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Central-Verein-Zeitung · 1932-05-06 · 19 (6.5.1932) · p. Seite 182

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
19 (6.5.1932)
Date
1932-05-06
Page
Seite 182 (sequence 2)
Language
German
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m Lungen aus seiner hessischen Hemmt entgegcnhielt, erwiderte Borck: „Ich glaube, Sie sprachen da besonders von Hessen. Ich habe zu'älligerweift vor einigen Tagen die „Reichsheste für Statistik" in die Hände bekommen rmd habe da mal nach gesucht, wie sich unsere Haudwerterkrcife gliedern. Dabei habe ich fesigestellt, daß z. Ä. in der Provinz Hessen-Nassau allein ncummddreißigtausend und einige hundert, also fast 40 000 Schmiede vorhanden sind. Wenn ein einziges * Handwerk in einer einzigen Provinz so stark vertreten ist, dann kann man sich eineil lieberschlag wachen, wie groß unser .Handwerk im . ganzen ist. Diese vierzigtausend jüdischen Handwerker sind gewiß nur ein ganz kleiner Bruchteil davon. Und außerdem. Sie sagen ja selbst: Fleischer und Bäcker. Ja, das sind ja letzten Endes für die Juden die rituellen Berufe. Das alles widerlegt also gar nicht das, was ich vorhin behauptet habe, daß der Jude sich vom Handrver? im allgemeinen eben sernhält." Borcks Eedankengang ist deswegen irreführend, weil er folgendes nicht bedacht hat: der Jude hat sich nicht vom Handwerk serngehalten, sondern er ist von ihm serngehalten worden. Bis zur Stein-Hardenbergschen Judengesetzgebuna vom Jahre 1812 durften die Juden nicht Handwerker werden. Aber auch nachdem sie formell das Recht dazu erlangt hatten, > war ihnender Beruf tatsächlich so gut wie verschlossen; die besonders feste gesellschaftliche und beruflich Gliederung des Handwerkerstandes, verbunden mit einem ausgeprägten Judenhaß, brachte es mit sich, daß auch nach 1812 Juden ungern oder gar nicht in den Handwerkerstand ausgenommen wurden. Wenn also heute 40 OM Juden im Handwerk beschäftigt sind, was bei einer Zurechnung der Familienangehörigen etwa zu einer Gesamtzahl von 100 000 vom Handwerk abhängigen jüdischen Menschen führt, so ist das, gemessen an der historischen Entwicklung, ein besonders beachtliches Ergebnis. Es bedeutet nämlich, in einem Wort gesagt, daß ein Sechstel der j übischen Deutschen dem Handwerkerstand an gehört. Aehnlich liegt es mit dem Anteil der Juden an der L a n d w i r t s ch a f L. Auch hier muß man neben der geschichtlichen Entwicklung, die die Juden jahrhundertelang vom Grundbesitz ausschloß, den starken Judenhaß auf dem Lande berücksichtigen. Dazu kommt die Tatsache, daß der Jude auf dem Lande in religiöser Beziehung isoliert lebt und damit in der Ausübung seiner Religions- Vorschriften behindert ist. All das zusammen hat diele Juden, die es nach landwirtschaftlicher Betätigung drängt, gehindert, diesen Beruf zu ergreifen, viele Juden, die aus dem Lande ansässig waren, von der Scholle wieder in die Stadt zurückgeführt. Man darf also nicht oberflächlich mit Statistiken operieren, wenn man gerechte Urteile fällen will. Man muß vielmehr nach den Gründen forschen, die die heutigen Zustände herbcigesührt haben. Ein weiteres wörtliches Zitat aus Borcks Ausführungen hieß: „Hier in Berlin ist die ostjüdische Einwanderung besonders stark gewesen, und das Judentum hat sich nur in ganz verschwindendem Maße gegen dieses Ostjudentum gewehrt. Unsere gesamten Literaturerzeugnisse, unper ganzes — na, sagen wir einmal auf gut berlinisch: der ganze .Kursürftendaw.m-Betrieb ist doch regelrecht beherrscht von diesem ostjüdischen Einfluß, und das eingesessene Judentum, wenn es selcht schon darunter leidet, wehrt sich noch nicht einmal dagegen!" Nichtig ist: in Berlin war die ostjüdische Einwanderung stark. Sie ist zu einem nicht unerheblichen Teile aus den .ttriegscrergnissen zu erklären. Es ist bekannt, daß aus den Ostländern stammende Juden in großem Umsange zwangsweise nach Deutschland geschafft wurden, wo sie zu Arbeiten in Bergwerken, in Munitionsfabriken usw. gebraucht wurden. Nach dem unglücklichen Ausgang des Krieges konnten diese Menschen zum Teil nicht mehr in ihre alte Heimat zurück. Sie mußten versuchen, sich neue Lebensmöglichkeiten zu schaffen. Sie kamen auch nach Berlin. Es waren meist arbeitsame und willige Menschen. Neben diesen Leuten haben sich verständlicherweise auch wenig wertvolle ostjüdische Elemente breitgemacht. In der Regel wandern ja nicht die sozial Gefestigten aus, sondern solche, die nicht in der Heimat Fuß zu fassen in der Lage waren. Und es ist eine bekannte Tatsache, daß im