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Central-Verein-Zeitung · 1932-05-06 · 19 (6.5.1932) · p. Seite 187

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
19 (6.5.1932)
Date
1932-05-06
Page
Seite 187 (sequence 7)
Language
German
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J87 Mli & -&1 '■ St'Wli'yiyii'fcäii LandesöeröLnös'Tcgung in TWrmgen Die Vertreter des Landesverbandes Thüringen des Centralvereins traten am Sonntag, den 17. STprif, zu einer Beratung Zusammen, die unter dem Zeichen der Politischen Arbeit für die Wahlen und der Aktivierung der Ortsgruppen und Mitglieder stand. Als Vertreter der Vereinsleitung war der stellvertretende Syndikus Dr. Alsred Hirschberg (Berlin) erschienen, der in einem großangelegten Referat die Zusammenhänge der politischen Gegenwartsfragen mit'dem Schicksal der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland und die zahlreichen Möglichkeiten einer kraftvollen Auseinandersetzung mit den Schwierigkeiten der Gegenwart aufzeigte. Zuvor war nach einem Referat von Dr. Hirschb e r g über eine wichtige organisatorische Frage, die Uebersührung des Landesverbandes Thüringen in einen neu zu gründenden großen mitteldeutschen Landesverband des Centralvereins eine einstimmige Beschlußfassung der Versammlung erzielt. Ter Landesverband benutzte diesen Anlaß, um seinem langjährigen Vorsitzenden, der auch diese Veranstaltung leitete, Rechtsanwalt Tr. Freudenthal (Erfurt), den herzlichen Tank für seine unermüdliche Führung und Arbeit auszusprechen, eine Kundgebung, die Dr. Freudenthal seinerseits auf die Mitglieder des Vorstandes und vor allem auch aus den langjährigen Syndikus des Landesverbandes, Leo K a m n i tz e r (Erfurt), übertrug. Am Abend zuvor hatte Tr. Hirschberg auf einer Ortsgruppcnversammlung über das Thema „Politische (Schicksalsstunden" gesprochen. Ein zahlreiches Publikum folgte mit' gespannter Aufmerksamkeit den Mitteilungen des Referenten. AuWrumZLLMmmlmg in gerne Tie Synagogengemeinde Herne veranstaltete mit Unterstützung der Ortsgruppe Herne -es Eentralvercins zwei Aufklärungs- Vorträge unter dem Stichwort: „Gibt es jüdische Geheimlehren?" Die Veranstaltungen waren sehr gut besucht, so daß die dafür bereitgestellte Synagoge mit etwa 900 Personen überfüllt war. Neun Zehnte! der Besucher waren aus nichtjüdischen Kreisen, deren Vertreter wiederholt ihren Tank für die erhaltene Aufklärung aussprachen. Im ersten Vortrag behandelte Rabbiner Tr. Hahn (Essen) die Frage: „Was steht im Talmud?" Rabbiner Dr. Eschelbach er (Düsseldorf) sprach im zweiten Vortrag über die Frage: „Was ist der Sinn des jüdischen Zeremonialgesetzes?" Tie drei Herner Tageszeitungen brachten ausführliche Berichte. Tie auftlärenden und belehrenden Darlegungen der beiden Redner fanden bei den Zuhörern so reges Interesse, daß sie um weitere Veranstaltungen baten. Ter Verlaus der Abende hat gezeigt, daß es nicht nur eine Notwendigkeit, sondern auch eine Möglichkeit ist, in den mittleren und kleinen Gemeinden derartige Veranstaltung zu nracheu. . Jüdische KmdernoL in Thüringen. Der Aufruf, mit dem der Jüdische Frauenbund vor einigen Jahren cm die jüdi'che Ocjfcntlicfifcit herangctreten ist, um die Ausincr'samkeit für die jüdische Nindernot in Thüringen zu erwecken, hat dankcnswerLerwcise einen starken Widerhall in den jüdischen Herren gesunden. Wenn auch die Verwaltungen der verschiedenen Erholungs. und Erziehungsheime trotz eigener Schwierigkeiten die Arbeit wesentlich erleichtern, so sind doch immerhin noch beträchtliche Summen nötig. — Spenden wolle man gütigst senden an: „Jüdischer Frauenbund" Abt. Rinderhilfe, Postscheckkonto Berlin NW 7, Nr. 96602 oder: Jüdische Äinderhilfe, z. Hd. Frau Dina Schüftan, Erfurt, Eoethestraße 4, oder: Postscheckkonto 16666-2 Erfurt, für Herrn Dr. Schüftan (Kinderhilfe). 