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Central-Verein-Zeitung · 1932-05-06 · 19 (6.5.1932) · p. Seite 183

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
19 (6.5.1932)
Date
1932-05-06
Page
Seite 183 (sequence 3)
Language
German
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1 1$3 Wir glauben, daß diese zweifellos vorhandene Oberflächlichkeit auf mangelnde Sachkenntnis zurückzusühren ist und wollen deshalb Herrn Major Borck gern Gelegenheit geben, in diesen Blättern selbst den großen Teil seiner Rundfunkhörer, die er am letzten Dienstag mit seinen Ausführungen verletzt hat, über seine Gesinnung aufzuklären. Er möge uns antworten, sofern er will. Bekanntschaft mit der wirklichen Gesinnung eines Vertreters der deutschen Juden nicht vermittelt wurde, blieben sie hierüber im unklaren oder falsch unterrichtet. t Der Rundfunk legt Wert darauf, daß er seinen überparteilichen Charakter wahrt. Wir vermögen nicht anzuerkennen, daß dieser Grundsatz bei der Durchführung der Veranstaltung von Dienstag aufrechterhalten blieb. . Zahllose deutsche Juden sind bereit, sich vor dem Mikrophon mit jedem Gegner über jede Frage, die das Judentum unb die Stellung der deutschen Juden innerhalb der deutschen Volksgemeinschaft und des deutschen Kulturkreijes berührt, zu unterhalten. Solange die Deutsche Welle keine Gelegenheit hierzu gibt, bleibt die Feststellung zu Recht bestehen, daß das Zwiegespräch über Antisemitismus nicht den Zweck der Befriedung und Aufklärung erfüllte. sondern eine schwere Kränkung des deutschen Judentums herbeigeführt hat? In einer Memdung, die der Direktor des EentraMrems mit dem Leiter der DerWen Welle Hütte wurde sestgestcllt, daß der zum Teil nicht sachliche Inhalt und die unerfreuliche Wirkung des Vortrages von der Deutschen Welle nicht ver-. schuldet ist. Wir haben Anlaß zn der Annahme, daß eine Fortsetzung der Diskussion siattfindet und dabei eine Vertiefung in der Gesamtdarstellung von seiten der beiden entgegengesetzten Anschauungen erfolgen wird. Der EeniraZdereln deutscher Staatsbürger MWn Glaubens hat, wie wir bereits in der vorigen Nummer dieser Zeitung nMeitten, sofort alle erforderlichen Schritte unternommen, um die Wiederholung eines solchen parteipolitischen Zwischenspiels im Aundfun! zu verhindern. Er hat an die Tagespreise nachstehende Ettlärung versandt „Im Rahmen eines Vortragszyklus „Gedanken zur Zeit", diskutierten am vergangenen Dienstag der Polizeimajor a. D. Borck, Mitglied des preußischen Landtags, und der Schriftsteller Dr. d. c. v o n O p P e l n- Bronikowski über das Thema ,.Anti - s e m i t i s m u §\ Die Verbreitung sachlicher Aufklärung über dieses viel umstrittene Problem kann jedem Freunde der Wahrheit und ehrlichen politischen Auseinandersetzung nur willkommen'sein. Die deutschen Juden wissen, daß sie in ihrem Denken und Tun das Licht der Oefsenluchkeit in jeder Beziehung vertragen könnensie sind aber durch den Verlauf dieser Rundsunkaussprache aufs schwerste enttäuscht und in ihrer Ehre auss tiefste verletzt worden. Es konnte nicht überraschen, daß der Abgeordnete Borck die üblichen judenfeindlichen Behauptungen aufstellte, während der auf konservativem Boden stehende Schriftsteller von Oppeln-Bronikowski die Einwendungen machte, die bei einem Kenner der Judenfrage zu erwarten waren. Art und Inhalt der Ausführungen des Abgeordneten Borck gingen jedoch über die Verwertung antisemitischer Argumente üblichen Charakters hinaus. Sie brachten nicht nur Unsachliches, wogegen der sachkundige Herr von Oppeln-Bronikowski richtige und aufklärende Antworten geben konnte; sie enthielten vielmehr ehrverletzende Angriffe der Art. daß gegen sie mit notigem Racksdruck und überzeugender Kraft nur einer der Angegriffenen selbst, also ein deutscher Jude, hätte antworten können. Es ist aufs höchste zu bedauern, daß dadurch die zahllosen Hörer dieses Zwiegesprächs zwar im Sachlichen bei großer Aufmerksamkeit die Möglichkeit einer Abwägung der Argumente für und wider bekommen haben; da ihnen aber die mm** 0 "ul WS JwfOngSfreae Mehrheit in Wr. C. München, den 29. April 1932. Die bayerischen Landtagswahlen haben der NSDAP, nicht den entscheidenden Sieg gebracht: wenn auch Sozialdemokratie und Bauernbund erhebliche Verluste erlitten haben, so bleibt die Bayerische Volkspartei die stärkste Partei auch des neuen Landtags und die führende Partei in Bayern. Während in Preußen eine^ Mehrheitsbildung nach links völlig ausgeschlossen ist, hat die Bayerische Volksvartei in Bayern die Möglichkeit sowohl nach