Zustande der Verelendung der asoziale Geist leichter gedeiht. Gegen solche Elemente haben sich alle anständig Denkenden, ob Juden oder Nichtjuden, gewandt. Sie haben sie mit der gleichen Schärfe, mit der zu allen Zeiten asoziale Elemente, gleich welcher Religion, abgelehnt worden sind, bekämpft. Unschädlichmachung von Verbrechern ist Sache des Staates. Sperrt der Staat die Grenzen, so muß er eine solche Maßnahme für Einwanderer jeder Herkunft unterschiedslos treffen. Protestieren muffen wir, wenn der Staat in den ausländischen Juden von vornherein ein minderwertiges Element sehen sollte. Die Juden in den Ostländern stehen in der Regel zumindest moralisch nicht tiefer als die Eesamtbevölkerung, in deren Mitte sie leben. Sie dürfen darum, als Ganzes gesehen, nicht bester und nicht schlechter behandelt werden als diese. ' Worin Herr Borck den besonderen jüdischen Einfluß aus den „Kursürstendamm-Betrieb" sowie aus die Gesamtheit der modernen Literatur sieht, hat er nicht ausgeführt. Selbst wenn man den Begriff einmal aufnimmt und ihn mit Borck als eine Zersallserscheinung ausfaßt, so muß man sich darüber klar sein, daß es einen „Kurfürstendamm"' in allen europäischen und amerikanischen Großstädten gibt. Jede Großstadt hat ihre Laster, ihr glänzendes Elend und ihre asozialen Elemente. Bekämpfen wir diese mit aller Energie, untersuchen wir, wie diese Erscheinungen zu erklären sind, und versuchen wir, ihre Ursachen und dadurch sie selbst zu beseitigen, aber feien wir nicht so töricht zu glauben, daß dieser Kurfürstendamm-Betrieö und ein gewisser, unerfreulicher Literaturbetrieb dadurch schon gerichtet sind, daß man aus jüdische Elemente hinweist, die sich unter vielen anderen in ihm breitmachen. Besterung kann nur erzielt werden, wenn man die allgemeinen Quellen verstopft, aus denen diese unliebsamen Zeiterscheinungen immer wieder ihren Stofs beziehen; bekämpft man nur das fQüvmrg bis Eathreiag r rnfbrn mß) brivjnp/ Jüdische an ihnen, so wird das Uebel als solches weiter bestehen. Auch Herr von Oppeln hat diesen scharfen Unterschied nicht gesehen. Er hat vielmehr den Zionismus in die Debatte hincingezogen und ihn als Vorspann des Ostjudentums bezeichnet. Gewiß ist Herr von Oppeln unserer Zustimmung gewiß, wenn er die Zwei-Vaterländer-Theorie, der viele Zionisten huldigen, geißelt. Unsere grundsätzliche Stellungnahme zu diesen Fragen ist in diesen Spalten oft genug dargelegt worden. Aber auch von Oppeln sieht die Tinge einseitig. Niemals hat die zionistische Bewegung für eine Einwanderung von Ostjuden nach Deutschland geworben, niemals hat sie sie gefördert, die Verbrecher unter ihnen aber hat sie mir derselben Schärfe bekämpft, wie jede andere Bevölkerungsschicht. Das muß auch von einer Stelle aus gesagt werden, die die jüdisch-nationale Idee grundsätzlich ablehnt. Ten zweiten Teil in der Unterhaltung im Rundfunk bildete die Erörterung über Internationalismus und Nationalismus. Herr von Oppeln hat den schönen und richtigen Satz geprägt: „Ter Internationalismus gehört eben genau so wie der Nationalismus zur Politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Struktur der Menschen wie die Zentrifugalkraft und die Zentripetalkraft zur Mechanik der Himmelskörpers Durch die Bemerkungen des Herrn Borck zieht sich dagegen wie ein roter Faden der Satz: „Der Jude hat sich sofort an die Spitze des Internationalismus gestellt, um hier ferne materiellen Vorteile herausznziehcn." Allen anderen Vertretern internationaler Gedankengänge, den Katholiken sowohl wie den Sozialdemokraten, spricht er den Idealismus zu. Von den Juden aber behauptet er, ohne den Schatten eines Beweises zu erbringen, daß sie sich lediglich krassen Materialismus' willen an internationalen Bestrebungen beteiligen! Wie kommt Major Borck zu einer solchen Ungerechtigkeit und Unsachlichkeit, die. wie uns scheint, jedem seiner Hörer, auch den judenfeindlich Voreingenommenen, sofern sie noch den Willen zu objektiver Belehrung hatten, unangenehm ausgefallen sein muß. Tenn jeder von ihnen weiß, daß es unter den Juden Nationalisten wie Internationalisten, Idealisten wie Materialisten gibt. Darüber haben wir schon so oft geschrieben, daß wir es uns wirklich versagen können, hier wieder darauf einzugehen. Wir haben aus dem Zwiegespräch nur einige Punkte herausgeschült, die uns am deutlichsten zu beweisen scheinen, wie — milde gesagt — oberflächlich Herr Borck diese Diskussion geführt hat. Gnmgdtä&te Pose RM 2A5i ßroBs Tube 9Q PC Halbe Tube .45 ’U, { / £■ / r{ r<

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