9T\ fn^i Grne Besprechung des Buches: „Was wir vom Nationalsozialismus erwarten. Zwanzig Antworten." Herausgegeben von Albrecht Erich Günther. Verlag Eugen Salzer- HeiLbronn 1932 „Tie ZudLnfrage wird aus dem Stand der Propaganda in den Stand der praktischen Politik übergehen." Zum geistigen Vortrupp des Nationalsozialismus ist in den letzten Jahren an der Spitze einer ganzen Reihe von nationalistischen Gruppen und Verbänden der Kreis geworden, der sich als Mitarbeiter und Leser um die Zeitschrijt „Deutsches Volkstum" gebildet hat. Tie Herausgeber, Wilhelm Stapel und Albrecht Erich Günther, sind auch entscheidend beteiligt an einem soeben erschienenen Buch ,Mas wir vom Nationalsozialismus erwarten. Zwanzig Antworten." Herausgegeben von Albrecht Erich Günther. Es ' will eine Sammlung überparteilicher Vekenntnisie sein, die in der Hitler-Bewegung eine große Hoffnung sehen und sich von ihrem Sieg die Ausrichtung einer echten Obrigkeit im Gegensatz zu dem heute noch herrschenden Parteienstaat erwarten. Es handelt sich, von Stapels hier entscheidendem Beitrag abgesehen, nur um ernst gemeinte, von einem guten, nie unedlen Willen beseelte Aeußerungen jenseits der Propaganda und der nationalistischen Hetze, aber auch jenseits von Gründen, jenseits von der uns noch lebenswichtigen Haltung der Gerechtigkeit, die für uns immer der Prüfstein geistiger Zucht bleibt. Für die zwanzig Antworten ist dagegen der Glaube die höchste Lebensmacht, das andere nur Meinung, Wunsch, Illusion und Doktrin, ,^)as vor dem ernsten Anblick der Notwendigkeit wie Spreu zerstiebt". Ter Geist, aus dem das Buch entstanden ist, wird nach dem Vorwort des Herausgebers am besten von dem einleitenden Aussatz von August W innig ausgedrückt. Winnig schildert den „Weg zur nationalen Arbeiterbewegung" und als ihre notwendigen Wesenszüge „rücksichtsloses Kämpsertum" und „leidenschasrliche Ablehnung des Juden in der Politik". Allen Antworten liegt dementsprechend die gleiche Deutung des deutschen Geschichtsablauss seit 1918 zugrunde. „Ministerialbürokratie und Börsenfinanz teilten unter sich die tatsächliche Herrschaftsgewalt der durch Parteianarchie zerrütteten, vom Geiste des Liberalismus und des Marxismus beherrschten Staatswesens, das vorgab, eine soziale Demokratie zu sein." Dem „nachnovemberlichen Parteicnstaat" stellt der neue Nationalismus den „Ausbau einer neuen Volksordnung" unter striktester Ablehnung der „liberalen Gleichheitsvorstellung" gegenüber. Das alles kehrt wie im „Deutschen Volkstum", der „Tat", und den kleineren Blattern, die die literarische Konjunktur in großer Menge hervorgebracht hat, in den zwanzig Aeußerungen, in allen möglichen Abwandlungen, immer wieder. Willkürliche Bereinerleiung der kapitalistischen Groß-Bourgeoiste, angeblich hervorgegangen aus der artfremden bürgerlichen Gesellschaft der französischen Revolution, mit dem Judentum! In einem Atem, ohne Wimperzucken, Gleichsetzung ein und desselben „Judentums" mit