links mit Sozialdemokratie und Bauernbund als auch nach rechts mit den Nationalsozialisten zu koaliieren. Sie braucht also auf Zumutungen irgendwelcher Art keinesfalls einzugehen. Dies mag bei der bekannten grundsätzlichen Haltung des politischen Katholizismus auch für diejenigen Wähler eine Beruhigung sein, die die Bayerische Bolkspartei nicht wegen ihres klerikalen Einschlags, sondern im Interesse einer stabilen Staatspolitik unterstützt haben. Man wird deshalb das innere Gleichgewicht nicht verlieren dürfen, wenn man in den nächsten Wochen von Verhandlungen der Volksparteiführer nach beiden Seiten hin hört. Auf jeden Fall werden überstürzte Entscheidungen nicht zu erwarten sein, weil man vor allem die Entwicklung in Preußen aufmerksam beobachten wird, bevor man sich in Bayern aus eine neue Bindung einläßt. Wenn man das Ergebnis der Wahlen im einzelnen betrachtet, so sind lieberrafchungen kaum festzustellen. Immer wieder bestätigt sich von neuern, daß das katholische Bayern durchweg den Nationalismus adle h n t. Man hat in Bayern 1918 und 1923 so schlechte Erfahrungen mit den Leuten gemacht, die das Blaue vom politischen Himmel herunter versprochen haben, daß man allen großen Worten gegenüber mißtrauisch geworden ist. Eine Ueberschrift, wie diejenige, die kurz vor den Wahlen im „Völkischen Beobachter" zu lesen war: „Oberbayern huldigt Hitler!" konnte deshalb in Altbayern aus kein allzu großes Verständnis stoßen. Dazu kommt, daß die katholische Geistlichkeit aus kulturpolitischen Erwägungen heraus gegen den Nationalsozialismus in scharfer Weise Stellung genommen hat. Dies gibt den katholischen Gegnern des Nationalsozialismus, auch auf dem Land, den nötigen Rückhalt. Etwas schwieriger liegen die Dinge nur in denjenigen Gegenden des Gebirges, in welchen der katastrophale Rückgang der Holz- und Viehpreise die von der Preisbildung für diese Produkte abhängigen Bauern radikalen Einflüssen leichter zugänglich gernacht hat. Die eigentliche Stärke des Nationalsozialismus liegt aber in den evangelischen Gebieten der fränkischen Kreise und der Rheinpfalz. ^Weder die Bayerische Volkspartei noch die Sozialdemokratie sind in der Lage, in diesen Gegenden der skrupellosen Hetze eines Streicher, eines S ch e in m, eines Holz und anderer vulgärnationalsozialistischer Agitatoren wirksam entgegcnzutreten. Ehristlicher Volksd i e n st und Staatspartei dringen nicht durch. So ergibt sich in einigen Städten Nordbayer-nS nnd der Pfalz die Möglichkeit, durch Neuwahlen zu den Stadtparlamcnten das städtische St eg in; ent in die Hände der Nationalsozialistischen ■ Vartci zu spielen. Der bekannte nationalsozialistische Bürgermeister von Koburg, Franz Schwede, hat dies schon für Bayreuth. K u l m b a ch und H o f angeküudigt. (fs besieht die Gefahr, das; auf diese Weise eine Reihe neuer Koburgs entsteht. Demgegenüber muß darauf hingewiesen werden, daß ein sicherer und ruhiger Kurs in der Staatspolitik in Bayern mehr als in anderen deutschen Landern gewährleistet ist. Man kann dem tatkräftigen Führer der Bayerischen Volkspartei, ^taatsrat Schaffer, zustimmen, wen er meint, es könnten Entwicklungen im Reich und in Preußen eintreten, in denen alles darauf ankommt, daß sich Bayern als der Rückhglt. einer stetigen und allen unsicheren Neuerungen abgeneigten Politik erweist. Das ist seine deutsche Ausgabe. SEÄrrhs» RechensMWel in WürüenOrrg ' Ms* Ulm, den 29. 2lpril 1932. Am 24. April d. I. wurde, wie in anderen Ländern, auch in Württemberg zum Landtag gewählt. Man war in Württemberg selbstverständlich auch darauf gefaßt, daß die Natioualsozialistische Arbeiterpartei, wie im übrigen Deutschland, einen großen Zulauf haben wird, doch hat man damit nicht gerechnet, daß die NSDAP. 23 von SO Landtagssitzen erhalten würde, nachdem sie im bisherigen Landtag nur einen einzigen Sitz innehatte. In Prozenten umgerechnet hat die NSDAP. 26,5 v. H. der Stimmen erhalten. Wenn man nun prüft, woher diese hohe Stimmenzahl kommt, so ist vor allem festzustellen, daß die EozialdemokratischePartei von ihren bisherigen Sitzen im Landtag 7 verloren hat; sie wird nur noch 14 Abgeordnete im neuen Landtag gegenüber 21 Abgeordneten im früheren -Landtag haben. Dieser Rückgang der Sozialdemokratischen Partei dürfte aber kaum ausschließlich der NSDAP, zugute gekommen sein, denn in verschiedenen größeren Arbeitergemeinden war die Wahlbeteiligung sehr schwach. Weiteren Zuschuß hat die NSDAP. wohl aus den Reihen sämtlicher anderer Parteien, mit

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