Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 19 (6.5.1932)
- Date
- 1932-05-06
- Page
- Seite 181 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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s erlin, H. Mai 1932 XI. Jahrgang ♦ Nr. 19 Einzelnummer 2» Pfennig Bierteliahrsabonnsment 2.25 RM. (zuzügl. BsstellgelL). Allgemeine Zeifun£ desDudeafums Verlag und SchriftlerLung: Berlin rv 18, Enrssr Str. 42. Fernsprecher: J2 Olivn 5674. .:. Postscheckkonto: Berlin 364 72. Bankkonto: Dresdner Bank, DeposiLenkaife 6^ - Derlin^WilmersLorf 1, Hohenzollecndamm IW, und'von Soldschmidi - Rothschild <L Lo., Berlin W S. Alleinige Anzeigenannahme: Annonren-CxprdiLion Rudolf Moste, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,96 Mi für die "gespaltene Feile nach Rudolf MosseL Rormalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebots) für Mitglieder des Csntralvereins 6,43 JZM, die 62 nun breite Reklamezrilr 3,56 JUL 9 t#9 *f H ij 1H h i ’ o- . ,y \ > ArfV M/hü/I Von Ludwig Holländer o^y\ ^1©qaf\$aY*' f ii'i'l Jy/nM iOU >h ’VvWvi' ww Im Rahmen der „Gedanken der Zeit" fand am Abend des-26. April im T>eutschlandsender Königswusterhausen ein' Zwiegespräch zwischen Polizeimajor a. D. Borck, Mitglied der Deutschnationalen Fraktion des Preußischen Landtags, und Dr. von Oppeln-Bronikowski statt. Das Thema lautete „Antisemitismus". . ... Kulturpolitische Fragen standen im Mittelpunkt der Erörterung, und Dr. von Oppeln betonte am Eingang, seiner Ausführungen mit Recht, man befinde sich im Rundfunk auf einer Hochfläche oberhalb der Niederungen der politischen Tagesfragen, und so könne man rein sachlich verhandeln. Er stellte seinen Ausführungen die These voran: .. . ,T)as Judentum bildet heute im deutschen Volkskörper keinen rassisch und kulturell abgeschlossenen Fremdkörper — um einmal diesen antisemitischen Ausdruck anzuwenden. Dahin wirken heute schon die.Abschleifung und die Angleichung aller Lebensverhättniffe durch Technik und Verkehrs durch die politische Demokratisierung, schließlich durch die gemeinsame Verelendung/. - Polizeimajor Borck erwiderte: „Gewiß, Herr Professor. 3te haben ganz recht. TieJuden sind ja Zunächst ein Mischvolk aus Bvrderasiaten, Negern, Orientalen und Hammiten und stellen somit dann eine Mischraffe dar. Aber durch die ganzen Jahrtausende hat sich doch diese Mischrasse so als ein geschloffenes Ganzes erhalten, daß auch heute noch in unserem Volke der Jude als solcher absolut für uns erkennbar ist. Er stellt eben doch in unserem. Volkskörper, schon rein äußerlich durch seine Lebensgewohnheiten etwas Besonderes dar/ . . Schon diese Einleitung zeigt die Fragwürdigkeit der Zwiegespräche; sie. werden im Entscheidenden unvorbereitet der Oeffentlichkeit dargebotest. Die Leitung des Rundfunks riskiert, daß diese Gespräche der objektiven Tendenz des Rundfunks entgegenlaufen, da sie auf die Vorlage eines ausgearbeitcten Manuskripts verzichten, wenn auch unter Leitung der Deutschen Welle der Inhalt der Gespräche von den Teilnehmern vorher umrisien wird. Durch Verzicht auf eine schriftliche Niederlegung will der Rundfunk die Frische des Vortrages erhöhen. Das Zwiegespräch dient der Darstellung eines Gedankenganges von verschiedenen Eeffchtspunkten ans und will.damit die Klärung umstrittener Fragen fördern. : Zunächst müssen die Partner sich also über die tatsächlichen Ausgangspunkte ihres Themas klar werden, die als unumstritten und bewiesen angenommen werden können; sie muffen die Punkte herausfchälen, über die eine Diskussion notwendig und fruchtbar werden kann; erst dann können' sie ihre verschiedenen Gesichtspunkte Vorträgen und daraus die Schlußfolgerungen' ziehen. Nur so läßt sich eine solche Diskussion ' wissenschaftlich - unanfechtbar durchführen. Diese Voraussetzungen fehlten aber bei' der Zwiesprache Äer den Antisemitismus. Herr Borck stellte der These des Herrn von Oppeln trotz seiner scheinbaren Zustimmung im ersten Satz zwar nicht offen, aber doch ganz deutlich eiste Antithese gegenüber. Von Oppeln sagte: .