denn Marxismus, dem Geist „einebnender Gleichmacherei" und fesselloser Ichsucht"! Dagegen als Ziel Wiederbelebung des entseelten ständischen Gemeinwesens aus der Gesinnung der christlichen Gemeinde und der germanischen Genossenschaft mit der Konsequenz der restlosen Ausscheidung der Juden aus dem öffentlichen Leben in jeder Form! Das sind die jetzt allgemein geläufigen neuromantischen Töne und Formulierungen, die man wie alle literarischen Moden ablausen lasten muß. Einwände, klärende Geschichtstatsachen, Debatte, Durchflößung der Wortnebel, werden dagegen als echt jüdische, liberalisierende, ewig zu verdammende Mittel einer verständnislosen, absterbenden Cesellschastsschicht abgewiesen und in Verruf getan. Soviel vom Geist dieser Erwartungen! Was uns mehr interessiert, ist der Schlußbeitrag des Hauptmitarbeiters Wilhelm Stapel, in dem diese Sammlung gipfelt: „Versuch einer praktischen Lösung der Judenfrage." Nach der Lektüre dieses „Versuches" wird hoffentlich von jüdischer Seite jede Neigung verschwunden sein, mit Stapel (wie auf der Nyoner Tagung und auch später öfters) eine Verständigung zu finden. Schon der Anfang ist eiuladend: „Die Judensrage wird aus dem Stande der Propaganda in den Stand der praktischen Politik übergehen. Dann wird es sich zeigen, daß man die Jllden weder stotschlagew noch ,austreiben' kann, erstens weil es schwer ist, festzustellen, wer denn nun wirklich Jude sei und wer nicht, zweitens weil die außenpolitischen Wirkungen in Betracht zu ziehen sind." Eine stillschweigende Lösung komme nicht in Frage, denn in Deutschland seien die Juden (im Gegensatz zu anderen Landern) zu laut. Die Juden haben hier jede Verständigung mit dem nationalen und konservativen Deutschland abgelehnt: ,Ln Deutschland hat sich das Judentum als ganzes mit den Ideen der französischen Revolution verbunden: es pflegt den französisch verstandenen Liberalismus, es hat insbesondere den militärischen (nicht aber den wirtschaftlichen) Pazifismus ausgebildet. Damit hat es sowohl außenwie innenpolitisch eine ganz bestimmte Parteistelluug eingenommen. Es bekämpft den Nationalismus und die konservative Haltung. Tie Juden in Deutschland haben ihre soziale Existenz an die Geltung der französischen Ideale geknüpft. Sie sind die intellektuellen Soldaten des französischen Imperiums geworden. Eben darum sind sie, wie die Franzosen selbst, an der staatlichen Schwäche Des Deutschen Voltes interessiert. Das hätte nicht so sein müssen. Man könnte sich ein konservatives Judentum denken, das, sich selbst behauptend, außerhalb der politischen Kämpfe verblieben und mit den konservativen deutschen Mächten in ein Ordnnngsverhältnis gekommen wäre. Weit die Juden das verschmäht haben, weit sie Partei in unserer Sache ergriffen haben, darum haben sie bei unserem Vordringen ein schlechtes Gewissen." Den erschöpfenden Gründen Stapels für eine trockene „Lösung der Judenfrage" und seiner infamen Aechtung der Juden als Deutsche entsprechen seine praktischen Vorschläge. In der künftigen ständischen Volksordnung ist das Judentum ein besonderer Stand, aber nicht im Sinne einer in anderen Staaten geläufigen Autonomie; der Stapelsche jüdische Stand ist vielmehr aus reinem Haß erzeugt: „Ter jüdische Stand hat eine besondere Religion (nicht nur ,ein anderes Bekenntnis"), besondere Gebräuche und Sitten, be-

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