert haben. trumpfen mit Wahlerfolgen: innerlich Unsicherheit und Zweifel, ob mit diesem Partner eine Ehe möglich, die grundsätzliche Beweitwilligkeit des andern ernst gemeint sei. Wägt man die Chancen des Augenblicks, so kommt man auch, abgesehen von der Entlarvungsszene im Reichstag, zu dem Ergebnis, daß die Verhandlungen in Preußen ebenso erfolglos bleiben werden wie die in Hessen, das übrigens jetzt durch eine recht formalistische Entscheidung des Slaatsgerichtshof zu neuen Wahlen gezwungen wird. Jedenfalls ist mir der Wahrscheinlichkeit rechnen, daß in Preußen dieses Tauziehen hinter den Kulissen noch geraume Zeit fortgeseht und gleichzeitig der offene Kampf gedäinpft wird, um erst dann wieder heftigen Auseinandersetzungen Platz zu machen, wenn die Nationalsozialisten in ihrer Hoffnung, jetzt endlich zur Macht gelangen, sich getäuscht sehen. Neben Zentrum, Nationalsozialismus und Sozialdemokratie schiebt sich langsam auch der Kommunismus wieder als Machtsaktor in den Vordergrund. Auf kommunistische Hilst zählen die Nationalsozialisten, wenn die Rechnung mit dem Zentrum fehlschlägt. Im Bunde mit ihnen wollen sie die alte Geschäftsordnung wiederhcrstellen, die die Wahl eines nationalfozialistischen Ministerpräsidenten mit nur relativer Mehrheit erlaubt, und zusammen mit den feindlichen Brüdern von links wollen sie wenigstens den Landtag wieder auflösen, wenn ihnen mit der jetzigen Stimmenzahl die Erringung der Macht nicht gelingt — Aimahernngsversuche, deren Erfolg höchst zrveifelhast ist. So bleibt Ilnklarheit und Ungewißheit das Merkmal der Situation. Wer sie deuten will, gleicht dem Manne, der mit der Stange im Nebel herumfährt. Die Wiedenvahl Hindeuburgs und das jüngste Bekenntnis Brünings zur Fortsetzung aktiver Verständigungspolitik sind Bürgen einer konstanten, alle Abenteuer ablehnenden Außen-