„Kein Fremdkörper", Borck sagte: „Fremdkörper". Die' Erörterung über diese beiden Thesen wurde aus völlig verschiedenen Ebenen geführt. Von Oppeln sprach wissenschaftlich. Borck in der Weise der Volksversammlung. Selbstverständlich ist die Methode des Volksredners anders als die des Wiffenschaftlers. Der Volksversammlungsredner ist gewohnt, auf den unkritischen Hörer durch das Einhämmern von Behauptungen einzuwirken, der Gelehrte dagegen wägt jedes Wort ab. Stehen sich zwei solche Redner im Zwiegespräch gegenüber, so entsteht für den Hörer ein falscher Zusammenklang. Die Wucht des Schlagwortes übertönt den Gelehrten. Stützt sich dann der Volksversammlungsredner noch auf vorwiegend unvollständiges bzw. unbewiesenes Material, das dem Arsenal von Leuten entnommen ist, die nicht eine gediegene Erörterung, sondern eine Maffensuggestion bezwecken, so übt die bestgemeinte Zwiesprache eine einseitige, unter Umständen sogar verhetzende Wirkung aus. Die im folgenden wiedergegebenen Beispiele mögen diese Tatsache erläutern. Borck führte u. a. aus: „Die jüdische Religion ist ja an sich teilweise ausgesprochen christenfeindlich. man kann sogar sagen: christen hassen d/ Diese Aeußerung muß auf das entschiedenste zurückgewiesen werden. Wir erwarten, daß Herr Borck versuchen wird, den Berveis für diese vor den Ohren Tausender ausgestellte Behauptung zu erbringen. Irgendwelche Gegner der Juden erklärten zwar, in alten rabbinischen Schriften befänden sich Stellen, die gegen das Christentum gerichtet seien, diese Behauptungen sind aber längst überholt und die Anschauung, „die jü - dische Religionseichristenhassend". ist so absurd, daß Herr Borck sie widerrufen mutz, wenn er sich als der Mann erweisen will, für den wir ihn trotz allem halten: für einen anständigen und ehrenwerten Mann. Auch in seinen weiteren Ausführungen hat Major Borck wichtige Behauptungen ausgestellt, die zunächst einer Nachprüfung unterzogen werden müffen. Soweit dabei das Gebiet, das das sogenannte „Soldatische" umfaßt, von Herrn 'Borck behandelt worden ist, wird der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, in besten ureigenstes Gebiet diese Angelegenheit fallt, Herrn Borck antworten. Ter R. j. F. hat bereits eine Protesterklärung an die Presse versandt und einen Brief an die Leitung des Rundfunks gerichtet, in dem es heißt: ... . . Dieser Protest bezieht sich von uns aus besonders auf diejenigen Punkte der Ausführungen des Herrn Borck, die die nulltärischen Leistungen, die Kriegstüchtigkeit und die vaterländische Gesinnung der jüdischen Soldaten zum Gegenstände haben. Die vollkommen unbegründeten Behauptungen ^von den Beförderungsmöglichkeiten jüdischer Soldaten vor dem Kriege, von der Verteilung jüdischer Soldaten auf den eigentlichen Frontabschnitt und aus das Etappengebiet, die befremdlichen Aeußerungen über Rathenau und das Verhältnis, das deutsche Juden zu ihm genommen hätten, und die völlig irrigen Ausführungen über das innere Verhältnis der deutschen Juden zu ihrem Vaterland mußten jeden jüdischen Frontsoldaten, der für sein Vaterland gekämpft und geblutet hat. aufs tiefste empören. Gerade wir jüdischen Frontsoldaten empfinden es als beleidigend im höchsten Maße, wenn man uns. die wir unsere Pflicht für die Volksgemeinschaft erfüllt haben, in dieser Weise mit Hilfe eines vom Staate beaufsichtigten und dem ganzen Volke dienenden Ausklärungsorgans zu beleidigen wagen darf . . / Weiter: Herr Borck macht den Juden den Vorwurf, sie seien im Handwerk und im schaffenden Mittelstände zu wenig vertreten. Als von Oppeln demgegenüber von 40 000 jüdischen Handwerkern sprach, einer Zahl, die aus einer alten Berussstatistik aus. dem Jahre 1907 stammt, und als er ihm weitere Beobach- Vor der Regierungsbildung in den Landern Seite 183